Montag, 18. Dezember 2017
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Kommentar: 6 Vorurteile über das Reisen mit Reiseführern

Ein passender Reiseführer erleichtert die Planung und die Durchführung deines ultimativen Trips. Fotos: O. Zwahlen
Ein passender Reiseführer erleichtert die Planung und die Durchführung deines ultimativen Trips. Fotos: O. Zwahlen

Sie gehören zu den erfolgreichsten Büchergattungen überhaupt, trotzdem werden sie nicht nur geliebt: Reiseführer. Welche Mythen und Vorurteile es zu den praktischen Reiseinfos in Buchform gibt, fasse ich in diesem Beitrag zusammen und erkläre, wieso ein gutes Guidebook auch heute noch sinnvoll ist.

Es war einer jener seltenen sonnigen Herbsttage in Peking, als ich auf dem Weg zum Mittagessen meine Arbeitskollegin traf. Ich hatte gerade meinen Lonely Planet für Myanmar erhalten und freute mich auf die Reise und natürlich auch auf die Lektüre. Doch als ich das Buch erwähnte, verfinsterte sich die Miene meiner Kollegin sofort.  Sie schüttelte den Kopf.

“Wir unterwerfen uns nie dem Diktat eines Reiseführers”, erklärte sie stolz. Sie meinte sich und ihren Mann. „Für uns kommt es nicht in Frage, vorgekauten Routen nachzureisen, wir wollen selber etwas entdecken.“ An den genauen Wortlaut kann ich mich nach bald drei Jahren nicht mehr erinnern. Aber gemeint hat sie genau das.

Seither sind mir immer wieder solche Vorurteile gegen Reiseführer aufgefallen. Insbesondere der Reihe von Lonely Planet scheint etwas regelrecht Unanständiges anzuhaften. Klar, wir alle wollen echte Entdecker sein. Aber mehr noch wollen wir als solche gelten. Diese Vermutung würde zumindest die öffentlich zur Schau getragene Ablehnung von Reiseführern erklären.

Das Absurde daran ist: Als mir meine Arbeitskollegin ein paar Tage später erzählte, wo sie schon überall gewesen ist, konnte ich keinen einzigen echten Geheimtipp heraushören. Ihre grösste Entdeckung war Pingyao.

Nichts gegen das kleine chinesische Städtchen, das vor einiger Zeit als UNESCO-Kulturerbe anerkannt wurde und auch in meiner Blogparade zu den schönsten Dörfern der Welt genannt wurde. Pingyao sollte bei jedem Nordchina-Besucher auf der Route stehen. Nur die Sache ist: das tut die Kleinstadt auch mehr oder weniger. Und was meine Kollegin wohl nicht wusste: Im Lonely Planet wurde Pingyao unter den Empfehlungen auf den ersten Seiten hervorgehoben.

Weltkulturerbe Pingyao: Wunderschön, aber alles andere als ein Geheimtipp.

Vorurteile und Mythen zu Reiseführern

Da ich nicht so recht verstehen kann, wieso man etwas gegen Informationen haben kann, begann ich mich mit dem Thema Reiseführer auseinanderzusetzen. Dabei fiel mir auf, dass immer wieder die gleichen Argumente genannt werden. Ich habe sie zu sammeln begonnen und mich – wie du sehen wirst – nicht überzeugen lassen.

Mir ist jedoch bei Gesprächen aufgefallen, dass die Verachter von Reiseführern oft seltsamame Vorstellungen darüber haben, wie man so ein Buch am besten verwendet. Daraus ist die Idee entstanden, eine dreiteilige Serie zu Reiseführern zu schreiben.

Aber nun zu den Argumenten der Reiseführerächter und wieso diese Mythen und Vorurteile nicht stimmen:

1. Mit Reiseführern landest du in Touristenfallen

Ein häufig genanntes Argument der Guidebook-Basher ist, dass sie nicht mit 20 Backpackern am Tisch sitzen wollen, die alle im gleichen Buch blättern. Auch wenn ich das grundsätzlich verstehe, glaube ich nicht, dass dich das Verschmähen von Reiseliteratur dem Ziel auch nur ein Spürchen näher bringt. Im Gegenteil: Ein guter Reiseführer klärt dich im Vorfeld darüber auf, was du von einer Unterkunft zu erwarten hast.

