Wieso Reiseführer auch heute noch ihre Berechtigung haben

6 Vorurteile über das Reisen mit Reiseführern

Die einen vertrauen auf sie, andere lehnen sie kategorisch ab. Nicht erst seit ich selber einen Reiseführer geschrieben habe, bin ich ein begeisterter Nutzer. In diesem Artikel nenne ich die sechs häufigsten Mythen und Vorurteile über die praktischen Helferchen auf jeder Reise.

An einem sonnigen Herbsttag vor einigen Jahren stiess ich mit einem frisch gekauften Lonely Plant unter dem Arm auf eine ehemalige Arbeitskollegin. Als sie den Reiseführer sah, verfinsterte sich ihre Miene etwas und sie erklärte in einem fast schon missionarischem Ton: “Wir würden uns niemals dem Diktat eines Reiseführers unterwerfen.” Vorgekaute Routen, so betonte sie, kämen für sie und ihren Mann nicht in Frage. Schliesslich wollen sie die Welt selber entdecken.

Nun habe ich an diesem Wunsch, den ich auf meinen Reisen schon in hundertfacher Variation gehört habe, grundsätzlich nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil: Sich einer vollkommen fremden Umgebung ausgesetzt zu sehen und sich nach und nach zurecht zu finden, ist eine grandiose Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die meiner Meinung jeder einmal machen sollte.

Trotzdem irritieren mich einige der häufig vorgetragenen Argumente gegen Reiseführer immer wieder. Deswegen will ich in diesem Artikel die häufigsten Mythen und Vorurteile gegen Reiseführer aufzählen und erklären, wieso es sich lohnt, sich über deren Richtigkeit Gedanken zu machen. (Und wer mir nun vorwerfen möchte, dass ich als Autor eines Zürich-Reiseführers* beim Thema befangen sei, den weise ich darauf hin, dass dieser Artikel ursprünglich bereits 2014 erschien, als Bücherschreiben für mich noch kein Thema war.)

Übrigens: Ein paar Tage, nachdem ich die erwähnte Kollegin auf der Strasse traf, unterhielten wir uns erneut übers Reisen. Sie wollte mir Tipps über schöne Orte geben, die sie und ihr Mann damals „entdeckt“ hatten. Die Ironie der Geschichte: Es waren genau die Orte, die auch in meinem neuen Lonely Planet gross gefeatured waren.

Wir wollen Entdecker sein: Reiseführer, nein Danke!

 

1. Mit Reiseführern landest du in Touristenfallen

Ein häufig genanntes Argument der Guidebook-Kritiker ist, dass sie nicht mit 20 andern Touristen am Tisch sitzen wollen, die alle im gleichen Buch blättern. Auch wenn ich das Gefühl grundsätzlich verstehe, glaube ich nicht, dass das Verschmähen von Reiseliteratur jemand diesem Ziel näher bringt. Ganz im Gegenteil: Ein guter Reiseführer klärt im Vorfeld darüber auf, was man von einer Unterkunft oder einem Restaurant zu erwarten hat.

Wer einen Reiseführer besitzt, kann schon vor der Ankunft im Hotel entscheiden, ob er lieber mit Backpackern aus aller Welt feiert oder ob er sich in einer distinktuierten Gesellschaft wohlfühlt. Allerdings haben gerade bei der Hotelwahl Reiseführer seit dem Aufkommen von Buchungsplattformen wie booking.com* sowieso so stark an Bedeutung verloren, dass verschiedene Reihen mittlerweile ganz auf Hoteltipps verzichten.

Das Gleiche gilt aber auch für Dörfer, Städte und Sehenswürdigkeiten: Ein guter Reiseführer wird in der Regel auch Orte erwähnen, die zwar sehenswert sind, aber auf Grund ihrer ungünstigen Lage kaum besucht werden. Wer auf Reisen alleine sein möchte, kann solche Orte problemlos finden. Man sollte dabei allerdings auch nicht vergessen, dass die viele Orte deswegen von so vielen Menschen besucht werden, weil sie wirklich schön, historisch wichtig oder sonst einzigartig sind.

Auch interessant: Wieso es sich lohnen kann, auf ausgetretenen Pfaden zu reisen

Vorurteile gegenüber Reiseführer: Du landest in Touristenfallen wie das Taj Mahal.
Das Taj Mahal: Touristenfalle oder schönstes Gebäude Indiens?

