Donnerstag, 23. März 2017
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Japan günstig: Abseits der Trampelpfade im Wohnmobil

Kostengünstig und abseits der Trampelpfade: Japan im Camper. Fotos: weltwunderer.de
Kostengünstig und abseits der Trampelpfade: Japan im Camper. Fotos: weltwunderer.de

Willst du Japan günstig mit der Familie entdecken? Dann ist eine Reise per Wohnmobil vielleicht genau das Richtige für dich. Im Campervan schlägst du zwei Fliegen auf einen Streich: Du sparst die teuren Übernachtungen und kannst abseits der Trampelpfade reisen.

Dies ist ein Gastbeitrag von Jenny Menzel von Weltwunderer.de

Japan-Reisen sind superteuer, heisst es allerorten. Deshalb kommt das Land der aufgehenden Sonne nach wie vor für viele nicht als Reiseziel in Frage. Wir finden das sehr schade, denn wir haben uns auf unserer dreiwöchigen Tour durch Japan regelrecht in das Land verliebt – und auch mit drei Kindern nicht mehr bezahlt als etwa für zwei Wochen all-inclusive am Strand.

Wie wir das gemacht haben? Mit einem super Trick: Wir haben uns die (wirklich hohen) Kosten für die Unterkünfte und für den Transport gespart und dabei das „echte“ Japan fernab der Touristen-Hotspots kennengelernt.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Zugfahren in Japan ist bequem und superschnell, aber nicht eben billig – schon gar nicht mit Kindern. Und auch für ein Hotel oder gar einen traditionellen Ryokan legt man in der Hochsaison (das sind Frühling, Sommer und Herbst!) enorme Summen hin, und bekommt dafür erschreckend wenig Platz geboten.

Ein Wohnmobil dient auf Reisen gleichzeitig als Unterkunft und als Transportmittel. Zugegeben: Japanische Wohnmobile sind eher klein, unseres war sogar „nur“ ein Kleinbus mit eingebauter Liegefläche und einem Hubdach. Das lässt Komfort vermissen, hat aber den Vorteil, dass man damit auch durch das Gassengewirr japanischer Kleinstädte kommt und nicht allzu viel Sprit verbraucht.

Wir haben für unseren ausgebauten Mazda Bongo knapp 70 Euro Miete am Tag bezahlt, dazu kamen täglich etwa 30 Euro für Treibstoff, Maut und Parkplätze. Eine ausführliche Liste unserer Ausgaben habe ich hier zusammengefasst.

Am japanischen Strassenverkehr gibt es nichts zu meckern: Die Beschilderung ist auch in den kleinsten Ortschaften in „romaji“ (also mit lateinischen Buchstaben) oder auf Englisch, die Verkehrsregeln sind – bis auf den Linksverkehr – einfach und vertraut, und die Verkehrsteilnehmer verhalten sich höflich und rücksichtsvoll. Ach ja, und das Tanken ist dank der japanischen Service-Mentalität eine wahre Freude!

Ein Wohnmobil ist aber nicht nur preiswert, es ist auch die (Er-) Lösung für eines der grössten Probleme im Japan-Urlaub. Wer unabhängig reist, dorthin kommt, wo keine Züge halten, und auch „nach Ladenschluss“ vor Ort bleiben kann, der umgeht die Touristenströme, die an vielen Sehenswürdigkeiten wirklich sehr anstrengend sind.

Es kann auch mal eng werden: Mit dem Camper durch japanische Städtchen.
Es kann auch mal eng werden: Mit dem Camper durch japanische Städtchen.

Wo Japan günstig und leer ist

Egal ob Tempel, Wasserfall oder historisches Dörfchen: Tagsüber ist es dort laut, voll und oft hässlich. (Wenn auch nicht vermüllt!) Riesige betonierte Parkplätze für die Reisebusse, grosszügige Toilettenhäuser und Souvenirshops, blinkende Werbeschilder und ein Wald von Selfie-Sticks machen jede Stimmung zunichte. (Jedenfalls für uns Europäer, die Japaner scheinen sich daran gar nicht zu stören.) So einsam, bildschön und mystisch, wie im Reiseführer beschrieben, haben wir jedenfalls kaum eine Attraktion zur Hauptbesuchszeit vorgefunden.

