Günstig auf Weltreise: „30 Euro pro Tag reichen fast überall“

Wie man günstig um die Welt reist, kann Reiseblogger Florian Blümm aus eigener Erfahrung erzählen. Seit sieben Jahren reist er für weniger als 30 Euro pro Tag um die Welt. Nun ist von ihm ein Buch erschienen, in dem er seine wichtigsten Erfahrungen bei der Planung einer Weltreise zusammenfasst.

WRF: Florian, du hast ein Buch darüber geschrieben, wie man für 30 Euro am Tag die Welt bereisen kann. Wo liegt der Hund begraben?

Florian: Stimmt schon, es gibt immer einen Haken. Bei der Planung einer günstigen Weltreise ist das die Länderauswahl. Im teuren Australien, Japan oder Singapur würde schon die Übernachtung mit Frühstück das Budget sprengen. Solche Länder kannst du mit einem Tagesbudget von 30 Euro leider nur sehr kurz bereisen oder musst sie ganz meiden.

Verpassen wir nicht das Beste, wenn wir uns bei der Routenplanung hauptsächlich vom Preis leiten lassen?

Zugegeben, ein paar teure Sehnsuchtsziele fallen leider weg. Darunter sind beliebte Länder wie Australien und Neuseeland oder USA und Kanada. Auch Japan und Südafrika sind teuer. Ein Monat in teuren Ländern ist in meinem Jahresbudget vorgesehen. Wer länger bleiben will, muss mehr Geld einplanen oder radikal sparen, zum Beispiel mit Couchsurfing. Trotzdem bleibt ja immer noch die Mehrzahl der Länder übrig. Als Weltreisender willst du ausserdem nicht im teuren Europa reisen. Die auf einer Weltreise interessanten Regionen Südasien, Südostasien, Mittelamerika und Südamerika sind grösstenteils bezahlbar bis günstig.

Nach deiner Erfahrung: Welches Land hat den höchsten Erlebniswert pro Euro?

Thailand gilt mittlerweile als teuer. Aber das stimmt hauptsächlich für die touristisch stark erschlossenen Inseln im Süden. In Nordthailand, Zentralthailand und selbst in der Hauptstadt Bangkok bekommst du nach wie vor sehr viel für dein Geld. Auch Festlandstrände und unbekannte Inseln sind nach wie vor günstig. Thailand ist ausserdem wegen dem gut verbundenen Bangkoker Flughafen das Tor nach Südostasien. Du kannst sehr einfach auf vielen Überlandrouten in die lohnenswerten Nachbarländer Kambodscha, Laos, Myanmar und Malaysia reisen.

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Weltreise planen
Die Wahl des richtigen Reiseziels ist für das Höhe des Budgets entscheidend. Fotos: FB.

 

Worauf ist sonst bei der Routenplanung zu achten?

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Weltreise Planung ist die passende Reisezeit. Bei uns in Europa wird es im Mai langsam warm, aber in Patagonien fällt zur gleichen Zeit der erste Winterschnee. Thailand im Mai ist wiederum zu heiss mit tagsüber mehr als 40 Grad. Einen Monat später im Juni beginnt dann meistens die Regenzeit – auch nicht so optimal zum Reisen. Es ist leider fast unmöglich auf einer Weltreise immer zur perfekten Reisezeit am richtigen Ort zu sein. Aber zumindest die schlechten Reisezeiten kannst du weitestgehend vermeiden. Wie klingt es, ein Jahr lang keinen Winter zu erleben?

Welche anderen Faktoren bestimmen den Preis einer Weltreise massgeblich. Und vor allem: In welchem Bereich siehst du generell das grösste Sparpotential ohne Qualitätseinbussen?

Essen, Transport und Übernachtungen sind die drei grossen Posten auf einer Weltreise. Wenn es um ein Bett geht, musst du meistens auf Komfort verzichten, um Geld zu sparen. Bei Essen und Transport ist das nicht unbedingt so. Als Sparfuchs tauchst du sogar tiefer in die Esskultur eines Landes ein. Im Bus oder Zug lernst du mehr über den Alltag der Menschen als im Flugzeug. Apropos Flüge: Bei der Flugsuche kannst du mit etwas Suchaufwand viel Geld sparen. Das Beste daran ist: du hast keinerlei Qualitätseinbussen gegenüber dem Sitznachbarn, der vielleicht doppelt so viel für den gleichen Flug gezahlt hat. In meinem Buch gibt es ein ganzes Kapitel nur zu günstigen Weltreiseflügen.

Lohnt es sich, auf Reisen zu arbeiten?

