Freitag, 15. Dezember 2017
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Übers Altern: Wie sich mein Traum von der Weltreise veränderte

Eine Weltreise im eigenen Campingbus: Das wäre noch immer eine Option. Foto: Nick Page / Flickr
Eine Weltreise im eigenen Campingbus: Das wäre noch immer eine Option für mich. Foto: Nick Page / Flickr

Ich habe mich verändert. Heute hege ich nicht mehr die gleichen Wünsche, wie vor 17 Jahren, als ich das erste Mal meinen Rucksack schulterte und einen Monat lang durch Peru und Bolivien reiste. Was bei mir anders wurde, verrate ich dir in diesem Artikel.

Es mag überraschen, dass ich noch nie eine Weltreise unternommen habe, obwohl ich hier ein Weltreisemagazin und ein Weltreiseforum betreibe. Ich habe meinen Fuss zwar schon auf alle fünf Kontinente gesetzt, mehrere Jahre im Ausland verbracht und sowohl während des Studiums wie auch später bei Stellenwechseln jeweils mehrmonatige Reisen unternommen. Doch eine eigentliche Weltreise, also ein Trip der einmal um den ganzen Erdball führt, steht bei mir noch immer auf der grossen Wunschliste, genauso wie schon vor 20 Jahren.

Während die grundsätzliche Sehnsucht nach der Ferne nicht abklang, hat sich jedoch der Inhalt des Wunsches verändert. Als Gymnasiast stellte ich mir die perfekte Weltreise als ein Tramper-Abenteuer mit der angehimmelten Mitschülerin vor, die sich nie für mich und meiner Träumereien interessierte. Ich bin dann alleine losgezogen und habe auch ein paar Strecken als Anhalter zurückgelegt (zum Beispiel in Japan, worüber in diesem Artikel schrieb), doch im Verlaufe der Zeit stellte ich fest, dass eigentlich Backpacking für junge Menschen wie mich ideal ist. Und das habe ich bis heute auf fast all meinen Reisen so gemacht.

Wieso Backpacking heute nicht mehr sein muss

Versteh mich bitte nicht falsch! Ich finde Rucksackreisen genial und ich lege sie jedem ans Herz, der noch nie selbstorganisiert durch die Welt gereist ist. Die vielen grandiosen Erfahrungen, die ich in fast 50 Reiseländern machen durfte, würde ich um nichts in der Welt missen wollen.

Doch mit den Erfahrungen wächst man auch. Ich merke immer stärker, dass mir das Konzept der Rucksackreisen nicht  mehr die erwünschte Freiheit gibt, sondern mich vielmehr einschränkt. Um als Backpacker durch die Welt ziehen zu können, brauche ich einen einigermassen funktionierenden öffentlichen Verkehr, ich brauche Läden, in denen ich mich versorgen kann, und ich brauche auch Unterkünfte, in denen ich schlafen kann.

In lokalen Transportmitteln durch Laos: Ein tolles Abenteuer, aber auch ein anstrengendes. Foto: Oliver Zwahlen
In lokalen Transportmitteln durch Laos: Ein tolles Abenteuer, aber auch ein anstrengendes. Foto: Oliver Zwahlen

In vielen Ländern habe ich das. So halte ich beispielsweise Malaysia für das perfekte Land für einen Rucksackurlaub. Ebenso sind der Rest von Südostasien, ganz Indien und viele Länder in Lateinamerika hervorragend auf Backpacker zugeschnitten. Es gibt jedoch auch ganz viele Reizeziele, an denen diese Infrastrukur ganz einfach fehlt. Wenn du im australischen Outback unterwegs sein willst, kommst du beispielsweise kaum um ein eigenes Auto herum. Es gibt zwar geführte Touren, aber die sind erstens sündhaft teuer und zweitens widersprechen sie dem Selbstverständnis eines Selbstreisenden. Etwas Ähnliches empfand ich in Kirgistan oder im Iran: Dort fehlte es vor allem an passenden Unterkünften.

