Skibau-Workshop: Wieso jeder einmal im Leben selber Ski bauen sollte

Bist du ein leidenschaftlicher Wintersportler und möchtest unverwechselbare Ski besitzen? Dann gibt es nichts Besseres, als sie dir gleich selbst zu bauen. In einem Workshop im Bündner Bergort Laax ist das seit einiger Zeit möglich. Hier mein Erfahrungsbericht.

Es ist noch früh am Samstagmorgen. Ich wische mir die Schneeflocken aus dem Gesicht und trete in eine geräumige Holzkonstruktion am unteren Dorfende von Laax ein. Hier, in der Werkstatt von Enlain, steht mir an diesem Wochenende meine ganz persönliche Herausforderung bevor: Ich will meine eigenen Ski bauen.

Die anderen fünf Kursteilnehmer sind bereits da. Sie beugen sich im Nebenraum über einen Tisch und begutachten die dort ausgelegten Outlines.  Diese Bretter mit der Kontur eines Skis sind so etwas wie ein Schnittmuster. Sie helfen, die Form des künftigen Skis festzulegen.

Ich komme mir in diesem Augenblick ohnehin ein bisschen vor wie bei einem Schneider, der einen Massanzug anfertigt. Denn wie gross und schwer ich bin, bestimmt die Bauart des Skis. Genauso mein Fahrstil: Wer es wie ich lieber gemütlich nimmt, ist mit einem weichen und kurzen Ski gut beraten.  Fahrer, die mit hoher Geschwindigkeit über die Piste brettern, brauchen hingegen etwas Stabileres.

 

Der massgeschneiderte Ski

Für mich ist noch ein weiteres Kriterium wichtig:  Die Ski sollen in den Kofferraum passen. Ich wähle deswegen ein etwas breiteres Modell mit einer Länge von gerade einmal 160 Zentimetern. Das ist ein gutes Stück kürzer als die Ski, auf denen ich bisher gefahren bin.

Auch bei der Gestaltung der Oberfläche haben wir eine grosse Wahlfreiheit. Aus über zehn unterschiedlichen Furnieren können wir uns die passende Optik für unser kleines Meisterwerk aussuchen. Gar nicht so leicht, bei den vielen schönen Holzarten, die es gibt! Ich wähle ein Stück Eiche, dessen Faserung mit besonders gut gefällt.

Wer die Herausforderung liebt, kann natürlich auch mehrere Hölzer kombinieren. An der Wand lehnen verschiedene Skis, die zeigen, was mit etwas Kreativität und viel Arbeit möglich ist. Ich entscheide mich allerdings für den leichteren Weg und graviere stattdessen am Ende mit einem Laserprinter meinen Namen auf der Oberfläche ein. Das ist kein so grosser Aufwand und trotzdem maximal persönlich.

Maximal persönlich: Mit dem Laserdrucker den eigenen Namen in die Ski gravieren.

 

Nachhaltige und umweltfreundliche Ski

Eines muss ich gleich zu Beginn des Workshops lernen: Ski sind ein viel komplexeres Gebilde als ich dachte.  Wie ein Sandwich bestehen sie aus mehreren Schichten:  Zwischen dem sichtbaren Laufbelag aus Polyethylen, an den wir in einem ersten Arbeitsschritt scharfe Metallkanten festkleben, und dem Furnier befinden sich neben einem Holzkern auch mehrere Schichten aus Stoff.

Diese dienen dazu, dem Ski die nötige Spannung  zu geben, erklärt Urs Welti. Gemeinsam mit dem Waliser Ben Chick ist er der kreative Kopf hinter dem Skibauer-Duo Enlain. Normalerweise werde hierfür Gewebe aus Glasfasern benutzt. „Aber uns ist wichtig, dass die Ski möglichst naturfreundlich sind. Daher haben wir uns für Flachs entscheiden.“

Ohnehin scheint den beiden Umweltschutz wichtig zu sein. Seit sie vor sechs Jahren mit dem Bau von Surfbrettern begannen,  tüffelten sie immer weiter an ihren Produkten. Nur etwas hat sich in der ganzen Zeit nie geändert:  Nach wie vor ist alles aus Holz. Dazu verpflichtet natürlich auch der Firmenname. „Enlain“ heisst auf Rätoromanisch nämlich nichts anderes als „aus Holz“.

Beim Bearbeiten des Laufbelags.

Mein Erfolgserlebnis

Lange hatte ich im Vorfeld mit mir gerungen, ob ich tatsächlich an diesem Workshop teilnehmen soll. Seit meiner Schulzeit hatte ich keinen Hobel mehr in der Hand gehalten, nie mehr an einer Kreissäge gestanden – und schon damals waren meine handwerklichen Befähigungen nicht gerade ausgeprägt. Ich brauchte immer länger als meine Mitschüler und die Resultate waren selten berauschend.

