Wanderung zur Rheinquelle: Lass dich von 12 Bildern inspirieren

Lust auf alpine Landschaften, grandiose Aussichten und einen geographischen Hotspot? Dann kann ich dir die Wanderung zur Rheinquelle über den Pazolastock ans Herz legen. Wieso, das versuche ich in diesem Artikel mit genau zwölf Bildern zu belegen.

Der Zugang zum Rheinquellentrail ist kaum zu übersehen: Am Ende eines weitläufigen Parkplatzes und nur wenige Meter oberhalb der Bahnstation Oberalppass wird er durch einen roten Leuchtturm markiert. Er ist ein Symbol für die Verbindung zwischen Anfang und Ende des Rheins, erläutert ein Schild an seiner Seite.

Das Vorbild befand sich demnach rund 1232 Kilometer flussabwärts in Rotterdam und führte die Seefahrer einst auf den Fluss, der bis heute eine der wichtigsten Wasserstrassen Europas ist. In normalen Jahren lohnt sich der Besuch des kleinen Büros des Fremdenverkehrsamts, wo man sich mit allerhand weiterführenden Informationen zur Region eindecken kann. Wir lassen den Leuchtturm links liegen.

Der Weg steigt zunächst sanft an und führt über tiefgrüne Alpweiden zu kleinen Teichen. Immer wieder halte ich an, um die zahlreichen Blumen zu fotografieren, die am Wegrand stehen. Besonders schön sind die blühenden Enziane. An diesem Wochenende ist viel los. Vor und hinter uns sind zahlreiche Wanderer unterwegs, was sicherlich auch am hervorragenden Wetter liegt.

Immer wieder stossen wir auf alte Mauern. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren hier Schützengräben ausgehoben worden, um im Falle eines Kriegs die militärisch wichtige Passstrasse zu schützen. Als ein paar Jahrzehnte später tatsächlich die Waffen sprachen, waren die Anlagen bereits heillos veraltet. Heute sieht man nur noch das Fundament. Die Mauern sind aber wegen der grandiosen Aussicht auf die Bergkullisse ein hervorragender Ort für eine Pause.

Leuchtturm auf dem Oberalppass
Wanderung zur Rheinquelle: Der Einstieg zum Rheinquellentrail befindet sich hinter diesem Leuchtturm und ist leicht zu finden.
Wanderung zur Rheinquelle
Der erste Teil des Wegs steigt sanft auf – immer mit Blick auf die Passstrasse.

Kleine Teiche säumen den Weg in die Höhe.

 

Auf dem Felsweg zum Pazolastock

Allmählich beginnt sich die Landschaft zu verändern. Die grünen Weiden verschwinden. Der gemütliche Spaziergang vom Anfang verwandelt sich in einen immer anspruchsvolleren, steinigeren Pfad. Eine Serpentine nach der anderen schraubt er sich über ein Geröllfeld in die Höhe. Mit jedem Schritt wird die Aussicht atemberaubender.

Atemberaubend ist auch der anstrengende Weg. Immer wieder müssen wir anhalten, um Luft zu bekommen. Der steile Weg hat aber auch seinen Vorteil: Wir gewinnen rasch an Höhe. Dieser Abschnitt führt uns nämlich ziemlich direkt zur höchsten Stelle der heutigen Wanderung: dem Pazola-Stock.

Sein Gipfel liegt auf 2739 Meter über dem Meeresspiegel und ist mehr als 700 Höhenmeter über dem Parkplatz auf den Oberalppass, wo wir am frühen Morgen gestartet sind. Der Gipfel ist erstaunlich flach und bietet einen beeindruckenden Rundumblick auf die umliegenden Gipfel. Viele Wanderer packen hier ihr Mittagessen aus. Wegen des starken Winds machen wir nur einen kurzen Stopp und gehen bald weiter.

Immer wieder stossen wir auf geheimnissvolle Mauern…
Blau blüht der Enzian
Der Wanderweg zur Rheinquelle: Immer steiler führt er hoch zum Pazolastock.