Von neuen Sehnsuchtsorten

Die Länder, die mich heute reizen, sind fast alle so. Ich würde beispielsweise gerne einmal Afrika von Nord nach Süd durchqueren oder in Papua Neuguinea die Einheimischen in ihren traditionellen Holzhäusern am Sepik besuchen und von dort einen Abstecher auf die Salomonischen Inseln unternehmen. Doch als Backpacker komme ich ganz einfach nicht hin. Zwischen Port Morsby und dem nördlichen Teil von Papua gibt es nicht einmal eine Schotterpiste.

Für beide Ideen bräuchte ich ein eigenes Fahrzeug. Für den Südpazifik wäre vermutlich ein Segelschiff das Verkehrsmittel der Wahl. Quer durch Afrika wäre ich wohl mit einem Vier-Rad-Jeep, einem Camper oder am besten gar mit einem umgebauten Lastwagen unterwegs, wie dies beispielsweise Simone und Olaf oder Sabine und Thomas tun, die ich vor einiger Zeit interviewt habe. Immerhin: wenn ich mir auf Online-Verkaufsplattformen wie Markt.de anschaue, was ein gebrauchter Camper kostet, scheint mir zumindest mein Afrikatraum in greifbarer Nähe zu sein.

Ich habe den Eindruck, dass ich nicht der einzige bin, dessen Traumziele sich im Verlauf des Lebens ändern. Und ich glaube, dass die Reihenfolge der Ziele tatsächlich einer inneren Logik folgt. An der australischen Ostküste habe ich hauptsächlich Studeten getroffen, die die Sprache lernten oder einen Working-Holiday absolvierten. Viele von ihnen reisten danach weiter nach Südostasien für eine längere Backpacker-Tour. Wenn ich mich jedoch unter den Reisebloggern nach Leuten umschaue, die viel in Afrika unterwegs waren, finde ich kaum jemanden unter 30 Jahren. Ich denke nicht, dass das nur am Geld liegt. Madagaskar, Äthiopien oder Malawi lassen sich alle mit einem nur gering höheren Budget bereisen als Thailand.

Wie das Altern das Reisen verändert

Wo würde ich im Jahre 2034 nach einem dreimonatigen Backpackertrip aussehen.
Mit einer Alterungsapp: So würde ich  2034 nach einem dreimonatigen Backpackertrip aussehen.

Für mich kommt allerdings neben den sich veränderten Sehnssuchtsorten auch noch ein weiterer Aspekt zum Zug: Mein alternder Körper. Auch wenn ich grundsätzlich gesund und fit bin, spüre ich trotzdem, dass mir gewisse Dinge nicht mehr guttun – zum Beispiel eine ganze Nacht in einem Tata-Bus durch den indischen Himalaya zu kurven und kein Auge dabei zuzutun. Ich merke, wie ich mich heute viel leichter im Durchzug erkälte, wenn ich total übermüdet bin, als vor zehn Jahren.

Hatte ich früher den Nachtbus genommen, um eine Hotelübernachtung zu sparen, ist es heute umgekehrt und ich nehme das Flugzeug, um eine 15-stündige Zugfahrt zu vermeiden. Ich kann mir das inzwischen auch ganz einfach besser leisten, weil ich ein paar Jahre gearbeitet habe und nicht mehr auf jeden Cent achten muss.

Obwohl ich noch immer gerne eine Wanderung unternehme und dabei auch problemlos in Zelten schlafe wie zuletzt bei der dreitägigen Tour auf den indonesischen Vulkan Rinjani, will ich nun einen gewissen Standard, was meine übrigen Unterkünfte angeht. Es dürfen noch immer Massenschlafsäle sein, aber lärmige oder schmuddelige Zimmer kommen nicht mehr in Frage – egal, wie billig sie sind.