Japaner sind überaus freundlich und aufgeschlossen gegenüber ausländischen Besuchern, vor allem mit kleinen Kindern. Aber über ein aufgeregtes „Kawaii!“-Selfie zusammen mit den exotischen Europäern gehen solche Kontakte selten hinaus. Unterwegs mit unserem Wohnmobil hatten wir dagegen die Gelegenheit, ganz in Ruhe mit japanischen Anwohnern und Urlaubern zu reden, zu baden, Matchbox-Autos zu tauschen, gemeinsam im Onsen zu sitzen oder auch mal einer improvisierten Tanzaufführung auf einem Parkplatz zuzuschauen. Tempel, Friedhöfe und historische Innenstädte erlebten wir nach 17 Uhr fast immer wie ausgestorben und in friedlicher Ruhe.

Ach ja: Abseits der Touristenroute haben wir natürlich auch wesentlich weniger für Restaurantbesuche, Essen und Getränke, Andenken oder Parkplätze bezahlt.

Die schönsten Ecken Japans: Hier Blick auf den bekannten Fuji-Vulkan.
Die schönsten Ecken Japans: Hier Blick auf den bekannten Fuji-Vulkan.

Pro und contra Wohnmobil

Eines ist klar: Das Wohnmobil hat natürlich auch seine ganz eigenen Nachteile. Auf den Highways wird ordentlich Maut fällig, und die zahlt man auch gern, wenn man eine Weile versucht hat, auf den Landstrassen vorwärtszukommen. Hier gilt nämlich ein Tempolimit von lächerlichen 40 km/h. Da kommt man sich mit 100 km/h auf dem Highway schon wie ein Raser vor!

Für einen Städtetrip nach Tokio eignet sich so ein Wohnmobil nicht, da ist man mit einem privaten Apartment über Airbnb besser beraten. Und auch wer schnell vorankommen und ganz Honshu (oder gar noch Kyushu) in wenigen Wochen erkunden will, sollte lieber den Zug als Fortbewegungsmittel wählen.

Das Navigieren durch Grossstädte – und vor allem die Parkplatzsuche! – mit den eigenen vier Rädern ist zwar dank Google Maps kein Hexenwerk, aber durchaus Geschmackssache.

Und nicht zuletzt ist es nicht jedermanns Ding, ohne eigene Toilette und Dusche auf sehr beengtem Raum zu leben. Den Platz und Komfort der gigantischen amerikanischen Wohnmobile bieten japanische Campervans definitiv nicht. Man fühlt sich eher wie ein zünftiger Backpacker – obwohl ein Blick in die selbst ausgebauten Vans japanischer Familien zeigte, dass wir durchaus vergleichsweise luxuriös unterwegs waren.

Mit dem Campervan durch die japanischen Reisfelder. Foto: weltwunderer.de
Mit dem Campervan durch die japanischen Reisfelder.

Aber diese Nachteile wog das Wohnmobil für uns locker auf:

  • Wir mussten unsere Reiseroute nicht Monate im Voraus festlegen und brauchten keine Übernachtungen zu reservieren. (Und wir waren während der Obon-Woche in Japan unterwegs, wo absolut keine Hotels mehr zu bekommen sind!)
  • Wir mussten nicht endlos recherchieren und rechnen, ob sich nun ein JR Pass lohnt oder nicht, welche Verbindungen die besten oder die günstigsten sind, oder ob wir nicht sogar lieber mit dem Fernbus fahren sollten.
  • Wir waren unabhängig von Fahrplänen und mussten nicht hetzen, um Züge zu erwischen. (Mit drei Kindern im Schlepptau ein sehr wichtiger Punkt!)
  • Unabhängig von Zugstrecken und Buslinien konnten wir auch kleine Dörfer, abgelegene Strände, Seen und Bergplateaus entdecken, wie wir gerade wollten.
  • Wir hatten Sehenswürdigkeiten und Städte ganz für uns allein, nachdem der letzte Zug mit den Tagestouristen abgefahren war. Ab 17 Uhr herrschte fast überall komplette Ruhe!
  • Wir konnten übernachten, wo wir gerade waren: In Japan ist Freedom Camping grundsätzlich überall erlaubt, und es gibt tausende kostenlose offizielle Rastplätze für übernachtende Autoreisende („michi no eki“). Sogar in Stadtzentren kann man auf den Parkplätzen von „Seven Eleven“ oder „Lawson“ legal über Nacht stehen und hat dann eine 24 Stunden geöffnete Toilette, brühfrischen Kaffee am Morgen und das Frühstück direkt zur Verfügung.
  • Unsere Kinder hatten ihr vertrautes „Zuhause“ immer bei sich und wir mussten nicht jeden Tag in eine neue Unterkunft einziehen. Ganz zu schweigen vom Geschleppe unseres Gepäcks.

