Montag, 18. Dezember 2017
Home » Allgemein » Tipps für Tramper: Wie du garantiert mitgenommen wirst

Tipps für Tramper: Wie du garantiert mitgenommen wirst

Mit etwas Glück findet man auch auf den abgelegensten Strassen noch eine Mitfahrgelegenheit. Foto: Domber42, Flickr

Kostenlos per Anhalter über die Autobahnen zu brettern, das halten viele für unmöglich. Doch wer das wahre Abenteuer auf den Straßen sucht, findet auch heute noch immer die günstige Alternative zur Bahn. Welche Strategien beim Autostopp am besten funktioniern, erklären wir in diesem Artikel.

Der richtige Start

Autor Niklas Golitschek beim Autostopp in der Schweiz.

Wer mit ausgestrecktem Daumen am Straßenrand oder einem Schild vor der Autobahnauffahrt steht, muss sich auf lange Wartezeiten gefasst machen: Bis ein Fahrer sich überlegt hat, ob er einen Fremden ins Auto lässt, ist er schon lange am Tramper vorbeigefahren. Und zurückfahren wird kaum einer.

Deshalb ist es wichtig,  einen Ort zu suchen, an dem die Autos bereits stehen. Um erst einmal auf die Autobahn zu kommen, eignen sich Tankstellen in der Nähe einer Auffahrt: Viele Fahrer füllen vor langen Strecken nämlich gerne den Tank, um die Fahrt ohne Pause zurückzulegen.

Tankstellen sind bei Google Maps eingezeichnet (Raststätten auch auf Autobahnkarten) und somit problemlos auffindbar. In manchen Städten wie beispielsweise Hamburg fährt ein Bus in die Nähe der Autobahnraststätte. Mit einem guten Stadtplan oder einer passenden App fürs Smartphone hat man also schon halb gewonnen.

Den richtigen Fahrer finden

Aufgeschlossenheit und Höflichkeit sind zwei Eigenschaften, die ein Tramper mitbringen sollte. Wer Tankende höflich anspricht, ob er in die gewünschte Richtung fährt, hat gute Chancen auch eine höfliche Antwort zu erhalten. Die Hände in den Hosentaschen oder verschränkte Arme sind hier ebenso fehl am Platz wie die Frage „Wohin fahren Sie?“ Ohne Ziel gibt es keinen Weg.

Vor allem bei längeren Strecken empfiehlt es sich, nicht das Endziel zu nennen, sondern nach der nächst größeren Stadt zu fragen. So kommen mehr Fahrer in Frage, die einen unterwegs an einer Raststätte rauslassen können. Ein gepflegtes Aussehen erleichtert außerdem die Suche. Wichtig ist auch, dass man sich nach einer Absage nicht entmutigen lässt und höflich bleibt. Viele Fahrer nehmen lieber Pärchen mit als alleinreisende Männer.

Berufsfahrer dürfen in der Regel niemand mitnehmen, da Mitfahrer während der Fahrt nicht versichert sind. Hier sollte man Verständnis zeigen, dass nicht jeder das Risiko eingehen möchte. Andere fahren nicht in die gewünschte Richtung oder möchten keinen Anhalter mitnehmen – kein Problem. Es handelt sich hier um einen Gefallen, den man von niemandem einfordern kann. Es gehört zum guten Ton, auch dann weiterhin eine gute Fahrt zu wünschen, wenn man nicht mitgenommen wird. Dies erleichtert nicht nur das Leben künftiger Trampergenerationen, sondern wirkt auch positiv auf andere Tankende, die das Gespräch vielleicht neugierig mitverfolgen.

Der große Vorteil bei dieser Methode ist, dass bereits ein erster Kontakt zwischen Fahrer und Tramper zustande kommt. Beide Parteien haben die Möglichkeit, das Gegenüber genauer zu betrachten und kennenzulernen. So kann man sich im Zweifelsfall auch gegen eine gemeinsame Fahrt entscheiden. Im Zweifelsfall sollte dies auch getan werden, denn die eigene Gesundheit ist mehr Wert als eine kostenlose Fahrt. Außerdem findet sich mit Sicherheit auch noch ein weiterer Fahrer.

Bei einer normalen Frequentierung der Tankstelle dauert es erfahrungsgemäßg nicht länger als 30 bis 45 Minuten, bis man einen Fahrer findet. Es gilt aber: je kleiner der Zielort, desto geringer die Chance, einen Fahrer zu finden. Hier empfiehlt es sich meist, eine Stadt in der Nähe des gewünschten Ortes anzupeilen und die letzten Kilometer mit dem Zug zu nehmen. Es macht einen guten Eindruck, wenn man den Fahrern ein kleines Geschenk anbietet.

