Warschau im Winter: Das erwartet dich in Polens Hauptstadt

Winter und Warschau: Dieses Wortpaar löst bei den wenigsten unkontrollierbares Wohlbehagen aus. Wie du die spannende polnische Hauptstadt trotz Dunkelheit, Kälte und Schneematsch geniessen kannst, verrate ich dir in diesem Artikel.

Machen wir uns nichts vor: Der Winter ist nicht die beste Jahreszeit, um Warschau zu besuchen: Es ist in der Regel genau so kalt, dass du dich nicht so recht wohlfühlst, gleichzeitig ist es aber nicht kalt genug, um das ganze Land in eine wunderschöne Eislandschaft zu verwandeln.

Das war auch bei meiner Reise kurz vor Weihnachten so. Gleich nach meiner Ankunft begann es zu schneien und die folgenden Tage waren von Schneematsch und nassen Schuhen geprägt. Eines habe ich mir noch während der Reise geschworen: Das nächste Mal komme ich bestimmt im Sommer.

Das ändert aber nichts daran, dass Warschau eine sehr sehenswerte und unglaublich spannende Stadt ist, die leider häufig total unterschätzt wird. Vor allem Geschichtsnerds wie ich stossen wegen ihrer bewegten Vergangenheit an jeder Ecke auf interessante Details.

In diesem Beitrag will ich dir erzählen, was mir in Warschau besonders gefallen hat und worauf du dich einstellen solltest, wenn du die polnische Hauptstadt (entgegen meinem Ratschlag) ebenfalls im Winter besuchen willst.

 

Warschau im Winter: Die besten Sehenswürdigkeiten

Der Kultur- und Wissenschaftspalast

Streng und pompös ragt der Kultur- und Wissenschaftspalast im Zentrum von Warschau in die Höhe. Mit seinen 237 Metern ist er das höchste Gebäude der Stadt (wie auch des Landes) und gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt.

Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht, spielt die rechtsnationalistische Regierung mit dem Gedanken, es abreissen zu lassen. Das in den 1950er-Jahren entstandene Bauwerk im Stil des sozialen Realismus war nämlich ein Geschenk der Sowjetunion und ist bis heute ein Symbol für die verhasste russische Unterdrückung.

So lange ein Besuch möglich ist, solltest du deine Tour unbedingt hier beginnen. Denn der Palast mit seinen rund 3000 Räumen ist unglaublich spannend und wird nicht nur wegen seiner architektonischen Ähnlichkeiten gerne mit dem Empire State Building in New York verglichen.

In seinem Innern befinden sich Kinos, Konzertsäle und Museen. Das heisst, grosse Bereiche des Gebäudes sind öffentlich zugänglich. Vor allem aber solltest du zur Aussichtsplattform im 30. Stock fahren. Von dort oben hast du kurz vor Sonnenuntergang einen grandiosen Ausblick auf die Stadt.

Warschaus Wahrzeichen: Der Kultur- und Wissenschaftspalast.
Der Eingang des Wissenschafts- und Kulturpalast zeugt von früherer Grösse.

Die Altstadt

Die Altstadt repräsentiert die Geschichte des Landes wie kein anderer Stadtteil von Warschau. Auch wenn man heute beim Flanieren durch die hübschen Gassen kaum noch etwas merkt: Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs ist das historische Zentrum fast vollständig zerstört worden.

Erste Anlaufstelle in der Altstadt sollte deswegen das Warschau Museum am Marktplatz sein. Hier erfährst du auf Fotos und Gemälden, wie die Stadt einst aussah (Spoiler: praktisch identisch) und mit welchen Anstrengungen sie nach Kriegende renoviert wurde. Von der obersten Etage hast du zudem einen schönen Blick auf den Marktplatz.

Sehenswert ist auch das Königsschloss, das eine hervorragende Kunstsammlung beherbergt. Auch das Schloss lag nach dem Krieg in Trümmern. Wegen Geldmangel konnte die Renovation des Schlosses aber erst etwa 50 Jahre (!) nach seiner Zerstörung abgeschlossen werden.

