Mittwoch, 25. Januar 2017
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Datenroaming mit lokalen Sim-Karten: Vier Anwendungsbeispiele

Das Problem vieler Reisenden: Mehr Sim-Karten als Handys. Fotos: O Zwahlen
Das Problem vieler Reisenden: Mehr Sim-Karten als Handys. Fotos: O Zwahlen

Wenn du nicht kürzlich im Lotto sechs Richtige getippt hast, kannst du Datenroaming auf einer Fernreise vergessen. Um eine lokale Zweitkarte führt kein Weg herum. Doch wie setzt du diese am besten ein? Heute gebe ich dir vier Vorschläge für die optimale Kommunikation von unterwegs.

Ich verwende eine Sim-Karte von Lebara. Da ich wenig telefoniere, regelmässig im Ausland bin und auch nicht genau weiss, wie lange ich überhaupt in der Schweiz bleibe, ist diese Prepaidkarte die ideale Lösung für mich. Zumindest für zu hause.

Nicht so auf Reisen. Während die Roaminggebühren innerhalb von Europa gerade noch akzeptabel sind, kann die Handyrechnung auf einer Reise ausserhalb von Europa leicht teurer werden als der Interkontinentalflug – zumindest wenn ich dieses genauso wie zu Hause verwenden würde. Und ich rede hier wohlgemerkt nicht von einem Flug in der Economy Class.

Das Problem: Kostenfalle Datenroaming

Ein Rechenbeispiel: Ich zähle mich zu den Wenignutzern. Im Monat verbrauche ich etwa 100 MB Daten und telefoniere vielleicht fünf bis zehn Minuten. Würde ich diese Telefongespräche beispielsweise auf einer China- oder einer Marokkoreise mit meinem Anbieter führen, dann hätte ich Kosten von 20 bis 50 Franken zu erwarten. Das ist viel Geld, aber ruinieren würde es mich noch nicht.

Schlimmer ist es jedoch bei den Daten: Laut der veröffentlichten Preisliste (Update 2016: Auf der Website von Lebara werden die Preise für Datenroaming seit kurzem versteckt) verlangt mein Anbieter in der teuersten Zone (zu der mehr oder weniger das gesamte nichteuropäische Ausland gehört) 4 Rappen pro Kilobyte. Das klingt günstig. Hochgerechnet sind das aber 40 Franken pro Megabyte. Meine normale Datenmenge in einem Monat würde mich also 4000 Franken kosten – ein Flug in der Business Class wäre günstiger! Ich habe auch andere Anbieter verglichen, die teilweise etwas bessere Tarife anbieten, aber auch 2000 Euro halte ich nicht gerade für ein Schnäppchen.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu meistern: Entweder du verzichtest aufs mobile Internet oder du kaufst dir vor Ort eine lokale Sim-Karte. In vielen Ländern ist das relativ leicht möglich und zudem ziemlich günstig.

Wenn du verzichtest, dann ist alles gut und du kannst einen anderen spannenden Artikel lesen (zum Beispiel: Wieso es sich lohnt, auf ausgetretenen Pfaden zu reisen). Wenn du dir jedoch eine lokale Sim-Karte kauft, stellt sich die Frage, wie du sie am besten verwendest. Denn denk daran: sobald du sie in dein normales Handy einbaust, bist du nicht mehr unter deiner gewohnten Nummer erreichbar.

Das muss nicht weiter tragisch sein. Im Gegenteil: Nicht auffindbar zu sein, ist für viele ein Segen. Möchtest du jedoch auch auf deiner Fernreise mit der gewohnten Nummer erreichbar sein, habe ich heute vier Anwendungsbeispiele für dich zusammengestellt. Welche Anwendung du wählst, hängt natürlich davon ab, was Dir wichtig ist und welches Budget dir zur Verfügung steht.

Beispiel 1: Handy mit Dual-Sim-Funktion

Die meiner Meinung nach beste Option ist ein Handy, in das du zwei Sim-Karten einfügen kannst. Ich habe mir für meine Reisen das Samsung Galaxy S Duos gekauft. Ja, es ist eine verdammt lahme Kiste, aber mit etwas Geduld kann es alles, was ein Smartphone können muss und bei einem Preis von knapp 120 Euro muss man gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Wer das nicht möchte, ist mit dem Samsung i9192 Galaxy S4 mini DuoS besser bedient. Dieses Handy ist zwar mehr als doppelt so teuer, aber letztlich ein vollwertiges Smartphone.

