Mittwoch, 25. Januar 2017
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Kulinarisches Mexiko: Tipps für die mexikanische Hauptstadt

Lokale Spezialität aus Oaxaca: Teil des gastronomischen Stadtrundgangs.
Lokale Spezialität aus Oaxaca: Teil des gastronomischen Stadtrundgangs.

Fisch-Tacos, Wein mit Käse und selber zubereitete Kuchen: Wenn dir bei diesen Worten das Wasser im Mund zusammenläuft, dann solltest du unbedingt ein paar Tage in der mexikanischen Hauptstadt verbringen. Denn nirgendwo sonst im Land ist das heimische Essen so vielseitig und so lecker.

Für mich muss ein tolles Essen nicht möglichst chic oder teuer sein. Zwei Dinge erwarte ich trotzdem: Erstens muss mir natürlich schmecken, was angeboten wird und zweitens braucht der Ort einen gewissen Erlebnisfaktor. Genau solche Orte sind es, die ich ab heute in loser Folge empfehlen möchte. Natürlich ist die Wahl jeweils vollkommen subjektiv, daher sind diese Empfehlungen auch bloss als Inspiration zu verstehen.

Diese Reihe starte ich heute mit Mexiko City. Die nächsten geplanten Ausgaben sind zu Peking, Taipei und Seoul. Wenn du dir noch nicht sicher bist, ob Mexiko als Reiseland überhaupt für Dich in Frage kommt, kannst du dir hier anschauen, was dich auf einer Backpackingtour in Mexiko erwartet. Falls du noch Hilfe bei der Wahl von Reisezielen braucht: Hier nennen zehn Reiseblogger ihre Lieblingsorte in Mexiko.

Tipp 1: Ordere Tapas in bester Aussicht

Wenn ich in einer mir unbekannten Stadt ankomme, versuche ich mir so schnell wie möglich einen Überblick zu verschaffen. Nirgendwo geht das in Mexiko-Stadt besser als auf dem Torre Latinoamericana. Als der Wolkenkratzer in den 1950er-Jahren gebaut wurde, war er das höchste Gebäude Lateinamerikas. Diesen Titel trägt der schmale Turm zwar längst nicht mehr. Trotzdem fand ich ihn wegen seines Designs und der Dekoration eindrücklich. Ich fühlte mich Jahrzehnte zurückversetzt und vor meinem geistigen Auge sah ich Don Draper aus der Fernsehserie „Mad Men“ rauchend um die Ecke biegen.

Gute Aussicht: Auf rund 150 Metern Höhe in der Bar des Torre Latinoamericano.
Gute Aussicht: Auf rund 150 Metern Höhe in der Bar des Torre Latinoamericano.

Der Turm verfügt über eine eindrückliche Besucherplattform (kein Glas, sondern bloss ein Gitter zum Schutz). Ich empfehle jedoch, stattdessen eine Etage tiefer in die Bar oder das Restaurant zu gehen. Hier kannst du dich gemütlich in die Sofas hängen und durch die gewaltigen Fenster auf die noch viel gewaltigere Stadt hinabschauen. Nebenbei bemerkt: der Besuch der Bar lohnt sich auch finanziell: Für den Preis, den der Eintritt auf der Besucherplattform kostet, bekommst du in der Bar ein Bier einschliesslich dem kostenlosen Rundumblick.

Eigentlich ist die Aussicht alleine schon Grund genug, um hier erwähnt zu werden. Doch gibt es hier oben auch leckeres Essen. Für 80 Peso habe ich mir einen Teller mit acht oder neun Tapas bestellt. Ich musste zwar lange warten, bis die kleinen Häppchen endlich auf dem Tisch standen. Dafür waren sie ganz frisch und mal ehrlich: Wo gibt’s einen besseren Ort zum Warten?

Tipp 2: Buche einen gastronomischen Stadtrundgang

Ich entdecke Städte am liebsten auf eigene Faust. Führungen mag ich nicht besonders, da ich mir Fakten viel besser merken kann, wenn ich sie vorher oder nachher in einem Buch lese. Der gastronomische Stadtrundgang durch Mexiko-Stadt hat mich trotzdem begeistert.

Grandioser Auftakt: Der gastronomische Stadtrundgang begann mit dem besten Fischtacos ever!
Grandioser Auftakt: Der gastronomische Stadtrundgang begann mit dem besten Fischtacos ever!