Egal, ob du lieber mit Backpackern aus aller Welt am Tisch sitzt oder dich über eine etwas gesetztere Gesellschaft erfreust: Mit einem Reiseführer kannst du schon vor der Ankunft recherchieren, was dich erwartet.

Das gleiche gilt natürlich auch für Sehenswürdigkeiten: Ein guter Reiseführer wird in der Regel auch Orte erwähnen, die zwar sehenswert sind, aber auf Grund ihrer ungünstigen Lage kaum besucht werden. Willst du alleine sein, dann visiere diese Orte an. Vergiss dabei nicht, dass es sich auch durchaus lohnen kann, auf ausgetretenen Pfaden zu bereisen. Viele touristische Orte werden nämlich deswegen so stark frequentiert, weil sie tatsächlich etwas Grandioses zu bieten haben

2. Die Informationen im Reiseführer sind veraltet

Ein weiteres häufig genanntes Argument gegen Reiseführer ist, dass sie zum Erscheinungstermin bereits veraltet sind. Die lange Vorlaufzeit lässt sich nicht bestreiten. Auch ein erfahrener Reiseautor beziehungsweise bei grösseren Publikationen oft auch ein ganzes Autorenteam wird mindestens ein halbes Jahr mit dem Schreiben verbringen. Hinzu kommt mindestens ein weiteres halbes Jahr für das Lektorat, das Layout und den Druck.

Hotel Potala
Hotel Potala in Kathmandu: Wohl seit Jahren unverändert.

Ein frisch erschienenes Buch kann also durchaus auf Informationen basieren, die teilweise ein Jahr zuvor recherchiert wurden. In der Realität zeigt sich jedoch, dass vieles statischer ist, als man erwarten würde: Eine mittelalterliche Kleinstadt wird mit grösster Wahrscheinlichkeit auch ein halbes Jahr später noch schön sein. Da sich die Nachfrage in der Regel nicht so schnell verändert, bleiben auch die Verkehrsverbindungen ähnlich.

Selbst bei den Hotels ist vieles statisch. Das leuchtet auch sein. Wieso sollte sich ein Besitzer eines etablierten Hostels plötzlich an Luxusgäste wenden? Und auch das Argument, dass Hotels schlecht werden, sobald sie in den grossen Reiseführern sind, weil dann die Besucher sowieso kommen, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Wieso sollte jemand jahrelang etwas aufbauen und es genau in dem Augenblick aufgeben, in dem er den Durchbruch geschafft hat?

3. Bewertungsportale bieten grössere Meinungsvielfalt

Wenn du dir Bewertungsportale für Hotels oder Jugendherbergen anschaust, findest du jede Menge unterschiedliche Meinungen, die von vollkommener Begeisterung bis hin zur absoluten Ablehnung reichen können. Auf Grund dieser Kommentare kannst du dir vermutlich ein ungefähres Bild davon machen, was dich in deiner Unterkunft erwartet.

Da ich meine Unterkünfte nur in Notfällen im Voraus buche, weiss ich nicht so genau, wie gut die Informationen in Bewertungsportalen wirklich sind. Glaubt man einschlägigen Medienberichten, ist etwa ein Drittel aller Bewertungen manipuliert. Doch selbst wenn es den Portalbetreibern gelänge, sämtliche Fake-Reviews zu erkennen und löschen, bleibt das grundsätzliche Problem der mangelnden Vergleichbarkeit bestehen. Die Bewertung eines an sich besseren Hotels durch einen ewigen Nörgelers kann schlechter ausfallen als die Meinung eines allgemein zufriedenen Menschen zur grössten Bruchbude.

Je grösser die Zahl der Bewertungen ist, desto geringer wird dieser Effekt. Doch ein Reiseführer hat dieses Problem von Anfang an nicht: Die Hotels werden jeweils von einer Person auf Grund klar definierten Kriterien bewertet. Zudem wird in Reiseführern relativ wenig manipuliert (ich weiss von mehreren Fällen, in denen sich Reisebuchautoren nicht als solche zu erkennen gegeben haben). Auch das leuchtet ein, denn die Glaubwürdigkeit und der Ruf sind das wichtigste Kapital von Reisebuchverlagen und Reiseautoren.

