Samstag, 18. November 2017
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Archipelago Trail: Was du über Finnlands coolsten Roadtrip wissen musst

Wald, Wasser und Wege: Das findest du in der Abgeschiedenheit des Archipelago Trails. Fotos: OZ

Leuchtend blaues Wasser, bis ans Meer reichende Wälder und die freundlichsten Menschen der Welt: das ist das Archipel vor Turku. Wenn du auf der Suche nach Natur und Abgeschiedenheit bist, ist die Gegend in Finnlands äusserstem Südwesten das Richtige für dich.

Heute möchte ich dir eine Gegend vorstellen, die jeder Finne kennt, die aber ausserhalb des eigenen Landes zu Unrecht wenig bekannt ist: Die Inselwelt vor der Küste von Turku. Sie ist über eine rund 250 Kilometer lange Ringstrasse verbunden, die auch bekannt ist unter dem Namen „Archipelago Trail“.

Da die gesamte Strecke entweder über gesonderte Fahrradwege verfügt oder durch abgelegene Regionen mit sehr dünnem Verkehr führt, ist der Archipelago Trail bei Fahrradfahrern sehr beliebt. Beim unsicheren finnischen Herbstwetter habe ich es vorgezogen, die Gegend mit einem Mietwagen zu erkunden. Das hat sich Ende September als die richtige Entscheidung erwiesen.

Trotz des Wetterpechs gehörten die zahlreichen kleinen Inseln vor der südwestfinnischen Küste zu den schönsten Reisezielen, die ich in diesem Jahr besuchen durfte. Das überraschend ruhige Meer, die herbstlichen Wälder und die verschlafenen Dörfer wirkten unglaublich entspannend auf mich.

In diesem Artikel erzähle ich dir alles, was du für die Planung dieses Roadtrips wissen musst, nenne dir die Gründe, wieso mir die Gegend so gut gefallen hat und gebe noch eine kleine Warnung ab, damit dir bei der Planung nicht der gleiche Fehler unterläuft wie mir und du auf die Nebensaison  vorbereitet bist.

Wo liegt der Achipelago Trail?

Der Rundweg beginnt gerade vor Turku, der ehemaligen Hauptstadt Finnlands. Turku liegt etwa zwei Stunden westlich von Helsinki und verfügt über einen internationalen Flughafen, den aber nur wenige Airlines anfliegen. Siehe hier meine Tipps für die Suche nach günstigen Flugtickets.

Auch wenn Turku wegen mehrerer Grossbrände nur noch wenig historische Bausubstanz hat, empfehle ich trotzdem, ein bis zwei Tage in der entspannten Studentenstadt mit den coolen Cafés und den leckeren Restaurants zu verbringen.

Der Rundweg führt dich über die grössere Insel Pargas und Nagu immer weiter in die Abgeschiedenheit bis nach Mossala. Von dort aus setzt du mit einer Fähre in den nördlichen Bereich der Inseln über und fährst langsam wieder nach Turku zurück.

Die gesamte Strecke ist etwa 250 Kilometer lang und lässt sich knapp an einem Tag abfahren. Aber dann verpasst du das Beste am Trip: Die abgelegenen Unterkünfte, die es auf den Inseln überall gibt. Ich würde daher mindestens ein bis zwei Übernachtungen einplanen. Ich hätte auch locker eine Woche in der Gegend verbringen können.

Ausserdem empfehle ich, am Ende nicht direkt nach Turku zurückzufahren, sondern einen Abstecher nach Norden zu machen. Sehr schön und nur ein sehr kleiner Umweg ist das Städtchen Naantali mit seinen historischen Holzhäuschen und dem verschlafenen Hafen.

Ebenfalls sehr lohnenswert ist Rauma – eine Weltkulturerbe-Stadt, die etwa 90 Kilometer nördlich von Turku liegt. Sie birgt die grösste Sammlung an historischen Holzhäusern in ganz Skandinavien und ist zweifellos die schönste Stadt, die ich bisher in Nordeuropa besucht habe.

Der Aurajoki bildet das Zentrum von Turku.
Die Sauna der Villa Apollo liegt direkt am Meer.
Das wunderschöne Rauma verdient einen kurzen Umweg.

Deswegen gefiel mir der Archipelago Trail

Wenn du dir die Fahrt auf dem Rundweg lediglich als einen Trip durch eine einsame Inselwelt vorstellst, dann hast du nur zur Hälfte recht. Denn trotz der Abgeschiedenheit hat der Weg sehr viel zu bieten.

Die lokale Kunst

Finnen mögen Kunst. Und auch auf dem abgelegenen  Archipelago Trail wirst du jede Menge Kunst finden. Als erstes wirst du in Parainen an der „Art Bank“ vorbeikommen. Hier präsentiert ein verrückter privater Sammler, der vorgibt die Reinkarnation von Salvador Dali zu sein, eine beeindruckende Sammlung von Dalis Kunstwerken (oder seiner eigenen, was leider beim Besuch etwas unklar blieb).

