Dienstag, 24. Oktober 2017
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Wieso der Respekt bei den Mitreisenden beginnen sollte

Bizarres Feindbild: Backpacker sind nicht immer gern gesehen - insbesondere nicht von anderen Touristen. Foto: garryknight / Flickr
Bizarres Feindbild: Backpacker sind nicht immer gern gesehen – insbesondere nicht von anderen Touristen. Foto: garryknight / Flickr

Backpackern kommt unterwegs immer wieder Hass und Verachtung entgegen. Allerdings kaum von den Einheimischen, sondern hauptsächlich von anderen Reisenden. Ein paar Gedanken über das Bild des Anderen und wieso kulturelle Offenheit bei den Mitreisenden anfangen sollte.

Auf meinen regelmässigen Streifzügen durch die Blogosphäre stosse ich immer wieder über Beiträge, in denen es um das Phänomen Backpacking geht. Der Fokus ist dabei jeweils etwas anders. In manchen Beiträgen werden humorvoll die unterschiedlichen Arten von Backpackern auf die Schippe genommen, in anderen Artikel betont der Autor, wieso er kein Backpacker sein will oder schaut sogar auf die Spezies der Rucksackschlepper hinab, als hätten diese vom Reisen nichts verstanden. All diesen Artikeln ist aber gemein: Backpacker kommen selten gut weg.

Auch im Traveltalk (also dem Forenbereich dieses Blogs) scheinen nicht so viele Diskussionsteilnehmer den Rucksackreisenden wohlgesonnen zu sein. Im Gegenteil: Teilweise stosse ich sogar auf richtiggehend Hass erfüllte Beiträge. Ich verstehe dabei nicht so recht, wieso es jemanden dermassen stark emotional bewegen kann, ob man mit einem Koffer, einem Trolley oder einem Rucksack unterwegs ist.

Die Kritik an Backpackern scheint gesellschaftsfähig zu sein. Obwohl ich mich selber mit zunehmendem Alter nicht mehr als klassischer Backpacker betrachte, will ich diesen Vorwürfen doch ein paar kritische Überlegungen entgegensetzen. Anfangen möchte ich mit der Frage, ob Backpacker wirklich so schreckliche Gesellen sind, dass man ihnen mit Abneigung begegnen muss.

Die drei grossen „Fehler“ der Backpacker

Schaut man sich die Vorwürfe an, die gegenüber Backpackern erhoben werden, tauchen vor allem drei Punkt häufig auf: Erstens geben die Leute zu wenig Geld aus, zweitens folgen sie blind ihrer Bibel Lonely Planet, drittens würden sich die Leute gar nicht für die Kultur interessieren, die sie besuchen. Schaut man sich diese Vorwürfe etwas genauer an, erweisen sie sich recht schnell als ziemlich absurd.

Den Vorwurf mit dem Geld finde ich dabei am perfidesten: Leute mit einem geringen Einkommen sparen sich teilweise über Jahre etwas zusammen, um sich den Traum einer Weltreise zu verwirklichen. Mit einem begrenzten Budget lautet die Gleichung: Jeden Euro, den ich unterwegs einspare, erlaubt mir, die Reise zu verlängern und mehr zu erleben. In dieser Logik macht es Sinn, den lokalen Bus zu nehmen statt einen VIP-Jeep zu chartern. Es macht ebenfalls Sinn, nicht mit dem Heissluftballon über Bagan zu fliegen, auch wenn das ein noch so ein tolles Erlebnis sein mag. Denn für den Preis einer solchen Ballonfahrt verbringe ich in Indien locker eine oder zwei Wochen Urlaub.

