Dienstag, 26. September 2017
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Im Katamaran um die Welt: 13 Jahre auf See

Hans und Isabelle Lammens empfangen auf Ihrem Boot regelmässig Gäste.

Der Deutsche Hans Lammens (46) hat sich mit seiner Frau Isabelle den Traum vom eigenen Schiff verwirklicht. Gemeinsam reisen die beiden seit über zehn Jahren durch die Weltmeere. Traveller mit etwas Abenteuermut können sich zu den beiden gesellen und eine leere Kajüte mieten.


WRF: Hans, du hast zusammen mit deiner Frau ein besonderes „Geschäftsmodell“ für deine Weltreise entwickelt…

Lammens: Entwickelt? Was wir heute tun, ist aus der Situation entstanden: Meine Frau hat vor 25 Jahren ihre Heimat in Frankreich verlassen, um in Neukaledonien als Reitlehrerin zu arbeiten. Da dort die Wohnungen kaum bezahlbar waren, kaufte sie sich stattdessen ein Schiff und lebte darin. Bei mir war es ähnlich. Mit 26 Jahren bekam ich die Hiobsbotschaft, dass ich unter Gelenkrheuma leide. Ich dachte, dass mein Leben bald zu Ende sei und kaufte mir aus diesem Gefühl heraus ein kleines Segelboot: 50 Jahre alt und totaler Schrott. Ich brauchte zwei Jahre, um es zu restaurieren. Am letzten Tag meiner Ausbildung packte ich meine Siebensachen ins Boot und machte mich ohne irgendein finanzielles Polster auf den Weg nach Neuseeland. Dort kam ich 2003 nach einer vier Jahre dauernden Tour an. Ich lernte meine Frau kennen und heiratete sie. Da auch in Neuseeland die Grundstücke zu teuer waren, entschlossen wir uns, erneut auf ein Schiff zu ziehen. Wir begannen, die Wakataitea zu bauen, unser jetztiges Zuhause auf dem Wasser.

Die Wakataitea ist ein relativ geräumig aussehender Katamaran. Wieso habt ihr gerade diese Form gewählt?

Wenn man wirklich auf einem Schiff leben will, ist ein Katamaran die beste Wahl: Man hat vergleichsweise viel Platz, es ist relativ schnell und liegt ruhiger im Wasser.

Zurück zu eurem „Geschäftsmodell“. Ihr vermietet die freien Kojen eueres Segelboots an Reisende und finanziert damit zumindest zum Teil eure eigenes Abenteuer.

Wir erleben etwas Schönes, was wir mit anderen teilen wollen. Dies ist der Hauptgrund, wieso wir Gäste an Bord nehmen. Weil wir in sehr abgelegenen Regionen segeln, finden wir ohne nicht allzu viele Interessierte. Wer hat schon Zeit für eine monatelange Anreise zu einer abgelegenen Insel? Natürlich sind auch Gäste willkommen, die nur fünf oder zehn Tage mitsegeln, auch wenn das die Qualität des Erlebnisses auf dem Wasser etwas einschränkt. Momentan sind wir in Asien, wo es Flughäfen und eine bessere Infrastruktur gibt. Hier dürfte die Lage für uns etwas besser sein. Finanziell gesprochen schaut wenig raus: Mit dem Kojenchartern können wir nur gerade die Kosten für die Jacht decken. Da wir finanziell nicht abgesichert sind, heißt das für uns, dass wir unterwegs immer wieder arbeiten müssen. Ich arbeite an Booten und schreibe hin und wieder einen Artikel für ein Segelmagazin. Isabelle verdient etwas mit Näharbeiten. Sie hatte früher ein eigenes Unternehmen zur Herstellung von Schiffssegeln.

Das Leben auf so engem Raum ist doch schon zu zweit schwierig, wie kommt ihr da mit Reisegästen zu Recht?

Man sagt, dass ein Jahr, das man mit seiner Frau auf einem Schiff verbringt, wie zwei Ehejahre zählen; die Zeit, so heisst es weiter, in der man das Schiff baut, zählt sogar dreifach. Wir haben eigentlich keine Probleme. Aber unser Schiff ist auch groß genug, so dass wir und unsere Gäste Raum für die Privatsphäre haben. Das ist wichtig.

Das ist aber nicht die einzige Herausforderung bei einer Langzeit-Segelreise.

Nein. Wir sind ständig mit Herausforderungen konfrontiert. Das Wetter, die Situation, das Leben: Du musst es so nehmen, wie es kommt. Es gibt kein Telefon, keine Mama, die dir aus der Patsche hilft. Dafür hat man auf dem Meer eine grenzenlose Freiheit. Der Wind bringt dich überall hin, wo du willst – und manchmal eben auch nicht.

Auf eurer Website habt ihr abenteuerliche Bilder vom letztjährigen Trip veröffentlicht. Was war für euch der speziellste Ort der Reise?

Ich könnte viele tolle Orte aufzählen. Aber ganz vorne liegen die Anuta-Insel und die Satawal-Insel in den Caroline Islands sowie Santa Cruz in den Salomonen. Die Menschen, die Kultur und das Leben dort sind total faszinierend. Wir wurden an jedem dieser Orte warm aufgenommen und konnten viele Freundschaften schließen.

Half dabei auch, dass ihr „Entwicklungshilfe“ leistet?

Wir halfen Generatoren und Elektrozeug zu reparieren, wir haben die Menschen von einer Insel zu einer anderen mitgenommen, wir erzählten in der Inselschule von unserer westlichen Welt. Es dauerte nicht lange, und wir waren für die Menschen nicht mehr einfach Touristen, sondern Reisende.

Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein.

Es ist nicht alles Sonnenschein. Viele glauben, wir liegen ständig am Strand und trinken Cocktails. Tatsächlich bin ich nun seit drei Monaten daran, Boote zu reparieren – das eigene und das von anderen. Ich schreibe Berichte und sortiere Fotos bei 30 Grad in der Kabine. Das ist nicht immer angenehm. Vor einigen Tagen ist zudem in unser Boot eingebrochen worden, als wir schliefen. Die Kamera und das Telefon waren weg. In 13 Reisejahren ist es zum Glück das erste Mal, das so etwas passiert. Aber für uns war das schon ein herber Rückschlag, zumal wir uns keine Versicherung leisten können.

Wie lange soll eure Reise noch weitergehen?

Wir leben sehr einfach und versuchen, unsere Kosten so gering wie möglich zu halten. Wenn wir gesund bleiben, werden wir den Rest unseres Lebens um den Globus segeln.

Wer mehr über die Reisen von Hans erfahren möchte oder eine Weile auf der Wakataitea mitsegeln will, findet auf ihrer Webseite den Kontakt unter: www.wharramsailing.com

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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