Vor allem aber wurden meine Reisen immer ruhiger und langsamer. Ich habe inzwischen so viele atemberaubend tolle Dinge gesehen, dass ich nicht mehr jede Kirche, jeden Markt von Einheimischen oder Tempel sehen muss. Ich möchte vielmehr ins Leben einer anderen Kultur eintauchen und auf mich wirken lassen. Ich möchte die Natur erleben. Dafür brauche ich aber keinen Rucksack.

/// Vielen Dank an den Flickr Nutzer Nick Page für die Verfügungstellung des Bilder unter der CC-Lizenz. //

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

20 Kommentare

  1. Deine Filter lassen immer noch sehr viele Länder als Reiseziele zu. Klar, Afrika und Australien haben nicht die nötige Infrastruktur. Alles was auf und neben dem Banana Pancake Trail und dem Gringo Trail liegt schon und das reicht erstmal ein paar Jahre. Allein für ein Land wie Indien oder Indonesien braucht man unter 6 Monaten nicht rechnen…

    Bis man das alles gesehen hat, gibt es vielleicht auch einen Mzungu Trail durch Afrika. Teile von Westafrika sollen ja schon möglich sein als Backpacker. Und irgendwann wird auch die Überlandroute nach Südasien wieder funktionieren, besser bekannt als Hippie Trail (;

    • Vielen Dank fürs Feedback, Florian. Natürlich gibt es noch einige Länder und Reiseziele, auch wenn ich auf den Banana Pancake Trail mit der Ausnahme vom Toba-See jeden der im Wikipediaartikel verlinkten Artikel besucht habe. Beim Gringo Trail doch auch immerhin ein beträchtlicher Teil. Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht so sehr. Ich war war beispielsweise noch nie auf den Philipinnen, obwohl ich überzeugt bin, dass das ein tolles Reiseziel ist. Allerdings frage ich mich, wie viel Neues ich dort als Backpacker erleben kann. Würde ich jedoch durch die Region segeln, dann hätte ich nur einfach eine weitere Destination abgehakt, sondern ein ganz anderes Reisesgefühl erleben können. Ich glaube, ich muss diesen Aspekt im Text noch etwas deutlicher machen.

  2. Hallo Oliver,

    irgendwie finde ich mich in Deinem Text auch ein wenig wieder. Backpacking ist sicherlich eine Reisemöglichkeit. Aber ich habe heute nicht mehr die Lust in den Traveler-Lodges zu übernachten, in denen alle mit orangefarbenen oder blauen Reiseführern aufschlagen. In Absteigen, in denen ich vor 30 Jahren gehaust habe, bekommt man mich bzw. uns auch nicht mehr hinein. Wenn ich mal zelte, ist meine Schlafunterlage um ein paar Zentimeter dicker als früher. Ja, ich gebe zu (ich) wir fliegen auch lieber, als 15 Stunden in einem Bus durch die Nacht zu fahren.

    Allerdings habe ich mal als Backpacker Kalimantan durchquert. Das hätte ohne Rucksack wahrscheinlich nicht funktioniert. Gleiches gilt für Trekkingtouren. Wenn wir aber in Thailand unterwegs sind, haben wir ein Auto und keinen Rucksack. Den braucht man höchstens noch als Daypack. Ja, ein Auto hat schon Vorteile und man kann sehr flexibel und individuell sein Touren gestalten.

    Backpacking, also früher sagte man Rucksackreisen :-), gehört sicher irgendwo dazu und wer jung ist, sollte auf jeden Fall damit anfangen. Aber muss ich denn als Backpacker in den 20ern unbedingt in einem etwas teureren Hotel absteigen, wie ich es letztens gesehen habe. Gehören nicht die Guesthouses oder Lodges einfach dazu?

    Was meine Sehnsüchte angeht, gehört auch Afrika noch zu meinen Zielen, Papua, Amazonas und Bhutan ebenso. Mal sehen, was sich noch realisieren lässt (meine Frau muss ja auch irgendwie mitziehen), man wird ja wirklich nicht jünger. 🙂

    Schöne Grüße
    Volker.