Doch wie so oft überwog schliesslich meine Neugierde. Zum Glück. Denn als sich das ungestüme Stück Holz vor meinen Augen immer mehr in einen Ski zu verwandeln begann und zuletzt sogar richtig schön wurde, da spürte ich in mir Stolz auf meine Leistung aufkommen. Obwohl mir die Beine vom langen Stehen wehtaten, habe ich mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt wie in dem Moment, als ich die fertigen Ski entgegennahm.

Die Veranstalter schreiben auf ihrer Website, dass keinerlei handwerklichen Vorkenntnisse für den Workshop nötig seien. Das ist so. Sobald ich nicht mehr wusste, wie ich fortfahren muss, war jemand vom Team da, der mir helfen konnte.

Am der Schleifmaschine werden die Kanten erst richtig scharf.

 

Die enge Bindung

Doch was es wirklich bedeutet, seine eigenen Ski gebaut zu haben, das erlebe ich erst am nächsten Tag. Ich stehe oben auf der Piste, blicke abwechselnd ins Tal und auf meine Ski. Es fällt mir schwer, loszufahren. Ziemlich genau 16 Stunden und zahlreiche Gedanken habe ich in ihren Bau investiert und nun mache ich mir Sorgen, dass meine Arbeit kaputt gehen, die feingeschliffene Oberfläche zerkratzt werden könnte.

Erst nach einer Weile gebe ich mir einen Ruck und fahre so vorsichtig wie möglich ins Tal. Ich spüre, wie drehfreudig die kurzen Bretter sind. Mit jedem Meter gewinne ich mehr Vertrauen in meine Ski. Unten angekommen, nehme ich sie sofort unter die Lupe. Noch immer ist alles in Ordnung. Vielleicht, denke ich mir in diesem Moment, sind das Ski für den Rest des Lebens.

Das erste Mal mit den selbstgebauten Ski im Schnee (noch vor der ersten Fahrt)

 

Fazit: Wieso es sich lohnt, Ski selber zu bauen

Für mich gehört der Skibau-Workshop in Laax zu den besten Reiseerlebnissen der letzten Jahre. Deswegen kann ich das Wochenende in der Schweizer Bergen unbedingt weiterempfehlen. Und dies gleich aus mehreren Gründen:

Erstens kannst du deine Ski passgenau an deine Bedürfnisse anpassen. Zweitens macht es ganz einfach Spass, ein Wochenende in der Werkstatt zu verbringen und sich ein ultimatives Erfolgserlebnis zu verschaffen. Drittens  hast du am Ende Ski, der hauptsächlich aus natürlichen Produkten besteht und dadurch die Umwelt weniger belastet. Und viertens wirst du mit deinen auffälligen Unikaten vermutlich in das eine oder andere Gespräch verwickelt werden.

Berghüttenromantik und leckeres Essen in der Tegia Larnags.

 

Skibau Workshop; Praktische Tipps

Termine für den Skibau- Workshop: Die Daten, an denen Skibau-Workshops stattfinden, kannst du auf der Website von Enlain nachsehen. Da die Termine rasch voll sind, solltest du deinen Termin möglichst frühzeitig reservieren. Gruppen können ausserplanmässige Kurse vereinbaren.

Kosten des Workshops: Der zweitägige Kurs kostet 1180 Franken. Dies beinhaltet die Gebühren für den Kurs wie auch das Material, das du verbrauchst. Die Ski kannst du am Ende natürlich behalten. Die Bindung ist nicht inbegriffen.

Unterkunft: Ich verbrachte zwei Nächte im Signina Hotel*. Die Unterkunft liegt etwa 20 Fussminuten vom Kursort entfernt direkt neben der Ski-Piste. Funktionale Zimmer mit schönen Balkonen, ein leckeres Frühstücksbuffet und ein guter Wellnessbereich für Schlechtwettertage machen das Signina Hotel auch zu einer guten Wahl für einen längeren Ski-Urlaub.

Essen: Für einen kleinen Bergort hat Laax eine erstaunlich grosse Auswahl an feinen Restaurants. Mein persönlicher Favorit ist das Restaurant im Riders Hotels mit seinen innovativen vegetarischen Gerichten.  Mit etwas Glück kannst du beim Abendessen sogar einem Konzert lauschen. Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Tegia Larnags. Die wunderschöne Berghütte am Rand der Skipiste erreichst du in 20 Minuten über einen beleuchteten Winterwanderweg.

Transparenz Hinweis: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der mich Graubünden Ferien, der Wintersportort Laax und Enlain einluden. Zudem enthält der Artikel mit Sternchen markierte Affiliate-Links.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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2 Kommentare

    1. Das ist eine gute Idee. Ich weiss nie, wo ich sie im Sommer hinstellen soll. 🙂

      Ich finde den Preis ehrlich gesagt gar nicht so heftig, wenn man bedenkt, dass du zwei Tage lang eine Rundumbetreuung hast und das ganze Material inbegriffen ist.

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