Montag, 18. Dezember 2017
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Wie ich mein Upgrade in die Business Class bekam

Ohne störende Flügel: Sogar die Aussicht auf die Karpaten ist in der Business Class (leicht) besser. Fotos: O. Zwahlen
Ohne störende Flügel: Sogar die Aussicht auf die Karpaten ist in der Business Class (leicht) besser. Fotos: O. Zwahlen

Ein kostenloses Upgrade in die Business Class, das ist es, was sich wohl die meisten Passagiere der „Sardinenklasse“ beim Checkin wünschen. Bei mir ging dieser Wunsch auf dem Flug nach Peking in Erfüllung. In diesem Beitrag schreibe ich über meine Erfahrungen bei Checkin und auf dem Flug.

Manchmal überrascht mich, wie Leser auf meine Artikel reagieren. Als ich vor einigen Tagen Neulingen fünf Tipps zum Bloggen mitgegeben habe, schienen sich viele vor allem dafür zu interessieren, wie ich auf dem Weg nach Peking ein kostenloses Upgrade in die Business Class der Turkish Airlines ergattern konnte.

Deswegen will ich heute schildern, wie ich vorgegangen bin, was die Gründe dafür sein könnten, dass ich trotz meines Backpacker-Looks einen besseren Platz erhielt, und schliesslich möchte ich noch ein paar Worte dazu verlieren, wie es sich anfühlte, in der Business Class zu reisen. So viel vorweg: verdammt gut!

Ich habe lange gezögert, den Beitrag in dieser Form niederzuschreiben. Denn ich denke, dass ich weder der Turkish Airlines noch der Bloggersphäre einen Gefallen tue, wenn ich Reiseblogger dazu ermutige, künftig bei jedem Checkin ein kostenloses Upgrade zu fordern.

Denk also daran: Das ist eine freundliche Geste und keine Pflicht der Fluglinie. Denk ebenfalls daran, dass solche Geschenke für die Airlines langfristig nur interessant bleiben, wenn zumindest ein Teil der Blogger auch etwas über den Flug schreibt. Nach meiner Erfahrung geht das auch, ohne seine Meinung gleich „kaufen“ zu lassen.

So erhielt ich mein Upgrade in die Business Class

Manchmal sind die spontanen Einfälle die besten. Ich stand in der Schlange vor dem Checkin, als mir in Sinn kam, wie ich vor einiger Zeit von einem Reiseblogger las, der sich spontan als solcher zu erkennen gab und daraufhin ein kostenloses Upgrade in die Business Class erhielt. Wieso soll ich das nicht auch versuchen, dachte ich mir.

Nachdem ich mein Anliegen vorgetragen habe, schüttelt die Frau den Kopf. Für Upgrades sei sie nicht zuständig, sagte sie. Das Checkin werde nicht von Turkish Airlines abgewickelt, sondern von einer Partnerfirma. Aber ich könne es ja einmal am Service-Schalter der Turkish Airlines versuchen. Schliesslich habe ich ja ohnehin noch etwas mehr als 90 Minuten Zeit bis zum Abflug.

Viel Beinfreiheit und echte Gläser: Mehr als feine Unterschiede.
Viel Beinfreiheit und echte Gläser: Mehr als feine Unterschiede.

Am Service-Schalter werde ich freundlich empfangen. Ob ich denn eine Visitenkarte habe, fragt die Dame. Solche habe ich zum Glück vor wenigen Tagen drucken lassen. Sie nimmt die Karte entgegen und beginnt zu telefonieren. „Würden Sie denn auch etwas über den Flug schreiben?“, fragt sie mich. Ich nicke. Ja, das kann ich mir gut vorstellen.

Nun werde ich gebeten, mich auf einen der Bänke in der Empfangshalle zu setzen, während sich die Person am anderen Ende der Leitung meinen Blog ansieht. Wie lange ich dort wartete, weiss ich nicht mehr. Es war jedoch eine gefühlte Ewigkeit, während der ich wie auf Nadeln sass. Dummerweise hatte ich die erste Reaktion als verbindliche Zusage missverstanden und bereits getwittert, dass ich in der Business Class fliegen werde. Doch dann winkt mich die Dame zu sich und übergibt mir zwei Boardingpässe. Ich schau kurz darauf und sehe erleichtert: Sitzplatz 2F.