 

2. Die Informationen im Reiseführer sind veraltet

Ein weiteres häufig genanntes Argument gegen Reiseführer ist, dass sie zum Erscheinungstermin bereits veraltet seien. Natürlich braucht ein Autor eine Weile, um alle Orte zu besuchen, dazu kommt noch die Zeit, die mit dem Lektorat und dem Layout draufgehen. Ein frisch erschienenes Buch kann also durchaus auf Informationen basieren, die teilweise ein Jahr zuvor recherchiert wurden.

In der Realität ist das allerdings aus zwei Gründen kein grosses Problem: Erstens ist vieles weitaus statischer als man erwarten würde: Eine mittelalterliche Kleinstadt wird mit grösster Wahrscheinlichkeit auch ein halbes Jahr später noch malerisch sein. Und da Schienen nicht über Nacht nicht ihre Route ändern, bleiben auch die Verkehrsverbindungen ähnlich. Grössere Veränderungen bekommt ein Autor mit Sicherheit mit.

Zweitens – und das hat mich beim Schreiben meines eigenen Reiseführers eigentlich am meisten überrascht – ist es noch bis zum Vorabend des Drucks möglich, letzte Korrekturen anzubringen. Natürlich wird vor dem Erscheinen eines Buchs bei den Dingen, die sich potentiell verändern, noch einmal kurzfristig kontrolliert, ob irgendwelche Änderungen anfallen. Irgendwas schlüpft immer durch, das meiste fällt aber auf.

Hinzukommt: Was wäre denn die aktuellere Alternative? Blog-Artikel altern genauso wie die Erfahrungen, die andere Reisende in Facebook-Gruppen geben. Bei einem gedruckten Reiseführer sieht man immerhin, wie alt die Informationen sind und man hat die Gewissheit, dass die Informationen kurz vor dem Erscheinen noch einmal kontrolliert wurden.

Vorurteile gegenüber Reiseführern: Alles ist veraltet.
Allzu viel dürfte sich bei diesem mittelalterlichen Schloss seit Redaktionsschluss nicht verändert haben.

 

3. Bewertungsportale bieten grössere Meinungsvielfalt

Darüber, dass Hotelempfehlungen gegebenüber Bewertungsportale an Bedeutung verloren haben, sprachen wir bereits. Bewertungsportale gibt es mittlerweile für fast alles: Restaurants, Mietwagenanbieter, Sehenswürdigkeiten… Ja, sogar Flüsse, Städte und ganze Länder können bewertet werden.

Sie bieten eine Menge unterschiedliche Meinungen, die von vollkommener Begeisterung bis hin zur absoluten Ablehnung reichen, so dass man sich ein grobes Bild davon machen kann, was einen erwartet. Allerdings sollte man sich keine Illusionen über die Qualität der Beiträge machen. Wo Geld zu verdienen ist, gibt es eine grosse Versuchung, Bewertungen zu manipulieren.

Es können aber auch ganz andere Gründe sein. Vor einigen Jahren beispielsweise ertrank ein Indonesier in der Aare. Nachdem es nach dem tragischen Unglück in der Heimat einen Aufschreib gab, dass Schweizer Gewässer zu unsicher seien, schrieben hunderte Indonesier wütende Einstern-Reviews über den wunderschönen Fluss. Die Aussagekraft von so erhobenen Daten geht natürlich gegen Null.

Und selbst wo nicht manipuliert wird, besteht das Problem mangelnder Vergleichbarkeit. Die Bewertung eines an sich besseren Restaurants durch einen ewigen Nörgelers kann schlechter ausfallen als die Meinung eines allgemein zufriedenen Menschen zum miesen Imbiss an der Ecke. Je grösser die Zahl der Bewertungen ist, desto geringer wird dieser Effekt. Doch ein Reiseführer hat dieses Problem von Anfang an nicht, weil alles von der gleichen Person oder Personengruppe auf Grund klar definierten Kriterien bewertet wird.

Vorurteile gegen Reiseführer: Bewertungsportale sind besser
Wie gut ist dieses Restaurant wirklich?

 

4. Alle Infos finde ich auch (kostenlos) im Internet

Auch ich recherchiere vor meinen Reisen im Internet und lasse mich gerne von spannenden Erlebnisberichten für neue Ziele begeistern. Mittlerweile gibt es alleine im deutschsprachigen Raum locker 2000 Reiseblogs und viele davon sind echt gut. Wer kein Problem mit Englisch hat, findet sogar noch vieles mehr. Trotzdem gibt es zwei Probleme damit.