Es lohnt sich, ein paar zusätzliche Stunden einzuplanen, um wahllos durch die Strassen der Altstadt zu schlendern und hier und da in einem der hübschen Kaffees einzukehren und die leckeren Kuchen zu versuchen. Die Altstadt ist übrigens Unesco Weltkulturerbe.

Schautafel am Rande der Altstadt. Sie zeigt, wie sich Warschau nach dem Krieg verändert hat.
Weihnachtlich geschmückter Vorplatz des Königspalasts mit Blick auf die Altstadt

 

Der Lazienki- und der Wilanow-Park

Warschau hat in seinem Zentrum mehrere grosse Grünflächen. Zwei davon gehören bei jedem Warschautrip auf die To-Do-Liste: Der Wilanow-Park ist für den gleichnamigen Königspalast im üppigen Brock-Stil bekannt, der auch den Übernamen „Versailles Polens“ trägt und auf alle Fälle sehenswert ist.

Der Lazienki-Park ist die grösste Grünanlage der Stadt und beherbergt ebenfalls eine Reihe von interessanten Palästen, die jedoch nicht ganz an den Wilanow-Palast heranreichen. Im Sommer ist dieser Park ausserdem wegen der sonntäglichen Chopin-Konzerte beliebt.

Nun fragst du dich bestimmt, wieso ich diese beiden Parks ausgerechnet für eine Wintertour empfehle? Ganz einfach: In den Parks gibt es wunderschöne Lichtinstallationen.

Bei meinem Besuch  im Lazienki-Park waren beispielsweise überall Lichtskulpturen von Tänzern aufgestellt. Im Wilanow-Park hingegen beeindruckten riesige Pflanzen und Tiere aus Leuchtdioden. Die schönste Atmosphäre erlebst du während der Abenddämmerung.

Palast im Lazienki-Park.
Weihnachtliche Lichtinstallationen.

Die Museen der Stadt

Wie es sich für eine echte Hauptstadt gehört, beherbergt auch Warschau eine Reihe von hervorragenden Museen. Gerade im Winter drängt sich ein Besuch wegen der frühen Dämmerung auf.

Das beklemmende Museum zur Geschichte der polnischen Juden ist dabei für viele die erste Wahl. Es steht an der Stelle, wo sich einst das Warschauer Ghetto befand. Spannend fand ich, dass es sich nicht ausschliesslich dem Holocaust widmete, sondern auch die ältere und weniger bekannte jüdische Geschichte beleuchtete.

Wem der Sinn eher nach Wissenschaft steht (oder mit wissensdurstigen Kindern unterwegs ist), dürfte eher am Kopernikus Science Center und dem dazugehörigen Planetarium Gefallen finden, das vor allem wegen seiner Interaktivität sehr gelobt wird. Leider hat mir die Zeit für den Besuch nicht mehr gereicht.

Eher weniger bekannt ist das Neon Museum im Stadtteil Braga. Auf einem alten Fabrikareal haben zwei Londoner Fotografen eine kleine Ausstellung mit alten Neonschildern aus dem ganzen Land realisiert. Wer hätte gedacht, dass Leuchtreklame so interessant sein kann?

Im Verlaufe des Frühlings soll in einer ehemaligen Brauerei in Braga ein Museum aufgehen, das sich ausschliesslich Polens Nationalgetränk widmet: dem Wodka. Das könnte ebenfalls recht spannend werden und ist für meinen nächsten Besuch notiert.

Blick vom obersten Stock des Warschau Museums auf den Marktplatz.
Das Museum zur Geschichte der polnischen Juden ist auch architektonisch interessant.

Was du in Warschau nur im Winter tun kannst

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die du in Warschau nur im Winter unternehmen kannst und die die Stadt trotz der Eiseskälte ziemlich charmant machen.

Die winterliche Beleuchtung in den beiden Parks habe ich schon weiter oben erwähnt. Aber auch der ganze Rest der Stadt ist mit einer wunderschönen Weihnachtsbeleuchtung verziert. Perfekt für abendliche Spaziergänge.