Die Tour beginnt kurz nach zwölf Uhr im Restaurant Tres Galcones, das stadtweit wegen seiner grandiosen Fisch-Tacos bekannt ist. Selbst wenn dich der gastronomische Stadtrundgang nicht reizt: Diesen Leckerbissen solltest du auf keinen Fall verpassen.

Unser Guide Rodigro Lopez Aldana sitzt bereits am Tisch. Während wir zusammen auf das Essen warten, beginnt er, die Geschichte des Stadtteils zu erzählen:  Beim verheerenden Erdbeben im September 1985 erlitt Colonia Roma besonders schwere Schäden. Wer es sich leisten konnte, zog von dort in Quartiere, die weniger stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Folge: Tiefe Wohnungspreise, die viele Künstler und Kulturschaffende anzogen. Inzwischen hat sich Colonia Roma in einen Trendort verwandelt mit zahlreichen Boutiquen, Galerien und eben auch einer lebhaften gastronomischen Szene.

Nach 30 Minuten heisst es, zum nächsten Ort aufzubrechen. Der Weg führt uns vorbei an einem verlassenen Restaurant und ehemaligen Freudenhaus vorbei. Alle hundert Meter bleibt Rodigro stehen und erzählt etwas zu einem Gebäude, zu dessen Bewohner oder zum Quartier. Dabei zeigt sich auch der grosse Vorteil des Konzeptes: Es tut gut, zwischen den Degustationen jeweils zehn Minuten zu laufen.

Besuch in einem der lokalen Cafés: Teil des gastronomischen Stadtrundgangs.
Besuch in einem der lokalen Cafés: Teil des gastronomischen Stadtrundgangs.

Der nächste Ort ist das französische Bistro Galia Gourmet, das zwei Brüder aus Frankreich gemeinsam betreiben. Hier gibt es Wein und eine leckere hausgemachte Terrine, wie man sie auch in Paris nicht besser bekommen könnte. Weiter geht es zu einem Verkäufer vom typischen Fladenbrot aus Oaxaca, einem Laden für traditionelle Süssigkeiten und einem Ort, wo auf besondere Art und Weise Café gebraut wird. Die Auswahl zeigt: Colonia Roma ist tatsächlich ein sehr vielseitiges Gebiet.

Es gibt mehrere Anbieter, die gastronomische Stadtrundgänge durch verschiedene Quartiere von Mexiko-Stadt anbieten. Wir waren mit Sabores Mexico unterwegs, bei denen du englisch- und spanischsprachige Touren durch die Colonia Roma und das historische Zentrum buchen kannst. Die Rundgänge beginnen jeden Tag (ausser Sonntag) um 12 Uhr mittags und kosten 50 US-Dollar (Essen und Trinken inbegriffen). Reservation ist erforderlich.

Tipp 3: Kneipentour im Touristenbus

Die typischen Busse, die fast in jeder touristisch interessanten Stadt die Sehenswürdigkeiten verbinden, kennst du vermutlich. Oft sind sie auch unter dem Begriff „Hop On Hop Off“ bekannt, da man in der Regel eine Tageskarte für eine Rundtour kauft und während eines Tages beliebig oft ein- und aussteigen darf.

Klassisches Kneipen-Design: Eine Cantina in der mexikanischen Hauptstadt.
Klassisches Kneipen-Design: Eine Cantina in der mexikanischen Hauptstadt.

Diese Touren gibt es auch im Mexiko-Stadt, jedoch haben sich die Verantwortlichen hier etwas ganz Cleveres ausgedacht: Eine Kneipentour. Jeweils vier „Cantinas“ steuern die Busse an einem Abend auf ihrer rund vierstündigen Rundfahrt an, so dass pro Kneipe jeweils etwa 45 Minuten Zeit bleiben, um ein Bier zu trinken.

Vor allem zwei Dinge hatten mich im Vorfeld interessiert: Auf der einen Seite wollte ich wissen, ob es in Mexiko eine aussergewöhnliche Bar- und Kneipenszene gibt. Anderseits war mir bisher noch nie ein ähnliches touristisches Besuchskonzept begegnet und ich wollte wissen, wie sich so eine Tour anfühlt. Insbesondere fragte ich mich, ob am Ende ein Bus voller betrunkener Touristen durch Mexiko kurven würde.