Wieso hat es geklappt?

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich das Upgrade wirklich bekomme. Nachdem ich von anderen Bloggern gehört hatte, dass es bei ihnen nicht geklappt hat, begann ich mir zu überlegen, wieso ausgerechnet ich das kostenlose Upgrade in die Business Class bekam?

Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht. Vermutlich haben mehrere Faktoren zusammengespielt und einer davon war wohl ganz einfach Glück. Ein wichtiger Punkt könnte sein, dass der Flug nicht ausgelastet war. Sowohl von Basel nach Istanbul wie auch anschliessend nach Peking war die Business Class fast leer. Die geringe Auslastung zeigte sich auch daran, dass ich für das Ticket in der Economy Class nur 480 Euro bezahlt hatte, was für die Strecke unglaublich günstig ist (siehe hier, wie du günstige Langstreckenflüge findest).

Ein guter Ort, um die Wartezeit zu überbrücken: Die Business Class Lounge in Istanbul.
Ein guter Ort, um die Wartezeit zu überbrücken: Die Business Class Lounge in Istanbul.

Ein weiterer Punkt ist wohl, dass ich mit inzwischen etwa 20.000 Lesern pro Monat recht vernünftige Besucherzahlen habe und dass ich diese auf der Seite auch gut auffindbar ausgewiesen habe. Damit gehöre ich sicherlich zu den einflussreichsten Reisebloggern der Schweiz.

Ich weiss nicht, wer die Entscheidung in letzter Instanz gefällt hat. Aber ich vermute, dass es geholfen hat, dass man mich bei der Airline bereits in mehrerer Hinsicht kannte: Ich hatte in den vergangenen zehn Jahren mindestens vier Langstreckenflüge mit ihr zurückgelegt und ich kann mir gut vorstellen, dass das irgendwo dokumentiert ist.

Zudem war ich einen Monat zuvor während der ITB auf einer Pressekonferenz der Turkish Airlines und deswegen auf dem Presseverteiler. Nicht zuletzt hatte ich die Fluglinie vor einigen Monaten wegen allfälligen Kooperationen angeschrieben, die dann allerdings (noch) nicht zustande kamen.

Wie ist die Business Class der Turkish Airlines?

Hat sich das Upgrade für mich gelohnt? Auf alle Fälle! Alleine die Tatsache, dass sich der Sitz ganz flach stellen lässt und es so möglich ist, relativ gut zu schlafen, ist viel wert. Wie die Business Class von Turkish Airlines im Vergleich zu anderen Fluglinien dasteht, kann ich mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht gut beurteilen. Ich bin erst einmal so luxuriös geflogen. Das war auf einer Pressereise nach Australien und liegt inzwischen viele Jahre zurück.

Kaum habe ich mich auf meinen Platz gesetzt, wird mir etwas zum Trinken angeboten. In einem richtigen Glas aus Glas! Auf dem kurzen Flug nach Istanbul unterschied sich mein Sitzplatz kaum von den Reihen weiter hinten. Der einzige Unterschied: Zwischen mir und meinem Sitznachbarn gab es jeweils einen freien Sitz, der als Armlehne diente und auf dem ich zusätzlich Sachen hinstellen konnte.

Edel unterwegs: Turkish Airlines gibt sich viel Mühe, dass es in der Business Class edel zugeht.
Edel unterwegs: Turkish Airlines gibt sich viel Mühe, dass es in der Business Class edel zugeht.

Anders auf der langen Strecke nach Peking. Hier konnte ich den Sitz so weit runterlassen, dass es möglich war, flach zu liegen. Da der Flug etwas unruhig war, habe ich letztlich trotzdem nicht gut geschlafen. Positiv fand ich, dass die Sitze nicht versetzt waren. So hätte ich auf dem langen Flug mit jemanden ins Gespräch kommen können, wenn ich einen Sitznachbar gehabt hätte.

Das Essen war echt lecker (allerdings finde ich, dass Turkish Airlines auch in der Economy Class überdurchschnittlich feines Essen serviert) und letztlich viel mehr als ich verschlingen konnte. Auffällig war auch, wie viel Mühe sich die Flugbegleiter gaben, die Speisen möglichst edel zu präsentieren. Das ist im Rahmen dessen, was in einem Flugzeug möglich ist, durchaus sehr gut gelungen. Besonders hübsch fand ich die kleinen Salz- und Pfeffersteuer, deren Form gleich erkennen liess, dass wir mit einer Airline aus dem Morgenland unterwegs sind.