Den Vorwurf, dass Backpacker blind ihrem Reiseführer folgen, kann ich schon eher nachvollziehen. Aber letztlich ist das weniger ein Armutszeugnis für den Reisenden als vielmehr eine Qualitätszeichen für die Reiseführer. Tatsächlich ist es so, dass in einem guten Reiseführer jeder touristisch interessante Ort aufgeführt ist. Etwas überspitzt: Ist eine Stadt oder ein Dorf nicht im Lonely Planet erwähnt, gibt es dort auch nichts zu sehen. Das will nicht heissen, dass du an den nicht aufgeführten Orten keine tollen Erlebnisse haben kannst. Doch sind das dann meistens Begegnungen mit den Menschen, welche du in der einen oder anderen Form auch anderswo gehabt hättest. Das Absurde am Vorwurf ist ja, dass die Leute, welche ohne Reiseführer unterwegs sind, am Ende ohnehin an den gleichen Orten landen wie die „Gläubigen“. Und das ist auch nicht weiter tragisch. Denn es gibt ja auch gute Gründe, auf den touristischen Trampelpfaden zu bleiben.

Der dritte Vorwurf, dass sich Backpacker nicht für die Kultur des Reiselands interessieren, ist in seiner Absolutität dermassen verallgemeinernd, dass es kaum möglich ist, darauf eine vernünftige Antwort zu geben. Zweifellos gibt es an Hotspots wie dem laotischen Vang Viang auch kulturell wenig sensitive Reisende, die betrunken und halbnackt durch das konservative Städtchen torkeln. Aber das sind meiner Erfahrung nach Ausnahmen. Ich denke, dass der Anteil der Menschen, die sich für die Kultur und das „Echte“ interessieren, bei Backpacker, Rundreisende, Geschäftsreisenden, Pauschalreisenden oder Expats ungefähr gleich gross ist.

Der Blick auf die Anderen und der Dichtestress

Die drei genannten Vorwürfe lassen sich also leicht widerlegen. Doch was ist der Grund, wieso Backpacker häufig in einem schlechten Licht dargestellt werden? Interessant ist, einmal einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, wie die Vertreter unterschiedlicher Reisegattungen von einander denken. Ich hab zwar keine validen Zahlen zur Hand, mit denen ich meine Behauptung unterstützen kann. Aber auf Grund zahlreicher Gespräche auf Reisen, scheinen Reisende grundsätzlich anderen Reisenden wenig zugeneigt sein.

In Länderforen mit vielen Expats wird häufig über Touristen hergezogen, die angeblich nichts vom Land verstehen. Während den sechs Jahren, die ich in China verbrachte, habe ich unter den hiesigen Expats oft auch eine herabschauende Haltung auf Besucher jeglicher Couleur erlebt. Backpacker wiederum mokieren sich gern über Pauschalreisende, welche sich angeblich lediglich am Strand braten lassen und das „echte Thailand“ oder das „wahre Indonesien“ überhaupt nicht kennenlernen (wollen). All diesen Leuten ist eigen: Nur die eigene Art zu reisen, wird als das Nonplusultra wahrgenommen, mit dem man dem eigenen Authentizitätsanspruch gerecht werden kann.

In den rund zehn Jahren, in denen ich den Traveltalk moderiere und auch auf anderen Reiseforen diskutiere, ist mir aufgefallen: Je touristischer ein Land ist, desto heftiger sind die Reaktionen auf die anderen Reisenden. Offenbar wird die „Konkurrenz“ als Bedrohung des eigenen Anspruchs verstanden. Kein Wunder: Schliesslich wollen wir alle kleine Entdecker sein, die als erste mit den freundlichen Einheimischen an einem abgelegenen (und dennoch gut erschlossenen Strand) unsere Pina Colada trinken.

Kritik und Selbstkritik

Die Vorstellung, die wir von der perfekten Reise haben, lässt sich in den seltensten Fällen realisieren. Wie auch? Die meisten von uns können zwei oder mit etwas Glück drei Wochen am Stück reisen. In dieser Zeit wollen wir noch dazu so viel wie möglich sehen – ein Anspruch, der sich mit dem ebenfalls vorhandenen Verlangen nach Tiefe und Authentizität beisst. Ein weiterer Widerspruch besteht im Wunsch nach einer leichten Erreichbarkeit und einer gleichzeitigen Abgelegenheit. Dass auf diese Weise (zumindest ein leichter) Frust entsteht, ist leicht nachvollziehbar.