Wer nicht im deutschen Sprachraum unterwegs ist, sollte sich auch noch ein paar Gedanken zur Kommunikation machen. Nicht jeder Fahrer spricht deutsch oder englisch. Wer durch mehrere Sprachregionen reist, kann sich zum Beispiel einen Euro-Translator anschaffen. Diese kleine Taschencomputer kosten nur wenige Euros und beherrschen bis zu 16 Sprachen. Lange Fahrten, auf denen die Kommunikation nicht funktioniert, versprechen langweilig zu werden. Wer etwas Zeit hat, wartet lieber auf eine bessere Option.

Während der Fahrt

Hat man einen Fahrer gefunden, sind tolle Gespräche möglich. Da man sich vermutlich nie wieder sieht, kann man befreit über die unterschiedlichsten Themen reden. Ein wertvoller Erfahrungsaustausch. Ein vorsichtiges Herantasten ist aber vor allem bei schüchternen Fahrern wichtig. Einige Fahrer sind zwar in ihrer Jugend getrampt, haben aber noch niemanden mitgenommen und wollen dies einmal ausprobieren. Wer sich richtig vorstellt, gewinnt bereits ein erstes Vertrauen. Da Trampen heutzutage nicht mehr üblich ist, ist es für beide Parteien ein umso größeres Abenteuer.

Außerdem möchte man auch nicht über jedes Thema sofort sprechen, deshalb sollte erst einmal mit allgemeinen Themen begonnen werden. Ein ruhiges Verhalten in den ersten Minuten kann bereits das Eis brechen und die Fahrt interessanter gestalten, wenn man sich aneinander gewöhnt hat. Während der Unterhaltung sollte man aber nicht vergessen, wann und wo man raus muss.

Abschied

Alles hat bekanntlich ein Ende und gerade beim Trampen vergeht die Zeit oft schneller als man denkt. Der Abschied verläuft meist rasch, sofern der Fahrer nicht noch einmal tanken muss. Wer in Kontakt bleiben will, sollte also besser bereits vorher seine Emailadresse oder Telefonnummer austauschen. Wenn nicht, dann bleibt hoffentlich trotzdem eine gute Erinnerung zurück und die Reise geht weiter.

Über Niklas Golitschek

Ich bin 18 Jahre alt und besuche derzeit die 13. Klasse eines Oberstufen-Gymnasiums in Hessen. In meiner Freizeit lese ich viel (überwiegend Online-Zeitungen und Bücher) und schreibe auch selbst regelmäßig Artikel. Mein Themenschwerpunkt liegt dabei momentan bei Videospielen, wobei ich gerne auch andere Ressorts kennenlernen will.

5 Kommentare

  1. Hallo Niklas,

    wenn ich noch in deinem Alter wäre, würde ich das og. sofort anwenden bei meiner nächsten Reise. Die geht in die Schweiz..

    LG Solveig

  2. sehr sehr geil geschrieben!

    super informativ,

    vieleicht noch folgendes anzufügen:
    schweizer schokolade als kleines dankeschön =) (oder sogar postkarte?)
    nummernschildern der durchzufahrenden regionen einprägen (M für münchen, orange schilder für Holland, etc)
    bei weiten Fahrten Umwege in Kauf nehmen wenn dafür auf den grossen internationalen Autobahnen gefahren werden kann (z.b. Prag über Nürnberg, dann easy A6 direkt nach Prag – viele Laster und Tschechen)
    frühling,winter,herbst: wärmepads für hände füsse (im notfall in 24h raststätten unterm tisch übernachten, in der tanke etc ^^)

    have fun!
    Roger

    • Hallo Roger

      Du scheinst ja ein erfahrener Tramper zu sein. Ich möchte auch schon bald aufbrechen und hätte da noch ein zwei Fragen.
      Wie übernachtet man als Tramper am besten? (Hostels, Couchsurfing, Wildcampen)
      Und wie weit panst du deine Reisen voraus? (Eine Woche, paar Tage oder gar nicht)

      Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen!

      Roman

  3. Hallo Leute
    Wie ich sehe haben hier schon mehrere von euch tramper erfahrung gemacht.
    Ich habe vor im nächsten frühling ne weltreise zu machen ohne kohle, sprich trampen, für überfahrten auf schiffen zu arbeiten und so weiter.
    Da bin ich ebenfalls sehr intressiert an der frage von roman, und hätte noch ein paar weitere.
    Würde mich sehr freuen wenn mir ein erfahrener tramper ein paar tips geben könnte.
    Hier meine email
    Marcjenni9@gmail.com

    Lg marc

  4. Gute Hinweise, die man wirklich beachten sollte. Besonders wichtig, Höflichkeit kostet nichts und bringt meist etwas.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.