Arusha für Backpacker: Sieben gute Alternativen zu Safaris

Arusha ist zwar in erster Linie als Startpunkt für Safaris bekannt. Doch in der Stadt und in ihrer näheren Umgebung lassen sich auch verschiedene andere spannende Dinge erleben und besuchen. Hier ein kleiner Guide für einen Besuch von Tansania ohne Safari.

Für Backpacker ist Tansania ein teures Pflaster. Insbesondere die Safaris – so schön diese auch sind – schlagen ein gewaltiges Loch in jedes Reisebudget. Viel bezahlbarer und fast genauso interessant sind die Ausflüge, die du in der Gegend rund um Arusha unternehmen kannst.

Viele Ausflüge lassen sich auf eigene Faust organisieren. Für den Rest empfehle ich eine geführte Tour. Auch wenn sich einige über Websites wie Tripadvisor* buchen lassen – im wenig digitalisierten Tansania bekommst du in der Regel bessere Deals, wenn du vor Ort suchst und auf die Empfehlungen deines Hostels hörst. Einen Hostel-Tipp gibt es übrigens am Ende des Artikels.

Bevor ich auf meine fünftägige Safari durch die wichtigsten Nationalparks des Northern Circuits gestartet bin, habe ich eine Woche lang die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Arusha besucht. Wäre ich länger in der Stadt geblieben, hätte ich problemlos noch ein paar Tage anhängen können, ohne mich zu langweilen.

Die folgenden Ausflüge habe ich nach meinem persönlichen Gefallen sortiert. Was mich am meisten beeindruckt hat, kommt zuoberst. Mir ist bewusst, dass meine Rangfolge nicht deine sein muss, deswegen bitte ich dich, das „Ranking“ mit eine gewissen Vorsicht zu geniessen.

 

Top 1: Der Kikuletwa-Hotspring

Dass der Kikuletwa-Hotspring hier an erster Stelle kommt, hat zwei Gründe: Erstens ist der glasklare und schon fast unnatürlich blau leuchtende See ganz einfach wunderschön. Zweitens ist seine Lage unglaublich überraschend: Du fährst fast eine Stunde lang über staubige Pisten, links und rechts nur Steppe mit gelegentlichen Affenbrotbäumen, und dann taucht plötzlich vor dir dieser sattgrüne Wald auf, in dem sich der See befindet.

Lass dich von der Bezeichnung „Hotspring“ nicht verwirren. Obwohl tatsächlich an einer Stelle warmes Wasser in den See fliesst, ist das Wasser gerade in angenehmer Schwimmtemperatur. Deswegen fände ich „Oase“ eigentlich eine passendere Bezeichnung.

Wenn dir baden zu langweilig ist, kannst du dich an einer langen Liane ins Wasser schwingen. Ausserdem gibt es rund um den See ein paar Bänkchen, die sich ideal für ein kleines Picknick eignen. Am Eingang zum Park findest du einen kleinen Stand mit tansanischen Snacks. Allerdings ist die Auswahl eher bescheiden.

Praktische Tipps: Am einfachsten ist es, die Kikuletwa-Hotsprings mit dem Taxi oder einer Tour deines Hostels zu erreichen. Etwas günstiger geht es auf eigene Faust: Dazu nimmst du den Bus nach Boma (Richtung Moshi), wo du problemlos ein Bajaji (Tuktuk) findest, dass dich in etwa 45 Minuten auf einer holprigen Strasse zur Oase bringt.

Das leuchtend blaue Wasser des Kikuletwa-Hotspings wirkt auch ohne Bildbearbeitung fast unnatürlich.
An einem Giang-Swing kannst du dich ins warme Wasser schwingen.

 

Top 2: Besuch eines Massai-Dorfs

Die Massai sind ein indigenes Volk, das in diesem Teil der Welt lebt. Der Besuch eines ihrer Dörfer gehört zweifellos zu den kulturell spannendsten Aktivitäten, die du in der Umgebung von Arusha unternehmen kannst.

Mein Besuch lief folgendermassen ab: Als wir zum Dorf kamen, warteten dort bereits etwa 20 Frauen in traditionellen Kostümen und sangen und tanzten für uns. Danach durften wir das Dorf betreten und uns einige der Lehmhütten von Innen ansehen. Anschliessend übten wir uns mit den Männern im Hochspringen und tranken einen Tee zusammen.

Die exotische Kulisse mit den Menschen in traditioneller Kleidung ist unglaublich fotogen. Gleichwohl bleibt ein durchzogenes Gefühl. Zum einen, weil der Besuch zeigt, dass so grosse kulturelle Schranken auch mit der besten Absicht nicht leicht zu überwinden sind, zum anderen aber auch, weil man als Besucher stark in die Privatsphäre der Menschen eindringt.

Da jedoch alle Betroffenen betonten, dass für sie die positiven Aspekte überwiegen, habe ich mich trotz anfänglichem Zögern entschlossen, den Besuch eines Massai-Dorfs zu empfehlen. Wieso und unter welchen Umständen das meiner Meinung nach in Ordnung ist, werde ich in den kommenden Wochen in einem eigenen Artikel ausführen.

