Was tun in Disentis: Fünf Vorschläge für Naturliebhaber

Graubünden ist ein wahres Outdoor-Paradies. Das gilt natürlich auch für die obere Surselva, die wie geschaffen ist für Naturliebhaber und Aktivreisende. In diesem Beitrag möchte ich dir fünf Dinge vorschlagen, die du im Bündner Oberland in und um Disentis unternehmen und besuchen kannst.

Wer meinen Blog schon länger liest, der weiss, dass ich ein grosser Fan des Bündnerlands bin. Ich mag die gemütliche Atmosphäre mit dem freundlichen Dialekt, aber natürlich auch die atemberaubende Bergwelt mit den oftmals sehr schönen Dörfern und nicht zuletzt die leckere Küche.

In diesem Sommer verbrachte erneut ein paar Tage im „grössten Kanton der Welt“. Für einen Beitrag in einem Reisemagazin recherchierte ich in der oberen Surselva, dem sogenannten Bündner Oberland, über die reichhaltigen Bodenschätze, die die Region zu bieten hatte. Allen voran Gold und Kristale, die es hier tatsächlich in Hülle und Fülle gibt.

Was ich in meinen fünf Tagen in und um Disentis erlebte und wieso ich die Aktivitäten empfehlen kann, davon schreibe ich in diesem Artikel. Wenn du noch weitere Ideen hast oder findest, dass ich etwas vergessen habe, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

Auch interessant: Wandern auf der Via Engiadina

 

Tipp 1: Kristalle suchen

Das Gebiet zwischen Disentis und der Rheinquelle gehört schweizweit zu den ergiebigsten Fundorten von kristallinen Gesteinen. Was spricht also dagegen, dass du dich selber einmal auf die Sache nach Quarzen machst und dabei die atemberaubende Natur geniesst? Die Steine findest du nämlich vorwiegend weit ab der Zivilisation in den schönsten Höhenlagen. Will heisst: Selbst wenn das Finderglück nicht mitspielt, hast du immer noch die Aussicht.

Wir sind mit der Seilbahn von Sendrun zur Coulm da Vi hochgefahren, von wo wir in etwa einer Stunde zu einem Ort wanderten, von dem unser Bergführer meinte, dass die Chancen auf einen Fund recht gut stehen. Leider spielte an jenem Tag das Wetter nicht mit und die anfängliche Euphorie flachte mit zunehmender Nassheit der Kleidung etwas ab. Aber immerhin: einen kleinen Kristall fanden wir.

Wenn du kein fundiertes Wissen über die geologischen Prozesse im Boden mitbringst, dann bist du vermutlich besser beraten, dich einer Strahler-Tour anzuschliessen. Zum einen bekommst du so die wichtigen Werkzeuge wie Strahlerstab, Schaufel sowie Hammer und Meissel gleich mitgegeben, die du im Gelände brauchst. Zum anderen erhöht das geübte Auge des Profis eben auch die Chance, dass du am Ende tatsächlich ein paar Kristalle mit nach hause nehmen kannst.

Es gibt verschiedene Anbieter, die während der Sommermonate wahlweise Privat- wie auch Gruppentouren durchführen. Wir waren mit muntognas.ch unterwegs und sehr zufrieden. Eine Strahler-Tour ist auch eine geeignete Aktivität für Familien mit Kinder. Quasi Sandkasten 2.0. Falls du einfach nur sehen willst, welche Schätze der Berg zu bieten hat, kannst du dir das kleine Museum Cristallina in Disentis anschauen. Beachte unbedingt die eingeschränkten Öffnungszeiten.

Von der Kuolm da Vi ging es über Stock und Stein zu einer erfolgsversprechenden Stelle.
Solche Einschlüsse in den Felsen deuten darauf hin, dass sich eine Kluft mit Kristallen in der Nähe befinden könnte.
Mit dem Pickel gilt es, harte Gesteinsmassen zu lockern.
Unser Bergführer zeigt, wie grosse die Kristalle hier oben sein können.