Ich hatte mir die Tour ziemlich falsch vorgestellt: Zunächst einmal nahmen ausser mit und einer Kanadierin ausschliesslich Latinos an der Rundfahrt teil. Touristen aus Europa oder gar Asien? Fehlanzeige. Auch das Durchschnittsalter war sehr viel höher als ich wartet hätte, so dass der Abend insgesamt sehr gesittet aber auch etwas distanziert ablief.

Gemütliche Kneipe: Teil einer geführten Tour durch Mexikos "Cantinas"
Gemütliche Kneipe: Teil einer geführten Tour durch Mexikos „Cantinas“

Auch die Trinkhallen selbst waren ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Die angesteuerten Ziele waren überhaupt nicht hipp, sondern ganz gewöhnliche Orte, an denen die Menschen nach dem Feierabend mit Freunden ein Bier trinken. Hätte der Führer beispielsweise nicht auf dem ersten Stopp erklärt, dass wir uns in der ältesten Kneipe von Mexiko-Stadt befinden, hätte ich das nie geahnt.

Das klingt nun vielleicht nicht sehr interessant und du fragst dich, wieso ich die Tour trotzdem empfehle? Nun, ich hatte während der Tour das Gefühl, bei den Menschen von Mexiko angekommen zu sein. Falls auch du Lust auf diese Erfahrung hast, findest du die aktuellen Abfahrtszeiten und Preise auf der Website von Turibus.

Tipp 4: Besuch eine Kochschule

Eine besonders gute Art, die lokale Küche kennenzulernen, ist der Besuch einer Kochschule. Die Auswahl an solchen ist in Mexiko-Stadt natürlich gross. Trotzdem habe ich mich für einen Kurs bei der in den USA bekannten Fernsehköchin Ana Garcias im nahegelegenen Tepoztlan entschieden. Eine Wahl, die ich nicht bereute.

Kochen und Zusammensein: In der Kochschule der TV-Köchin Ana Garcias geht es auch um das Gesellige.
Kochen und Zusammensein: In der Kochschule der TV-Köchin Ana Garcias geht es auch um das Gesellige.

Interessant fand ich das Angebot deswegen, weil es kein blosser Kochkurs war, sondern ein regelrechter Kochurlaub. Die meisten Teilnehmer (in unserem Fall fünf Rentner aus den USA) buchten gleich einen Kurs von einer Woche und wohnen während der Zeit in dem sehr schönen, angegliederten Gästehaus. Ich war nur einen Tag dabei.

Jeweils am Morgen geht es gemeinsam mit der Chefköchin auf den Markt, wo die Besucher vieles über lokale Zutaten aber oft auch den neusten Klatsch aus dem Dorf mitbekommen. Insgesamt eine sehr angenehme, unterhaltsame und lehrreiche Art, seinen Urlaub etwas aktiver zu verbringen.

Die Kurse und vor allem auch das Gästehaus sind für das, was sie bieten, verhältnismässig preiswert. Trotzdem dürfte dieser Kochkurs jenseits vom Budget der meisten Backpacker sein. Für weitere Infos empfehle ich einen Blick auf die Webseite der Kochschule.

Bonustipp für Tierliebhaber

Nein, keine Angst: Das ist nicht der krasse kulinarische Tipp, den ich für den Schluss aufgespart habe, sondern eine Würdigung der süssesten Eichhörnchen, die ich in meinem Leben je gesehen habe. Ich kann nicht anders, als sie in diesem Artikel speziell zu erwähnen.

Wieso ich die felligen Tierchen so toll fand? Sie sind zutraulich, wie sonst nirgendwo. Ich habe vereinzelt Eichhörnchen gesehen, die anderen auf dem Schoss sassen und sich dabei in aller Seelenruhe füttern liessen.

Zahme Tiere: So zutrauliche Eichhörnchen habe ich noch nie gesehen.
Zahme Tiere: So zutrauliche Eichhörnchen habe ich noch nie gesehen.

Zu finden sind die Tiere im Park Chapultepec (Achtung: Montag geschlossen) direkt unterhalb des gleichnamigen Schlosses, das ebenfalls sehr sehenswert ist. Nüsse und andere kulinarische Highlights für Eichhörnchen kannst du vor Ort kaufen. Der Park ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Städter, deswegen findest du hier auch jede Menge Essensstände und Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten wie zum Beispiel die Miete von Pedalo-Booten.