Das erste ist, dass der weltweite Tourismus ein Verteilungsproblem hat. Das am häufigsten besuchte Land der Welt (Frankreich) hat ungefähr gleich viel Besucher pro Jahr wie die hundert am wenigsten besuchten Länder. Das schlägt sich auf die Verteilung von Erfahrungsberichten nieder: Wer was zu Bali, Ko Samui oder Mallorca sucht, wird von der Vielfalt erschlagen, während es wiederum zu Äquatorial Guinea meines Wissens keinen einzigen deutschsprachigen Blogartikel gibt.

Das andere Problem ist, wann ich die Informationen am dringensten brauche. Bei mir ist das meistens, wenn ich in irgendeinem Provinzflughafen ohne Wifi gelandet bin und nicht weiss, wie ich am besten ins Stadtzentrum komme. Und nein: Taxifahrer fragen ist nicht immer die beste Idee! Datenroaming würde mich in wenigen Minuten finanziell ruinieren, weil ich noch keine lokale SIM-Karte habe. Oder vielleicht gibt der Handyakku auch nach einem langen Tag den Geist auf.

Doch selbst wenn alles Technische perfekt klappt, ist es doch sehr viel schneller und praktischer in einem Buch mit einer klaren Struktur nachzuschlagen, als planlos durch irgendwelche Webseiten zu surfen. Alleine für diesen Luxus bin ich gern bereit, 20 Euro pro Reise zu investieren und ein paar hundert Gramm zusätzlich auf dem Rücken zu tragen.

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Vorurteile gegenüber Reiseführern: Ich finde alles auch gratis im Netz.
Am Ende der Welt (hier: Innere Mongolei) hat man unter Umständen keinen Empfang.

 

5. Reiseführer sind schwer und teuer

Und da sind wir schon beim nächsten Punkt. Für einen vernünftigen Reiseführer muss man irgendwas zwischen 20 und 30 Euro hinblättern. Das klingt zwar nicht nach viel, kann sich aber auf einer längeren Weltreise summieren – vor allem für Backpacker mit einem kleinen Budget. Meiner Meinung ist das aber Geld, das sich auf der Reise schnell wieder amortisiert.

Dazu ein kleines Beispiel aus meinem Reisealltag: Vor einigen Jahren war ich in Ostjava auf dem Weg zum Ijen-Plateau, um mir einen Vulkan anzusehen. Weil mir das Angebot eines Fahrers zu hoch erschien, entschloss ich mich, mit dem öffentlichen Bus in den nächsten Ort zu fahren, von wo es nur noch etwa 20 Kilometer bis zum Feuerberg waren.

Als ich ankam, merkte ich bald, dass die lokale Taximafia die Preise für die letzten 20 Kilometer festschrieb. Es wäre billiger gewesen, wieder mit dem Bus nach Bondowoso zurückzukehren und von dort aus mit dem ersten Fahrer zu gehen. Hätte ich aufmerksam in meinem Reiseführer nachgelesen, dann wäre mir das nicht passiert. Das stand nämlich drin.

Das andere Thema ist das Gewicht. Ein fetter Reiseführer wiegt fast ein halbes Kilo. Mich stört das nicht. Aber wer optimieren will, bekommt schon für wenig Geld einen Ebook-Reader, der gerade mal hundert Gramm wiegt. Ein weiterer Vorteil: Digitale Ausgaben sind oft günstiger als gedruckte Bücher.

Vorurteile gegenüber Reiseführern: Sie sind schwer und teuer.
Reiseführer sind teuer und haben ein ziemliches Gewicht.

 

6. Nur wer ohne Reiseführer reist ist cool und frei

Letztlich gibt es aber auch eine psychologische Komponente, die zwar niemand so formuliert, die aber zweifellos eine bedeutende Rolle spielt. Vielen Reiseführer-Ächtern geht es vermutlich auch darum, sich als bessere und erfahrerere Traveller darstellen. Als die wahren Entdecker, die für ihre Erkundigen nicht auf Krücken wie einen Reiseführer angewiesen sind.

Ich bin da vielleicht ein bisschen altmodisch, aber ich halte Wissen und Informationen noch immer für wertvolle Güter. Deswegen kann ich einer Argumentation nicht wirklich folgen, die mir weiss machen will, dass ich mit halbverbundenen Augen fremde Kulturen besser kennenlernen kann und dass ich so sogar auf die wahren Geheimtipps stosse.

Natürlich ist das Argument nicht vollig verkehrt. Wer lange in einem Land gelebt, es ausgiebig bereist hat und vielleicht sogar die Sprache spricht, der braucht keinen Reiseführer, ja, kennt vielleicht sogar mehr schöne Ecken und versteht die Kultur besser als ein Reisebuchautor. Aber bis es so weit ist, braucht es eine Menge Recherche. Und dafür ist ein Reiseführer ein guter erster Schritt.