Selbst wenn du ein Weihnachtsmuffel bist, solltest du dich von den zahlreichen Märkten in der Stadt bezaubern lassen. Besonders gut hat mir der Weihnachtsmarkt an der historischen Stadtmauer in der Altstadt von Warschau gefallen.

Im Winter entstehen auf verschiedenen Plätzen Eislaufbahnen. Besonders schön fand ich die auf dem Marktplatz. Eine weitere steht vor dem Kultur- und Wissenschaftspalast. Es macht Spass, den Schlittschuhläufern eine Weile bei ihren Pirouetten zuzusehen – und wohl noch mehr, sich selber aufs Eis zu wagen.

Im Szczesliwicki Park gibt es mitten im Stadtzentrum eine kurze Skipiste mit zwei Skiliften. Sicher nichts für leidenschaftliche Wintersportler, aber vielleicht eine willkommene Abwechslung zum Sightseeing. Übrigens: Da die Piste aus Plastikmatten besteht, ist sie abstruserweise auch im Sommer befahrbar.

Weihnachtlich herausgeputztes Restaurant in der Altstadt.
Weihnachtsmarkt bei der Stadtmauer.

 

Warschau im Winter: Die wichtigsten Tipps

  • Nutze Low Cost Carrier: Billigfluglinien steuern Warschau aus mehreren deutschsprachigen Städten zu unschlagbaren Preisen an. Ich habe mit Wizzair ab Basel etwa 38 Euro bezahlt. Siehe hierzu auch meine 13 Tipps zum Finden von günstigen Flügen.
  • Fahr mit dem Bahn in die Stadt: Eine Taxifahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum kostet umgerechnet zwischen 20 bis 30 Euro. Für rund einen Euro kannst du mit der U-Bahn in der gleichen Zeit sehr bequem ins Zentrum fahren.
  • Steh früh auf: In Warschau wird es im Winter früh dunkel. Bei meinem Besuch ging die Sonne jeweils kurz nach drei Uhr unter. Um vier war es bereits stockfinstere Nacht. Daran sollten vor allem diejenigen denken, die gerne fotografieren. Ich habe es für mich so gelöst, dass ich am späteren Nachmittag jeweils ein Museum besucht habe. Davon gibt es in Warschau genug.
  • Achte auf die Öffnungszeiten: Im Winter ist in Warschau Nebensaison, weswegen viele Sehenswürdigkeiten ihre Öffnungszeiten anpassen. Meistens ganz offiziell, manchmal aber auch spontan. Ich stand auf meiner Reise mehrmals vor verschlossenen Türen. Kontrolliere am besten jeweils kurz vorher die genauen Öffnungszeiten oder besser noch: Plane einen Extratag ein, wenn du wirklich nichts verpassen willst.
  • Gönn dir ein besseres Hotel:  Die Unterkünfte sind in Warschau für westeuropäische Verhältnisse sehr günstig. Du kannst dir also problemlos etwas Besseres gönnen. Schon ab etwas mehr als 100 Euro bekommst du beispielsweise ein Zimmer im Mariott, von dem du eine grandiose Aussicht auf den Kultur- und Wissenschaftspalast hast. Falls du dir das Zimmer zu teuer ist, kannst du die Aussicht übrigens auch im 40. Stock in der Skybar geniessen.Für Backpacker hat mir ein Leser in einem Kommentar das Oki Doki Hostel empfohlen. Ich selber war in einem wenig herausragenden Mittelklassehotel.

