Im Wohnmobil mit Kind: „Für mich zählen die praktischen Vorteile“

(Interview des Monats)

Die Journalistin und Bloggerin Angela Misslbeck ( unterwegsmitkind.com ) reist mit ihrem Sohn bevorzugt im Wohnmobil durch Europa. Nun hat sie im Buch „Wohnmobil-Reisen mit Kindern“ ihre Reiseerfahrungen zusammengefasst. Im jüngsten Interview des Monats gibt sie Eltern Tipps und Tricks für diese Art des Unterwegsseins.

WRF: Ist eine Wohnmobilreise eigentlich die beste Art, mit Kindern in den Urlaub fahren?

Angela Misslbeck: So pauschal lässt sich das nicht sagen. Ich glaube nicht, dass restlos alle Familien mit Wohnmobilreisen glücklich werden. Aber für mich persönlich es gibt keine schönere und entspanntere Art, mit Kindern zu reisen. Da sind zunächst die praktischen Vorteile: Der Planungsstress fällt weg, denn auf Campingplätzen oder Stellplätzen kommt man selbst in den Ferien oft spontan unter. Beim Packen muss man sich nicht so sehr einschränken. Einmal eingepackt bleibt alles im Camper und muss bei Roadtrips nicht permanent aus- und wieder eingepackt werden. Auch die Kids haben bei Rundreisen ein festes, gleichbleibendes Dach überm Kopf. Es gibt aber auch weniger handfeste Positivfaktoren: Beim Wohnmobilurlaub spielt sich das Leben draussen ab. Das tut der ganzen Familie gut. Auf Camping- und Stellplätzen sind meistens etliche Familien, so dass auch Einzelkinder Spielkameraden finden…

Rundreise oder doch lieber an einem Ort bleiben? Was mögen Kinder lieber?

Das ist individuell sehr unterschiedlich und hängt sicher auch vom Alter ab. Babys ist es komplett egal, wo sie sind, solange die Eltern da sind. Kleinkinder und jüngere Schulkinder können auf wechselnde Schlafumgebungen empfindlich reagieren – aber das Problem fällt bei Wohnmobilreisen ja weg. Ältere Schulkinder und Teenies können schon ihre eigenen Vorlieben haben. Dann muss das eben in der Familie ausdiskutiert werden.

Apropos Kinder in die Routenplanung einbeziehen: Wie balanciert man am besten die eigenen Bedürfnisse mit dem Nachwuchs?

Ich finde: Wie in allen Beziehungen muss auch zwischen Eltern und Kindern mal der eine und mal der andere nachgeben. Es macht keinen Sinn, wenn ich meinem Sohn meine Vorstellungen von einem tollen Wanderurlaub überstülpe, denn dann bockt er nach kurzer Zeit komplett. Also fahren wir eben auch ans Wasser, wo er in seinem Element ist. Es hätte aber auch keinen Sinn, wenn ich dem Junior zuliebe den ganzen Urlaub am Wasser verbringen würde. Denn es ist ja auch mein Urlaub, und wenn ich am Ende unzufrieden bin, bekommt es nachher doch mein Kind zu spüren.

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Angela Misslbeck nimmt es bei ihrem Roadtrip auch gerne einmal gemütlich.
Angela Misslbeck nimmt es bei ihrem Roadtrip auch gerne einmal gemütlich. Bild: ZVG

 

Du bist alleinerziehend. Ist da nicht ausgerechnet eine Wohnmobilreise eine grosse Herausforderung?

Ich finde es eigentlich eher entspannter als andere Reise-Arten. Da ich schon immer lieber Roadtrips als Hotelurlaub gemacht habe, kommen mir Wohnmobilreisen sehr entgegen. Ich muss keine Unterkünfte vorausbuchen und kein Gepäck mehr schleppen. Ich halte mich auch für eine ganz gute Autofahrerin und sitze  gern hinter dem Steuer unseres Kastenwagens. Allerdings bin ich wahrscheinlich deutlich langsamer unterwegs als Paare, weil sich keiner mit mir beim Fahren abwechselt. Meine Tagesetappen dauern höchstens bei der An- und Abreise mal länger als drei bis vier Stunden. Lieber fahre ich in kurzen Etappen. Dann komme ich zeitig und erholt genug an, um am Ziel noch etwas zu unternehmen.

Für alleinerziehende Eltern ist die Preispolitik der Reiseanbieter oft ein Problem. Viele Hotels bieten nur Kinderrabatt an, wenn zwei Elternteile dabei sind. Ist das bei einer Camper-Reise besser?

