Menschenzoo oder Völkerverständigung: Über den Besuch von Massai-Dörfer

Der Besuch von traditionellen Gemeinschaften wie etwa Massai-Dörfern wirft eine Menge schwieriger Fragen auf: Bin ich ein Voyeur, der sich an den einfachen Lebensumständen seiner Mitmenschen ergötzt  und sie zu Objekten degradiert? Oder verhelfe ich ihnen mit meinem Geld zu einer besseren Lebensqualität?

Ein sanfter Schwenker und wir verlassen die befestigte Strasse. Vor uns liegt eine karge Landschaft, die nur gelegentlich von Bäumen unterbrochen wird.  Eine gewaltige Staubwolke zieht hinter uns her. Während wir hier, wenige Kilometer ausserhalb von Arusha, durch die Ebene rattern, tauchen wir in eine andere Welt ein. Verschwunden sind die betonierten Häuser und Bretterverschläge, die vor wenigen Minuten noch die Schnellstrasse Richtung Flughafen gesäumt haben. Um uns gibt es vor allem eins: viel Platz.

Es dauert nicht lange bis wir das Ziel unserer heutigen Tagestour erreichen: Eine kleine Siedlung mit niedrigen Lehmhäusern. Afrika, wie wir es aus dem Bilderbuch kennen. Vor dem Eingang zum Dorf warten elf Frauen auf uns. Sie sind in traditioneller Massai-Tracht gekleidet: Ein bunt karriertes Tuch, das sie um den schlanken Körper gewickelt haben. Am Hals hat jede der Frauen einen leuchtend weissen Ring aus Plastikperlen hängen.

Sie singen. Sie klatschen. Sie hüpfen. Und wir? Wir stehen in sicherer Distanz mit unseren gezückten Kameras – jederzeit bereit, die rohe Exotik diesen Augenblicks zu ewigen. Es ist eine Szene, die sich an Symbolik schwer überbieten lässt.  Es ist ein Aufeinanderprallen von zwei Welten, die sich kaum verstehen.

Und doch ist es kein echter Zusammenprall. Unbewusst haben wir eine 20 Meter breite Bufferzone eingerichtet. Hier sind wir, dort sind sie, die anderen. Eine Szene, die sich als Choreographie gewordenes Erlebnis der Fremde beschreiben liesse. Es ist ein Augenblick, der mir immer wieder in den Sinn kommt und mich darüber grübeln lässt, ob es richtig war, dieses Massai-Dorf zu besuchen.

Sind wir wüste Voyeure, die sich an der Armut dieser Menschen ergötzen, frage ich mich wieder. Ist das nun die Fleischschau im vielzitierten Menschenzoo?  Wie gelingt es uns, die offensichtliche kulturelle Kluft zu den Menschen zu überwinden, die wir hier besuchen – oder ist dies am Ende vielleicht gar nicht möglich?

 

Gemeinsame Entscheidung

Unsere Gruppe ist ziemlich klein. Wir sind gerade einmal vier Leute. Geführt wird sie von einem Massai namens Peter. Der Mittdreissiger stammt aus dem Dorf, das er uns zeigt. Sein Vater, der Dorfvorsteher, hatte sich entschlossen, Geld zusammenzulegen und dem Sohn eine Ausbildung in der Stadt zu ermöglichen.

„Ich bin bis heute der einzige im Dorf, der Englisch spricht“, erklärt er. Die Touren sieht Peter als eine Möglichkeit, dem Dorf wieder etwas zurückzugeben. Er zeigt auf eine Solar-Anlage. „Mein Ziel ist, dass bis nächstes Jahr jedes Haus über Strom verfügt.“ Möglich sei dies nur durch die Einnahmen durch den Tourismus.

Von einem Eindringen in die Privatsphäre will Peter nichts wissen. „Unser Dorf hat gemeinsam entschieden, dass wir das so wollen.“ Zwar habe es wegen des Fotografierens am Anfang etwas Überzeugungsarbeit gebraucht. Denn dieses würden Massai traditionellerweise ablehnen. „Aber jetzt, jetzt findet das jeder hier im Dorf gut. Der Tourismus verbessert unser Leben.“

Peter deutet mit einer Geste an, dass wir zu einer der Lehmhütten gehen sollen. Dort haben die Frauen inzwischen ihr Handwerk auf dem Boden ausgebreitet: Hauptsächlich Armbänder aus Plastikkügelchen, daneben liegt ein schön geschmückter Kalabasse, den ich mir etwas genauer ansehe. Dies sei für die Menschen hier die wichtigste Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen, sagt Peter.  „Die einzige.“

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Wir werden von elf tanzenden Frauen empfangen.