Nicht-Japaner haben wir „off the beaten track“ fast gar nicht getroffen. Wie auch – da, wo wir waren, fuhren ja meist keine Züge. Ob beim Surfen auf Shikoku, in einem kleinen Konbini am Lake Shoji oder abends auf einem Rastplatz mitten in Kyoto – wir bilden uns ein, dass wir auf diese Weise das „echte“ Japan kennengelernt haben.

Die Grenzen des Nutzens: Japans Städte lassen sich am besten zu Fuss erkunden.
Die Grenzen des Nutzens: Japans Städte lassen sich am besten zu Fuss erkunden.

Link-Tipps

Als nicht Japanisch sprechender Mensch hat man derzeit nur wenige Möglichkeiten, in Japan ein Wohnmobil zu mieten. www.JapanCampers.com in Tokio mit einem kleinen, familiären Team aus Japanern, Polen und Neuseeländern ist hier die beste Adresse. Die meisten anderen Wohnmobil-Agenturen kommunizieren nur auf Japanisch und sind im Umgang mit Ausländern eher … unsicher (sprich: E-Mail-Anfragen werden höflich ignoriert).

Wer noch zweifelt und erst einmal wissen will, wie das geht mit dem Tanken, dem Stellplatz-Finden oder dem Onsen-Besuch (denn natürlich will man sich als Wohnmobil-Reisender auch mal waschen), für den bietet der englischsprachige Blog www.gocamperjapan.com einen wahren Schatz an Informationen und Tipps.

Und wer lesen will, wie so ein Reise-Alltag im Campervan aussehen kann, der schaut mal auf unserem Blog vorbei. Die Blogger-Kollegen von travelisto.net waren ebenfalls mit dem Camper in Japan und haben hier darüber berichtet. Ausserdem lohnt sich auch ein Blick auf die Spartipps für Japan hier auf Weltreiseforum.

Die Gastautorin
Jenny Menzel ist Lektorin und freie Journalistin. Ausserdem ist sie Mitautorin vom Reisehandbuch für Familien. In ihrem Blog weltwunderer.de berichtet sie von den Reisen mit der Familie nach Neuseeland und andere Teile der Welt. Du kannst ihr auch auf Facebook, Twitter und Instagram folgen.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

2 Kommentare

  1. Klingt wirklich gut so eine Reise nach Japan mit dem Wohnmobil. Habe auch in Amerika schon Wahnwagen Urlaube gemacht, aber nach Asien habe ich mich noch nie getraut bzw. auch noch kaum davon gehört. Wie sieht es denn mit der Wohnwagen Vermietung in Japan aus: Gibt es auch grössere Modelle und funktionieren die Wohnmobile einwandfrei? Da wir zu viert sind müsste der Campingwagen etwas grösser sein. Der Bericht hat auf jeden Fall mein Interesse geweckt, da das Hauptargument was gegen eine Wohnmobil Reise nach Asien – das schlimme Auto Fahren dort – widerlegt wurde. LG

    • Hallo Manuela,

      wir waren ja zu fünft in unserem kleinen Campervan unterwegs – aber ich verstehe es, wenn man mit älteren Kids mehr Platz braucht 😉 Unser Vermieter, JapanCampers, hat auch ein Alkoven-Mobil im Portfolio, schaut euch doch auf deren Website mal die Fahrzeuge an. Auch die „großen“ Wohnmobile sind in Japan vergleichsweise klein.
      Aber ein schäbiges oder kaputtes Fahrzeug werdet ihr im ganzen Land nicht finden, das entspricht einfach nicht der Mentalität von Service und Perfektion. Fahren in Japan ist einfach und sicher, ganz anders als in Ländern wie Thailand oder Vietnam.

      LG, Jenny

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