Thailand 2/2

3. Februar 2013 // Nennt mich Crusoe!

Gestern um 18:00 ertönte in der Bahnhofshalle die thailändische Hymne. Jeder stand auf und nahm eine stramme Haltung ein. Neben mir standen dutzende Soldaten, die lauthals den Text mitsangen. Ein ziemlich eigenartige aber interessante Erfahrung, die ich da erleben durfte. Um vier Uhr morgens wurde ich vom Schaffner mit den Worten „Chumphon, Chumphon“ geweckt und packte schnell mein Zeugs zusammen. Ich war froh endlich ein paar Stunden schlafen zu können. Ich mag Nachtzüge einfach ungemein. Wir wurden dann per Bus zum Pier gefahren, an dem wir in einen grossen Katamaran einstiegen und Richtung Koh Phangang schipperten. Neben Koh Samui, wo die bierbäuchigen Russen ihren Pauschalurlaub verrichten und dem Taucherparadies Koh Tao, stellt Phangang den verkifften, mittelgrossen Bruder dar. Die Insel ist ziemlich schön und ich stellte sofort auf den faulen Modus um. Ich checkte im Lazy House (wie passend) ein und guckte mir mal diesen berühmten Sunrise Beach an, an dem jeden Monat die Full Moon Party stattfindet (30’000 partywütige in der Hochsaison). Und ja das Ding ist verdammt schön, klares, grünblaues Wasser und toller Sand – hier machte ich es mir gemütlich und liess bei guter Musik den restlichen Tag verstreichen.

4. Februar 2013 // Faulheit & Whisky Soda

Lange hab ich ausgeschlafen und bin dann sofort wieder an den Strand gepilgert. Ich hätte, wie jeder Westler hier ein Mofa mieten können und um die Insel düsen können aber alleine fahre ich aus Sicherheitsgründen nicht gerne. Es hat hier übrigens einen Arzt, der sich nur um die gestürzten, unfähigen Westler kümmert und dementsprechend viel einbandagierte Körperteile sah ich. So beliess ich es beim faulenzen und war sogar zu faul per Taxi Boat den Strand zu wechseln. Gegen Abend kehrte ich zum Guesthouse zurück und hörte ziemlich laute, thailändische Trancemusik. Im Garten der Unterkunft feierten die Besitzer mit ihren Verwandten eine Geburtstagsparty und der Besitzer lud mich gleich ein. Die Thais mögen offensichtlich Whisky-Soda, denn ich wurde mit dem Zeugs regelrecht bombardiert. Kaum war mein Glas leer, füllte das mir ein grinsender Thai wieder auf. Danach schmissen sie wild tanzend den Grill an und wir stopften uns voll mit Tintenfischspiesschen (waren fantastisch!). Genau solche unerwartete Momente geniesse ich in vollen Zügen, denn genau diese sind für mich der Inbegriff des Reisens. Am Abend fuhr ich dann per Pick-Up Taxi tief in den Dschungel und wollte eigentlich eine etwas grössere Party besuchen. Der monotone Tech House wurde mir dann aber mit der Zeit zu öde und mir gingen die Lachgas-schnüffelnden (what?) Partybesucher ziemlich auf den Geist. Darum fuhr ich wieder zurück und machte es mir in einer Strandbar auf einem Sitzsack gemütlich.

5. Februar 2013 // …

Ganz kurz: Ich lungerte erneut am Strand rum und kämpfte gegen ziemlich hohe Wellen.