Auch interessant: Wieso der Respekt bei den anderen Reisenden beginnen sollte.

Richtige Abenteurer verirren sich! Oder etwas doch nicht?

 

Schlussbemerkung

Ich möchte mit diesem Artikel niemanden bekehren. Jeder muss auf seine eigene Art und Weise glücklich werden. Wem es wichtig ist, etwas ohne Hilfe zu entdecken, der soll dies so machen. Ich kann den Wunsch verstehen, Grenzen zu überwinden und an einer Herausforderung zu wachsen. Oder auch einfach nur, eine planlose Auszeit zu geniessen.

Das ist alles vollkommen in Ordnung. Trotzdem finde ich, dass man sich einmal Gedanken über die eigenen Vorurteile machen darf und sich überlegen kann, ob man in der einen oder anderen Situation mit gedruckten Informationen nicht doch besser gefahren wäre. Und ob man mangels Kenntnis von Alternativen nicht doch genau das Gleiche macht, wie alle anderen. So wie damals meine ehemalige Arbeitskollegin. Schreibt mir eure Ideen in die Kommentare.

Hinweis: Falls dir der Text bekannt vorkommt – dies ist eine sprachlich stark überarbeitete Neuversion eines Artikels von 2014. Damals gab es zum Artikel noch eine Blog-Parade. Viele teilnehmende Blogs findest du hier noch immer.

Zum ersten Mal hier? Dann lese hier, worum es in diesem Blog geht. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, dann solltest du dich unbedingt beim monatlichen Newsletter einschreiben, damit du künftig nichts mehr verpasst.

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26 Kommentare

  1. Hi Oli,
    schöne Zusammenfassung. Seh ich genau gleich wie du.
    Die meisten Reiseführer gibt’s inzwischen ja auch schon in digitaler Form. Was grade Punkt 5 schon fast zunichte macht.
    Klingt für mich fast schon als Gegen-Argumentation zu einem anderen Blog ;)
    Ich halte es auch für fast schon fahrlässig, jemanden ein Reisen ohne Reiseführer zu empfehlen.
    Patrick

    1. Hi Patrick,

      du bist ein guter Beobachter der Blogszene! Tatsächlich hat mich ein anderer Blog zu diesem Beitrag inspiriert. :)

      Ich habe inzwischen erste Reaktionen zu diesem Artikel erhalten und habe folgenden Eindruck gewonnen: Es geht um eine Abgrenzung. Es geht darum, dass man der wahre Traveller sein will und kein Tourist. Interessanterweise scheint mir die Ablehnung von Reiseführen bei Reisenden in touristisch stärker frequentierten Regionen wie etwa Thailand oder Australien höher zu sein als in den wirklich abenteuerlichen Destinationen.

      Das liegt zum einen sicherlich daran, dass man sich in Südostasien und Australien auch ohne Reiseführer zurechtfindet und es genügend andere Leute gibt, die man fragen kann. In kleinen Dörfern weitab vom Schuss findet man aber weder andere Reisende noch sinnvolle Informationen online. Zum anderen wird wohl in touristischen Gebieten auch der Drang höherer sein, sich von „den Touristen“ abzugrenzen.

      Gruss,
      Oli

  2. Juhuu, eine wunderschöne Fürsprache für die guten Reiseführer. Ich reise nie ohne, gerne sogar mit mehreren, wenn z.B. die örtliche Onleihe mehrere anbietet. Ich brauche allerdings auch immer einen gedruckten, in dem ich malen, blättern, planen und vor mich hin träumen kann und wo es – wenn’s sein muss – auch mal schnell geht.

    Gut zu Wissen, dass auch andere Reiseblogger und Reiseblogleser noch damit durch die Weltgeschichte düsen!

    Schönes Thema!

    Viele Grüße
    Tanja

    1. Ich mag gedruckte Reiseführer auch lieber als digitale. Ich mag es, die Finger zwischen die Seiten stecken zu können oder notfalls auch mal eine Seite rauszureissen. Beides geht beim Kindle ja nicht so gut… :)

  3. Hi Oli,

    ich bin auch ein großer Befürworter von Reiseführern.
    Natürlich nutze ich das Internet für die Recherche, lese Blogs und Bewertungsportale.
    Aber Reiseführer sind immer noch super zur Einstimmung auf ein Land bzw. einen Ort.
    Und man entdeckt Dinge, nach denen man vielleicht gar nicht gegoogelt hätte.