    • Hallo Volker,

      wusste ichs doch, dass ich nicht der erste Backpacker bin, der nach und nach bequemer wird. Und viel Glück bei der Überzeugungsarbeit. Ich denke deine Sehnsuchtsziele sind es wert, dass du deiner Frau ein bisschen „bearbeitest“… 🙂

      Gruss,
      Oliver

  3. Ich erwische mich auch immer öfter dabei, dass ich überlege, ob ich mir diese 12 Stunden Busreise jetzt antue oder nicht. Aber manchmal geht’s nicht anders und dann mache ich es selbstverständlich trotzdem. Am Ankunftstag bin ich dann aber jeweils nicht mehr zu viel in der Lage.

  4. Lieber Oliver

    Wieder sehr schön geschrieben und auch ich finde mich in einigen Stellen wieder. Die USA und Mexiko haben wir im eigenen Fahrzeug bereist und obwohl es uns viel Freiheit geschenkt hat, hat es uns auch viel genommen. Du musst immer auch noch an das Fahrzeug denken, wo parkieren? wo ist es sicher? Dann haben wir fast ebenso viel Zeit in Werkstätten verbracht, wie auf den Strassen. Das führte zwar wiederum zu tollen Begegnungen, aber Freiheit war das auch nicht.

    Ich komme immer mehr zum Schluss, dass die Freiheit in uns drinnen ist und die Reiseart auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten angepasst wird. Dann kommt es gut.

    Danke Oliver, dass du immer so schöne Themen so interessant und feinfühlig präsentierst. Dein Blog ist wie immer eine Freude.

    Nadine

    • Vielen Dank für das liebe Lob, Nadine. Das hab mich sehr gefreut. Mit dem Auto und der Freiheit hast du sicherlich Recht. Ich denke für mich spielt auch einfach eine grosse Rolle, dass ich das Backpacking inzwischen gut kenne und sich meine Sehnsüche nach neuen Reiseorten halt auch mit einem Wunsch nach neuen Reisearten verbindet. Siehe dazu auch meinen Kommentar an Florian. Gruss, Oliver

  5. Ich schätze das ist der ganz normale Prozess des Lebens. Mit 20 macht man einfach andere Dinge, als mit 40. Eigentlich bin ich Backpackerin mit Herz und Seele. Aber mit 41 hab ich nun mal einfach nicht mehr die Not die günstigsten Hütten inkl. Ratten und Co. anmieten zu müssen. Nennt mich spiessig, aber ich steh mittlerweille auf ne ordentliche Matratze ohne bedbugs und Rückenschmerz. Und auf mein eigenes Bad mag ich auch nur noch zur Not verzichten. Ich hab diese ganzen Backpackererlebnisse nach einer einjährigen Welt- und einjährigen Australienumrundung zigfach durch und bekenne mich mittlerweile als leidenschaftliche Flashpackerin. Und das mit dem Van solltest Du in der Tat irgendwann machen. Ich habe in Australien ein Jahr in so einem Ding gelebt und mir auch in NZ für 3 Monate einen gekauft. Das waren die allercoolsten Zeiten.

  6. Na, ja,

    so alt seid ihr auch nicht. Mit fast 47 habe ich ne nette Trekkingtour in Thailand gemacht, mit Übernachtung auf einem Holzboden. Die letzten Jahre bin halt viel gefahren und habe mal die eine oder andere Wanderung in den Bergen gemacht. Man wird zwar nicht jünger, dieses Jahr werd ich 55, aber alt fühle ich mich noch nicht und laufen kann ich auch noch ziemlich gut. Hin und wieder zwickt es halt etwas. 🙂

    Aber ansonsten ist ja oben schon vieles angesprochen worden, es muss ja nicht immer das Einfachste sein. Und stundenlange Busfahrten in alten Klapperkisten sind ja manchmal ganz lustig. Da ich aber schon eine Menge davon mitgemacht habe, brauche sie heute nicht mehr unbedingt. 😉

    • Volker, nee…um Gottes Willen….so alt sind wir noch nicht. Ich würde das auch alles noch machen. Ich brauch das aber nicht mehr unbedingt und ziehe nun auch gerne mal die „luxuriösere“ Variante vor. Das ist halt der Unterschied.