Und hier beginnt so etwas wie der Dichtestress der Reisenden – ein unsägliches Wort, das ich nach der noch viel unsäglicheren Schweizer Masseneinwanderungsinitiative gelernt habe. Wir stellen nämlich fest: Wir sind nicht die einzigen vor Ort. Wir merken, dass unser anderes Aussehen nicht mehr nur mit Neugierde aufgenommen wird, sondern teilweise auf Grund der vielen Besucher, auch mit Ablehnung oder zumindest aber mit einer klar erkennbaren Gleichgültigkeit. Wir sind zu viele, erkennen wir. Aber diejenigen, die zu viel sind, das sind immer die anderen. Das mag zwar unlogisch sein, wenn wir das kritisch hinterfragen. Aber es ist ein sehr menschlicher Irrtum.

Toleranz beginnt bei den Mitreisenden

So menschlich diese Verhalten auch ist: Die Kritik am anderen Reisenden ist immer auch eine Kritik an uns selber. Es geht darum, dass wir ihnen unsere eigenen Schwächen vorwerfen. Wenn ich enttäuscht bin, dass ich beispielsweise nie wirklich einen Zugang zu Thailand gefunden habe, neige ich viel stärker dazu, anderen Touristen genau dieses Versagen vorzuwerfen. Denn dass mich Thailand weniger wohlwollend aufgenommen hat als beispielsweise China oder Japan begründe ich – ob berechtigterweise oder nicht – zunächst einmal damit, dass es zu viele andere Touristen gibt. Insofern ist diese Projektion also auch eine Form der Selbstkritik.

Was mich an diesem Backpacker-Bashing stört, ist allerdings ein anderer Aspekt. Die meisten von uns reisen nicht nur, um Sehenswürdigkeiten abzuklappern und die Daheimgebliebenen mit gelungenen Fotos neidisch zu machen. In den meisten Fällen geht es uns doch um das Verständnis von anderen Kulturen.  Zumindest wird dies sowohl in meinem Umfeld wie auch auf den von mir frequentierten Reiseforen als häufigster Reisegrund genannt. Demnach geht es beim Reisen also darum, Vorurteile abzubauen und andere Menschen kennenzulernen. Wenn dem so ist, frage ich mich, wieso dies bereits gegenüber anderen Reisenden nicht klappt. Wie kann ich eine mir vollkommen fremde Kultur verstehen, wenn es bereits beim Verständnis für andere Touristen hapert? Toleranz und Verständnis, beginnt nicht erst bei den „exotischen“ Menschen, sondern bei den Backpackern, den Trolley-Rollern und der Hardschalenkofferträgern.

Nachtrag: Zu diesem Thema sind auch drei Blogparaden veranstaltet worden, an denen ich gerne teilnehme. Zunächst einmal eine auf der Strandgazette und je eine auf den allgemein sehr lesenswerten Blogs my-road.de und Flocutus.de. Sie widmet sich der Frage: Ob Reisen und Urlaub machen das gleiche ist oder ob es da einen Unterschied gibt.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

16 Kommentare

  1. Jaja, die Vorurteile… ich frage ja gerne Mal ironisch mitleidig, unter welchem Gebrechen wohl der arme, junge Trolley-Roller wohl leidet, dass er sein Gepäck nicht tragen kann… Zwar sind es bei mir nicht die Backpacker, die unter meinen Vorurteilen leiden, aber es ist gut, das mal von dir gespiegelt zu bekommen!

  2. Bei dem Titel des Artikels habe ich gedacht, es geht darum wie Backpacker immer über Touristen herziehen und ich selbst kann es mir oft auch nicht verkneifen. Dass das auf Gegenseitigkeit beruht, ist mir ehrlich gesagt neu.

    Mir war gar nicht klar, dass Touristen auf ihren Reisen uns Backpacker überhaupt wahrnehmen. Immerhin läuft man sich ja kaum über den Weg. Backpacker meiden Resorts, Hotels, VIP-Vans und Touristenghettos und Touristen meiden Guesthouses, Hostels, Busse und Backpacker-Enklaven. Man sieht sich höchstens mal an einer Sehenswürdigkeit und dann stressen die Touristen oft gleich weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit.

    Vielleicht sorgt eine höhere Dichte von Reisenden ja dafür, dass man sich häufiger über den Weg läuft?