    Reiseführer als eBook mitzunhemen, habe ich mal getestet. Bin aber zwiegespalten. Das Gewicht spricht ganz klar dafür. Aber sonst?

    Viele Grüße
    Stefan

    1. Guter Punkt: In Reiseführern entdeckt man Dinge, nach denen man gar nicht gegoogelt hätte. Das heisst umgekehrt: Es ist eigentlich egal, ob man im Internet alles findet. Denn solange man nicht weiss, wonach man suchen soll, findet man trotzdem nichts.

  4. Dieses elitäre Gehabe um „off the beaten path“, „Touristen vs. Reisende“ und natürlich Reiseführer ist einfach lächerlich. Wieso sollte ich freiwillig auf nützliche Informationen und tolles Kartenmaterial verzichten?

    Als Online Reiseführer möchte ich noch eine Lanze für Wikivoyage brechen. Für manche Reiseziele ist Wikivoyage hilfreicher als andere, z.B. ist es fast nutzlos in Sri Lanka.

    1. Die beiden Wiki-Reiseführer wollte ich im dritten Teil dieser Reihe vorstellen. Ich verwende Wikivoyage auch bei der Recherche für Reisen. Allerdings hauptsächlich im Vorfeld zur Inspiration, denn unterwegs möchte ich möglichst wenig aufs Internet angewiesen sein. Was mich an Wikivoyage stört: 1. Die Texte haben eine sehr unterschiedliche Qualität. 2. Es ist mit vernünftigem Aufwand nicht ersichtlich, wie alt die Informationen sind.

  5. Mahlzeit…

    Verstehe auch nicht, wie man gg. Reiseführer sein kann bzw. auch noch offensiv propagiert, dass man ohne reisen soll (bzw. reisen kann). Ist genau so ein Quatsch wie dieses leidige „Tourist vs. Traveler“-Thema. Ich kann´s echt nicht mehr hören / lesen… Natürlich bin ich überall auf der Welt (aus Sicht der Einheimischen) ein Tourist (was sonst?). Und natürlich brauche ich Informationen, um ein Land für mich zu entdecken. Und natürlich gehören auch Reiseführer zu den Quellen, die ich nutze. Grds. vertraue ich am liebsten auf Tipps von Einheimischen, das sind meine Lieblingsressourcen. Aber die sind z.B. aufgrund von Sprachbarrieren gar nicht immer zu bekommen. Und manch guter Reiseführer nennt wichtige und hilfreiche Details, die ich sonst nicht zwingend irgendwo recherchieren kann. Jedem seine Meinung, okay, aber ich als „Tourist“ mit Reiseführer bin bestimmt trotzdem individueller unterwegs als manch anderer… ;)

    LG aus Kolumbien (u.a. mit zwei Reiseführern unterwegs – aber digital, gedruckte Werke würden mein Handgepäck, mit dem ich unterwegs bin, zu sehr belasten)…
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,

      vielen Dank für den Kommentar. Ja, das sehe ich grundsätzlich auch so. Doch so wertvoll Tipps von Einheimischen auch sein können, sollte man sich hier schon auch überlegen, auf Grund von welchen Informationen Einheimische ihre Tipps geben und die Tipps dann entsprechend einordnen. Das Problem: Je nach Reiseland kennen die Leute vor Ort vielleicht gute Restaurants oder wissen, wie man mit dem Bus von A nach B kommt. In ärmeren Ländern ists aber auch möglich, dass die Leute ausschliesslich selber kochen und so gut wie nie ein Restaurant betreten haben. Sicherlich kennen sie aber keine Kombi-Angebote für Touristen. Bei der Suche nach einem Hotel ist das noch deutlicher: Die meisten Leute haben noch nie in der Heimatstadt in einem Hotel übernachtet.

      Ich wünsch dir auf alle Fälle viel Spass in Kolumbien…

      Gruss,
      Oliver

  6. Ich nutze eine Kombi aus Reiseführer und Internet. Auf ein (elektronisches oder reales) Buch mag ich einfach nicht verzichten. Wie Stefan schon gesagt hat, wenn ich nicht weiß, nach was ich suchen kann, kann ich auch keine aktuellen Infos googeln. Einen Post dazu habe ich übrigens auch schon vor einer Weile geschrieben, http://www.weltenbummlerin.net/reisefuehrer-pro-und-contra/
    Ich bin mal auf die Fortsetzung gespannt und froh, nicht mit meiner Meinung allein dazustehen ;-)