Die fehlenden Alternativen

Da die Massai selten über eine formale Bildung verfügen, tun sie sich schwer damit, sich in die moderne Mehrheitsgesellschaft einzufügen. Das höre ich während meiner zwei Wochen in Tansania immer wieder. Zwar werden die einst stolzen Krieger auch heute noch als Wachleute geschätzt, doch darüber hinaus ist es für sie kaum möglich, Arbeit zu finden.

Allerdings ist der Wunsch, in die Städte zu ziehen, bei vielen wohl ohnehin nicht so gross. „Unser Ort ist hier“, erklärt mir Olee. „Hier leben wir mit unseren Tieren, hier können wir unsere Traditionen bewahren.“ Der 35-Jährige wohnt am Rande der Serengeti im Dorf Eleray, das ich ein paar Tage später besuche. Nur ein paar hundert Meter entfernt führt die Strasse zum Ngorongoro-Krater vorbei, was die fotogenen Lehmhütten zu einem beliebten Stopp für Safari-Touristen macht. Anders als bei der Tour von Peter merkt man hier schnell, dass die Abläufe eingeschliffen sind und die Leute wissen, wie man das Geschäft maximiert.

Ich will von Olee wissen, wie er es empfindet, dass sich jeden Tag Fremde sein Schlafzimmer anschauen. Dass es in seinem Dorf keine Privatsphäre mehr gibt. Er blickt mich eine Sekunde erstaunt an und schüttelt dann den Kopf. Er sei stolz, dass sich andere für die Kultur seines Volks interessieren. „Und so viele sind es ja nicht.“ Zwei oder drei Jeeps pro Tag, vielleicht auch einmal ein bisschen mehr. Aber es gebe eine natürliche Grenze. „Jeder Besuch nimmt Zeit in Anspruch. Wenn zu viele kommen, können wir uns nicht mehr ums Vieh kümmern.“

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Olee sagt: Der Tourismus hilft, unsere Traditionen zu bewahren.

Die Selbstbestimmung

Ethno-Tourismus ist stark umstritten. Die heftigste Kritik kommt dabei ausgerechnet von Touristen. Wer sich auf Reisen ethisch korrekt und nachhaltig verhalten möchte, steht dem Besuch von Dörfern mit traditionellen Gemeinschaften tendenziell negativ gegenüber und neigt dazu, solche Touren zu boykottieren.

Der wichtigste Kritikpunkt: Man will die Menschen nicht zu „exotischen Objekten“ degradieren und keinen „Menschenzoo“ unterstützen. Ironischerweise geschieht mit der Ablehnung jedoch genau das, was eigentlich hätte vermieden werden sollen: Man setzt sich über die Menschen hinweg, die sich ein Einkommen (oder vielleicht auch einfach den schnellen Shilling) durch den Tourismus sichern wollen. Ob die Leute besucht werden wollen oder nicht, verkommt in der Debatte häufig zu einer marginalen Randfrage. Mit Respekt hat das meiner Meinung nicht viel zu tun.

Dennoch ist die Kritik nicht völlig verkehrt. Einerseits verändert das Geld, das durch den Tourismus in die Dörfer fliesst, die wirtschaftlichen Strukturen. Plötzlich wird es attraktiver, in folkloristische Kostüme zu schlüpfen und für Besucher zu tanzen als das Vieh auf die Weide zu treiben. Das kann Anreize schaffen, die Kultur zu erhalten. Es kann sie aber auch zerstören. Was am Ende zutrifft, entscheidet eine kaum überschaubare Mischung von kleinen Faktoren.

Anderseits gibt es auch tatsächlich Fälle, in denen die Menschen auf mehr als fragwürdige Weise in einen „Menschenzoo“ gezwungen werden. Das vermutlich bekannteste Beispiel sind die als „Langhalsfrauen“ bekannten Kayan Lahwi in Nordthailand.

Als Flüchtlinge erhalten sie keine lokalen Papiere und sind dadurch in ihrer Wahl- und Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt. Auch deutet vieles darauf hin, dass sie von einheimischen Geschäftsleuten zu touristischen Folklore-Shows gezwungen und an den Verdiensten nicht ausreichend beteiligt werden. Diese Form des Tourismus sollte man natürlich auf keinen Fall unterstützen.

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Im Dorf Eleray werden professionelle Verkaufstaktiken angewandt.

Was ist nun richtig?

