Salzburger Almenweg: Die geballte Ladung Bergglück

Schroffe Gipfel, grüne Wiesen und jede Menge idyllische Berghütten: Das ist der Salzburger Almenweg. Wenn du eine mehrtägige Hüttenwanderung bei maximaler Planungsflexibilität unternehmen willst, dann findest du in den Alpen kaum eine besser geeignete Gegend.

Heute möchte ich eine Gegend vorstellen, die in Österreich recht bekannt ist, aber ausserhalb des Landes viel zu wenig beachtet wird. Die Rede ist vom Salzburger Almenweg. Das ist ein rund 350 Kilometer langer Rundwanderweg, der dich in 31 Tagesetappen durch die wundervolle Bergwelt des Salzburger Pongaus führt.

Ich verbrachte im vergangenen Herbst drei Tage auf jenem Teil der Route, die durch das Grossarltal führt und war einmal mehr von der österreichischen Bergwelt begeistert. Im Nachhinein ist es schwer zu beurteilen, ob es das schöne Herbstwetter oder die grandiose Landschaft war, die mich fest versprechen liess, in den kommenden Jahren noch weitere Teile des Wegs zu erkunden.

In diesem Artikel erzähle ich dir, wieso der Salzburger Almenweg für mich zu den schönsten Fernwanderwegen Europas gehört, beschreibe den Teil der Route, auf dem ich gewandert bin, und gebe wie immer am Ende  ein paar praktische Tipps für die Planung deiner Reise.

 

Wieso der Salzburger Almenweg?

Keine Region in Österreich hat eine höhere Dichte an Almen als das Salzburgerland. Von den 1.800 Almhütten sind rund 550 Hütten für Wanderer geöffnet und bieten Speisen oder gar die Möglichkeit zur Übernachtung an. 170 davon befinden sich in unmittelbarer Nähe des hier besprochenen Weitwanderwegs.

Man muss sich das einmal vorstellen: Auf der 350 Kilometer langen Route befinden sich 170 Hütten! Das heisst, sie liegen im Schnitt etwa zwei Kilometer voneinander entfernt. Auch wenn die Hütten selbstverständlich nicht ganz so gleichmässig verteilt sind, konnten wir unsere Route trotzdem so einrichten, dass wir jeweils irgendwo zum Mittagessen einkehren konnten und daher kaum Proviant schleppen mussten.

Da sich problemlos kürzere oder flachere Teilabschnitte planen lassen, ist die Route auch ideal für Kinder oder Menschen mit mässiger Kondition. Hinzu kommt, dass einige Almen über Strassen zugänglich, so dass du dich gegen einen Aufpreis mit dem Taxi (Fahrverbot/Schranken für Privatfahrzeuge) an vielen Stellen recht weit hochfahren lassen kannst.

Trotzdem ist die Route nicht ganz ohne. 90 Prozent der Strecke liegen auf einer Höhe von 1000 bis 2000 Metern über Meer. Nur selten ist es unumgänglich, ins Tal abzusteigen. Wenn du also Zeit und Lust hast, kannst du praktisch die ganze Strecke in den Bergen zurücklegen und in der Zeit von Alm zu Alm wandern.

Apropos Almen: Die sind sehr unterschiedlich. Während manche Hütten sehr rustikal sind und du durch die Ritzen im Boden die Kühe im Stall sehen kannst, verfügen andere über alle Bequemlichkeiten der modernen Welt, wie zum Beispiel eine warme Dusche. Ich empfehle daher bei der Planung möglichst abzuwechseln.

Um also die eingangs gestellte Frage zu beantworten, wieso es sich lohnt, auf dem Salzburger Almenweg zu wandern: Einerseits sprechen dafür die genannten praktischen Gründe, zum andern ist die Gegend aber azcg wirklich wunderschön. Davon werden dich vermutlich die 16 Bilder in diesem Text überzeugen.

Der Salzburger Almenweg bietet traumhafte Aussichten.

 

Meine Route auf dem Salzburger Almenweg

Tag 1: Schroffe Berge und Seenblick

Nach dem leckeren Frühstück fahren wir im Taxi in etwa 20 Minuten zur Hallmoosalm bei Hüttschlag, wo eine Schranke den Beginn des Wandergebiets markiert. Von hier aus gehen wir zunächst auf einem breiten Kiesweg und anschliessend einem Fusspfad zur hübsch gelegenen Karteisalm hoch. Sie wird nicht bewirtschaftet. Trotzdem gibt es hier gute Sitzmöglichkeiten. Wir packen unsere Brote aus, die wir zuvor im Hotel zusammengestellt hatten.

Das Gelände ist hier offen. Unser Weg führt an mit Sträuchern und Lärchen bewachsenen Hügeln vorbei. Obwohl die Sonne auf uns herabbrennt, ist der Boden an einigen Stellen so durchnässt, dass wir kleine Umwege gehen müssen, um unsere Schuhe nicht total schmutzig zu machen. Ein Unterfangen, das aber auf Dauer nicht wirklich Erfolg mit sich bringt.