 

Die Gratwanderung

Erneut ändert der Weg seine Beschaffenheit. Vom Pazolastock aus bleiben wir eine Weile auf der Höhe und wandern über einen Bergrücken. Der Kamm ist ziemlich breit und fällt erst danach steil ab – so als wolle die Natur einen Schneisse schaffen, die auch für Wanderer mit Höhenangst begehbar ist. In der Tiefe glaube ich Andermatt zu erkennen.

Nach einem weiteren kurzen Aufstieg, der uns auch über ein kurzes Schneefeld führt (was mich angesichts der sommerlichen Temperaturen im Juli tatsächlich etwas überrascht hat) führt der Weg an seltsam silbrig schimmernden Felsbrocken vorbei.

Nach vielleicht einer Stunde zeigt plötzlich ein grosser aufgemalter Pfeil, dass es nun wieder nach unten geht. Dieser Abschnitt ist vermutlich der Steilste der ganzen Rundwanderung. Trotzdem empfinde ich den Abstieg als recht angenehm – wohl auch weil ich weiss, dass uns bald ein kühles Getränk und eine richtige Toilette in der Badushütte erwarten.

Bizarre geformte Felsen gehören auf der Wanderung zur Rheinquelle einfach dazu.
Blick auf die Urner Alpen des Gotthardmassivs.
Willkommene Abwechslung: Einkehren in der Badushütte.

 

Von der Badushütte zum Tomasee

Wer die Wanderung zur Rheinquelle auf zwei Tage verteilen möchte, der kann in der 1967 erbauten SAC-Hütte übernachten. Wir haben sie nur von aussen gesehen, fanden aber, dass das eine schöne Alternative zur etwas stressigen Rundwanderung wäre. Da das hiesige Wandergebiet sehr beliebt ist und die Badushütte nur gerade 20 Schlafplätze bietet, sollte man vor allem an Wochenenden so früh wie möglich reservieren.

Die Hütte ist übrigens auch der Schauplatz von verschiedenen Begegnungen mit dem so genannten Pazola-Männchen – ein alter Steingeist, der nachts an die Hütte klopft, wenn ihn laut feiernde Wanderer stören. Daher: Wer in der Hütte übernachtet und sich vor Geistern füchtet, der sollte besser nur flüstern.

Von der Hütte geht es weiter steil bergab in Richtung Tomassee. Ich bin überrascht als plötzlich neben mir ein kleiner Bach plätschert und frage mich, ob das bereits der Rhein ist. Er führt hinab in eine kleine Hochebene, wo es über ein Grasfeld mäandert und schliesslich in den Tomasee fliesst. Ich setze mich auf eine Steinplattform und geniesse die wunderschöne Umgebung. Das Ziel ist erreicht.

Blick auf den Tomasee, der allgemein als Quelle des Rheins gilt.
Am Ufer blühten unterschiedliche Bergblumen.
Der letzte Abschnitt des Abschnitts zieht sich, ist aber ziemlich entspannt.

 

Wo befindet sich die Rheinquelle wirklich?

Der Tomasee gilt gemeinhin als Rheinquelle und der hier vorgestellte Rundweg als Wanderung zur Rheinquelle. Als ich mich mit der Bestimmung von Flussquellen auseinanderzusetzen begann, musste ich bald feststellen, dass gar nicht so klar ist, ob die Bezeichnung überhaupt angebracht ist.

Als Daumenregel gilt nämlich: Wenn man die Quelle eines Flusses bestimmen will, folgt man flussaufwärts beim Zusammentreffen zweier Fliessgewässern jeweils dem grösseren Zubringer. Doch gerade beim Rhein sorgt das für Verwirrung. Denn während der Vorderrhein tatsächlich etwas länger ist als der Hinterrhein, führt er eine etwas geringere Wassermenge.

Doch selbst wenn man die Länge der Flüsse zu Grunde legt, wäre nicht der Rein da Tuma, an dem sich die Tomasee befindet, der längste Zufluss, sondern der Rein da Medel, der einige Kilometer entfernt seinen Anfang nimmt. Alternative Kriterien wären auch die Höhe der Quelle oder die Grösse des Einzugsgebiets, bei denen man ebenfalls an einen anderen Ort kommt.