    Liebe Grüße,
    Ivana

  7. Hallo, Dein Artikel reizt mich zum Widerspruch, obwohl ich immer auch einen Reiseführer zur Hilfe nehme, meistens bei den Reisevorbereitungen. Letztendlich wirken Deine Worte so, als würdest Du genauso auf die Leute herabblicken, die keine Reiseführer nutzen, wie Du das diesen vorwirfst, dass sie den LP-Backpacker verachten.
    Es hat beides seine Berechtigung. Und wenn Du durch China reist, wirst Du nicht nur einmal die Erfahrung machen, dass der Lonelyplanet unzureichend oder veraltet ist. Der LP China wiegt übrigens mehr als ein ganzes Kilogramm. Ich denke, dass ein guter Mix aus Reiseführer und Internet das Beste ist. Bei allen Quellen sollte man immer drauf achten, wie alt sie sind und wie zuverlässig. Du hast auch recht, wenn Du schreibst: „Viele touristische Orte werden nämlich deswegen so stark frequentiert, weil sie tatsächlich etwas Grandioses zu bieten haben“ . Peking, ohne die Verbotene Stadt gesehen zu haben? Rom ohne das Kolosseum? Geht gar nicht!
    Ich habe vor wenigen Wochen eine Blogparade zu dem Thema „Mit oder ohne Reiseführer“ abgeschlossen, die eine Reihe von Möglichkeiten ergeben hat. http://bambooblog.de/2014/10/19/blogparade-reiseplanung-die-auswertung/
    Pingyao – abseits der Touristenpfade?? Ich lach mich schlapp! Aber Pingyao ist einfach der Hammer! Muss man gesehen haben! Nur vielleicht nicht am Wochenende ;)

    1. Hi Ulrike,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Dein Widerspruch überrascht mich nicht so sehr. Ich glaube, wir hatten noch fast bei keinem einzigen Thema die gleiche Ansicht. :) Auf andere herabschauen, das tue ich aber grundsätzlich nicht. Falls dieser Eindruck entstanden ist, dann tut mir das leid.

      Deine Blogparade habe ich übrigens gerade vorhin wegen eines anderen Kommentars entdeckt. Schade, dass sie schon vorüber ist. Dieser Beitrag hätte sicherlich auch ganz gut gepasst.

      Zum Lonely Planet China kann ich nicht viel sagen, weil ich in China (nach sechs Jahren im Land) selber keine Reiseführer mehr verwende. Auf Grund meiner Erfahrungen in anderen Ländern würde ich aber sagen, dass es im Lonely Planet wie auch in seinen Pendants von anderen Verlagen deutlich weniger Fehlinformationen gibt als im Netz. Beim Gewicht sehe ich das aber genauso: Bei grossen Ländern wie China ist ein Reiseführer schnell sehr schwer, wobei es oft ja auch Regionführer gibt wie „Südwestchina“ oder „Chinas Ostküste“…

      Liebe Grüsse nach Hamburg,
      Oli

  8. Hallo!
    Das ist mal eine sehr gelungene Zusammenfassung, danke!

    Aber die Entscheidung, ob man sich lieber mithiilfe eines gedruckten Reiseführers informiert oder digital, ist für mich nicht mehr aktuell. Ich kann doch auch beides haben, beides hat Vor- und Nachteile.
    Im Rahmen meiner Masterarbeit mache ich genau dazu gerade eine Umfrage, würde mich sehr freuen, wenn Ihr vorbeischauen würdet!
    https://www.umfrageonline.com/s/a36d61c

    Danke im Voraus, liebe Grüße aus Stuttgart und ein schönes Wochenende
    Julia

  9. Hi,

    das ist ein wirklich guter Beitrag. Hatte letztens erst auf einem Blog einen Artikel gelesen, der genau von Reiseführern abriet.
    In Japan habe ich keinen Reiseführer verwendet, da gibt es eine sehr gute Seite mit sehr vielen Informationen.

    Für Mexiko werde ich allerdings doch einen kaufen. Ich denke auch dass es die Mischung aus Internet und Reiseführer macht. Unterwegs bin ich auch nur mit Smartphone unterwegs und da ist das Suchen von Informationen auch nicht ganz so komfortabel. ;)

