Mit dem Hundeschlitten durch Mittelfinnland

Kein Finnlandurlaub ist vollständig, ohne auf den Kufen eines Hundeschlitten gestanden und eine Gruppe rennwütiger Huskys durch den Schnee gesteuert zu haben. Hier der Bericht über mein kleines Hunde-Abenteuer im mittelfinnischen Vuokatti.

Der Fahrtwind schneidet mir scharf ins Gesicht. Ich verdamme den unachtsamen Moment beim Packen, als ich die Skibrille neben statt in den Koffer gelegt habe. Nun muss ich die tränenden Augen offen halten, während ich den Hundeschlitten durch eine Fahrrinne im finnischen Wald lenke.

Es war schon lange mein Traum, einmal von einer Horde Huskys durch eine nordeuropäische Landschaft gezogen zu werden. Aber einer von dem ich nicht wusste, ob ich ihn je verwirklichen werde. Denn seit mich als Kind ein niedlicher Pudel ins Bein gebissen hat, traue ich Vierbeinern nicht mehr so ganz über den Weg.

Aber wie heisst es so schön: Wer seinen inneren Schweinehund überwindet, hat die besten Erlebnisse. So war es dann auch bei mir: Die zwei Stunden, die ich mit den wunderschönen Hunden im Schnee verbrachte, waren letztlich das Highlight meiner Winterreise in die mittelfinnischen Ski-Gebiete.

 

Schneller als erwartet

„Egal was du tust, lass niemals den Schlitten los!“, hatte mir unser Instruktor vor der Abfahrt eingebläut. Und so klammere ich mich am Griff fest, während ich auf meine erste Kurve als Musher zurase.

Mit dem rechten Bein stehe ich auf der Kufe des Schlittens, mit dem anderen drücke ich leicht auf die Bremse und bin erstaunt, wie viel Kraft es braucht, um unser Geschoss auch nur ein bisschen zu verlangsamen.

Ich blicke fragend den eigentlichen Schlittenführer an, der umgekehrt im Korb liegt, um mich während meiner ersten Fahrt zu filmen. Er grinst. Alles kann ich also nicht falsch machen, denke ich mir. Ich verlagere mein ganzes Gewicht auf die innere Kufe – wie wir das gelernt haben – damit der Schlitten nicht kippt.

Aber alle Sorgen sind unbegründet. Die Hunde kennen die Strecke. Das Leittier führt die vier anderen Huskys gekonnt in die Kurve. Das ist gut so, denn die Begriffe, die ich dem Anführer des Fünfgespanns hätte zurufen müssen, habe ich längst wieder vergessen. Die erste Kurve ist geschafft.

Ich beginne Vertrauen zu fassen, halte mich nicht mehr so verkrampft fest und nehme den Fuss von der Bremse. Die nächste Kurve fahren wir rasanter. Ich kann mich mehr und mehr auf die Landschaft konzentrieren, die an mir vorbeizieht.

Rasant geht es durch die verschneite Landschaft.

 

Die Tiere lieben die Bewegung

Im Vorfeld habe ich mich gefragt, ob solche Fahrten auf den Hundeschlitten nicht etwa Tierquälerei sind und ob ich sie guten Gewissens empfehlen kann. Doch noch während ich auf dem Schlitten stehe, wird mir klar, dass es wohl nichts gäbe, was die aufgeregten Tiere in diesem Moment lieber getan hätten.

Jedes Mal, wenn wir den Schlitten anhalten, zerren die Hunde wie wild an der Leine, wedelten mit dem Schwanz oder bellten als wollten sie sagen: Wieso müssen wir hier anhalten? Lass uns doch so schnell wie möglich weiterrennen.

Hunde brauchen Bewegung. Das ist auch bei Schlittenhunden nicht anders.

Das Besucherzentrum von Vuokatti Safari.

 

Hundeschlitten in Finnland: Praktische Tipps

Wo? Fahrten mit dem Hundeschlitten findest du in den nordischen Ländern an zahlreichen Orten. Wir unternahmen unsere Fahrt im Rahmen des Ski-Urlaubs in Vuokatti.

Mit wem? Die Fahrten kannst du bei www.huskysafaris.com buchen. Wir hatten den 90 minütigen Nappu-Trail. Diese Tour kostet derzeit 69 Euro, was nach meiner Recherche ein eher günstiges Angebot ist. Es sind aber auch längere Touren buchbar.

Was anziehen? Der Anbieter hat spezielle Schutzanzüge, die der Kälte trotzen. Es kann aber nicht schaden, darunter noch etwas Zusätzliches anzuziehen. Die Hundeschlitten erreichen Spitzengeschwindigkeiten von etwa 35 Stundenkilometer und du stehst die ganze Zeit im Freien.

Fotografieren? Wenn du wie hauptsächlich mit dem Handy fotografierst, solltest du deinem Telefon ein Wärmepad ankleben. Mein Gerät stellte bei den tiefen Temperaturen jeweils nach ein paar Minuten aus.

Hinweis: Zu dieser Reise wurde ich von Visit Finland und der Finnish Ski Resort Association eingeladen.  Die hier vertretenen Ansichten sind meine eigenen.
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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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2 Kommentare

  1. Der Preis ist ja wirklich super günstig. Auf Hokkaido kostet 1 Stunde über 200€. Aber gut man muss sicher mehrere Anbieter vergleichen.
    Ist nur die Frage ob das machen kann wenn man sich nur mit einer Hand festhalten kann. Egal ob in Finnlamd oder Japan.

    1. In den Schlitten reinzusitzen, das ist auf jeden Fall kein Problem und auch ein tolles Erlebnis. Hinten auf der Kufe wackelt es hingegen schon ziemlich stark und ich war froh, dass ich mich beiden Händen halten konnte. Aber vermutlich würde es auch mit einer gehen. Und im schlimmsten Fall ist ja alles weicher Schnee. Wenn du da reinfällst, ist das auch nicht soo tragisch. Es muss dann nur jemand den Schlitten anhalten. Keine Ahnung wie das geht.

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