Das zeigt dann auch, dass die Geschichte oft wichtiger ist eine geographisch solide Begründung. Denn der Tomasee gilt schon seit Jahrhunderten als die Rheinquelle – zu einer Zeit, als die technischen Hilfsmittel für eine genaue Bestimmung noch nicht existierten. Unabhängig davon finde ich aber, dass sie die Wanderung zur Rheinquelle lohnt – egal, ob man sie nun in Anführungszeichen setzen will oder nicht.

Praktische Tipps

Anreise: Die Wanderung zur Rheinquelle ist hervorragend erschlossen. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn bringt Wanderer direkt zum Start- und Endpunkt des Rundwegs und macht bereits die Anreise zu einem Erlebnis. Für Autofahrer gibt es einen grossen Parkplatz, wo es gegen eine entsprechende Parkgebühr auch möglich ist, das Fahrzeug bis zu fünf Tage stehen zu lassen. Man sich also auch richtig Zeit lassen.

Dauer: Der gesamte Wanderweg erstreckt sich über ungefähr elf Kilometer. Dabei sind etwas über 700 Höhenmeter zum Pazolastock und noch einmal so viel beim anschliessenden Abstieg zurückzulegen. Offiziell dauert die Wanderung ungefähr fünf Stunden, wir brauchten allerdings mit Pausen und vielen Fotostopps fast acht. Wem das zu viel ist, der kann entweder den direkten Weg zum Tomasee wählen, bei den nur halb so viele Höhenmeter anfallen oder in der Badushütte übernachten.

Unterkunft: Da es auf der ganzen Strecke so gut wie nirgends Schatten gibt, empfieht es sich, möglichst früh aufzubrechen, um nicht durchgehend der starken Sonne ausgesetzt zu sein. In der Umgebung gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten. Wir waren im Kloster Disentis untergebracht, das auch gewöhnlichen Touristen schöne Zimmer anbietet. Mehr dazu hier. Das würde ich jederzeit wieder so machen.

Disclaimer: Die Reise wurde unterstützt von Graubünden Ferien. Der Bericht spiegelt vollkommen meine persönliche Erfahrung wider.

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14 Kommentare

    1. Hi Thomas,
      ja das stimmt, die Via Mala ist am Hinterrhein und steht bei mir auch schon lange auf der Liste. Warst du mal dort?
      Gruss,
      Oliver

  1. Hey Oliver,

    die Impressionen machen echt Lust, zu den Rheinquellen zu wandern. Das Thema passt sogar ganz gut zu meinem aktuellen Roundup zu Flüssen & Seen in Europa. 🙂

    LG aus Graz, Janine

  2. Schöne Wanderung und schöne Bilder.
    Wir hatten eigentlich geplant, im Juli in der Schweiz unterwegs zu sein. Leider kam dann einen Tag davor ein Unfall dazwischen. Jetzt hat das endlich auch einen Vorteil: Die Tour kann ich auf die ToDo-Liste setzen, wenn wir die Reise dann nachholen.

    1. Hi Gerfried,

      vielen Dank für die netten Worte. Die Tour war für einen Gelegenheitswanderer recht anstrengend und als ich dann wieder unten beim Parkplatz war, habe ich mir gedacht: Jetzt ein Wohnmobil haben und etwas die Beine ausstrecken, das wärs! Da hast du einen Vorteil… 🙂

      Was ich an der Wanderung auch noch cool finde: Wenn Du eine Rundreise durch die Schweiz machst und dabei ins Tessin und/oder Bündnerland fährst (was ja eigentlich fast ein Muss ist), dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass du sowieso irgendwann über den Oberalppass kommst. Die Wanderung lässt sich also auch super in ein Rundreiseprogramm einbauen, wenn du nicht unbeschränkt viel Zeit zur Verfügung hast.

      Gruss,
      Oli

    1. Das lohnt sich schon, finde ich. Von Konstanz wäre es aber noch ein rechtes Stück gewesen… Mach es lieber das nächste Mal, wenn du eh in der Region unterwegs bist. Die Wanderung lässt sich hervorragend mit ganz vielen anderen Dingen verbinden.

    1. Hallo Ingrid,

      ja, die Wanderung ist anstrengend. Aber ich habe auch keine besonders gute Kondition und es trotzdem geschafft. Das geht schon. Und wie gesagt: Man kann das auch ganz gut in der Hütte unterbrechen.

      Gruss,
      Oli

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