Praktische Tipps: Da eine sprachliche Verständigung mit den Massai sehr schwer bis unmöglich ist, solltest du unbedingt, einen englischsprachigen Guide nehmen. Achte darauf, dass der Guide aus dem Dorf stammt, das du besuchen möchtest. Ich war mit Peter vom Massai Land Project unterwegs und kann seine Tour sehr empfehlen.

Frauen begrüssen uns mit Tanz und Gesang…
…eine echte Kommunikation mit den einzelnen Menschen ist jedoch auf Grund von Spachhürden sehr schwer.

 

Top 3: Besuch eines Massai-Markts

Wenn du beim vorangegangenen Tipp nichts als „Menschenzoo“ denkst, dich aber trotzdem für die Massai-Kultur interessierst, dann kannst du stattdessen einen ihrer Märkte besuchen. Diese finden abwechselnd an verschiedenen Tagen der Wochen in unterschiedlichen Orten statt.

Anders als die touristischen „Massai-Märkte“ im Zentrum von Arusha, wo viele Verkäufer überhaupt gar keine Massai sind, werden die traditionellen Märkte in der Nähe der Dörfer hauptsächlich von Einheimischen besucht. Deswegen findest du dort auch keine Souvenirs, sondern das, was die Menschen in ihren Dörfern brauchen: Radios, Flipflops aus gebrauchten Autoreifen und die omnipräsenten rotkarierten Stofftücher.

Praktische Tipps: Wenn du weisst, wo die Massai-Märkte stattfinden, kannst du mit dem Bus hinfahren. Beachte, dass die Menschen fast ausnahmslos nicht fotografiert werden wollen. Das solltest du unbedingt respektieren. Bilder von Waren und Fotos aus der grösserer Entfernung sind in der Regel kein Problem. Wir haben den Markt mit dem Besuch eines Dorfes verbunden. Frag am besten Peter vom Massai Land Project nach Möglichkeiten.

Der Massai-Wochenmarkt wird vor allem von Einheimschen besucht…
…deswegen gibt es hauptsächlich nützliche Dinge zu kaufen wie diese Flip-Flops aus alten Reifen.

Top 4: Der Living-Garden in Arusha

Dass sich ein Besucher in Arusha verliebt, kommt selten vor. Die Stadt ist in erster Linie ein praktischer Ort, um Geld zu wechseln oder sich vor einer Safari oder einer Wanderung mit Proviant einzudecken.

Dennoch gibt es eine Ecke im Zentrum von Arusha, die mir sehr gut gefallen hat und die du unbedingt auf deine Besuchsliste aufnehmen solltest. Das ist der stark bewaldete „Living Garden“, der an einem kleinen Flüsschen liegt.

In diesem städtischen Park gibt es ein kleines Restaurant, wo du zu einem günstigen Preis wirklich leckeres tansanisches Essen bekommst. Überall hängen Bilder an den Bäumen. Sie stammen von einem kleinen Künstler-Kollektiv, das hier sein Atelier hat. Wenn dir die Gemälde gefallen, kannst du sie dort gleich kaufen.

Praktische Tipps: Wenn Du etwas länger im Garten bleiben möchtest, kannst du bei den erwähnten Künstlern einen Malkurs nehmen. Dieser dauert in der Regel einen halben Tag, aber die jungen Männer passen sich auch gerne deinen Wünschen an. Hier findest du hier ihren Instagram-Kanal, über den du Kontakt aufnehmen kannst.

Beim Künstlerkollektiv im Living Garden kannst du Malkurse besuchen.
Und es lohnt sich, das leckere tansanische Essen zu versuchen.

 

Top 5: Der Duluti-See

Wenn du etwas Entspannung suchst, kannst du den idyllischen Duluti-See besuchen und an seinem Ufer entlang durch den Wald spazieren. Dieses Naherholungsgebiet befindet sich wenige Kilometer ausserhalb von Arusha. Auch wenn man es dem vulkanischen Kratensee nicht ansieht: Er hat angeblich eine Tiefe von bis zu 700 Metern.

Besonders schön ist es, den See mit dem Kajak zu erkunden. In der Nähe des Eingangs, wo du dich registrieren musst, kannst du mehrere Boote stundenweise zu einem vernünftigen Preis mieten. Ausserdem gibt es auf einer grösseren Grasfläche direkt am See ein Café, das ein bisschen wie ein Camping-Platz wirkt und sich perfekt zum Beobachten anderer Besucher eignet.

Praktische Tipps: Besuche den Duluti-Kratersee am besten an einem wolkenlosen Tag, da du dann in der Ferne den Kilimanjaro und den Mount Meru sehen kannst. Bei meinem Besuch hat das Wetter leider nicht mitgespielt.

Der Autor dieses Artikels mit Blick auf den überraschend tiefen Duliti-See.
Besonders schön: Per Ruderboot oder Kajak den See erkunden.

