Den besten Flug finden: 5 alternative Faktoren bei der Flugsuche

Suchst du für deine nächste Fernreise den billigsten Flug? Oder vielleicht doch eher den besten? Das ist ein grosser Unterschied: Günstiger ist bei der Flugsuche nämlich nicht unbedingt besser. In diesem Artikel nenne ich dir fünf Faktoren, die du nebst dem Preis bei der Buchung berücksichtigen solltest.

Ich gebe es zu: Wenn ich nach Flügen recherchiere, dann ist der Preis für mich ein relativ wichtiges Kriterium. Ist die Einsparung gross genug, nehme ich gerne einen längeren Zwischenstopp in Kauf oder fliege einen kleineren Umweg. Und ich vermute, das ergeht den meisten anderen auch so.

Aber der Preis ist nicht alles. Tatsächlich buche ich mittlerweile fast nie mehr den allerbilligsten Flug, sondern suche meistens diejenige Verbindung aus, die meine unterschiedlichen Bedürfnisse am besten abdeckt. Um den idealen Flug zu finden, berücksichtige ich neben dem Preis auch noch fünf weitere, alternative Faktoren.

Welche das sind und wie wichtig mir diese jeweils sind, das beschreibe ich im heutigen Artikel über die Suche nach dem besten (und nicht dem billigsten) Flug. Die Faktoren sind nach meiner persönlichen Gewichtung sortiert. Der Wichtigste kommt zuerst.

 

Info: Wie du den billigsten Flug findest

Den billigsten Flug zu finden, ist nicht besonders kompliziert. Wenn du folgende zwei Punkte beachtest, kannst du bereits ziemlich tolle Schnäppchen machen:

Punkt 1: Reise dann, wenn es möglichst wenige andere tun: Also unter der Woche und nicht während der Ferien oder an Feiertagen. Anders gesagt: Sei flexibel bei den Reisedaten und den Flughäfen.

Punkt 2: Nutze für die Recherche Metasuchmaschinen, die möglichst viele Angebote vergleichen. Ich verwende in der Regel die folgenden drei, die jeweils etwas andere Stärken haben:

  • Kiwi*: Ist besonders flexibel und bietet sich an, wenn du das Reiseziel noch nicht genau kennst.
  • Skyscanner*: Eignet sich hervorragend für die Suche auf einer bereits festgelegten Route.
  • Momondo*: Ist traditionell stark bei Gabelflügen und zeigt sehr gut alternative Flugdaten an.

Wenn du mehr ins Detail gehen möchtest, empfehle ich dir meine 13 Tipps, wie du den günstigsten Flug findest.

 

Faktor 1: Die Dauer des Flugs

Ich habe zwar keine Flugangst, aber wirklich gern sitze ich in den engen Kisten trotzdem nicht. Deswegen ist für mich nach dem Preis die Dauer eines Flugs das absolut wichtigste Kriterium. Dabei schaue ich allerdings weniger auf die Gesamtreisezeit als auf die Dauer der einzelnen Flugabschnitte.

Denn zwölf Stunden auf einem Stuhl zu sitzen, ohne mich gross bewegen zu können, das ist für mich der blanke Horror, wie zuletzt bei einem Flug von London nach Kuala Lumpur. Mir ist viel wohler, wenn ich irgendwo zwischenlande und mir ein paar Stunden die Beine vertreten kann.

Nach Möglichkeit teile ich meine Flüge in zwei möglichst gleich grosse Abschnitte auf. Wenn ich genügend Zeit habe und es das Ticket zulässt, nutze ich die Zeit am Transitflughafen auch gern, um eine neue Stadt kennenzulernen. Das darf auch für mehr als ein paar Stunden sein. Besonders geeignet sind hierfür:

  • Reykjavik (Island) auf dem Weg nach Nordamerika: Sowohl Icelandair wie auch WOW-Air bieten die Möglichkeit eines kostenlosen Stopovers in Island an. Das solltest du dir echt überlegen. Lies hier, was du in Reykjavik unternehmen kannst.
  • Helsinki (Finnland) auf dem Weg nach Nordostasien: Finnair bietet kostenlose Stopover in Helsinki an. Von dort bist du in drei Stunden entweder am wunderschönen Saimaa-See oder kannst das Schärenmeer vor Turku besuchen. Die finnische Hauptstadt kenne ich leider noch nicht, soll sich aber auch lohnen.
  • Lissabon (Portugal) auf dem Weg nach Lateinamerika: TAP Portugal erlaubt ebenfalls kostenlose Stopover, mit denen du die lange Reise nach Südamerika und Westafrika verkürzen kannst. Lissabon ist eine der schönsten Städte Europas. Ebenfalls sehr lohnenswert ist eine Wanderung auf der Rota Vicentina.
  • Istanbul (Türkei) auf dem Weg Richtung Südasien und Afrika: Turkish Airlines erlaubt kostenlose Stopover in Istanbul. Die inoffizielle Hauptstadt des Landes ist immer wieder ein Besuch wert.
  • Dubai/Qatar auf dem Weg Richtung Südostasien und Australien: Sowohl Emirates wie auch Qatar Airways erlauben einen kostenlosen Stopover. Beide Städte sind bekannt für die Einkaufsmöglichkeiten und Wüstentouren. Selber habe ich sie bisher noch nicht besucht.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig und lässt sich in der Kombination mit Low Cost Carriern beliebig erweitern…

Flughafen Helsinki: Ein beliebter Ort für einen Zwischenstopp Richtung Nordostasien.