    Wie auch immer, es ist interessant, dass das ironische Herabschauen auf andere Reiseformen ein gegenseitiges Vergnügen ist.

    • Passend zum Thema, schöne Grüsse aus Ella, hehe.

    • Hi Florian,

      du hast natürlich vollkommen recht: Ich hätte den Text genauso gut aus der umgekehrten Perspektive schreiben können. Nur habe ich in den letzten Wochen und Monaten mehr Backpacker-Bashing gelesen als umgekehrt. Aber das ist vielleicht auch reiner Zufall.

      Interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens auch die Wortwahl, die sich ja ebenfalls in deinem Kommentar zeigt: Für Backpacker sind die Touristen meistens ganz einfach „die anderen“. Sich selbst versteht man in der Regel nicht als Tourist, sondern als Reisender, obwohl man – streng genommen – genauso ein Tourist ist wie jeder, der sich am Strand den runden Bauch braunbraten lässt. (Hinzu kommt, dass sich auf Backpacker gerne mal an den Strand legen…) 🙂

      Gruss,
      Oli

      PS: Ella finde ich super! Viel Spass dort! 🙂

  3. Wie genial! ich bin sowohl als auch unterwegs. Je nachdem wo und mit wem. Wenn ich einen Städtetrip mache und primär Museen besuchen will, marschiere ich nicht mit Trekking-Kluft durch die Gegend oder gehe in Shorts und Flip-Flops ins Museum (gehört sich für mein Empfinden irgendwie nicht). Letztendlich ist es wurscht, WIE man reist. Wichtig ist doch – wie du oben erwähnst – das Interesse an Mensch und Kultur, an Land und Landschaft etc. Welchen Schwerpunkt man da setzt, bleibt jedem selbst überlassen. Solange man sich voller Respekt im „anderen Land“ bewegt, oder? Sonnige Grüße, Jutta

    • Hi Jutta,

      das finde ich einen sehr interessanten Punkt, dass sich die Reiseart oft auch bei der gleichen Person je nach Trip unterscheidet. Das geht mir nämlich auch so.

      Ich denke da nun weniger an Kleider und Gepäckstücke, sondern eher an die Länge einer Reise. Ich merke: Wenn ich länger unterwegs bin, entwickle ich mich mental mehr zum Backpacker. Ich schaue dann verstärkt auf die Kosten, ich reise langsamer. Wenn ich aber nur zwei Wochen Zeit habe, will ich diese wenigen Tage Zeit optimal nutzen und möglichst viel sehen.

      Gruss,
      Oli

  4. Lieber Oli

    Deine Worte sind Balsam und zugleich ein unangenehmer, jedoch sehr wichtiger Spiegel. Danke, für diesen Beitrag.

    Ich bin nach vielen Jahren Reisen an den gleichen Punkt gekommen (oder zumindest meistens, das klappt noch nicht immer) und finde heute auch, dass Touristen, Urlauber, Backpacker usw. alle einfach Menschen sind, unter denen es sehr nette, nette und manchmal nur mittelnette gibt. Jeder hat eine Art von Reisen gewählt, die für ihn oder sie zu diesem Zeitpunkt aus was für welchen Gründen genau so stimmt.

    Selber habe ich seit meiner ersten langen Reise vor 22 Jahren immer wieder Fehler gemacht, bin in unendlich viele Kulturfettnäpfchen getappt und war auch nicht immer (und bin es auch noch nicht immer) tolerant. Das Tolle daran ist, dass mir all meine Fehler vergeben und mir zugestanden wurde, an ihnen wachsen zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Oft verfliegen die Vorurteile, wenn wir das Gespräch mit Menschen suchen, eben gerade auch mit denen, die uns vielleicht weniger sympathisch sind. Wir hatten im Transmongolian Zug eine solche Erfahrung gemacht. Wir reisten mit den Kindern, damals fünf und sechs. Von den Asiaten waren wir nur Aufmerksamkeit und Liebe gewohnt. Im Zug hatte es vorwiegend ausländische Backpackers und viele davon, vor allem die Jungen, waren sehr unfreundlich zu uns. Bei einem längeren Stopp ergab sich ein Gespräch mit einem der Backpacker. Er entschuldigte sich bei uns für seine Art. Es hätte ihn halt genervt, weil er zuhause der Coole gewesen sei, der, der so eine Reise wagte. Nun sehe er, dass sogar Familien mit kleinen Kindern so was täten und er hätte sich angegriffen gefühlt. Das Gespräch war fruchtbar und schön und als der Zug in der Mongolei einfuhr, waren wir alle gut befreundet.