4. Alle Infos finde ich auch (kostenlos) im Internet

Das stimmt wohl in vielen Fällen und das möchte ich auch gar nicht bestreiten. Auch ich recherchiere vor meinen Reisen im Internet und lasse mich gerne von spannenden Erlebnisberichten für neue Ziele begeistern. Mittlerweile gibt es alleine im deutschsprachigen Raum mehrere hundert Reiseblogs und viele davon sind echt gut (falls du noch nicht viele Reiseblogs kennst, empfehle ich einen Blick auf meine monatliche Blogschau).

Kein Spass: Nichts ist nervraubender als bei schlechtem Internet auf Informationen angewiesen zu sein.
Kein Spass: Nichts ist nervraubender als bei schlechtem Internet auf Informationen angewiesen zu sein.

Aber überleg dir einmal, wann genau du am häufigsten praktische Infos brauchst? Zu Hause vor der Abreise? Am Abend nach einem längeren Stadtrundgang? Nein, vermutlich eher nachdem du in irgendeinem Provinzflughafen ohne Wifi gelandet bist und nicht weisst, wie du am besten ins Stadtzentrum kommst (und nein: die Taxifahrer fragen ist nicht immer die beste Idee!) oder vielleicht an der Grenze zu einem neuen Land, wo dich die Kosten fürs Datenroaming in wenigen Minuten finanziell ruinieren würden. Vielleicht aber auch einfach genau in dem Augenblick, an dem der Akku deines Handys den Geist aufgibt.

Doch selbst wenn alles technische perfekt klappt, ist es sehr viel schneller und praktischer in einem Buch mit einer klaren Struktur nachzuschlagen, als planlos durch irgendwelche Webseiten zu surfen. Alleine für diesen Luxus bin ich gern bereit, 20 Euro pro Reise zu investieren und ein paar hundert Gramm zusätzlich auf dem Rücken zu tragen.

Bei Texten aus dem Internet kommt noch etwas hinzu: Oft basiert das Wissen der Autoren auf dem, was sie zuvor in Reiseführern gelesen haben. Denn wer hat im Urlaub schon Zeit, wirklich tief in eine Kultur einzutauschen? Welcher Reisende schaut sich zehn oder zwanzig Hotels an, um wirklich objektiv eine Unterkunft empfehlen zu können? Manche zitieren unverblümt aus Reiseführern, andere lassen sich dort lediglich inspierieren. In beiden Fällen bist du aber besser dran, wenn du gleich das Original liest.

5. Reiseführer sind schwer und teuer

Für einen vernünftigen Reiseführer musst du irgendwas zwischen 20 und 30 Euro hinblättern. Das klingt zwar nicht nach viel, kann sich aber auf einer längeren Weltreise summieren – vor allem für Backpacker mit einem kleinen Budget. Meiner Meinung ist das aber Geld, das sich auf der Reise schnell wieder amortisiert.

Dazu ein kleines Beispiel aus meinem Reisealltag. Letztes Jahr war ich in Ostjava auf dem Weg zum Ijen-Plateau. Weil mir das Angebot eines Fahrers in Bondowoso  zu hoch erschien, entschloss ich mich, mit dem öffentlichen Bus in den nächsten Ort zu fahren. Von dort aus sind es nur noch etwa 20 Kilometer zum Feuerberg.

Unerreichbares Ziel: Hätte ich den Reiseführer gelesen, wäre ich  nicht auf dem Ijen Plateau gestrandet.
Unerreichbares Ziel: Hätte ich den Reiseführer gelesen, wäre ich nicht auf dem Ijen Plateau gestrandet.

Erst als ich ankam, merkte ich, dass die lokale Taximafia die Preise für die letzten 20 Kilometer festschrieb. Es wäre billiger gewesen, wieder mit dem Bus nach Bondowoso zurückzukehren und von dort aus mit dem ersten Fahrer zu gehen. Hätte ich aufmerksam in meinem Reiseführer nachgelesen, dann wäre mir das nicht passiert. Das stand nämlich drin.