  7. Das kann ich nur unterschreiben. Mit mittlerweile 40 und Kind habe ich schon länger Abstand genommen von Backpackerunterkünften. Dann noch lieber im Zelt. Wenn ich könnte würde ich glamping machen. In Afrika. :). Homestays, Ferienwohnung, anything, aber kein billiges hostel Zimmer mehr. Der ausgebaute Bus ist auch noch ein Traum von mir, aber uns fehlt der Mann an Bord :). Danke für den schönen Bericht. Unterscheidet sich angenehm von den sich teilweise immer wiederholenden Berichten und Interviews anderer Nomads.

  8. Hoi Oliver

    Ich denke auch, dass dies ein ganz normaler Prozess ist, den du da beschreibst. In den meisten Fällen startet ein „Reiseleben“ mit einer klassischen Backpackerreise in jungen Jahren. Bei mir war’s auch so, ich bin mit 19 Jahren das erste Mal sieben Monate durch Südamerika gereist. Obwohl ich jetzt „erst“ 29 bin, reise ich nicht mehr so wie damals. Ganz klar ist mein Standard gestiegen, vor allem auch was Unterkünfte anbelangt (ehrlich gesagt, war ich schon immer ein bisschen ein Snob – ich steh‘ nicht besonders auf Massenschläge).

    Wenn dann mal die „klassischen Routen“ abgeklappert sind und das Fernweh noch nicht verflogen ist, kommt doch immer der Hunger nach einer anderen Reiseart. Eben auch nach Destinationen, die nicht einfach mit ÖV und Rucksack erreicht werden können und daher unter Umständen etwas kostspieliger sind.

    Jedes Alter nimmt sich eben, was es verlangt. Ist ja auch gut so.

    Happy travels,
    Sarah

  9. Ich denke mal, die Mischung macht’s. Ich bin letztes Jahr in Sri Lanka unterwegs gewesen und die öffentlichen Busse, naja, es gibt bequemere. Die Alternative wäre ein Wagen mit Fahrer gewesen und darauf hatte ich keine Lust. Dafür aber auf den Zug 1.Klasse in die Berge. Und im Jemen war ich organisiert unterwegs, immer noch mit viel Freiheit vor Ort, weil nur der Transport und die Unterkunft organisiert waren, aber alles andere wäre in meinen Augen ziemlich leichtsinnig. Es macht schon einen Unterschied und man verändert sich auch, wäre schlimm, wenn nicht 😉 Aber mit offenen Augen durch die Welt reisen, neugierig bleiben und geniessen.
    *lach* ja, ich muss inzwischen auch nicht jeden Tempel gesehen haben.

    LG
    Ivana

  10. Hahahaa – ich habe mich über die Posts köstlich amüsiert… Bei dem einen oder anderen Verfasser, die alle zwischen 30 und 40, sagen wir 45, sein müssen, habe ich das Gefühl, dass sie nicht mehr lange reisen werden. Wartet mal, bis ihr 70 oder noch ein paar Jahre älter seid. Ich bewege mich – mit 73 – auch noch nicht auf allen Vieren, aber es gibt immer mehr Situationen, da denke ich „Scheisse, das muss ich nicht mehr haben“. Ich muss nicht mit Rotel Tours und vierzig Mitreisenden durch die Lande cruisern oder mit der Eisenbahn von Nairobi nach Mombasa (mit einer schon fast üblichen Verspätung von zehn und mehr Stunden) fahren. Ich muss auch nicht mehr in der Regenzeit in einem Minizelt übernachten, das überall leckt. Ich muss mich nicht mehr von Ugali (Maisbrei) ernähren, der nach Kleister schmeckt und auch dieselbe Konsistenz hat. Und ich habe auch weder Lust auf zudringliche Souvenirverkäufer, die auf meinem Nervenkonstüm herum trampeln, noch auf getunte Beachgirls, die mir nach zehn Minuten schwören „I love you“…
    Doch, doch, ich reise noch immer – aber anders, als mit 20, 40 und 55.
    Gruss WILLI