Nicht kompliziert, aber bei einer Fehlkonfiguation teuer: die SIM-Kartenverwaltung bei einem nativen Dual-Sim-Telefon.
Nicht kompliziert, aber bei einer Fehlkonfiguration teuer: die Sim-Kartenverwaltung bei einem nativen Dual-Sim-Telefon.

Vorteile: Du kannst unterwegs mit einem einzigen Gerät Anrufe über deine gewohnte Nummer in der Heimat annehmen, aber gleichzeitig auch Surfen und günstige Lokalgespräche führen.

Nachteil: Du musst bei der Konfiguration gut aufpassen. Wenn du nämlich die falsche Sim-Card als Datenkarte wählst, kann es schnell teuer werden. (Ich rede aus Erfahrung!) Ausserdem brauchen Handys, die gleichzeitig mit zwei Telefonnetzen kommunizieren, natürlich mehr Energie. Ich habe mein Dual-Simcard-Handy jedoch fast zwei Jahre benutzt und nicht den Eindruck, dass sich die Batterie wirklich spürbar schneller leerte. Schau dir meine Tipps zum Schonen der Handy-Batterie an.

Beispiel 2: Ein einfaches Zweittelefon für unterwegs

Bevor ich mir mein Handy mit zwei Kartenslots kaufte, besass ich ein simples Zweittelefon, in das ich meine Schweizer Sim-Karte steckte. Die lokale Karte für die Datennutzung schob ich in mein Smartphone. Auf diese Weise konnte ich unterwegs günstig surfen und mich über Google Maps orientieren, war aber über das zweite Gerät noch immer jederzeit erreichbar. Ich verwendete dafür das Samsung GT-E1270LKADBT Klapphandy, das ich mir für läppische 20 Euro kaufte.

Vorteile: Geringe Kosten. Du kannst bei der Konfiguration deiner Karten nicht verkommen (siehe Nachteil beim Beispiel 1) und die Batterieleistung dieser simplen Telefone ist umwerfend. Ausserdem wissen wir seit der TV-Serie Breaking Bad: Nichts macht mehr Spass, als ein Klapptelefon zu zerbrechen.

Nachteile: Du hast zwei Geräte und solche günstigen Geräte haben in der Regel keine Möglichkeit, dein Telefonbuch zu importieren. Viel Spass beim Abtippen!

Beispiel 3: Selbsteinbau einer zweiten Sim-Karte

Dir ist vielleicht aufgefallen, dass ich bisher ausschliesslich Samsung-Handys empfohlen habe. Das liegt ganz einfach daran, dass Apple in seiner iPhone-Reihe unverständlicherweise noch immer kein Gerät mit zwei Sim-Cards anbietet. Eine mögliche Lösung sind Adapter, welche den Einbau von zwei Karten gleichzeitig erlauben. In deinem Handy musst du ausserdem eine App installieren, die dir erlaubt, zwischen den beiden Karten zu wechseln. Es gibt eine Vielfalt an möglichen Produkten, die davon abhängen, welches Handy du besitzt. Deswegen kann ich kein konkretes Angebot empfehlen. Denk daran: Die zweite Karte funktioniert nur bei Telefonen ohne Sim-Lock!

Ein Adapter für eine zweite Sim-Karte ist vor allem für Handy eine gute Lösung, bei denen sich die Karte nicht so leicht austauschen lässt wie beim iPhone oder hier dem neuen Xiaomi Mi4.
Ein Adapter für eine zweite Sim-Karte ist vor allem für Handy eine gute Lösung, bei denen sich die Karte nicht so leicht austauschen lässt wie beim iPhone oder hier dem neuen Xiaomi Mi4.

Vorteil: Wenn du nur ein Gerät mitnehmen willst, erleichtert dir so ein Adapter den Wechsel zwischen den beiden Karten. Gerade beim iPhone (oder auch meinem neuen Xiaomi Mi4) ist ein Sim-Card-Wechsel wegen der unsäglichen Konstruktion nicht ohne eine spezielle Nadel möglich, die man sehr leicht vergisst oder verliert.

Nachteil: Anders als bei einem nativen Dual-Sim-Handy ist bei dieser Lösung immer nur eine der beiden Karten in Betrieb. Aktivierst du Karte A, kannst du auf Karte B keine Anrufe empfangen. Die zusätzliche Karte muss irgendwo verstaut werden. Je nach Modell brauchst du für das Handy eine grösseres Gehäuse oder eine zusätzliche Schale.