Ein fetter Reiseführer kann bis zu einem halben Kilo wiegen. Mich stört das nicht. Aber wer optimieren will, kann sich bereits ab etwa 50 Euro einen Ebook-Reader wie etwa den deutlich leichteren Kindle kaufen. Ein weiterer Vorteil: Die digitalen Ausgaben sind teilweise deutlich günstiger als gedruckte Bücher. Und sobald die Amazon-Flatrate kommt, kannst für einen kleinen Monatspreis gleich alle Bücher zu deinem Reiseziel lesen.

6. Nur wer ohne Reiseführer reist ist cool und frei

Wie ich bereits in der Einleitung betont habe, geht es den Reiseführer-Ächtern vermutlich in erster Linie darum, sich als bessere und erfahrerere Traveller darstellen. Es ist ja eine der Absurditäten des modenen Tourismus, das immer nur die anderen „die dummen Touristen“ sind. Siehe dazu auch: Wieso der Respekt bei den anderen Reisenden beginnen sollte.

Ich bin da vielleicht ein bisschen altmodisch, aber ich halte Wissen und Informationen noch immer für wertvolle Güter. Deswegen kann ich einer Argumentation nicht wirklich folgen, die mir weiss machen will, dass ich mit verschlossenen Augen fremde Kulturen besser kennenlernen kann.

Womit ich aber einverstanden bin:  Nicht immer braucht es einen Reiseführer. Wer lange in einem Land gelebt und es ausgiebig bereist hat, kennt womöglich mehr Ziele und versteht die Kultur besser als ein Reisebuchautor. Aber bis es so weit ist, braucht es Recherche. Und dafür ist ein Reiseführer ein guter erster Schritt.

Schlussbemerkung

Jeder muss auf seine eigene Art und Weise beim Reisen glücklich werden. Wem es wichtig ist, etwas ohne Hilfe zu entdecken, soll dies so machen. Er muss sich dabei einfach im Klaren sein, dass er womöglich mangels Kenntnis von Alternativen genau das Gleiche macht, wie alle anderen.

Zum ersten Mal hier? Dann lese hier, worum es in diesem Blog geht. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann solltest du dich unbedingt beim monatlichen Newsletter einschreiben, damit du künftig nichts mehr verpasst.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

20 Kommentare

  1. Hi Oli,
    schöne Zusammenfassung. Seh ich genau gleich wie du.
    Die meisten Reiseführer gibt’s inzwischen ja auch schon in digitaler Form. Was grade Punkt 5 schon fast zunichte macht.
    Klingt für mich fast schon als Gegen-Argumentation zu einem anderen Blog 😉
    Ich halte es auch für fast schon fahrlässig, jemanden ein Reisen ohne Reiseführer zu empfehlen.
    Patrick

    • Hi Patrick,

      du bist ein guter Beobachter der Blogszene! Tatsächlich hat mich ein anderer Blog zu diesem Beitrag inspiriert. 🙂

      Ich habe inzwischen erste Reaktionen zu diesem Artikel erhalten und habe folgenden Eindruck gewonnen: Es geht um eine Abgrenzung. Es geht darum, dass man der wahre Traveller sein will und kein Tourist. Interessanterweise scheint mir die Ablehnung von Reiseführen bei Reisenden in touristisch stärker frequentierten Regionen wie etwa Thailand oder Australien höher zu sein als in den wirklich abenteuerlichen Destinationen.

      Das liegt zum einen sicherlich daran, dass man sich in Südostasien und Australien auch ohne Reiseführer zurechtfindet und es genügend andere Leute gibt, die man fragen kann. In kleinen Dörfern weitab vom Schuss findet man aber weder andere Reisende noch sinnvolle Informationen online. Zum anderen wird wohl in touristischen Gebieten auch der Drang höherer sein, sich von „den Touristen“ abzugrenzen.