Faktor 2: Die Umweltfreundlichkeit des Flugs

Es mag dich vielleicht überraschen, dass ich mir bei der Wahl meines Flugs stets auch Gedanken über die Umwelt mache, schliesslich gilt ein Langstreckenflug vollkommen zu Recht als eine der grössten Umweltsünden überhaupt.

Aber umgekehrt heisst das eben auch: Es gibt kaum einen Bereich, wo eine einzige Entscheidung eine so grosse Tragweite hat. Wenn du folgende drei Punkte berücksichtigst, kannst du deinen ökologischen Fussabdruck spürbar verkleinern und damit dein ökologisches Gewissen wenigstens ein bisschen beruhigen:

Punkt 1: Achte bei der Wahl deines Fluges auf den Flugzeugtyp. Die Jets der neusten Generation sind sehr viel leichter gebaut und brauchen deshalb etwa 30 Prozent weniger Sprit auf der gleichen Strecke, was in einer besseren Umweltbilanz resultiert. Besonders gut sind derzeit die Boeing 787 und der Airbus A350.

Punkt 2: Achte bei Umsteigeverbindungen darauf, dass Sie dich möglichst direkt von A nach B führen, um bestenfalls tausende Kilometer Umweg zu vermeiden. Denk aber daran, dass die Erde eine Kugel ist und deswegen die kürzeste Strecke auf der 2D-Karte meistens wie eine Kurve aussieht.

Von Frankfurt nach Peking fliegst du beispielweise sehr genau über Helsinki, während dich ein Flug nach Seattle über Island führt. Die meisten von uns liegen intuitiv falsch, wenn sie die kürzeste Fluglinie auf einer Karte einzeichnen müssten.

Wie ich das Problem löse: Ich recherchiere auf einer Website wie Flightradar24 die tatsächlichen Flugstrecken und schaue dann, ob die Zwischenlandung einigermassen auf der direkten Strecke liegt.

Punkt 3: Mit einer Zwischenlandung am richtigen Ort kannst du ebenfalls Sprit sparen. Das klingt zunächst falsch, weil beim Start die meiste Energie verbraucht wird. Tatsächlich aber fallen die vollen Treibstofftanks umso mehr ins Gewicht, je länger die Flugstrecke ist. Die meisten Langstreckenflieger sind auf Strecken von etwa 6 Stunden am effizientesten.

Die Lufthansa verfügt über eine vergleichsweise effiziente Flotte.

Punkt 3: Der Komfort des Flugs

Die oben erwähnten Jets der jüngsten Generation sind durch die leichtere Bauweise nicht nur sparsamer, die modernen Werkstoffe erlauben auch einen höheren Luftdruck in der Kabine. Während bei herkömmlichen Flugzeugen der Innendruck auf das Äquivalent von 8000 Fuss (rund 2300 Meter über Meer) gesenkt werden muss, liegt er bei modernen Jets wie der B787 und dem A350 bei 6000 Fuss.

Das merkst du besonders beim Landen, wenn es weniger in den Ohren knackt und ist vor allem für Kleinkinder ein Segen, die den Druck im Innenohr noch nicht ausgleichen können. Ausserdem erlaubt der höhere Luftdruck auch eine höhere Luftfeuchtigkeit. Du musst weniger trinken und hast weniger Probleme mit trockenen Augen oder irritierter Schleimhäuten.

Wenn du nicht gerade Business Class fliegst, ist die Beinfreiheit natürlich ebenfalls ein wichtiges Kriterium. Die variiert nicht nur zwischen den einzelnen Fluggesellschaften, sondern auch je nach eingesetztem Flugzeugtyp. Eine gute Übersicht (in Inch) erhältst du bei Seatguru. Bedenke, dass der Abstand zwischen zwei Sitzen gemessen wird und ältere Flugzeugtypen teilweise dickere Sitze haben.

Während mir persönlich das Unterhaltungsprogramm an Bord egal ist, lege ich Wert auf eine Steckdose oder mindestens einen UBS-Anschluss, damit ich während des Flugs auf dem Laptop etwas schreiben und dem Handy meine eigenen Filme schauen kann. Diese Info findest du ebenfalls im oben erwähnten Seatguru sortiert nach Flugzeugtyp.

Da ich meistens alleine fliege, ist mir auch eine bezahlbare Internetverbindung wichtig. Das erlaubt mir, mich mit Freunden per Whatsapp oder Facebook etwas auszutauschen. Ein grosses Lob hier an Qatar Airways, die es auch in der Economy Class jedem Passagier erlaubt, 15 Minuten lang kostenlos das Board-Wifi zu nutzen.