 

Top 6: Besuch einer kleinen Kaffee-Plantage

Wenn du an Kaffee denkst, fallen dir vermutlich als erstes Äthiopien oder Kolumbien ein. Aber auch in der Gegend rund um Arusha gibt es eine Reihe von kleineren und grösseren Kaffeeplantagen, die du besuchen kannst.

Der Besuch der Plantage lief so ab: Zuerst erklärten uns die beiden Guides ausführlich, worauf es beim Anpflanzen von Kaffee-Bohnen ankommt und wie diese geerntet und geröstet werden. Anschliessend bereiteten wir den Kaffee zu und probierten ihn.

Die Tour hat mir einerseits gut gefallen, weil wir alle Prozesse selber machen konnten, zum anderen aber auch, weil die beiden jungen Männer viele spannende Geschichten aus ihrem Leben im Dorf erzählten. Der Grund, dass die Tour so weit hinten steht, liegt vor allem an einem einzigen Grund: Ich mag Kaffee eigentlich nicht.

Praktischer Tipp: Das Dorf, das wir im Rahmen der Moivaro Coffee Tour besuchten, befindet sich auf halbem Weg zum Flughafen und eignet sich deswegen gut, um eine Reise nach Tansania abzuschliessen.

Bevor wir unseren eigenen Kaffee brauen, müssen wir Bohnen ernten.
Die Guides zeigen uns die verschiedenen Bearbeitungsstadien der Kaffeebohnen.

 

Top 7: Der Napuru-Wasserfall

Wenn du in der näheren Umgebung von Arusha eine etwas längere Wanderung unternehmen möchtest, kannst du in etwa drei Stunden vom Stadtrand zum eindrücklichen Naparu Wasserfall spazieren.

Der erste Teil des Wegs führt sich auf einer ziemlich holprigen Strasse durch ein paar hübsche Dörfer. Anschliessend geht es über eine steile (und bei meinem Besuch etwas rutschige) Treppe runter zum Flussbeet, dem du etwa eine halbe Stunde folgst. Der letzte Teil führt durch eine enge Schlucht.

Die Wanderung führt durch eine malerische und recht abwechslungsreiche Umgebung. Mit Ausnahme des letzten Abschnitts ist der Weg ziemlich einfach zu begehen. Das der Wasserfall das Schlusslicht bildet, liegt vor allem an der starken Konkurenz, aber auch daran, dass ich in meinem Reiseleben vielleicht schon zu viele Wasserfälle gesehen habe.

Praktische Tipps: Auf dem letzten Abschnitt überquerst du mehrmals den Fluss. Das geschieht, indem du über Steine balancierst, die im Wasser liegen. Leichter geht es mit Flipflops oder Plastiksandalen, die dir erlauben, einfach durchs Nass zu spazieren. Beachte auch, dass es direkt vor dem stäubenden Wasserfall ziemlich kühl ist. Wenn du länger dort bleiben möchtest, empfehle ich, einen Pullover mitzubringen.

Auch wenn bei dieser Wanderung der Weg das Ziel ist…
…ist der Napuru-Wassserfall trotzdem durchaus sehenswert.

Mein Unterkunftstipp für Arusha

Wenn du als Backpacker in Arusha bist, habe ich noch einen kleinen, aber feinen Übernachtungstipp für dich: Das Nyumbani Hostel. Die Unterkunft befindet sich an einem ruhigen Quartier etwas ausserhalb vom Zentrum.

Der Grund, wieso mir das Nyumbani Hostel so gut gefiel, liegt daran, dass die Gäste am Abend jeweils gemeinsam Essen und man auf diese Weise leicht miteinander ins Gespräch kommt. Wem das noch nicht reicht, kann sich im Video-Raum mit anderen Gästen Filme anschauen. Vor allem für Alleinreisende ist das sehr attraktiv.

Neben zwei Mehrbettzimmern für alle, die ganz günstig unterwegs sein wollen, gibt es auch Privatzimmer mit eigenem Badezimmer. Die Besitzerin des Hostels ist übrigens eine deutsche Ethnologin (siehe hier ein Interview mit ihr auf Fluegge-blog.de).

Buchen kannst du das Hostel entweder direkt über seine Website oder über Buchungsplattformen wie booking.com.

Funktional und geräumig: Das Doppelzimmer im Nyumbani-Hostel.

Fazit

Safaris überschatten in Tansania zwar alle anderen Ausflüge – und ich hätte es bereut, wenn ich die fünf Tage in der Wildnis verpasst hätte – aber es gibt eben auch viele spannende Alternativen rund um Arusha.

Selbst wenn dich hauptsächlich die afrikanische Tierwelt reizt oder du einen der beiden grossen Berge besteigen willst, empfehle ich dir, wenigstens den einen oder anderen Ausflug zu machen.

Disclaimer: Die Reise wurde unterstützt vom Nyumbani Hostel in Arusha und den im Artikel verlinkten Firmen unterstützt. Der Inhalt und insbesondere das Ranking ist hiervon unbeeinflusst.

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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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