Was mir hingegen weniger gefiel: Als ich in die Business Class Lounge in Istanbul gehen wollte, wurde ich zunächst schnippisch mit der Begründung abgewiesen, dass diese nur für Vielflieger mit Goldstatus zugänglich sei. Das ist natürlich vollkommener Unsinn: In Basel war ich sogar extra aufgefordert worden, die Lounge zu besuchen. Zudem hat Turkish Airlines mit Sicherheit nicht genügend Goldmember, um die riesige Lounge auch nur annähernd zu füllen.

Offenbar hatten der Dame am Empfang meine Backpacker-Kleider nicht gefallen. Kleider machen Leute, heisst es. Trotzdem finde ich es bedauerlich, dass Turkish Airlines hier so viel Oberflächlichkeit zulässt. Ein Anruf beim Chef konnte die Sache jedoch klären. Auf dem Rückflug werde ich mich auf alle Fälle in Schale werfen….

Fazit

Ich bin froh, dass es ausgerechnet die Turkish Airline war, die mir dieses Upgrade anbot, da ich die Airline seit Jahren gerne nutze. Was mir an Turkish Airlines immer wieder positiv auffiel, war das Kleingedruckte bei den Bestimmungen: Die Tickets liessen sich in der Regel kostengünstig umbuchen, Stopover sind in Istanbul ohne Zusatzkosten möglich und als ich vor ein paar Jahren ein paar Wochen verspätet merkte, dass ich meinen Rückflug verpasst habe, konnte ich den Rückflug noch immer umbuchen.

Das erklärt vielleicht auch, wieso Turkish Airlines schon vier Jahre in Folge beim Skytrax World Airline Award zur besten Fluglinie Europas gekürt wurde.

Zum ersten Mal hier? Dann lese hier, worum es in diesem Blog geht. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann solltest du dich unbedingt beim monatlichen Newsletter einschreiben, damit du künftig nichts mehr verpasst.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

9 Kommentare

  1. Hallo Oliver,

    erst einmal herzlichen Glückwunsch !!
    Das haste ja gut hinbekommen !!!
    Auch wenn deine Blog’s gut laufen, gehört immer noch ein ganzen Quentchen Glück dazu !!
    Aber ne tolle Erfahrung, kann ich mir vorstellen !
    Wenn man sich dann noch den Preisunterschied für ein und den selben Flug in der selben Maschine vorstellt…..man man man…
    Bei unseren jetzt gebuchten Flüge mit Air Berlin / Etihad sind das ganze 2000 Euro p.P.
    Soviel kostet ja gerade mal unser Urlaub für 6/7 Wochen.
    Aber klasse, dass du es geschafft hast und den Flug mal anders genießen konntest !!!

    Viele Grüße
    Bibo

    • Oliver Zwahlen

      Du meinst den Preisunterschied zwischen Economy und Business Class? Ich finde den schon gerechtfertigt, da man auf gleich viel Platz etwa drei Mal mehr Economy Passagiere unterbringen kann. Aber du hast natürlich recht: Wenn ich mich entscheiden muss zwischen mehr Platz im Flieger und einem Monat länger reisen, dann fällt mir die Wahl nicht schwer. 🙂

  2. HAHAHA das ist ja geil! Herzlichen Glückwunsch zum Upgrade! Obwohl ich schon seit einem Jahr im Besitz der Royal Orchid Silver Card bin (Thai Airways) ist mir das noch nicht passiert. Auch ich hoffe jedes mal dass ich ein Upgrade bekomme, da mein Bekannter auch einmal so etwas gratis bekommen hat.