Ein paar Kilometer weiter in Vikom befindet sich Katriina Design – die Ausstellungshalle der in Finnland recht bekannten Künstlerin Katriina Lehtilä-Laine. Sie knüpft mit farbigen Papierstreifen teppichartige Gemälde. Ausserdem stellt sie aus Granit coole Vasen her. Eine steht bei mir auf dem Schreibtisch.

Nur gerade einen Kilometer vor dem Hafen von Nauvo startet der Viktor Westerholm Naturpfad. Hier findest du (oder wegen der fehlenden Ausschilderung vielleicht auch nicht) die Wälder und Uferabschnitte, die der bekannte finnische Landschaftsmaler vor über hundert Jahren gemalt hat. Der Weg führt durch eine wunderschöne Landschaft und lohnt sich auch, wenn du nichts mit Westerholm am Hut hast.

Kurz vor Korppoo in der Nähe des Hotels Nestor bietet der sogenannte Barfussweg eine weitere Möglichkeit für eine spannende Wanderung durch die finnischen Wälder. Hier führt der Weg an einer Reihe von zwischen den Bäumen stehenden Kunstinstallationen vorbei, die regelmässig wechseln.

Das Essen

Reisen bedeutet immer auch Essen. Und das ist auf dem Roadtrip durch die Inselwelt vor Turku ein wahrer Genuss – auch wenn es im Herbst teilweise nicht so ganz einfach ist, offene Restaurants zu finden. In der Nebensaison solltest du daher unbedingt einen Tisch buchen, damit du nicht vor verschlossener Tür stehst.

Wenn du nur Zeit für ein einziges Restaurant hast, solltest du unbedingt dem Restaurant Back Pocket eine Chance geben. Es ist Teil des bereits erwähnten Hotels Nestor und befindet sich in einer umgebauten alten Scheune. Der gerade einmal 26 Jahre alte Besitzer ist ein begnadeter und leidenschaftlicher Koch. Ich hatte dort die vermutlich leckerste Suppe meines Lebens auf der Basis von Linsen mit feinen Lachstreifen. Ein wahrer Traum!

Falls das Back Pocket geschlossen ist, findest du ein paar Kilometer weiter das Restaurant Hijalmars. Es ist das vermutlich einzige Restaurant auf der Insel, das wirklich jeden Tag im Jahr offen ist und sich deswegen auch zu einem beliebten Ausflugsziel für die Einheimischen entwickelt hat, mit denen du hier in der Nebensaison leicht ins Gespräch kommst. Das Essen ist lecker und günstig.

Die abgelegenen Hütten

Ich habe es weiter oben schon einmal erwähnt: Eine Reise entlang des Archipelago Trails ist nicht vollständig, ohne in einer abgelegenen Hütte zu übernachten und sich direkt am Ufer in einer finnischen Sauna so richtig durchschmoren zu lassen. Ich habe folgende drei Hütten besucht und kann sie sehr empfehlen:

Villa Apollo in Parainen: An einer malerischen Bucht liegen verschiedene Bunglows und Holzhäuser. Direkt am Meer findest du eine super schöne Sauna. Ausserdem kannst du dir hier ein Kajak ausleihen und damit das Meer erkunden, das in diesem Teil von Finnland grösstenteils sehr ruhig ist. Ich habe hier allerdings nicht übernachtet und kann daher nichts zu den Zimmern sagen.

Villa Wallden in Korppoo: Das grosse Holzhaus liegt ziemlich gut versteckt auf einer Nebeninsel und hat mich ein bisschen an die Skihütten in den Alpen erinnert. Die Zimmer sind relativ einfach, aber funktionell und sauber. Ein grosses Plus sind die beiden Jacuzzi mit direktem Blick aufs Meer.

Mossala Island Resort auf Mossala: Am äussersten Ende des Wegs – dort, wo im Sommer die Fähre auf die nördlichen Inseln übersetzt – findest du mit dem Mossala Island Resort eine weitläufige und super schöne Hotelanlage. Nicht ganz günstig und nur wochenweise zu mieten, dafür aber mit einem grossartigen Deko ist die Design Villa, in der wir die Nacht verbrachten.

Abgelegener geht es kaum: Die Villa Wallden.
Hebst ist Pilzsaison
Selbst die relativ vielbefahrenen Strecken des Archipelago Trails haben nur wenig Verkehr.

Das Meer

Ich bin kein grosser Freund von Inseln und bezeichnete mich selber schon als „Inselmuffel“. Das hängt damit zusammen, dass ich mich am Wasser recht schnell zu langweilen beginne. Das Meer rund um die Inseln vor Turku fand ich jedoch faszinierend, weil es in weiten Strecken wie ein See wirkt. Auch Einheimische zeigten aufs Meer und sagten dabei „Lake“.

Das liegt zum einen daran, dass das Wasser wegen den vielen Inseln sehr ruhig ist. Wenn es nicht windet, gibt es praktisch keine Wellen. Das macht das Meer für zahlreiche Wassersportarten attraktiv, die nicht zwingend adrenalinlastig sind wie zum Beispiel Kajakfahren oder SUP.