Beispiel 4: Datenverbindung über ein Mifi

In der Regel brauchst du die lokale Karte hauptsächlich wegen des mobilen Internets. Deine ausländische Nummer kennt ja sowieso kaum jemand. Wenn dies bei dir der Fall ist, kannst du die lokale Karte in einem Mifi platzieren. Das ist ein mobiler WLAN-Router, der direkt mit einer Sim-Karte betrieben wird. Bei der Anwendung auf einer Reise solltest du auf die Grösse des Routers und die Stärke der Batterie achten. Zum Zeitpunkt der Recherche war das Huawei E5220 für etwas mehr als 50 Euro eine gute Option.

Vorteil: Mit dem Mifi generierst du ein lokales Netzwerk, über das du dich mit dem WLAN deines Handys einloggen kannst. Da du an ein Mifi mehrere Geräte gleichzeitig anschliessen kannst, erlaubt es dir, auch mit dem Tablet und dem Laptop online zu gehen – was allerdings auch mit der Tethering-Funktion deines Smartphones möglich wäre.

Nachteil: Du bist nicht telefonisch über deine lokale Sim-Karte erreichbar und du hast ein zusätzliches Gerät, um dessen Batterien du dich kümmern musst.

Fazit

Du kannst es drehen wie du willst: Die Eier legende Wollmilchsau gibt es auch hier nicht. Für mich ist ein Handy, das gleichzeitig auf zwei Mobilfunknetze zugreifen kann, der beste Reisebegleiter. Allerdings ist es auch die Option, welche mit den höchsten Investitionen verbunden ist. Ein Mifi und das Klapphandy sind preiswerte Alternativen, die nur geringe Abstriche mit sich bringen. Der Adapter scheint mir ein Gebastel mit relativ geringem Nutzen zu sein, der nur Besitzern von Geräten etwas bringt, bei denen sich die Sim-Karte nicht ohne weiteres austauschen lässt.

Zum ersten Mal hier? Dann lese hier, worum es in diesem Blog geht. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann solltest du dich unbedingt beim monatlichen Newsletter einschreiben, damit du künftig nichts mehr verpasst.

Wie hältst du es mit dem Handy auf Reisen? Kommentare erwünscht.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

10 Kommentare

  1. Hey.
    Danke für die Zusammenfassung – echt sehr hilfreich und ich werde da bald nochmal drauf zurück greifen. Internet gibt es zwar immer wieder, aber immer und überall auf das Internet zurückgreifen zu können ist schon sehr hilfreich und wichtig, um von unterwegs Zimmer , etc. ausfindig zu machen!

    Liebe Grüße
    Svenja

    • Hallo Svenja,
      gern geschehen. 🙂 Ich selber bin zwar der Suche nach Zimmern etwas altmodisch und klopfe lieber vor Ort an. Aber ja: Das ist ein gutes Beispiel, wieso mobiles Internet so nützlich ist.
      Gruss,
      Oli

  2. Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich persönlich habe total kein Problem damit, meine SIM-Karte aus dem Heimatland einfach zu entfernen und stattdessen eine lokale einzulegen (mit Datenplan). Die Erreichbarkeit ist ja nach wie vor recht gut sicher gestellt (Skype, WhatsApp, Facebook …). Lediglich SMS und Telefonate funktionieren nicht. SMS verwendet zumindest in meinem Bekanntenkreis praktisch niemand mehr und beim Annehmen von Telefonaten fallen ebenfalls hohe Kosten an.

    Man könnte ja den Anrufbeantworter / Combox noch mit einem entsprechenden Hinweis auf Skype / eine E-Mail Adresse bestücken, um allenfalls ganz wichtige Telefonate nicht zu verpassen.

    Bei vielen Messenger-Apps kann man beim Einlegen einer neuen SIM-Karte auswählen, ob man zur neuen Nummer wechseln will oder die alte behalten. Da wählt man einfach behalten aus.

    Der einzige Grund, warum ich die eigene SIM-Karte von Zeit zu Zeit mal wieder einlegen muss: Gewisse E-Banking Dienste, die einen TAN per SMS zustellen. Für lange / viele Auslandreisen ist diese Variante der Authentifizierung aber eh nicht beste.