  10. Ich bin eher gegen Reiseführer und habe meine Überlegungen hier aufgelistet: http://www.sorglosreisen.com/meinung/sind-reisefuehrer-ihr-geld-wert/
    Du vereinfachst in deinem Artikel auch ein bisschen, z.B. bei den Hotel und Hostelbewertungen, wo ein Drittel manipuliert sein soll. Ich kenne Tripadvisor, Booking.com und Hostelworld gut genug.
    Bei Tripadvisor mag dies stimmen, weil jeder da reinschreiben kann. Bei Booking.com und Hostelworld hingegen können nur die bewerten, die dort waren. Das ginge also ins Geld, wenn man ein Hotel buchen und auch noch dort übernachten muss, nur um eine Falschbewertung abgeben zu können. Entprechend habe ich bei Booking.com und Hostelworld bis jetzt auch nur gute, manchmal mittelmässige und nie schlechte Erfahrungen gehabt.
    Bei Lonely Planet kann es eben schon so sein, dass die empfohlenen Hostels sich zurücklehnen und denken: Ich bin jetzt im Lonely Planet, ich muss mich nicht mehr anstrengen.
    Letztes Jahr, als ich in Japan war, habe ich bewusst nicht in Reiseführer geschaut, und war trotzdem an Orten, wo sich Touristen nicht gegenseitig auf den Füssen rumtrampeln, z.B. in Shimonoseki.
    Infos im Internet finden: Da kommt es auch auf die Erfahrung an. Ich suche mit Google und passe meine Suchanfrage zuerst an, bis die Resultate so sind, wie ich sie mir vorstelle. Erst dann klicke ich auf einen Artikel. Das braucht ein wenig Übung, kann aber sehr effizient und vor allem schnell sein.
    Und wenn man zu abgelegenen Orten kommt, dann muss man eben die Tipps, wie man dort zum Taxi oder Bus kommt, vorher gelesen haben. Und man kann auch einfach mal irgendwo auf gut Glück ankommen, wie ich das in Nord-Bali mal erlebt habe. Da findet sich immer eine Lösung und es ist oft lustiger, als wenn man dem Rezept folgt, das zuvor schon Hunderte so abgespult haben. :-)

    1. Hallo Charles, das kann man natürlich so sehen. Aber wenn du in einen Reiseführer geschaut hättest, dann wäre dir sicherlich aufgefallen, dass Shimonoseki dort als Highlight aufgeführt wird. Dass sich Hotels zurücklehnen, wenn sie im Lonely Planet sind, halte ich für ein Gerücht. Das wäre etwa so wie wenn dein Blog jeden Tag 10.000 Leser bekommt und du dann denkst: Ich hab ja nun meine Leser und muss mir keine Mühe mehr geben. Ich weiss nicht, wie du in so einer Situation handeln würdest. Ich würde mir beim Schreiben noch mehr Mühe geben. Und das gleiche gilt auch für Hotels.

  11. Pingback: Reise-Vorbereitung unnötig? — Reisedepeschen
  12. Auch wenn es mich manchmal ärgert, dass der Reiseführer genauso viel kostet wie der Flug (insbesondere innerhalb Europas), so gehört es für mich zur Planung, Vorbereitung und Reisebegleitung.

    Am wichtigsten sind mir die allgemeinen einführenden Kapitel über Geschichte, Kultur und Besonderheiten eines Landes, bis hin zu praktischen Tipps wie, dass es im Iran unhöflich ist, sich in der Öffentlichkeit zu schneuzen. Insbesondere wenn ich zum ersten Mal wo bin, ist das ein hilfreicher, kompakter Einstieg. Und Lonely Planet, Rough Guides und Michael Müller empfehlen dann noch weiterführende Literatur, auch Romane. Gerade für längere Aufenthalte finde ich das nützlich.

    Wenn die Reiseführer nach Regionen aufgebaut sind (der alphabetische Aufbau beim Baedeker ist wirklich komisch), findet man auch oft ein kleines Dorf oder ein Kloster oder sonstwas in der Nähe, auf das man sonst nie gekommen wäre.

    Den größten praktischen Nutzen ziehe ich aus den Angaben über Transportmittel: Wo fahren welche Busse nach wohin ab? Wie oft am Tag? Was kostet das Ticket? (so dass man nicht übervorteilt wird) Ich habe oft den Eindruck, dass die Informationen im Internet nicht alle verfügbar sind, oder nur eine Buslinie auftaucht, wenn man oberflächlich sucht. Mit den Angaben in den Reiseführern habe ich da echt gute Erfahrungen gemacht, selbst in kleinen Städten in Osteuropa.

    Und dann hat ein Reiseführer eine kurze Erklärung zu den meisten Sehenswürdigkeiten, so dass ich mir nicht in jedem Schloss und Museum einen gesonderten Führer kaufen muss.

    Bisher fand ich die Bradt Guides am besten. Lonely Planet und Rough Guides sind ziemlich ähnlich. Von den deutschsprachigen Verlagen finde ich Michael Müller (v.a. dank der Wandervorschläge) und Trescher (auf Osteuropa spezialisiert) ganz gut.