    Noch einmal, DANKE, Oli.

    Nadine

  5. Hallo, sehr, sehr interessant. Backpacker-Bashing war mir ganz neu. Ich kenne alle Formen des Reisen aus eigener Erfahrung, von der Kreuzfahrt bis zum Trekiking im Himalaya. Alles hat seine Berechtigung und Leute, die das mögen. Am liebsten reise ich auch mit 59 noch als Backpacker. Was mich aber an den Backpackern häufig stört, ist die Arroganz, mit der sich Backpacker für die einzig wahren Reisenden halten, die Arroganz mit der sie auf Pauschaltouristen runterblicken. Und dass sie sich häufig selbst gar nicht als Touristen wahrnehmen. Ja, Toleranz fängt bei sich selbst und seinen Mitreisenden an. Ich werde mich sicher bald in einem eigenen Beitrag zur Blogparade äußern.
    LG
    Ulrike

    • Hallo Ulrike,
      ja, die ideologische Fixiertheit auf die eigene Art des Reisens gibt es in jeder Gruppe. Wie oft musste ich anderen Touristen zuhören, die mir erzählten, dass sie keine Touristen sind, sondern Reisende. Als würde diese Umwertung durch einen anderen Begriff irgendetwas ändern.
      Bin auf deinen Beitrag gespannt.
      Gruss,
      Oli

  6. Ich denke man muss hier unterscheiden. Es gibt aus meiner Sicht die Backpacker und dann gibt es da die langzeit-lowbudget-rucksack-touris.
    Backpacker sind Leute die reisen um neues zu erleben, Kulturen kennen zu lernen usw..
    Leider musste ich, speziell in Australien, feststellen das die meisten Kiddies die heutzutage mit dem Rucksack losziehen und sich Backpacker nennen tatsächlich kein Interesse an dem Land oder der Kultur haben. In SEA wars etwas besser aber da gibt’s auch mehr Kultur als bei den Aussies da kommt man ja kaum dran vorbei 😉

    Die Leute fahren dort hin, lassen die Sau raus, besaufen sich, randalieren, machen Dinge die Sie daheim nie tun würden und verhalten sich Respektlos gegenüber den Einheimischen.
    Diese Einstellung spiegelt sich auch wieder wenn man z.B. in diversen „Australien Backpacker“ Gruppen auf Facebook unterwegs ist. Da wird oft gefragt ob man einen Strafzettel bezahlen muss oder
    ob man Probleme bei der Ausreise bekommt wenn man es nicht tut.
    Da kommt so eine „Ist ja nicht mein Land, ich komm eh nicht wieder, scheißen wir doch auf die Gesetze und Bräuche hier“-Einstellung durch.

    Es gibt einige wenige die ich bewundere, wie den Typen den ich auf Bali kennen gelernt hab und der jetzt auf Haiti irgend eine Hilfsaktion durchgezogen hat einfach nur weil er sowieso grad da war oder das Mädel das seit 2 Jahren mit dem Rad um die Welt fährt und aus Überzeugung kein Flugzeug benutzt hat. Aber diese Leute sind eben die Ausnahmen,
    die meisten anderen sind nur wannabe Individualisten, die denken sie sind die aller coolsten weil Sie mit einem Rucksack am anderen Ende der Welt sind.

    Nun gut jedem das seine aber der schlechte Ruf der Backpacker kommt nicht von ungefähr.