    • Hallo Patrick,
      danke für den Kommentar. Das stimmt: SMS bekomme ich auch so gut wie keine mehr und die Kommunikation läuft auch bei mir zu einem grossen Teil über Whatsapp und Wechat ab. Trotzdem ist mir wichtig, dass ich unter meiner Heimatnummer erreichbar bin. So kann ich sehen, wer angerufen hat und mich allenfalls melden.
      Das Problem ist nämlich, wenn du länger unterwegs bist und vielleicht jeweils alle drei Wochen in ein neues Land gehst, müsstest du all deinen Kontakten jeweils die neueste Nummer durchgeben. Das ist nicht nur umständlich, sondern das Chaos ist schon vorprogrammiert. In die Combox würde ich die temporäre Nummer nicht einsprechen – überlege dir mal, was es kostet, wenn dir jemand auf die Combox redet? Bei mir sinds im fernen Ausland 4,75 CHF pro Minute! Combox also unbedingt ausschalten.
      Eine Möglichkeit wäre, sich eine SkypeIn-Nummer zu nehmen und die dann immer automatisch auf die aktuelle lokale SIM-Card umzuleiten. Das müsste eigentlich gehen. Auf diese Weise brauchst du nur eine einzige Nummer bekanntgeben.
      Gruss,
      Oli

  3. Hi Oli
    Sehr spannend, der Artike. Ich habe ebenfalls einfach die SIM getauscht (und die Schweizer SIM in Sri Lanka verloren ;).

    Unfassbar, die Roaming Gebühren. Da werden wir wohl nie eine wirkliche Besserung sehen.

    Liebe Grüsse,
    Simon

    • Hi Simon,

      das mit der Verlieren wäre noch ein weiterer Pluspunkt bei einer Lösung mit einem Dual-Sim-Card-Handy. Das ist mir zum Glück noch nie passiert. Ein kleiner Tipp: Ich bewahre die Sim-Karte, die ich nicht brauche, unter dem Deckel auf. Bei mir hats dort glücklicherweise etwas Platz.

      Zu den Roaming-Gebühren muss ich vielleicht ergänzen, dass ich Prepaid-Karten angeschaut habe. Die hat natürlich keiner mit 4000 Franken Guthaben geladen, insofern ist der mögliche Schaden in der Realtität nicht ganz so hoch. Anders bei Vertragshanys. Bei denen ists dann doch einiges günstiger, aber wir bewegen uns immer noch im oberen dreistelligen Bereich. Und das sind dann beträge, die du im Fall der Fälle auch wirklich zahlen musst.

      Gruss,
      Oli

      PS: Danke fürs Tweeten! 🙂

  4. Hi,
    danke für die Übersicht. Von Punkt 4 hatte ich bisher noch nie was gehört. Klingt noch interessant.
    Hast du auch schon was von dem SIM-Karten Aufkleber gehört, gelesen oder vielleicht sogar schon verwendet?
    -> http://t3n.de/news/knowroaming-diesem-507259/
    Würde mich Interessieren wie gut das wirklich in der Praxis funktioniert.

    Aktuell wechsle ich meine beiden SIM-Karten immer. Das macht allerdings gerade bei den Nano Karten und neuen Phones nicht sonderlich viel Spass…
    Gruss
    Patrick

    • Hi Patrick,

      vielen Dank für den Hinweis. Von Knowroaming habe ich noch nie gehört. Die Idee klingt überzeugend und die Abdeckung scheint ja recht gut zu sein, wenn „KnowRoaming nach eigenen Angaben Verträge mit Mobilfunkanbietern in 220 Ländern geschlossen“ hat, wie es im Artikel heisst. Als ich das letzte Mal nachzählte, gab es noch weniger als 200 Länder… 🙂

      Ja, Nano-Karten halte ich für eine ziemlich schlechte Entwicklung und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass man die früher oder später irgendwo verliert. Wenn ich das richtig verstanden habe, schluckt nun auch das neue iPhone wieder etwas grössere Karten, oder?

      Gruss,
      Oli

  5. Hallo Oliver,
    vernünftiger Artikel und ausreichend Details 🙂
    Allerdings sollte bei „Beispiel 4: Datenverbindung über ein Mifi“ niemals vergessen werden (und wirklich NIEMALS), dass dann Deine Mobilgeräte eine WiFi-Verbindung haben und diverse Apps sofort einen höheren Datenverbrauch generieren.
    Drei sehr prominente Beispiele, die Ihr Verhalten je nach Datenverbindungstyp Mobile vs. WiFi selbsttätig ändern:
    – Google+ Sofort-Upload der mit der Handykamera gemachten Bilder
    – WhatsApp Bilder/Viedeo Download in empfangenen Nachrichten
    – Facebook Autostart von Videos
    Also hier dann wirklich diese und weitere Apps neu konfigurieren damit das Datenvolumen nicht bereits nach 2 Stunden verbraucht ist – ganz große Falle wenn Bilder gemacht werden!!!
    Beste Grüße,
    Bernd

    • Hallo Bernd,
      vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Dieser Problematik war ich mir gar nicht bewusst. Ich hab Mifis bisher nur ausprobiert, wo die zur Verfügung stehende Datenmenge sowieso niemals hätte aufgebraucht werden können.
      Gruss,
      Oli

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