Ja, deutlich! Auf Campingplätzen kommen Alleinerziehende oft günstiger weg als Familien, weil die Kosten pro Kopf berechnet werden und der Kinder-Festpreis nicht von der Anzahl der mitreisenden Erwachsenen abhängt. Auf Wohnmobilstellplätzen gelten zwar meist Pauschalen unabhängig von der Zahl der Mitreisenden, aber die sind fast immer ohnehin günstig. Und manche Campingplätze schnüren für Familien mit mindestens zwei Kindern extra Sparpakete, die es natürlich für alleinreisende Eltern mit Kindern nicht gibt. Aber darüber will ich jetzt nicht klagen.

Wie motiviert man Kinder, wenn einmal die Lust am Reisen vergangen ist?

Oh! Das ist hier zum Glück noch nie passiert. Im Gegenteil: Mein Zehnjähriger macht jetzt schon Pläne, wo er mal hinfährt, wenn er sich seinen eigenen Camper ausgebaut hat (lacht). Spass beiseite: Ich denke, ich würde einfach die vielen schönen Dinge in Aussicht stellen, die es unterwegs zu erleben gibt. Ob das bei Teenies noch funktioniert, weiss ich nicht. Vielleicht muss man dann ein cooles Teenie-Highlight in die geplante Reise einbauen? Ich lasse mich überraschen.

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Unterwegs im Wohnmobil mit Kindern: Der Nachwuchs hilft beim Feuer machen in der Uckermark.
Wohnmobil-Reisen mit Kindern: Der Nachwuchs hilft beim Feuer machen in der Uckermark.

 

Für Kinder ist das Spielen mit anderen Kindern wichtig. Wie finden sie möglichst leicht Anschluss?

Das ist sicher Typ-Sache. Manche Kinder gehen von sich aus auf andere Kids zu, andere sind zurückhaltender. Viele Campingplätze haben Spielplätze oder einen Pool. Da kommen Kinder früher oder später automatisch in Kontakt mit Gleichaltrigen. Aber auch ein Ball, eine Frisbee-Scheibe oder ein anderes Spiel ohne Teilnehmerbegrenzung eignet sich prima zum Kontakte knüpfen.

In deinem Buch gibst du Routenvorschläge. Welche Region in Europa ist aus deiner Erfahrung besonders ideal für Reisen mit Kindern?

Auch das ist meines Erachtens Geschmackssache. Die südeuropäischen Länder sind sehr kinderfreundlich, die skandinavischen Länder sehr camperfreundlich. Italien punktet beim Essen, Frankreich hat eine super Camper-Infrastruktur, Osteuropa noch echte Wildnisse und so weiter. Schlussendlich kommt es darauf an, dass die Region etwas bietet, was der Familie im Urlaub wichtig ist. Für die einen ist das Sonne, Strand und Kinderanimation. Für die anderen sind es Berge, Outdoor-Erlebnisse und Ruhe.

Du hast für dein Buch 14 Familien interviewt, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Was hat dich besonders beeindruckt?

Schwer zu sagen. Es muss nicht immer das Vanlife auf Dauer sein, wie es Jasmin und Jonathan und auch die alleinerziehende Anja als digitale Nomadin gewählt haben. Ich finde viele der Geschichten total beeindruckend. Ob das jetzt Nicole ist, die schwanger im Campingbus gereist ist, oder Dagmar, die mit zwei Kleinkindern und zwei Schulkindern unterwegs ist. Ich bewundere auch, wie man sich mit zwei Teenies oder mit drei Kleinkindern für längere Zeit im Campingbus arrangiert oder wenn eine alleinreisende Mutter im Dachzelt freiwillig auf Camping-Infrastruktur verzichtet. Letztlich sollen die Interviews aber keine beeindruckenden Helden-Geschichten erzählen. Es ging mir bei der Auswahl der Familien eher darum, das breite Spektrum an Möglichkeiten für mobiles Reisen mit Kindern zu zeigen. Und da kommen eben auch die zu Wort, die gerade ihre ersten Erfahrungen damit gemacht haben.

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Buchtipp: Wohnmobil-Reisen mit Kindern

Mit Kindern im Wohnmobil: Das funktioniert besser als man denkt. So lautet die zentrale Botschaft im neuen Buch von Angela Misslbeck, das mit zahlreichen praktischen Tipps angereichert ist. Sehr inspirierend sind die Interview mit anderen Familien, die auf unterschiedliche Weise mit Kindern im Camper unterwegs sind.

Angela Misslbeck: Wohnmobil-Reisen mit Kindern. Bruckmann Verlag. September 2020. Ca. 23 Euro. Bestellen bei Amazon oder bei Thalia.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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