6. Februrar 2013 // Auf nach Koh Tao

Per Boot liess ich mich auf die kleine Nachbarinsel Koh Tao schippern. Die Insel ist nur etwa 20m² gross und hat genau eine befestigte Strasse. Das 8-Bett-Dorm war ziemlich neu und ich lernte gleich eine Schweizerin, eine Brasilianerin und eine Belgierin kennen, mit denen man sich gut unterhalten konnte. Es wimmelte von Tauchfreaks, da die Spots hier ziemlich gut sein müssen. Tauchen interessierte mich nicht, weshalb ich gleich den langgezogenen Sairee Beach auscheckte. Dieser ist zwar nicht so schön wie der auf Phangang aber trotzdem machte er mit den vielen kleinen Booten visuell etwas her. Leider mietete sich so ziemlich jeder ein Motorrad und so wurden die kleinen Gässchen mit Abgase und Lärm vollgepestet. Gegen Abend wollten wir eigentlich etwas trinken gehen, es löschte mir dann aber ziemlich schnell ab. Wohin man nur schaute, alles voller Westler die sich die Kante gaben und sich wie auf dem Ballermann benahmen. Ich fragte mich, wieso Menschen um den halben Globus fliegen, um sich mit Landsleuten die Kante zu geben. Thais musste ich jedenfalls regelrecht suchen. Mir ist ja bewusst, dass die Region Thailand/Kambodscha/Vietnam/Laos bei den Jüngeren immer beliebter wird aber hier in Thailand fallen mir so viele „Reisende“ mit ihrem Verhalten negativ auf, wie ich es bis jetzt noch nie beobachten konnte. Das ganze Partygesocks mit ihren viel zu weiten Hosen, denselben Tanktops, respektlosem Verhalten und billigen Tattoos kann mir mehr als gestohlen bleiben.

Nun ja, wir verzogen uns dann schnell wieder zum Hostel und führten da bis spät in die Nacht gute Gespräche, was mir allemal lieber war, als irgendwelchen Australiern bei Trinkspielen zuzuschauen.

7. Februar 2013 // Koh Tao

Es war zum Sterben heiss, denn die kühle Brise fehlte auf Koh Tao. Trotzdem quälte ich mich einen Hang hinauf. Die Mühe war es wert, denn die Aussicht war atemberaubend schön! Völlig durchgeschwitzt stürzte ich mich ins Meer, pennte dann prompt am Strand ein und erwachte erst einige Stunden später. Der Hunger meldete sich und ich hatte gerade wenig Lust auf der Strasse zu essen. Ich suchte mir deshalb ein Restaurant und fand dann am Ende des Dorfes ein ziemlich gutes. Zwischen Thais, nicht entzifferbarer Speisekarte und traditioneller Musik fühlte ich mich pudelwohl. Ich stürzte mich mit Händen und Füssen „sprechend“ in ein kulinarisches Abenteuer. Die Eier-Reis-Suppe war optisch zwar stark gewöhnungsbedürftig, geschmacklich aber erste Klasse! Abends hängten wir an einem abgelegenen Stück Strand ab und tauschten Gedanken aus. Die Sonnenuntergänge hier sind übrigens fantastisch gut!

8. Februar 2013 // Zurück aufs Festland

Mein Inselabstecher neigte sich dem Ende zu. Das Rückfahrtticket buchte ich schon in Bangkok und wollte am Pier einchecken. „Boat four hours late, you gonna miss train“ entgegnete mir die Thai am Schalter. Sie wollte mir zuerst ein Flugticket und danach ein Busticket andrehen und verweigerte mir dann sogar eine Rückerstattung des Boottickets (welches ziemlich teuer war). Ziemlich angepisst packte ich meinen Rucksack und buchte bei der Konkurrenz ein langsameres Boot, das mir den Anschluss aber garantieren konnte. Vier Stunden tuckerten wir zurück nach Chumphon, wo ich in den Nachtzug einstieg. Mit einem Bier lag ich zufrieden in meinem Bett und liess meine Inselabstecher Revue passieren. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie sich Rucksackreisende vor 30 Jahren gefühlt haben mussten, als sie die noch fast unbewohnten Inseln für sich entdeckten. Es muss ein Wahnsinnsgefühl gewesen sein!