 

Tipps 2: Gold suchen

Nicht nur Kristalle lassen sich in der Surselva finden, sondern auch jede Menge Gold. In den umliegenden Bergen werden grössere Depots vermutet, aus denen der Regen immer mal wieder das eine oder andere Nugget ausspült. Die erfolgsversprechenden Stätten liegen rund um den Zusammenfluss des Mittel- und des Vorderrheins, wo vor über zwanzig Jahren übrigens auch das mit 123 Gramm bisher grösste Goldnugget der Schweiz gefunden wurde.

Wie zuvor beim Strahlen erwähnt, lohnt es sich auch beim Goldschürfen, zuerst die Grundlagen in einem Kurs zu erlernen. Wichtig zu wissen ist etwa, dass sich das Gold wegen der Wasserverwirbelungen bevorzugt hinter grösseren Steinen sammelt. Und anders als bei der Suche nach den Kristallen sind auch gewisse mechanische Fähigkeiten entscheidend. Die Gefahr ist nämlich gross, dass man bei einem falschen Umgang mit der Waschpfanne bereits gefundene Goldstückchen wieder verschüttet.

Wir hatten unsere Einführung bei Gold-Gusti. Das lokale Orginal hat sein ganzes Leben der Suche des Edelmetalls verschrieben und schon in zahlreichen Ländern geschürft. Nach einer kurzen, aber interessanten Einführung begaben wir uns an eine Flusskrümmung und bauten dort unsere Goldwaschrinne auf. Das rund einen Meter lange Gerät nutzt die Strömung des Flusses, um das Schürfen effizienter zu machen. Wenn Winkel und Gefälle passen, sinkt das schwere Gold in der Rinne ab während Sand und Steine hindurchgespült werden. Eine anstrengende Arbeit ist es trotzdem, Eimer um Eimer in die Schleusse zu schütten.

Bis am Abend hatten wir so tatsächlich ein paar kleine Goldkörner zusammen, die allerdings finanziell kaum etwas einbringen würden und gerade einmal einen niedrigen zweistellingen Frankenwert haben. Gelohnt hat sich die Suche aber trotzdem. Zum einen wegen der wunderschönen Umgebung, zum andern aber auch, weil die Spannung immer gross war, ob nicht doch etwas Grösseres auftaucht.

Was noch wichtig zu wissen ist: Wer sein eigenes Equipment hat (oder es bei Gold-Gusti mietet) sollte beachten, dass Goldwaschen nur zu gewissen Jahreszeiten und nur an wenigen Orten erlaubt ist.

In diesem Teil des Vorderrheins ist das Goldwaschen erlaubt.
Beim Einfüllen der Goldwaschrinne.
Schwere Teile wie Gold sinken in der Goldwaschrinne ab. Da macht die Suche nach Gold effizienter.
Klassischer ist jedoch das Goldwaschen mit einer Goldwaschpfanne.

 

Tipp 3: Wanderung zur Rheinqulle

Die vermutlich bekannteste Wanderung der Region führt vom Oberalppass über den Pazolastock zur Rheinquelle. Auf der wunderschönen Rundroute legst du etwa zwölf Kilometer und gut 1500 Höhenmeter (jeweils 750 aufwärts und danach nochmals so viel wieder abwärts) zurück. Auch wenn beim Rheinquelle-Trail die Strecke in wenigen Stunden durchgejoggt wird, solltst du besser einen ganzen Tag einplanen. Wir brauchten mit Pausen ungefähr acht Stunden.

Was die Wanderung so speziell macht, ist ihr Abwechslungsreichtum: Die Strecke führt zunächst über alpine Wiesen mit kleinen Tümpeln, anschliessend über ein steiles Geröllfeld und einen Bergkamm mit grossartigen Aussichten. Anschliessend geht es an den Badushütte und einem kleinen Bach vorbei, der später zum Rhein anwächst, hinab zum Tomasee. Hier findest du meine detaillierte Routenbeschreibung für die Rheinquellen-Wanderung.

Kleiner Tipp: Falls dir nach der Wanderung die Beine wehtun, lohnt sich ein Abstecher ins Bogn Sedrun. Das lokale Schwimmbad verfügt über einen kleinen, aber hübsch eingerichteten Wellnessbereich mit verschiedenen Bädern, Saunen und Massage-Möglichkeiten. Bitte nicht mit dem angegliederten Hallenbad verwechseln, das etwas in die Jahre gekommen ist.