      Gruss,
      Oli

  2. Juhuu, eine wunderschöne Fürsprache für die guten Reiseführer. Ich reise nie ohne, gerne sogar mit mehreren, wenn z.B. die örtliche Onleihe mehrere anbietet. Ich brauche allerdings auch immer einen gedruckten, in dem ich malen, blättern, planen und vor mich hin träumen kann und wo es – wenn’s sein muss – auch mal schnell geht.

    Gut zu Wissen, dass auch andere Reiseblogger und Reiseblogleser noch damit durch die Weltgeschichte düsen!

    Schönes Thema!

    Viele Grüße
    Tanja

    • Ich mag gedruckte Reiseführer auch lieber als digitale. Ich mag es, die Finger zwischen die Seiten stecken zu können oder notfalls auch mal eine Seite rauszureissen. Beides geht beim Kindle ja nicht so gut… 🙂

  3. Hi Oli,

    ich bin auch ein großer Befürworter von Reiseführern.
    Natürlich nutze ich das Internet für die Recherche, lese Blogs und Bewertungsportale.
    Aber Reiseführer sind immer noch super zur Einstimmung auf ein Land bzw. einen Ort.
    Und man entdeckt Dinge, nach denen man vielleicht gar nicht gegoogelt hätte.

    Reiseführer als eBook mitzunhemen, habe ich mal getestet. Bin aber zwiegespalten. Das Gewicht spricht ganz klar dafür. Aber sonst?

    Viele Grüße
    Stefan

  4. Dieses elitäre Gehabe um „off the beaten path“, „Touristen vs. Reisende“ und natürlich Reiseführer ist einfach lächerlich. Wieso sollte ich freiwillig auf nützliche Informationen und tolles Kartenmaterial verzichten?

    Als Online Reiseführer möchte ich noch eine Lanze für Wikivoyage brechen. Für manche Reiseziele ist Wikivoyage hilfreicher als andere, z.B. ist es fast nutzlos in Sri Lanka.

    • Die beiden Wiki-Reiseführer wollte ich im dritten Teil dieser Reihe vorstellen. Ich verwende Wikivoyage auch bei der Recherche für Reisen. Allerdings hauptsächlich im Vorfeld zur Inspiration, denn unterwegs möchte ich möglichst wenig aufs Internet angewiesen sein. Was mich an Wikivoyage stört: 1. Die Texte haben eine sehr unterschiedliche Qualität. 2. Es ist mit vernünftigem Aufwand nicht ersichtlich, wie alt die Informationen sind.

  5. Mahlzeit…

    Verstehe auch nicht, wie man gg. Reiseführer sein kann bzw. auch noch offensiv propagiert, dass man ohne reisen soll (bzw. reisen kann). Ist genau so ein Quatsch wie dieses leidige „Tourist vs. Traveler“-Thema. Ich kann´s echt nicht mehr hören / lesen… Natürlich bin ich überall auf der Welt (aus Sicht der Einheimischen) ein Tourist (was sonst?). Und natürlich brauche ich Informationen, um ein Land für mich zu entdecken. Und natürlich gehören auch Reiseführer zu den Quellen, die ich nutze. Grds. vertraue ich am liebsten auf Tipps von Einheimischen, das sind meine Lieblingsressourcen. Aber die sind z.B. aufgrund von Sprachbarrieren gar nicht immer zu bekommen. Und manch guter Reiseführer nennt wichtige und hilfreiche Details, die ich sonst nicht zwingend irgendwo recherchieren kann. Jedem seine Meinung, okay, aber ich als „Tourist“ mit Reiseführer bin bestimmt trotzdem individueller unterwegs als manch anderer… 😉

    LG aus Kolumbien (u.a. mit zwei Reiseführern unterwegs – aber digital, gedruckte Werke würden mein Handgepäck, mit dem ich unterwegs bin, zu sehr belasten)…
    Wolfgang

    • Hallo Wolfgang,

      vielen Dank für den Kommentar. Ja, das sehe ich grundsätzlich auch so. Doch so wertvoll Tipps von Einheimischen auch sein können, sollte man sich hier schon auch überlegen, auf Grund von welchen Informationen Einheimische ihre Tipps geben und die Tipps dann entsprechend einordnen. Das Problem: Je nach Reiseland kennen die Leute vor Ort vielleicht gute Restaurants oder wissen, wie man mit dem Bus von A nach B kommt. In ärmeren Ländern ists aber auch möglich, dass die Leute ausschliesslich selber kochen und so gut wie nie ein Restaurant betreten haben. Sicherlich kennen sie aber keine Kombi-Angebote für Touristen. Bei der Suche nach einem Hotel ist das noch deutlicher: Die meisten Leute haben noch nie in der Heimatstadt in einem Hotel übernachtet.