 

9. Februar 2013 // Zahntreatment in BKK

Zurück im hektischen und chaotischen Bangkok. Es wird wohl nie meine Lieblingsstadt werden. Ich checkte im Lumphon Guesthouse ein, das mir ein Studienkollege empfohlen hatte. Es liegt an einer ruhigen Seitenstrasse der (schrecklichen) Khao San Road. Ich duschte mir den Schweiss vom Körper und machte mich auf zu meinem Termin beim Zahnarzt. Den Nachmittag verbrachte ich dann bei selbigem und „genoss“ eine super Behandlung nach westlichen Standarts. Nur der Endpreis war nicht westlich, denn hier sparte ich ca. 70%. Mir wurde wieder einmal bewusst, was für elende Gauner unsere Zahnärzte in der Schweiz sind…

10. Februar 2013 // Bangkok

Gegen Mittag radelten Andi, ein Studienkollege von mir und seine Frau Sara mit ihren Fahrrädern ins Lamphu. Sie waren während drei Wochen im Osten Thailands mit den Rädern unterwegs und fuhren am Mekong entlang Richtung Süden. Ich möchte unbedingt auch einmal für längere Zeit mit dem Rad unterwegs sein und hoffe, dass ich dieses Vorhaben in den nächsten Jahren in die Tat umsetzen kann. Wir zogen zusammen etwas um die Häuser und ich kam in den Genuss einer einstündigen Thaimassage. Die zierliche Frau knetete mich während einer Stunde ordentlich durch und richtete meinen ziemlich verspannten Körper wieder her. Danach fühlte ich mich wie neu geboren! Abends fuhren wir zum Siam Paragon, ein gigantisch grosser Einkaufskomplex, in dem wir uns im Kino einen Film anschauten. Vor Beginn standen wir zur thailändischen Hymne artig auf und nahmen eine stramme Haltung ein, während wir ein Video über die guten Taten des Königs anschauten.

11. Februar 2013 // Fin

Heute fliege ich wieder zurück in die eiskalte Schweiz. Es schaudert mich schon beim Gedanken daran. Die letzten Stunden werde ich aber noch ordentlich geniessen und ich freue mich auf die Reisevorbereitungen für den Sommer. Thailand hinterlässt bei mir ein Lächeln und ich werde mit Sicherheit weitere Orte in diesem wunderschönen Land besuchen. In dem Sinne: aew phob gan mai!

Thailand 1/2

Endlich ist es soweit, ich entfliehe dem kalten Winter hier in der Schweiz und ziehe zum ersten Mal alleine los. 2.5 Wochen soll es nach Thailand gehen. Etwas kurz aber man nimmt halt, was man bekommt. Ich werde zwei nach Datum sortierte Blogeinträge über meine Streifzüge schreiben und frei von der Leber meine Erlebnisse schildern.

Hier Nummero Uno:

26. Januar 2013 //  Anreise, Bangkok

Meine Güte hatte ich das Wetter satt! Ich stehe ja auf wettertechnische Abwechslung aber der Winter nagt immer mehr an meiner Gemütslage, weshalb ich froh war, sass ich im Flieger nach Bangkok. Der Flug war nicht schlecht, ausnahmsweise musste ich in Frankfurt nicht stressen und konnte gemütlich den Flieger wechseln. Auch das Gepäck kam heile in Bangkok an (siehe Trip April 2012) und ich wechselte noch am Gepäckband in offene Schuhe. Müde aber verdammt glücklich (Reisen man, Reisen!) fuhr ich in die Stadt und quartierte mich im Saphaipae Hostel ein und schlenderte anschliessend ein bisschen durch Silom. Abends schaufelte ich an einem Strassenstand Pad Thai und Morning Glory in mich rein und kaufte mir ein paar Früchte für die Weiterreise nach Chiang Mai. Ich freute mich auf einen ausgiebigen Schlaf und die ruhigen Mitbewohner im Dormitory machten mir schon Hoffnungen auf diesen. Leider lag mein Zimmer gleich neben einer grossen Polizeistation, wodurch die ganze Nacht heulende Sirenen durch die dünnen Fenster drangen und mir den Schlaf raubten. Die müssen irgendeinen Grosskriminellen quer durch die Stadt gejagt haben, naja…