  • Geniess das polnische Essen: Polnisches Essen ist kräftig und derb, was gerade in der kalten Jahreszeit ganz willkommen sein kann. Für Nichtvegetarier lohnt es sich, die zahlreichen Würste zu probieren. Sehr stimmungsvoll ist die Alte Markthalle aka Hala Kaszyki, wo du in einer schönen Atmosphäre verschiedene Küchen zu einem hervorragenden Preis bekommst und dir anschliessend noch die Kunstausstelltungen ansehen kannst. Wenn du etwas gehobener speisen möchtest, ist das Restaurant Stolica in der Altstadt eine tolle Adresse. Hier hatte ich das wohl leckerste Essen meiner ganzen Polenreise.
  • Kauf dir einen Discount-Pass: Gerade im Winter lohnt sich für Erstbesucher der Kauf eines Warsaw Pass (erhältlich zum Beispiel am Eingang zum Kultur- und Wissenschaftspalast). Mit ihm hast du nicht nur Zugang zu den wichtigsten Museen und Sehenswürdigkeiten, sondern kannst auch kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Im Pass ist übrigens auch der Eintritt zu einem allabendlichen Chopin-Konzert inbegriffen.
  • Denk an deine Bank-/Kreditkarte: Das EU-Mitglied Polen hat weiterhin seine eigene Währung, den Zloty. Am Flughafen findest du Bankomaten, alternativ kannst du dort auch Geld wechseln.
  • Wie lange bleiben? Ich verbrachte drei Tage in Warschau, schaffte es in der Zeit aber nicht, mir alles anzusehen, was mich interessiert hätte. Vier oder gar fünf Tage finde ich für die spannende Stadt durchaus angemessen.

Hinweis: Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung des polnischen Fremdenverkehrsamt. Ausserdem enthält er vereinzelt Affiliate-Links.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Artikel, du hast meine Stadt sehr schön in Worte gefasst. Vieles davon kannte ich selbst noch nicht, wie beispielsweise die Lichtinstallationen in Lazienki Park oder den einen oder anderen Museumstipp. In der Vorweihnachtszeit ist Warschau tatsächlich besonders stimmungsvoll, ich würde sogar soweit gehen, gerade da einen Besuch zu empfehlen. Am Abend scheinen auf dem Marktplatz und am Königsschloss Sterne aus Licht die Wände hinunter zu fließen, es ist ganz zauberhaft. Wir waren in Reytan-Hotel unweit des Lazienki-Parks untergebracht und der Standard war trotz der günstigen Preise (54 Euro/Doppelzimmer) sehr gehoben. Den Lazienki-Park kann ich übrigens Mitte Oktober empfehlen, wenn alles golden glänzt und die zahmen Eichhörnchen einem die Nüsse aus der Hand stibitzen.
    Schau bei mir rein: Eine Silvesternacht in Warschau (http://stefan-taege.de/kasia/2018/01/04/wer-hat-schiss-vor-der-polizei-silvester-in-warschau/), es ist auch ein kleines Video angefügt 😉

    Liebe Grüße
    Kasia

    1. Hi Kasia,
      ich denke auch: Wenn man sich den Winter antun will, dann ist vermutlich die Vorweihnachtszeit am schönsten mit all den Märkten und den Lichtinstallationen. Ich bin auf alle Fälle gespannt, wie sich Warschau im Sommer präsentiert und hätte grosse Lust, noch ein bisschen mehr von der Stadt zu sehen.
      Gruss,
      Oli

  2. Ich war nur einmal in Poland, aber nicht in Warschau. Und jetzt will ich diese schöne Stadt besuchen.
    Du hast Warschau so interessant und faszinierend beschrieben.
    Ich schließe die Augen und stelle diese Lichtskulpturen, die schönste Atmosphäre… Das ist super!!!
    Die Geschichte von Poland ist besonders interessant fur mich.

    1. Ja, Warschau lassen viele Reisende aus. Das ist schade, denn ich finde, dass die Stadt durchaus einiges zu bieten hat.

      Übrigens euer „Low Cost Club“ macht einen ziemlich unseriösen Eindruck. Als erstes solltet ihr euren Texter austauschen: „LowCostClub sucht Websites von Fluggesellschaften Sie günstige Flüge zu den besten Preisen zu helfen.“ ist nun beim besten Willen kein verständliches Deutsch. Und dass ihr Angebote in 219 Länder habt, lässt auch jeden an eurer Seriösität zweifeln, der weiss, dass es so viele Länder gar nicht gibt.

  3. Mein Kollege hat mir einen Junggesellenabend in Polen organisiert. Wir sind nach Warschau geflogen. Unsere Hauptattraktion war der Besuch im New Orleans Gentlemen’s Club. Es war allerhand los.

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