Wilde Landschaft auf der Wanderung zur Rheinquelle
Der steile Aufstieg zum Pazolastock
Blumen am Ufer des Tomasees.
Der hübsche Tomasee gilt als Quelle des Rheins.

 

Tipp 4: Entspannungswandern auf Disentiser Hausberg

Wenn dir die Wanderung zur Rheinquelle zu anstregend ist, kannst du auch einen einfacherer Weg wählen und quasi auf dem Hausberg von Disentis spazieren. Die hier vorgestellte Route dauert offiziell etwas mehr als zwei Stunden, wir waren allerdings mit Pausen und Fotostopps einen halben Tag unterwegs.

Die Wanderung beginnt mit der Seilbahn von Disentis, die dich in wenigen Metern nach Caishavedra bringt. Hier gibt es ein grandioses Panorama-Restaurant. Wären wir nicht direkt vom Frühstück gekommen, hätten wir uns hier bestimmt einen Kaffee oder eine „heissi Schoggi“ gegönnt. Vom Restaurant führen zwei Wege wieder nach unten. Der schnellere liegt zur rechten Hand (Blickrichtung: Tal im Rücken) und soll nicht so spannend sein. Wir wanderten stattdessen über Bostg zurück ins Tal.

Die erste Hälfte der Stecke folgt parallel der Berghöhe und ist insgesamt sehr angenehm und entspannt zu gehen, ohne dass man dabei auf ein schönes Panorama verzichten müsste. Die zweite Hälfte führt teilweise recht steil hinab – wer den Abstieg vermeiden möchte, kann auch geradeaus weiter zur Kuolm Da Vi und vor dort aus, mit der Seilbahn ins Tal.

Der Blick ins vordere Rheintal ist das Highlight dieser Wanderung.
Die erste Stunde ist nahezu flach und sehr entspannt zu gehen.
Zahlreiche Blumen säumen den Weg
Ausblick auf die Berge.

 

Tipp 5: Das Kloster Disentis

Disentis ist ein kleines Bergdorf mit rund 2000 Einwohnern, das ziemlich unscheinbar wäre, wenn da nicht ein gewaltiges Barock-Kloster wäre. Die Benediktiner-Abtei wurde im 7. Jahrhundert gegründet, präsentiert sich heute aber im Zustand des 17. Jahrhunderts.

Besonders schön ist die in hellen Tönen gehaltene und mit Gold dekorierte Klosterkirche am östlichen Rand des Klosters. Sie solltest du auf alle Fälle besuchen. Ebenfalls sehenswert ist das kleine Museum, das sich über zwei Stockwerke erstreckt. Interessanter sind die Schauräume über die wechselhafte Geschichte des Klosters. In der ersten Etage erfährt man einiges zur Naturgeschichte der Region entschliesslich Flora und Fauna und einer kleinen Mineralien-Ausstellung.

Es ist ausserdem möglich, im Kloster zu übernachten, was ich an dieser Stelle gerne empfehle. Die Zimmer sind hell und überraschend gross, das Frühstücksbuffet ist klein, aber sehr lecker, und die Ruhe in den alten Hallen ist einfach göttlich. Einzig der Fernseher fehlt – und das ist auch gut so. Mehr zum Übernachten im Kloster findest du hier.

Die Benediktiner Abtei ist die wichtigste Sehenswürdigkeit von Disentis.
Die schlicht dekorierte Klosterkirche.
Die Bündnerstube Stiva Grishuna ist das vielleicht schönste Haus der ganzen Ortschaft.

 

Fazit

Wer gerne in der Natur aktiv ist, für den ist diese Ferienregion eine wahre Goldgrube – sowohl im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn. Vor allem aber eignen sich viele der hier vorgestellten Aktivitäten auch für Familien mit Kindern. Für mich war es auf jeden Fall eine schöne Gelegenheit, wieder einmal eine meiner liebsten Regionen der Schweiz zu besuchen.

Disclaimer: Die Reise wurde unterstützt von Graubünden Ferien. Der Bericht spiegelt vollkommen meine persönliche Erfahrung wider.

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