Generell besser fährst du mit Tarifen in MB als solchen mit Zeiteinschränkungen, da es mit den passenden Einstellungen am Handy relativ leicht möglich ist, wenig Daten zu verbrauchen. Leider konnte ich keinen umfassenden und aktuellen Vergleich zwischen den einzelnen Fluglinien finden. Falls dir Wifi also wichtig ist, musst du auf den Websites der Fluggesellschaften nachschauen.

 

Faktor 4: Die passende Allianz zum Meilensammeln

Fast jede grössere Fluglinie bietet Treueprogramme an, bei denen du für deine Flüge Punkte beziehungsweise Meilen gutgeschrieben bekommst, die du dann wiederum gegen Freiflüge oder Upgrades einlösen kannst. Soweit die Theorie.

In der Praxis sind die Programme derart unattraktiv, dass Normalflieger innerhalb der erforderlichen drei Jahre niemals genügend Punkte zusammenbekommen, um zu fliegen. Und falls das doch gelingt, wirst du mit grosser Wahrscheinlichkeit unnötige Umwege fliegen und für die Steuern, die auch bei einem „Freiflug“ anfallen, mehr bezahlen, als für einen Direktflug bei der Konkurrenz.

Falls du also vor der Wahl stehst zwischen zwei Flügen, die praktisch gleich viel kosten, fast gleich viel Komfort bieten und ungefähr ähnlich lange dauern, kannst du deine Meilenkarte entscheiden lassen. In jedem anderen Fall lohnt sich das aber nicht. Lies hier, wieso ich meine Meilenkarte schon vor zwei Jahren weggeworfen habe und das bis heute nie bereut habe.

Meilensammeln lohnt sich nur für die wenigsten.

Faktor 5: Die Sicherheit der Fluglinie

Wenn es einen Faktor gibt, den du bei der Wahl deines Flugs wirklich vernachlässigen kannst, dann ist es die Sicherheit der Fluglinien. Laut dem Flugunfallbüro Jacdec, das jährlich ein Airline Ranking herausgibt, gab es 2017 weltweit gerade einmal 40 Tote durch Flugzeugunglücke (Maschinen mit mindestens 19 Sitzen). Dem steht nach Schätzungen der UN-Luftfahrtorganisation ICAO eine Passagierzahl von rund vier Milliarden gegenüber.

Selbst wenn du bei Fluglinien wie zum Beispiel der Air Koryo einsteigst, die traditionell das Schlusslicht bei den meisten Rating bildet und bei der die Bedenken wegen der mangelhaften Wartung tatsächlich einigermassen berechtigt sind, ist das trotzdem statistisch ziemlich unproblematisch. Die nordkoreanische Fluglinie hatte das letzte Unglück mit Todesfolge im Jahr 1983. Jede Autofahrt ist gefährlicher.

Falls Sicherheitsratings für dich trotzdem eine Entscheidungsgrundlage sein sollen, findest du hier die wichtigste: Die Website Airlineratings.com untersucht jährlich die Sicherheit von 430 internationalen Fluglinien. Das ebenfalls sehr interessante Jacdec-Rating ist leider nicht öffentlich verfügbar.

Übrigens: Bei keinem Sicherheitsrating zeichnet sich ab, dass Low Cost Carrier gefährlicher sind als traditionelle Fluglinien. Aufpassen solltest du hingegen bei Hubschraubern und kleinen Sportflugzeugen.

 

Fazit

Das Schöne an den alternativen Faktoren ist, dass viele davon mit dem Preis korrelieren: Eine Fluglinie mit modernen und sparsamen Flugzeugen ist nicht nur komfortabler, sondern in der Regel auch wettbewerbsfähiger und günstiger.

Leider hat sich aber bei den Fluglinien die Unsitte breitgemacht, Direktflüge teurer zu verkaufen als die viel längeren Umsteigeverbindungen. Die Logik dahinter: Da die Zeitersparnis durch die Direktverbindung bereits ein Wettbewerbsvorteil, sind Kunden eher bereit, für die kürzere Flugzeit einen Aufpreis zu bezahlen. Und so kommt es das Jahr für Jahr Millionen von Kilometern absolut sinnlos verflogen werden. Hier wäre die Politik gefordert.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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3 Kommentare

  1. Ich liebe deine gut durchdachten, hervorragend recherchierten Beiträge, die sich so angenehm von der Masse der „Ich schreib mal schnell die drei schönsten Punkte zusammen, die ich im letzten Urlaub fotografiert habe“-Blogposts abheben 🙂

    Gerade zum Thema verantwortungsbewusst Fliegen haben Reiseblogger eine nicht zu unterschätzende Influencer-Wirkung, die wir wirklich mal zum Guten nutzen sollten!

    Liebe Grüße
    Jenny

    1. Vielen Dank, Jenny. Aus dem Mund einer so hervorragenden Bloggerin bedeutet mir das Lob doppelt so viel. Und ja, ich finde auch, dass wir unsere Reichweite dafür nutzen sollten, etwas Gutes zu bewirken.

  2. Lieber Olli,
    super, dass du gleich auf fünf Faktoren hinweist, die ich mir bei meiner anstehenden Flugbuchung sicher zu Herzen nehmen werde! Danke für den hilfreichen Artikel!

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