Praktische Tipps:

Anreise: Mit grosser Wahrscheinlichkeit wirst du Mexiko-Stadt an den Anfang oder das Ende einer Rundreise setzen und daher mit einem Langstreckenflug aus Europa ankommen. (Siehe hier meine Tipps für die Recherche von günstigen Flügen). Auch innerhalb Mexikos ist es auf längeren Strecken (insbesondere zwischen Mexiko-Stadt und Cancun) oft günstiger zu fliegen als mit dem Bus zu fahren. Günstige Inlandsflüge findest du beispielsweise bei Skyscanner.

Der Flughafen ist mit einer U-Bahn an die Stadt angebunden, allerdings ist die Linienführung unpraktisch, so dass du je nach Ziel ein bis zwei Mal umsteigen musst. Insbesondere während der Stosszeit ist die Metro extrem voll und als beliebter Arbeitsort von Taschendieben bekannt (mir wurde das Handy geklaut). Ins historische Zentrum ist der direkte Metrobus auf alle Fälle die bessere Wahl.

Unterkunft: Ich habe während meiner drei Tage in Mexiko-Stadt auf Einladung von Hostelsclub im Hostel Amigos Suites Downtown übernachtet. Die Dorms sahen etwas stickig aus, aber die Einzelzimmer mit Bad waren hübsch eingerichtet und sehr sauber. Besonders schön fand ich die Dachterrasse, die einen Blick auf das historische Zentrum erlaubt. Einziger Schwachpunkt: Das Internetsignal ist im Zimmer sehr schwach, so dass die Nutzung faktisch nur auf der etwas lärmigen Terrasse möglich ist.

Etwas laut, aber mit grandioser Aussicht: Die Terrasse des Hotels.
Etwas laut, aber mit grandioser Aussicht: Die Terrasse des Hotels.

Die Lage gleich hinter dem Zocalo ist perfekt für Gäste, die ein touristisches Programm vorhaben. Allerdings sind die Strassen im Zentrum nach Einbruch der Dunkelheit ziemlich schnell leer und ich fühlte mich abends nicht sehr wohl. Dass die mehr oder weniger einzigen anderen Menschen teilweise schwer bewaffnete Polizisten waren, hat mein persönliches Wohlbefinden nicht erhöht. Wenn dir also wichtig ist, abends auch auszugehen, empfehle ich eher ein Hostel oder Hotel in der Colonia Roma zu buchen.

Organisation: Im Prinzip kannst du alles, was ich hier erwähne, problemlos selber organisieren, sofern du rudimentäre Spanischkenntnisse hast. Ich habe mir die Ausflüge jedoch vom mexikanischen In-Bound-Reisebüro Viaje de Galas organisieren lassen, da mich diese auf mehrere der oben genannten Ausflüge eingeladen haben.

Die Agentur kann ich uneingeschränkt empfehlen: Die Leute von Viajes de Gala sind sehr nett und hilfsbereit und die Abwicklung erfolgte sehr schnell und professionell. Wer bereit ist, einen Aufpreis dafür zu bezahlen, dass er sich um nichts kümmern muss, ist hier auf alle Fälle gut beraten. Das Angebot beschränkt sich übrigens nicht nur auf Mexiko-Stadt.

Weiterreise: In der weiteren Umgebung von Mexiko-Stadt gibt es eine Reihe von Zielen, deren Besuch sich sehr lohnt. Besonders gut hat mir die alte Silberminenstadt Guanajuato gefallen, die rund vier Stunden nördlich von Mexiko-Stadt liegt. Unterbrechen kannst du die Busfahrt dorthin auch mit einem Zwischenstopp im lohnenswerten Queretaro.

Zum ersten Mal hier? Dann lese hier, worum es in diesem Blog geht. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann solltest du dich unbedingt beim monatlichen Newsletter einschreiben, damit du künftig nichts mehr verpasst.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

2 Kommentare

  1. Cool, der Tipp mit den Eichhörnchen ist ja ein echter #ReiseInsiderTipp 😉
    Ist ja lässig, dass die Kochschule da gemeinsam auf den Markt geht. Was habt ihr dann alles gekocht?

    Kilian

    • Oliver Zwahlen

      Ich glaube, das ist bei Kochschulen ganz normal, dass man gemeinsam auf den Markt. Ich war vor ein paar Tagen in Seoul noch einmal in einem Kochkurs und dort war das auch so, dass wir am Ende auf dem Markt einkaufen gingen.

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