    Ich hoffe du ergatterst auch das nächste mal wieder ein gratis Upgrade 😉

    Gruß
    Armin @ http://www.4everthailand.com

  3. Habe auch schon mal ein Upgrade ergattert, bei Emirates. Hatte mich auch sehr überrascht, da ich alles andere als „ordentlich“ angezogen war und die Nahct zuvor auf der Bank im Flughafen geschlafen habe (so frisch kann ich nicht ausgesehen haben)^^.
    Der Flug war allerdings komplett voll und ich war auch nicht der einzige, der ein Upgrade bekommen hatte. Ich war einer der ersten beim Check-In, ein Paar vor mir bekam auch ein Upgrade. Vielleicht war es schon absehbar, dass mehr mitfliegen wollen als Plätze vorhanden sind. Es war übrigens mein erster Flug (bzw. der Rückflug) mit dieser Airline, vielleicht eine nette Geste, damit ich nächste mal nochmal dort buche 😀

    • Oliver Zwahlen

      Eine Freundin von mir, die früher am Flugplatz arbeitete, erzählte mir mal, dass „ihre“ Airline eigentlich nur Leute upgradete, die mindestens Frequent Flyer sind. (Ich war immerhin wenigstens bei Miles and More dabei).

  4. Hallo Oliver,

    Glückwunsch zum Upgrade und dazu, dass du mit der Airline schon so gute Erfahrungen gemacht hast. Ich bin bisher 2mal mit Turkish geflogen und muss leider sagen, dass ich so gar nicht zufrieden war. Umso schöner ist es, auch mal solche Erfahrungen wie deine zu hören bzw zu lesen.
    Ich fliege mindestens einmal pro Jahr nach Ghana. Letzten August begleiteten mich meine Eltern und mein Bruder. Für sie war es das erste Mal Afrika und die Reise fing schon gut an. Wir flogen mit Lufthansa (die einzige Airline, die bisher Direktflüge nach Accra anbietet). Als es ans Boarding ging bekamen wir einer nach dem anderen ein neues Ticket in die Hand gedrückt und wurden alle 4 in die Business Class upgegradet. Woran das lag kann ich gar nicht sagen, ich glaube wir hatten einfach nur Glück, aber an das Fliegen in der Business Class könnte ich mich gewöhnen. Als mein Verlobter und ich vor 2 Jahren von Accra zurück nach Deutschland flogen- ebenfalls mit Lufthansa- bekam mein Verlobter eben auch einfach mal so ein Upgrade. Beide Male ohne, dass wir vorher danach gefragt hatten.
    Wer weiß, vielleicht bekommst du ja bald wieder ein Upgrade (=

    Liebe Grüße,
    Wibke Akosua

    • Oliver Zwahlen

      Das ist meinen Eltern auch schon passiert. Soweit ich weiss, liegt das in der Regel daran, dass die Airlines die Flüge überbuchen. Das heisst, sie stellen zum Beispiel 160 Tickets für die Economy Class aus, wenn es dort nur 150 Sitze hat. Denn sie wissen, dass im Schnitt 10 Leute den Flug verpassen. (Die Zahlen stimmen nicht und dienen nur zur Erläuterung.)

      Wenn die Airline Pech hat, dann verpasst niemand den Flug und es stehen plötzlich mehr Leute da als Sitze zur Verfügung sind. In dieser Situation ist es das kleinste Übel die zehn Leute in der Business Class mitfliegen zu lassen.

      Vor ein paar Jahren passierte mir genau das auf einem Flug nach Indien. Ein paar Leute erhielten ein Upgrade und etwa zehn Leute konnten sich freuwillig melden, um den nächsten Flug zu nehmen. Dafür erhielten wir eine Entschädigung über 600 Euro.

      Was war denn dein Problem mit der Turkish Airlines?

  5. Erst einmal vorweg: Ich lese auch all deine anderen Beiträge gerne!

    Trotzdem muss ich zu diesem hier mal nachbohren. 😉 Bist du da an den Schalter und hast gesagt: „Hallo, ich bin Reiseblogger, habt ihr ein Upgrade für mich?“ Ich trau mich sowas immer nicht, ich komm mir dabei so plump vor. Ich habe auch von Journalisten gehört, die beim Hotel Check-in einfach ihren Presseausweis zücken und so Upgrades bekommen, ich trau mich sowas nicht, weil ich denke ich bin damit zu dreist.

    • Oliver Zwahlen

      Genau so habe ich das gemacht. Allerdings nicht beim Checkin-Schalter, sondern beim Airline-Schalter. Ob es letztlich klappt, wird von verschiedenen Faktoren abhängen. Einer davon wird wohl sein, ob deine Seite passende Zahlen aufweist und ob sie der Person, die entscheidet, gefällt.

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