Wie so oft im Leben ist es schwer zu sagen, was das Richtige zu tun ist. Bei schwierigen Fragen versuche ich immer, mich in die Lage der anderen zu versetzen. Und mich würde nichts mehr stören, als wenn sich andere eine Entscheidung darüber anmassen, was für mich gut ist. Deswegen ist für mich in dieser Frage die Selbstbestimmung das wichtigste Kriterium.

Diese zu beurteilen ist allerdings für Aussenstehende extrem schwer. Ich hatte bei den beiden Massai-Dörfern, die ich besuchte, zwar das Gefühl, dass sich die Menschen bewusst dafür entschieden haben, ihre Dörfer für den Tourismus zu öffnen. Aber mir ist auch bewusst, dass meine Gesprächspartner wohl alles etwas rosiger gemalt haben als es tatsächlich ist und dass ihre Wahlfreiheit durch wirtschaftliche Zwänge eingeschränkt wird.

Dennoch ist die Frage für mich nicht primär, ob man solche Dörfer besuchen soll, sondern eher wie man es tut. Sieht man in den Leuten in erster Linie exotische Fotomotive oder möchte man den Menschen wirklich mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen? Doch das ist eine Frage, die jeder nur für sich selber beantworten kann.

Im abgelegenen Dorf, in dem wir einen halben Tag verbringt, wirkt alles sehr echt.

Meine Tipps für einen vertretbaren Ethno-Tourismus

Bist du nicht so recht sicher, ob es das Richtige ist, traditionelle Dörfer zu besuchen? Dann frage dich am besten zuerst, wieso du das überhaupt tun möchtest. Geht es dir um ein paar exotische Bilder? Oder möchtest du dich bewusst mit den Massai und ihrer Kultur auseinandersetzen?

Der vermutlich entscheidendste Faktor, ob du auf eine „Menschen-Safari“ gehst oder ob du wirklich eine – wenngleich eingeschränkte – Verbindung zu den Menschen aufbaust, ist die Zeit. Wenn dich die Kultur der Massai wirklich interessiert, dann mache sie zu einem wichtigen Schwerpunkt auf deiner Reise. Vertiefe dich mit einer längeren Tour und einem einheimischen Führer in das Thema. Den Besuch einfach kurz an eine Safari anhängen, solltest du jedoch eher nicht.

Besonders schwer gestaltet sich der Umgang mit dem Thema Fotografie. Selbstverständlich solltest du den Wunsch respektieren, wenn Menschen nicht fotographiert werden wollen. Deswegen ist es besonders wichtig, vor jedem Bild zumindest mit einer Geste um Erlaubnis zu fragen. Beachte dabei aber, dass es für die Menschen in solchen Dörfer schwer ist, die Erlaubnis zu verwehren. Wenn Dir Fotos also nicht extrem wichtig sind, würde ich empfehlen, hier etwas zurückhaltender aufzutreten oder auf Fotos ganz zu verzichten.

Tourismus ist immer auch Business. Achte darauf, dass dein Geld wirklich bei den Menschen ankommt und nicht in den Taschen von dubiosen Reiseveranstaltern verschwindet. Buche Touren daher am besten direkt bei Guides, die aus den Dörfern stammen. Deine Unterkunft kann dir bestimmt jemanden empfehlen.

Das Problem mit dem Over-Tourismus besteht auch in der tansanischen Steppe. Es gibt hunderte Massai-Dörfer, die sich über einen finanziellen Zustupf freuen – nicht nur solche, die günstig an der Hauptstrasse liegen. Versuch daher ein Dorf zu besuchen, das etwas abseits der üblichen Routen liegt.

Auch interessant: Wie ich als Blogger mit dem Thema Overtourism umgehe

Touristische Inszenierung in der Massai Schule im Dorf Eleray.

Mehr zum Thema:

Auch andere Reiseblogger und Publikationen haben sich mit den Problemen auseinandergesetzt, die durch den Ethno-Tourismus entstehen. Hier ein paar Lesetipps:

Disclaimer: Die Reise wurde vom Nyumbani Hostel in Arusha unterstützt.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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13 Kommentare

  1. Hallo Oliver, ein interessanter Beitrag. Ich sehe es genau wie Du eher kritisch und hätte die Tour wohl nicht mitgemacht. Ich habe ein-, zweimal Bergdörfer in Asien besucht, einmal war ich auf den Urus-Inseln in Peru. Jedesmal blieb ein schaler Beigeschmack. Denn wie Du schon sagst: Von „Kultur kennenlernen“ keine Spur auf diesen Kurzbesuchen, das ist eine reine Show für die Touristen (auf den Urus-Inseln) bzw. Desinteresse vonseiten der Bergvölker. Ich habe mich entschieden, solche Touren nicht mehr mitzumachen. Da finde ich es interessanter, einheimische Führer zu buchen (etwa für Touren in die Natur) und sich mit denen aus gegenseitigem (!) Interesse auszutauschen. Da lernt man dann wirklich etwas über den Menschen im Land und seine Ansichten kennen.