  11. Bestimmt ändert sich das Reiseverhalten mit dem Altern. Vor allem dadurch, wenn man Erfahrungen gesammelt hat und sich auch auf Abwege von den „normalen“ Routen traut. Und dann macht es der Mix- ich finde z.B. öffentliche Verkehrsmittel interessanter, einfach, weil man mehr mitbekommt als in nem Mietwagen. Andererseits sind Bedbugs einfach eklig 🙂 das muss nicht sein!

    Wir sind vor allem durch unsere Reisedauer einfach gemütlicher geworden. Mittlerweile sind wir 10 Monate unterwegs und genehmigen uns halt ein paar Tage mehr an manchen Orten. Und da wir auch nicht mehr 20 sind, haben wir meist gern unsere Ruhe am Abend, zum Lesen, Schreiben oder so… Verteufeln würd ich die „typischen“ Backpacker aber nicht, ich denk, das meiste ist einfach Alters- und Erfahrungsabhängig.

    Gute Reise weiterhin & viele Grüße,
    Aylin

    • Das stimmt. Ich finde die öffentlichen Verkehrsmittel auch unglaublich spannend. Vor zehn Jahren bin ich mal in in Mumbay mit dem Vorortszug während der Rushhour zum Flugplatz gefahren. Der sah so aus, wie wir das von den Bildern kennen: Die Leute hängen an allen Ecken aus den Wägen, stehen draussen auf dem Trittbrett und so. Das war eine grandiose Erfahrung, die ich – so unangenehm sie auch war – auf keinen Fall missen möchte. Trotzdem bin ich sehr viel bequemer geworden und würde mir das heute eher nicht mehr antun. Vor wenigen Wochen war ich dann auch zum ersten Mal mit einem Mietwagen in Portugal unterwegs. Da hat man zwar weniger Interaktion mit den Menschen, aber irgendwie gefiel mir das troztdem sehr gut.

  12. Hallo Oliver,

    interessanter Artikel, auch wenn schon ein bisschen älter – aber vielleicht liest du die Kommentare ja trotzdem noch.

    Ich kann zwar deine Bequemlichkeit beim Schlafen (noch) nicht nachvollziehen, dafür kenne ich das Gefühl, langsamer reisen zu wollen um so besser.
    „Vor allem aber wurden meine Reisen immer ruhiger und langsamer. Ich habe inzwischen so viele atemberaubend tolle Dinge gesehen, dass ich nicht mehr jede Kirche, jeden Markt von Einheimischen oder Tempel sehen muss. Ich möchte vielmehr ins Leben einer anderen Kultur eintauchen und auf mich wirken lassen. Ich möchte die Natur erleben. Dafür brauche ich aber keinen Rucksack.“

    Mich würde interessieren, wie du das mit dem Eintauchen in eine andere Kultur machst. Ich war jetzt zwei Monate in Europa (!) unterwegs mit dem Rucksack und da fand ich es nur über couchsurfing möglich, wirklich die lokale Kultur kennenzulernen, da man ja in Hostels immer auf andere Ausländer trifft.

    Jetzt geht’s im Camper weiter, weil ich auch keine Lust mehr hatte auf jeden zweiten Tag neue Unterkunft suchen 😉 Gespannt bin ich darauf, wie allein ich dabei sein werde, da ich keine Campingplätze anfahre 🙂

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