Ab dem Karteistörl verändert sich der Weg. Es wird alles viel felsiger und im Hintergrund werden massive Berge und der malerische Tappenkarsee sichtbar. Wer mag, kann zum See hinunterwandern, wo es eine schöne Hütte mit Essens- und Übernachtungsmöglichkeit gibt.

Wir entschliessen uns aber, auf dem Grad direkt vom Karteistörl Richtung Draugsteintörl zu wandern. Eine Entscheidung, die wir nicht bereut haben: Die Top-Ausblicke vom Kamm waren für mich nicht nur in kartografischer Hinsicht der Höhepunkt unserer Wanderung.

Von nun an geht es auf einem breiteren Weg bergab zur Draugsteinalm, wo wir in der Steinmannhütte für die Nacht einkehren. Die Hütte verfügt über eine malerische Terrasse mit umwerfender Aussicht. Der Massenschlafsaal ist einfach, aber sauber. Ein starker Geruch aus dem Stall darunter erinnert daran, dass wir uns auf einem landwirtschaftlichen Betrieb befinden. Der Vorteil davon: Das Essen wird fast ausschliesslich aus Zutaten zubereitet, die auf genau dieser Alm produziert wurden. Noch regionaler geht es kaum.

Erster Stopp zur Orientierung auf der Karteisalm.
Auf einem schmalen Pfad geht es immer weiter nach oben.
Nachdem wir den höchsten Punkt erreicht haben, blicken wir hinab auf den Tappenkarsee.
Nicht nur in geographischer Sicht ein Höhepunkt: Die Wanderung über den Kamm zum Draugsteintörli.

 

Tag 2: Flache Hänge und der grosse Abgrund

Nach einem einfachen, aber leckeren Frühstück arbeiten wir uns am nächsten Morgen unter dem Gipfel des Draugsteins langsam in die Höhe zum Filzmoossattel. Hier ist das Gelände trocken und nur spärlich mit Gras bewachsen. Bei der tollen Aussicht lohnt es sich, immer wieder anzuhalten und über die Schulter ins Tal zu blicken. Wir brauchen daher auch deutlich länger, als in der Wanderbeschreibung angegeben.

Wenn du genügend Energie hast, kannst du in einer bis zwei Stunden den Draugstein besteigen. Wir lassen ihn aber rechts liegen und wandern vom Pass gemächlich zur Filzmoosalm hinab. Dieser Abschnitt führt durch eine schöne, abwechslungsreiche und beinahe schon wilde Gegend, wo wir in der Ferne (vermutlich) ein Murmeltier sehen und in der Nähe eine besonders fette Kröte.

Sobald du auf der Filzmoosalm ankommst, befindest du dich wieder mitten in der Zivilisation. Davon zeugt zum Beispiel der volle Parkplatz, aber auch die etwas grössere Speisekarte mit lokalen Spezialitäten. (Die Knödel sind zu empfehlen.) Hier kannst du übernachten, es ist aber auch locker möglich, in etwas mehr als einer Stunde zur Loosbühelalm weiterzuwandern.

Auf diesem Abschnitt führt der Weg relativ parallel einen Steilhang entlang. Auch wenn dieser Teil nicht anstrengend ist, solltest du trotzdem trittsicher und einigermassen schwindelfrei sein. Denn an mehreren Stellen bewegst du dich auf einem schmalen Pfad zwischen einer Wand und dem Abgrund. Für mich war dies der abenteuerlichste Abschnitt.

Den Abend verbringst du am besten auf der Loosbühelalm. Das grosse Haus verfügt über einen hohen Komfort mit warmen Duschen und einer richtigen Toilette. Beim Essen hast du eine tolle Auswahl.

Wundervoller Ort zum Übernachten: Die Steinmannhütte.
Der Höhenweg in der Nähe des Filzmoossattels.
Fund am Wegrand: eine fette Kröte.
Zur Loosbühelalm geht es durch steiles Gelände.

 

Tag 3: Moorseen und der Abstieg

Heute kannst du ausschlafen, da der Rest der Route kurz ist. In etwa einer Stunde gelangst du zur Weissalm. Hier solltest du unbedingt einkehren und dir das Gebäude von innen ansehen, da noch vieles im ursprünglichen Stil erhalten ist. Besonders interessant sind die verschiedenen Werkzeuge, die in der gar nicht so fernen Vergangenheit benutzt worden waren.

Nach einer weiteren Stunde erreichst du die Ellmaualm. Auch hier findest du eine tolle Terrasse, die mich jedoch nach all den Hütten in den vergangenen zwei Tagen nicht mehr so stark beeindruckte wie die andern. Sie ist jedoch ein guter Zwischenstopp, um Kräfte zu tanken für den Aufstieg zu den Töss-Moorseen.