    1. Hi Sabine,

      ich finde schon, dass man solche Touren machen kann. Ich habe ja zwei Dörfer besucht: Einmal am Ende der Safari für 30 Minunten und einmal einen ganzen Tag lang mit einem speziellen Guide. Während ich beim Kurzbesuch ausser ein paar Fotos nicht viel mitnehmen konnte, empfand ich den längeren Besuch durchaus als eine wertvolle Erfahrung. Das war damm allerdings auch ein etwas abgelegeneres Dorf, das eher wenige Besucher erhält und wo ich auch ein Interesse von der Gegenseite spüren konnte.

      Gruss,
      Oli

        1. Klar, weiss man das nie hundertprozentig. Aber ich denke, wenn man ein paar Punkte berücksichtigt, kann man sein Glück durchaus beeinflussen. Dazu gehört in erster Linie, sich genügend Zeit zu lassen und ein Dorf aussuchen, das nicht so überlaufen ist. Aber es ist natürlich auch okay, es ganz zu lassen. 🙂

  2. Hi Oli,
    Gutes Thema und in der Tat schwierig. Mich hat das beschäftigt, als ich in Kapstadt überlegt habe eine Township Tour zu machen. Eigentlich wollte ich nicht, aber am Ende war es doch gut, denn ich konnte so ein (noch) besseres Verständnis dafür aufbringen was in diesem Land schief läuft und woher der Hass auf die Weißen kommt. Man sollte immer versuchen einen Anbieter zu finden, bei dem das Ganze den Einheimischen zugute kommt, wobei man sich auch da leider nie ganz sicher sein kann. Auf jeden Fall wichtig, sich darüber Gedanken zu machen!
    Viele Grüße,
    Annika

    1. Hi Annika,
      danke für den Kommentar. Ich denke, bei den Township Touren ist es ziemlich genau die gleiche Problematik wie bei den Massai-Dörfern. Sehr wahrscheinlich würde ich mich auch für eine solche Tour entscheiden.
      Gruss,
      Oli

  3. Menschensafari trifft es sehr gut. Ich bin bei dem Thema zwiegespalten. Das muss man wohl bei jeder Gelegenheit wieder neu analysieren und für sich entscheiden, ob man daran teilnimmt oder nicht. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Begenung mit den Seemoken in Thailand. https://www.patotra.com/ko-surin-beim-volk-der-seemoken/ Ein Erlebnis, das mich noch heute sehr, sehr negativ berührt. Du hast andere Umstände angetroffen. Nur leider kann man das im voraus kaum absehen.
    Liebe Grüsse
    Ellen

    1. Klar, diese Fragen sind nur situativ zu beantworten und es lässt sich – wie du ja schreibst – kaum vorhersehen, ob eine Begegnung eher so oder so abläuft. Aber ich glaube, dass man als kritischer Menschen auch hinterfragen sollte, auf welchem Menschenbild solche Gefühle beruhen, die du in deinem sehr lesenswerten Text schilderst. Wieso empfinden wir den Besuch eines thailändischen Dorfs so viel schlimmer als den eines italienischen Dorfs, obwohl das objektiv betrachtet sehr ähnlich ist? Können wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen, wenn wir sie zu Opfern unseres Besuchs degradieren? Ich finde das sehr schwer zu beurteilen.

  4. Hallo Oliver,

    ein interessantes Thema und eines, das zwiespältige Gefühle hinterlässt – vor allem bei den Besuchern. Aber liegt es nicht auch an den Besuchern selbst, daran etwas zu ändern? Berührungsängste zwischen so unterschiedlichen Kulturen wie den Massai und Europäern sind normal, denke ich. Wann und wie oft kommen wir als Europäer schon in einen Kral? Wer von uns weiß schon, was die Gastgeber dazu bewegt, uns ihre Tänze vorzuführen? Oder was sie sich dabei denken.

    Auf meinen Reisen durchs südliche Afrika habe ich auch immer wieder mal Möglichkeiten entdeckt, bei denen man auf „natürliche“ Weise mit diesen Menschen und Kulturen in Kontakt kommen kann. Es gibt zum Beispiel Möglichkeiten, in Krals zu übernachten – ganz ohne Tanz und Touristen-Brimborium. In Townships wie Soweto kann man inzwischen übernachten. Oder in einer der einheimischen Shebeens essen. Dabei ergeben sich immer wieder Möglichkeiten, mit den Leuten zu reden und über ganz alltägliche Gespräche in Kontakt zu kommen. Beim Kochen oder einem gemeinsamen Essen, zum Beispiel. Leider gibt’s solche Einrichtungen bisher allerdings nur wenige. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das eine gute Möglichkeit ist, direkten Kontakt aufzubauen und mehr Verständnis für die fremden Lebensformen zu entwickeln. Gebuchte Tanzvorführungen sind dafür eher weniger geeignet.