    • Oliver Zwahlen

      Klar gibt es Leute, die die Sau rauslassen und randalieren. Das hat aber meiner Meinung nichts mit dem Rucksack zu tun. Betrunkene All-Inklusive-Ballermann-Touristen benehmen sich auf Mallorca in etwa gleich daneben wie betrunkene Backpacker in Vangviang. Und das beschränkt sich nicht einmal aufs Reisen: auch nach jedem zweiten Fussballspiel gibts ein paar Leute, die randalieren. Trotzdem wäre es etwas arg an den Haaren herbeigezogen, wenn ich deswegen behaupte, dass alle oder auch nur die meisten Fussballfans Hooligans seien. Respekt gegenüber Kulturen hat meiner Meinung und Erfahrung nach weder etwas mit dem bevorzugten Gepäckstück noch mit dem Budget zu tun, sondern einzig und allein mit der inneren Einstellung.

  7. Nicht das dies nun elementar ist aber bei der Blogparade von Flocutus, ging es um generelle Reisetypen. Backpacker ist augenscheinlich ein Teil davon.

    Ich als naher Außenstehender habe den Hass allerdings noch gar nicht wahrgenommen. Vielleicht erfährt man diesen nur, wenn man sich als Teil der Backpacker-Community versteht? Ich könnte nun auch sagen, dass jeder nach seinem Gusto reisen sollte aber das wäre zu einfach.

    Ich habe viele Artikel verfolgt und bemerkt, dass fast alle Blogger von Ihrem Reisestil überzeugt sind. Viele haben bereits über Gruppenreisen gelästert oder aber Pauschalreisen nieder gemacht. Nun wird sich aber darüber echauffiert, wenn andere das Backpacking schlecht machen?

    Genau an dieser Stelle hat für mich die Parade angefangen. Die meisten Beiträge die ich folgend gelesen haben, mussten diese Diskrepanz ebenfalls feststellen. Also, dass sie „vorher“ andere Reisetypen schlecht gemacht haben und nun selbst bemerkten, es ändert sich mit der Zeit 😉

    Will damit grundlegend wohl auch nur schreiben, dass solche Meinungen häufig von der aktuellen Sichtweise abhängig sind. Wie sagt man so schön: „Von Innen sieht ein Hamsterrad auch wie eine Karriereleiter aus“

    Danke Oliver für deinen interessanten Beitrag. Besonders die Worte: „Als würde diese Umwertung durch einen anderen Begriff irgendetwas ändern.“ haben sich bei mir eingeprägt.

    Meinen Beitrag habe ich hinter meinem Namen versteckt 😛

    LG Daniel

    • Oliver Zwahlen

      Hallo Daniel,

      den Beitrag habe ich lange vor der Blogparade von Flocutus geschrieben. Ich nahm hauptsächlich deswegen an ihr und der von my-roads teil, weil wir vor ein paar Wochen zusammen in unserer Blogger-WG in Bangkok sassen und uns über das Thema unterhielten. Deswegen trifft das Thema auch nicht so ganz 100 Prozent zu.

      In einem Germanistikseminar wurde einmal ein Buch über Reisende besprochen. In der Diskussion ging es um Selbstdefinition. Eine Studentin sagte: Ja, er ist ein Tourist. Ein anderer wies darauf hin: Nein, er sagt ja ausdrücklich, dass er kein Tourist sei. Eine Dritte erwiderte: Das Abstreiten, ein Tourist zu sein, macht ihn doch genau zu einem Touristen.

      „Hass“ ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich denke, dass du diese Ablehnung in allen Gruppen findest. Das hat nicht so viel mit Backpackern und einer Backpacking-Community zu tun. Aber klar ist natürlich, dass es mehr auffällt, wenn eine Gruppe kritisiert, der man sich selber zugehörig fühlt.

      Liebe Grüsse,
      Oliver

  8. Blogger-WG in Bangkok, klingt herrlich, wenn man sich das bildlich vorstellt.

    Die Selbstdefinitions-Problematik habe ich im Freundeskreis auch schon häufig geführt. Ich mag in dem Zusammenhang auch die Bilder: „So stellen sich deine Freunde dein arbeit vor, so deine Eltern, das denken Fremde und so ist deine Arbeit“ … . Jeder Mensch kann sich ja selbst ja nur ein Bild machen. Manchmal ist das deckungsgleich, manchmal nicht!

    LG Daniel

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