Der Wanderweg führt nun auf dem Sattel weiter Richtung Grossarl, das du über mehrere Abstiege erreichen kannst. Wir nahmen gerade den ersten bei der Ellmaualm, da wir am Nachmittag noch das Wellness-Angebot in unserem Hotel (siehe unten) ausprobieren wollten. Ab Grund fährt unregelmässig ein Bus oder du kannst dir ein Taxi bestellen, das dich zurück ins Hotel bringt. Die Telefonummer des Taxiunternehmens hängt an der Busstation aus.

Die besonders traditionelle Weissalm ist unbedingt ein Stopp wert.
Blick von der Weissalm in Richung Grossarltal.
Letzter Stopp vor dem Abstieg: Sonnenterrasse der Ellmaualm
Geschafft: Die Bushaltestelle im Tal.

 

Mein Unterkunftstipp für Grossarl: Der Nesslerhof

Wenn du nicht in der unmittelbaren Umgebung lebst, wirst du es vermutlich nicht vermeiden können, die erste und/oder die letzte Nacht in einem Hotel im Tal zu verbringen. Nach den ganzen Strapazen lohnt es sich vielleicht, etwas mehr in eine etwas komfortablere (und auch teurere) Unterkunft mit Spa-Bereich zu investieren.

Ich war auf Einladung im Hotel Nesslerhof, das ist vollumgänglich empfehlen kann und das auch bei allen Bettenportalen hervorragend bewertet ist. Die Zimmer sind geräumig und geschmackvoll in einem modernen Chic eingerichtet. Mein Raum hatte einen riesigen Balkon mit Blick auf den Outdoor-Pool, eine frei stehende Badewanne und eine kleine private Sauna im Badezimmer. Besser kann es gar nicht werden!

Wenn dir die Beine wehtun, wird dir vermutlich der Spa-Bereich wichtig sein. Der hat im Nesslerhof alles, was du von einem gut ausgerüsteten Spa erwartest: Mehrere Saunen und Pools sowie ein grosses Angebot an unterschiedlichen Massagen, die ich allerdings nicht ausprobieren konnte. Versucht auch unbedingt die leckere und kreative Küche. Mir hat das Essen hier sehr geschmeckt.

Falls der Nesslerhof für dich in Frage kommt, solltest du so früh wie möglich buchen. Zum Beispiel bei booking.com*. Bei meiner Stichprobe war das Hotel an mehreren Daten bereits vollständig ausgebucht.

Blick auf den Aussenpool des Nesslerhofs.
Grosszügige Zimmer im Nesslerhof.

 

Anreise: So kommst du zum Salzburger Almenweg

Der regionale Verkehrsknoten ist Salzburg, das neben einem internationalen Flughafen auch über einen gut angebundenen Bahnhof verfügt. Von und nach Salzburg gibt es aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen komfortable Nachtzüge, die es dir ermöglichen, einigermassen ausgeschlafen am Vormittag anzukommen (und eine Übernachtung im Tal zu sparen.)

Von Salzburg fährst du in einer Stunde mit dem Zug nach St. Johann im Pongau, wo dich ein Bus zum Ausgangspunkt deiner Route bringt. Wenn du die gleiche dreitägige Wanderung wie ich unternehmen willst, fährst du im Bus nach Grossarl.

So orientierst du dich beim Wandern

Der Salzburger Almenweg ist sehr gut ausgeschildert mit Wegmarkern in Form eines blauen Enzians und den typischen Wanderzeichen. Sich zu verirren ist eigentlich kaum möglich.

Beim lokalen Tourismusbüro kannst du kostenlos einfaches, aber in den meisten Fällen ausreichend gutes Infomaterial zur Route bekommen.Wenn du es noch genauer wissen willst, solltest du dir zwei Wanderführer anschauen: Salzburger Almenweg beschreibt genau die Rundroute, ist allerdings mit seinem Erscheinungsjahr 2013 nicht mehr ganz aktuell. Neuer, umfangreicher aber weniger passgenau ist der Rother-Wanderführer fürs Salzburgerland*. Eine passende Wanderkarte stammt vom Kompass-Verlag.

Möglich ist auch eine digitale Navigation. Beachte aber, dass du in den Bergen nicht durchgehend Handyempfang hast. Wenn du also über dein Smartphone navigieren möchtest, solltest du dir die Karten im Vorfeld herunterladen. Auf den Offline-Karten von maps.me sind auch die Wanderwege eingezeichnet.

Offenlegung: Die Reise wurde vom Tourismusverband Grossarltal und Österreich Tourismus unterstützt. Der Artikel enthält Affiliate-Werbelinks. Beides hat keinen Einfluss auf meine Meinung.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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2 Kommentare

  1. Hallo Olaf, sieht super aus!
    Die Alpen sind einfach toll – muss ich auch unbedingt mal wieder hin!
    Allerdings bevorzuge ich im Zelt zu schlafen 🙂
    Danke furs erinnern…..LG Heike

    1. Ach ja, im Zelt schlafen ist auch toll. Sollte ich auch mal wieder tun. Allerdings: Zelten geht ja eigentlich überall. Auf diesem Weg ist halt schon besonders, dass es so viele Hütten gibt, wie sonst nirgendwo.

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