      Ich wünsch dir auf alle Fälle viel Spass in Kolumbien…

      Gruss,
      Oliver

  6. Ich nutze eine Kombi aus Reiseführer und Internet. Auf ein (elektronisches oder reales) Buch mag ich einfach nicht verzichten. Wie Stefan schon gesagt hat, wenn ich nicht weiß, nach was ich suchen kann, kann ich auch keine aktuellen Infos googeln. Einen Post dazu habe ich übrigens auch schon vor einer Weile geschrieben, http://www.weltenbummlerin.net/reisefuehrer-pro-und-contra/
    Ich bin mal auf die Fortsetzung gespannt und froh, nicht mit meiner Meinung allein dazustehen 😉

    Liebe Grüße,
    Ivana

  7. Hallo, Dein Artikel reizt mich zum Widerspruch, obwohl ich immer auch einen Reiseführer zur Hilfe nehme, meistens bei den Reisevorbereitungen. Letztendlich wirken Deine Worte so, als würdest Du genauso auf die Leute herabblicken, die keine Reiseführer nutzen, wie Du das diesen vorwirfst, dass sie den LP-Backpacker verachten.
    Es hat beides seine Berechtigung. Und wenn Du durch China reist, wirst Du nicht nur einmal die Erfahrung machen, dass der Lonelyplanet unzureichend oder veraltet ist. Der LP China wiegt übrigens mehr als ein ganzes Kilogramm. Ich denke, dass ein guter Mix aus Reiseführer und Internet das Beste ist. Bei allen Quellen sollte man immer drauf achten, wie alt sie sind und wie zuverlässig. Du hast auch recht, wenn Du schreibst: „Viele touristische Orte werden nämlich deswegen so stark frequentiert, weil sie tatsächlich etwas Grandioses zu bieten haben“ . Peking, ohne die Verbotene Stadt gesehen zu haben? Rom ohne das Kolosseum? Geht gar nicht!
    Ich habe vor wenigen Wochen eine Blogparade zu dem Thema „Mit oder ohne Reiseführer“ abgeschlossen, die eine Reihe von Möglichkeiten ergeben hat. http://bambooblog.de/2014/10/19/blogparade-reiseplanung-die-auswertung/
    Pingyao – abseits der Touristenpfade?? Ich lach mich schlapp! Aber Pingyao ist einfach der Hammer! Muss man gesehen haben! Nur vielleicht nicht am Wochenende 😉

    • Hi Ulrike,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Dein Widerspruch überrascht mich nicht so sehr. Ich glaube, wir hatten noch fast bei keinem einzigen Thema die gleiche Ansicht. 🙂 Auf andere herabschauen, das tue ich aber grundsätzlich nicht. Falls dieser Eindruck entstanden ist, dann tut mir das leid.

      Deine Blogparade habe ich übrigens gerade vorhin wegen eines anderen Kommentars entdeckt. Schade, dass sie schon vorüber ist. Dieser Beitrag hätte sicherlich auch ganz gut gepasst.

      Zum Lonely Planet China kann ich nicht viel sagen, weil ich in China (nach sechs Jahren im Land) selber keine Reiseführer mehr verwende. Auf Grund meiner Erfahrungen in anderen Ländern würde ich aber sagen, dass es im Lonely Planet wie auch in seinen Pendants von anderen Verlagen deutlich weniger Fehlinformationen gibt als im Netz. Beim Gewicht sehe ich das aber genauso: Bei grossen Ländern wie China ist ein Reiseführer schnell sehr schwer, wobei es oft ja auch Regionführer gibt wie „Südwestchina“ oder „Chinas Ostküste“…