    Ich habe ja lange Jahre in diesem Business gearbeitet und solche Situationen immer wieder erlebt. Es gibt auch die andere Seite, die Seite der afrikanischen Guides und Dorfbewohner, deren Sicht oft genauso von Kulturgrenzen beeinflusst ist, wie die unsere. Manche Guides lernte ich im Laufe der Jahre ganz gut kennen und wir freundeten uns an. Unsere ersten Gespräche beim Wiedersehen drehten sich dann häufig um das, was den europäischen „Do-Gooders“ wieder an kulturfremden „Hilfsmaßnahmen“ eingefallen ist. Interessant war, dass sie sich meist das herauspickten aus diesen manchmal hanebüchernen Angeboten, was ihnen als hilfreich und nützlich erschien. Sie entscheiden da genau wie wir nach eigenen Bedürfnissen.

    Ich denke, es kommt vor allem darauf an, das Gegenüber und seine Kultur zu respektieren, und diese Kultur als etwas zu sehen, was über Jahrtausende gewachsen ist und richtig ist für diese Menschen. Kultur ist nichts Statisches, sondern verändert sich ständig. Das Wie der Veränderung hängt ebenso von äußeren Einflüssen ab wie von inneren Bedürfnissen. Wichtig ist, meiner Ansicht nach, die Entscheidungen der Vertreter fremder Kulturen zu akzeptieren und zu respektieren, auch wenn sie uns oft unverständlich und fremd erscheinen.

    Auf jeden Fall ist das ein Thema, über das man bei Reisen in diese Länder nachdenken sollte, bevor man solche Touren macht.

    Liebe Grüße,
    Monika

    1. Hallo Monika,

      vielen Dank für diese interessanten Einblicke. Ich würde mir auch wünschen, dass es mehr touristische Angebote gibt, die wirklich zu einem vertieften Verständnis führen. Vor zwei Jahren war ich einmal in einem Dorf in Kambodscha, wo ich bei einer lokalen Bauernfamiie zu Hause gewohnt habe. Sie zeigten mir, wie das mit dem Vieh geht. Ich wurde im Dorf herumgeführt und habe sehr viel über die lokale Ökonomie erfahren. Das fand ich unglaublich spannend und lehrreich. Und vor allem habe ich dort auch nicht so ein starkes Gefühl der Fremde – was aber natürlich auch damit zusammenhängen kann, dass ich mit Asien generell sehr viel vertrauter bin als mit Afrika.

      Liebe Grüsse,
      Oli

  5. Wirklich starker Artikel!
    Als ich in Südafrika war, habe ich mich auch gefragt ob man Townships besuchen sollte oder nicht. Ich bin immer noch sehr zwiegespalten…
    Ich denke, es kommt eben auch auf die Art und Weise an wie man den Menschen begegnet. Du hast den Begriff „auf Augenhöhe“ verwendet. Genau so sollte es sein, aber frage mich auch ob das überhaupt möglich ist, weil die Touristen und die Einheimischen wirtschaftlich ganz anders dastehen. Ich habe schon oft beobachtet, dass Touristen sehr viel fordern (sie haben für das bezahlt) und einiges für das viele Geld das sie ausgegeben haben erwarten… Vielleicht kann eine Begegnung nur dann auf Augenhöhe ablaufen, wenn keiner der beiden Seiten für die Begegnung bezahlt hat? (Aber dann würde man die Dörfer finanziell nicht unterstützen… schwierig…)

    1. Den Hinweis zur Bezahlung finde ich sehr interessant. Ich merke das auch an mir selber, wenn ich zum Beispiel einen Tempel besuche. Ist er kostenlos, habe ich tendenziell mehr Respekt als wenn ich einen – womöglich total überteuerten – Eintritt zahlen muss. Denn im ersten Fall empfinde ich den Tempel primär als eine religiöse Stätte und im zweiten Falle eher als eine Touristenattraktion. Das heisst nun natürlich nicht, dass ich mich total daneben benehme, aber vom Gefühl eher mache ich da schon einen Unterschied. Bei Dörfern empfinde ich das allerdings weniger stark, da das ja viel komplexere Gesellschaften sind.

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