Speziell ist auch, dass die Wälder meistens bis ganz an die Küste heranragen. Einen eigentlichen Strand hast du in der Regel nicht. Auch das lässt das Meer eher wie einen See aussehen. Vor allem im Herbst, wenn die vielen Birken gelb leuchten, sieht die Küste wunderschön aus.

Die Fähren

Für den einen oder anderen mögen Autofähren etwas vollkommen Normales sein. Ich fand es spannend, mit dem Auto aufs Schiff zu fahren und auf andere Inseln überzusetzen. Witzig fand ich zu beobachten, dass die Fähren mit jeder weiteren Überfahrt etwas kleiner wurden.

Vor allem aber geben die Fähren der Reise etwas sehr Entspanntes. Vor manchen Überfahrten musste ich bis zu zwei Stunden warten, bis das Schiff wieder auf unserer Seite war. Das gibt reichlich Zeit, das Auto mal stehen zu lassen und in der näheren Umgebung etwas zu spazieren.

Der Archipelago Trail in der Nebensaison

Die Hauptreisezeit für das Archipel ist kurz, sehr kurz. Im Wesentlichen beschränkt sich auf die drei Sommermonate zwischen Juni und August. Zwar lassen sich die Inseln das ganze Jahr über besuchen. Aber wenn du ausserhalb der Saison unterwegs bist, bringt das eine Reihe von Schwierigkeiten mit sich.

Da nicht alle Inseln mit Brücken verbunden sind, ergibt sich die grösste Einschränkung aus dem Fahrplan der Fähren. Viele verkehren ab September mit einem deutlich ausgedünnten Takt, so dass du häufig länger auf eine Überfahrt warten musst. Manche Strecken werden sogar ganz eingestellt, so dass hinter Mossala eine Lücke entsteht. Konkret heisst das: In der Nebensaison musst du auf dem gleichen Weg zurück.

Zudem sind viele Resorts und Restaurants in der Nebensaison geschlossen oder haben sehr viel kürzere Öffnungszeiten. Ebenfalls ist es schwieriger, dich mit Lebensmittel aus Läden zu versorgen, da die Supermärkte teilweise schon um 15 Uhr schliessen. Unmöglich ist die Reise nicht, aber du musst alles sehr viel besser planen.

Trotz dieser Herausforderungen fand ich den Herbst eine hervorragende Reisezeit. Die ohnehin wunderschönen Wälder färben sich dann in alle Farben. Die Strassen sind praktisch leer und die ganze Region vermittelt das Gefühl, dass du wirklich am Ende der Welt angekommen bist.

Wilde Insellandschaft mit überraschend vielen Badestellen.
Einsamer Steg vor der Villa Wallden.
Eine Bucht auf einer der zahlreichen Inseln vor Turku.

 

Was du über den Roadtrip wissen solltest

Den Roadtrip legst du am besten in einem Mietwagen zurück. In Turku gibt es verschiedene Anbieter sowohl im Stadtzentrum wie auch am Flughafen. Mit etwas Glück findest du bei billiger-mietwagen.de einen Anbieter ab etwa 21 Euro pro Tag. Beachte auch meine Tipps zur Suche von günstigen Mietwagen.

Egal wie schlecht deine Orientierung ist: Auf dem Archipelago Trail kannst du dich so gut wie nirgends verfahren. Sobald du ausserhalb von Turku die richtige Strasse gefunden hast, gibt es fast keine Abzweigungen mehr. Trotzdem empfehle ich dir, auf dem Handy die Offline-Karten von maps.me zu installieren.

Die Höchstgeschwindigkeit auf den generell gut ausgebauten Überlandstrassen liegt meistens zwischen 60 und 80 Stundenkilometer und wird – wie auch sonst in Finnland üblich – durch jede Menge fest installierte Blitzer überwacht. Behalte den Tacho also unbedingt im Auge.

Mit den meisten Fahrzeugen schaffst du den Archipelago Trail problemlos mit einer Tankfüllung. Falls du doch Sprit brauchst, findest du in der Regel in der Nähe der Fähren simple Selbstbedienungszapfsäulen.

Schlussbemerkung

Nachdem ich in diesem Frühling das erste Mal in Finnland war, habe ich mich gleich in das nordeuropäische Land verliebt. Ich mag die Gemächlichkeit und Offenherzigkeit der Finnen, aber auch die atemberaubend schönen Landschaften und die teilweise sehr hübschen historischen Städtchen.

Da Turku und das Archipel sehr leicht von Helsinki aus zu erreichen sind, kann ich es nur sehr empfehlen, diesen kurzen Roadtrip in die Reiseplanung reinzunehmen. Idealerweise auch bei einem Stopover aus Asien.

Offenlegung: Die Reise erfolgte auf Einladung von Visit Archipelago und Visit Turku. Zudem sind im Text vereinzelt Affiliate-Links.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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