  13. Leider gibt es für viele Länder keine Reiseführer. Zb für viele Länder in Afrika. Mich würde zb der Sudan interessieren aber da bin ich ausschließlich auf Informationen aus dem Internet angewiesen.

    1. Es stimmt schon, dass es zu Sudan recht wenig gibt: Einen veralteten Reiseführer von Bradt vom Novmember 2012 und ein mit 20 Seiten recht dünnes Kapital im Lonely Planet Africa (2017). Aber online findet man eben auch nicht sehr viel mehr. (Nebenbei: Der Sudan reizt mich auch schon seit langem…)

  14. Ich habe noch nie einen Reiseführer genutzt und das she einen ganz anderen Grund, den du leider vergessen hast. Ich Reise sei 40 Jahren und habe immer Dinge entdeckt. Das heißt nicht, dass ich etwas besseres entdeckt habe als andere, meistens sogar das gleiche, aber die Art des Findens macht einen riesigen Unterschied. Sobald ich etwas lese, es erwarte, dann stellt sich bei mir längst nicht das gleiche Gefühl ein, wie wenn ich es „gefühlt@ zufällig entdecke.
    So ist meine Erinnerung damals auf Interrail an so eine „krasse Halle mit Loch im Dach“ (Pantheon in Rom) eher an das Gefühl „wow guck mal was für ein riesiges Loch da oben, was ist denn das für ein Gebäude?“ gekoppelt.
    Wenn ich Dinge vorher weiß, ist das eher wie „ach guck mal. Da ist es“. Haken.
    Kannst du das etwa nachvollziehen?
    Du gehst natürlich Gefahr, Dinge zu übersehen, was aber viel seltener passiert als du denkst. Deshalb haben wir in den letzten Jahren einen Tag vor Abreise (zB in einer Stadt) angefangen nachzuschauen, ob wir was verpasst haben und es war gar nicht so oft der Fall. Dennoch machen wir diese Mischung nun öfter einmal.
    Daher finde ich das Reisen ohne Reiseführer für mich sehr viel aufregender und für mein Erleben sehr viel erfüllender. Auch nach 3,5 Jahren unterwegs hat sich das Gefühl dazu wenig geändert, was nicht heißt, dass wir nicht für Entscheidungen (dort oder dorthin) das Internet bemühen, aber auch dort würde eine Führer nur eine Perspektive abbilden und im Internet kann ich oft an Kommentaren schon ablesen, was für ein Typ der Kommentator sein könnte und ob die Info zu mir passt.
    Viele Grüße aus Malaysia (bei der Entscheidungssuche und Kostensuche für Korea auf deiner Seite. Ein solches Beispiel)

  15. Ich bin ein bisschen überrascht, dass ich 2014 nicht schon kommentiert habe, denn ich bin mir recht sicher, dass ich deinen Beitrag damals schon gelesen habe. Andererseits hast du auch alles Wichtige zum Thema schon gesagt und ich (als jemand, die auch Reiseführer schreibt ;) ) bin eigentlich von vorne bis hinten komplett einverstanden. :)
    Eine ganz kleine Ergänzung vielleicht noch. Wir haben auf unserer Europareise damals aus Kostengründen nicht für jedes Land einen Reiseführer gehabt. Es ging auch ohne, klar, und dass es sogar Vorteile haben kann, beschreibst du ja selbst. Aber einige Male haben wir so richtig tolle Sehenswürdigkeiten verpasst. Weil wir eben nur gegoogelt haben und kein Regionalkapitel durchgeblättert, das uns spätestens auf der Übersichtskarte gezeigt hätte, dass es zu diesem echt coolen Ort nur wenige Kilometer Umweg gewesen wären.

    1. Ja, du hast ja damals auch bei der Blog-Parade mitgemacht, die ich im Anschluss an diesen Text startete. (Ich bin übrigens am Überlegen, ob ich die ebenfalls noch einmal in eine zweite Runde schicken soll. Ein Teil der Blogs von damals gibt es nicht mehr und es wäre vielleicht auch ganz interessant zu sehen, was es heute dazu zu sagen gibt…)

      Klar geht es auch ohne Reiseführer. Wenn man eine Region eh gut kennt oder das Gefühl des Entdeckens im Vordergrund steht, kann das durchaus eine gute Option sein. Aber wer möglichst nichts verpassen will, fährt in der Regel mit einer übersichtlichen und weitgehend vollständigen Übersicht besser.

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