      Liebe Grüsse nach Hamburg,
      Oli

  8. Hallo!
    Das ist mal eine sehr gelungene Zusammenfassung, danke!

    Aber die Entscheidung, ob man sich lieber mithiilfe eines gedruckten Reiseführers informiert oder digital, ist für mich nicht mehr aktuell. Ich kann doch auch beides haben, beides hat Vor- und Nachteile.
    Im Rahmen meiner Masterarbeit mache ich genau dazu gerade eine Umfrage, würde mich sehr freuen, wenn Ihr vorbeischauen würdet!
    https://www.umfrageonline.com/s/a36d61c

    Danke im Voraus, liebe Grüße aus Stuttgart und ein schönes Wochenende
    Julia

  9. Hi,

    das ist ein wirklich guter Beitrag. Hatte letztens erst auf einem Blog einen Artikel gelesen, der genau von Reiseführern abriet.
    In Japan habe ich keinen Reiseführer verwendet, da gibt es eine sehr gute Seite mit sehr vielen Informationen.

    Für Mexiko werde ich allerdings doch einen kaufen. Ich denke auch dass es die Mischung aus Internet und Reiseführer macht. Unterwegs bin ich auch nur mit Smartphone unterwegs und da ist das Suchen von Informationen auch nicht ganz so komfortabel. 😉

  10. Ich bin eher gegen Reiseführer und habe meine Überlegungen hier aufgelistet: http://www.sorglosreisen.com/meinung/sind-reisefuehrer-ihr-geld-wert/
    Du vereinfachst in deinem Artikel auch ein bisschen, z.B. bei den Hotel und Hostelbewertungen, wo ein Drittel manipuliert sein soll. Ich kenne Tripadvisor, Booking.com und Hostelworld gut genug.
    Bei Tripadvisor mag dies stimmen, weil jeder da reinschreiben kann. Bei Booking.com und Hostelworld hingegen können nur die bewerten, die dort waren. Das ginge also ins Geld, wenn man ein Hotel buchen und auch noch dort übernachten muss, nur um eine Falschbewertung abgeben zu können. Entprechend habe ich bei Booking.com und Hostelworld bis jetzt auch nur gute, manchmal mittelmässige und nie schlechte Erfahrungen gehabt.
    Bei Lonely Planet kann es eben schon so sein, dass die empfohlenen Hostels sich zurücklehnen und denken: Ich bin jetzt im Lonely Planet, ich muss mich nicht mehr anstrengen.
    Letztes Jahr, als ich in Japan war, habe ich bewusst nicht in Reiseführer geschaut, und war trotzdem an Orten, wo sich Touristen nicht gegenseitig auf den Füssen rumtrampeln, z.B. in Shimonoseki.
    Infos im Internet finden: Da kommt es auch auf die Erfahrung an. Ich suche mit Google und passe meine Suchanfrage zuerst an, bis die Resultate so sind, wie ich sie mir vorstelle. Erst dann klicke ich auf einen Artikel. Das braucht ein wenig Übung, kann aber sehr effizient und vor allem schnell sein.
    Und wenn man zu abgelegenen Orten kommt, dann muss man eben die Tipps, wie man dort zum Taxi oder Bus kommt, vorher gelesen haben. Und man kann auch einfach mal irgendwo auf gut Glück ankommen, wie ich das in Nord-Bali mal erlebt habe. Da findet sich immer eine Lösung und es ist oft lustiger, als wenn man dem Rezept folgt, das zuvor schon Hunderte so abgespult haben. 🙂

    • Hallo Charles, das kann man natürlich so sehen. Aber wenn du in einen Reiseführer geschaut hättest, dann wäre dir sicherlich aufgefallen, dass Shimonoseki dort als Highlight aufgeführt wird. Dass sich Hotels zurücklehnen, wenn sie im Lonely Planet sind, halte ich für ein Gerücht. Das wäre etwa so wie wenn dein Blog jeden Tag 10.000 Leser bekommt und du dann denkst: Ich hab ja nun meine Leser und muss mir keine Mühe mehr geben. Ich weiss nicht, wie du in so einer Situation handeln würdest. Ich würde mir beim Schreiben noch mehr Mühe geben. Und das gleiche gilt auch für Hotels.

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