Man hört oft, wie einfach das sei. Angeblich kannst du dir fast überall etwas dazu verdienen, sei es als Digitaler Nomade, als Erntehelfer oder hinter der Hostel-Bar. In der Realität ist das leider viel komplizierter. Bezahlung und Arbeitsbedingungen sind oft schlecht. Gerade als digitaler Nomade sind Reisen und Arbeiten unvereinbar. Wenn du produktiv arbeiten willst, brauchst du viel Zeit am Schreibtisch und eine gewisse Routine. Als Reisender suchst du hingegen Kulturschock, Abwechslung und bist dauernd auf Achse. Arbeite besser vor der Weltreise, bis du das Budget zusammen hast. So verdienst du mehr in kürzerer Zeit und kannst dann ungestört reisen.

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So viel kostet das Reisen: grün = günstig, gelb = mittel und rot = teuer.

 

Reden wir über das Thema Nachhaltigkeit: Sind günstige Reisen eigentlich besonders nachhaltig?

Natürlich sind Bus und Bahn ökologisch nachhaltiger als ein Kurzstreckenflug. Wenn du dazu noch auf eigene Faust die Umgebung erkundest ist das sozio-kulturell verträglicher als ein voller Touristenbus. Und ein Homestay oder Guesthouse lässt eine Familie selbstständiger werden, als wenn sie als Putzkräfte im Hotel arbeiten müssen. Einen Zusammenhang zwischen hohen verfügbaren Einkommen und Umweltschäden gibt es ja auch bei uns daheim. Wenn du weniger konsumierst, kannst du weniger falsch machen. Das heisst aber nicht, dass Backpacker immer besser reisen. Nachhaltiges Reisen ist ein sensibler Balance-Akt, egal wie gross das Budget ist.

Man könnte den günstig Reisenden aber auch vorwerfen, dass sie den Reiseländern nichts zurückgeben.

Low-Budget-Reisende geben zwar weniger Geld pro Tag aus, aber sie bleiben oft länger. Ausserdem gibt selbst der sparsamste Reisende immer noch ein Vielfaches vom Einkommen eines Einheimischen aus. Der Mindestlohn in einem Schwellenland wie Thailand liegt bei unter 10 Euro pro Tag. Je lokaler wir konsumieren, desto höher ist ausserdem die Wertschöpfung. Eine Nacht im Hotel einer grossen internationalen Kette mit importiertem Käse und Lachs am Frühstücksbuffet kostet viel mehr als ein Zimmer im lokalen Guesthouse. Bei der Bevölkerung kommt aber ein viel höherer Anteil an, wenn du anspruchsloser übernachtest.

Worin unterscheidet sich sparsames Reisen von der Geiz-ist-Geil-Mentalität? Oder anders gefragt: Sollen wir um Centbeträge feilschen?

Ich feilsche nur ungern, obwohl es in vielen Ländern zum guten Ton gehört. Im Tourismussektor ist Preisbewusstsein aber sehr wichtig. Es schadet nicht nur deinem Budget, wenn du unverschämte Preise akzeptierst, ohne mit der Wimper zu zucken. Es ist auch nicht nachhaltig, wenn ein Tuk-Tuk-Fahrer viel mehr verdient, als ein studierter Lehrer oder Arzt. Reisende nach dir werden ausserdem irgendwann nur noch als wandelnde Geldautomaten gesehen. In vielen Ländern ist das schon so. Du musst gar nicht unbedingt feilschen, es reicht oft schon, ein paar Preise zu vergleichen. Das ist aber kein Aufruf zum Pfennigfuchsen. Ein bisschen abgezockt werden wir Reisende immer und das geht auch in Ordnung. Es gibt ausserdem Gelegenheiten, wo Feilschen fehl am Platz ist. 10 Minuten um 10 Cent zu feilschen ist zum Fremdschämen. Reisen ist kein Wettbewerb.

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Günstig um die Welt
Der Reiseblogger und Buchautor Florian Blümm gibt Tipps zum günstigen Reisen.

Weltreise Planung: So kommst du für 30 Euro pro Tag um die Welt

Um sich den Traum einer Weltreise zu verwirklichen, muss man nicht im Lotto gewinnen. Das ist die zentrale Botschaft von „Mit wenig Geld um die Welt“ von Florian Blümm, dem kreativen Kopf hinter flocutus.de. Auf über 200 Seiten gibt der Autor zahlreiche Tipps, die angehenden Weltenbummler die eine oder andere Panne ersparen. Spannend und Kenntnisreich.

Florian Blümm: Mit wenig Geld um die Geld. Erschienen im Riva Verlag im Mai 2019. Ca. 15 Euro. Bei Amazon kaufen.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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