27. Januar 2013 // Bangkok, Nachtzug nach Chiang Mai

Während dem Flug erkältete ich mich, das passiert mir jedes zweite Mal… Dazu kommt Schlafmangel, Schüttelfrost und Appetitlosigkeit. Ich ignorierte die Symptome so gut ich konnte und zog los Richtung Chatuchak Weekend Market. Es stellte sich heraus, dass dieser Markt mit über 8’000 (!!) verschiedenen Ständen einer der grössten der Welt ist. Es gibt sogar eine Karte, mit der man sich orientieren könnte, diese habe ich aber nicht gefunden und dementsprechend irrte ich planlos durch die Stände. Ich zog nach Lust und Laune los und wuselte bzw. quälte mich wirr durch diese Ansammlung von Menschen, Essen, Krimskrams und Leute die mir was andrehen wollten. Nach vier Stunden konnte ich nicht mehr und war mit meinen begrenzten Kräften am Ende. Den Rest des Tages verbrachte ich tennisschauend und schlafend in der Lobby des Hostels. Abends fuhr ich zur Hua Lamphon Railway Station und stellte am Ticketschalter fest, dass meine spontanen Reisepläne durch ausgebuchte Sleeperzüge zur Nichte gemacht werden. Zum Glück reservierte ich schon vorher den Zug nach Chiang Mai und konnte in der Stunde Wartezeit einen rudimentären Reiseplan und die dazugehörigen Ticketbuchungen machen. Im Zug freute ich mich erneut über ein paar Stunden Schlaf aber in den Wagons liessen sie das Licht brennen, das trotz Vorhang in meine Koje drang und die 15 stündige Fahrt ziemlich anstrengend machte.

28. Januar 2013 // Chiang Mai

Ein paar Stunden konnte ich trotzdem schlafen, bis ein penetrant schreiender Thai mich weckte und mich nach Kaffee fragte – wieso nicht? In der unteren Etage verwandelten sie die Betten zu Sitzen und man konnte so die grandiose Fahrt durch die grüne Vegetation geniessen. In Chiang Mai angekommen navigierte ich mich durch die von Kanälen umgebene Altstadt und checkte im Deejai Backpackers ein. Leider wimmelte es da von pseudo-hippies, die sich MC Donalds Frass in die Lobby liefern liessen (was zur Hölle?) und generell ziemlich viel Nonsens von sich gaben. Ein paar angenehme Zeitgenossen traf ich trotzdem aber dass ich nicht aus Schweden komme hat der eine Typ wohl immer noch nicht verstanden. Den Rest des Tages erkundigte ich Chiang Mai zu Fuss und freute mich, dass der nervende Schüttelfrost passé war. Am Abend klapperte ich die Stadt nach einer guten Bar ab, fand aber mehrheitlich nur schäbige und kitschige Touristenlöcher die voll mit besoffenen Australiern waren. Nach 30 Stunden hab ich dann endlich wieder etwas gegessen und fühlte regelrecht, wie die Kräfte zurückkamen. Ich feierte diesen Fakt mit einem Bier und unterhaltsamer Lektüre. Als ich mich um ca. 1 Uhr auf den Weg zu einer im Lonely Planet vermerkten Bar machte, rief mir von der anderen Strassenseite ein junges Ding nach mir. Verwundert hielt ich an und fragte sie was sie wolle. „Sucky sucky 500 Baht“ entgegnete sie (oder war es ein Er? :S) mir während sie (oder er) mir in den Schritt griff. „Hau ab man! No! Get away!“ erwiderte ich energisch und machte mich schnell aus dem Staub. Schade hat niemand diese Situation gefilmt, denn im Nachhinein betrachtet war sie urkomisch. :P

29. Januar 2013 // Chiang Mai

Heute besuchte ich zahlreiche Wats bzw. Tempel, die hier quer in Chiang Mai verstreut sind. Die Dinger sind ziemlich schön anzuschauen und die Touristenmassen, sowie die Temperaturen hielten sich am Morgen in Grenzen. Plötzlich hatte ich so richtig Bock auf indisches Essen. Im Lonely Planet wurde einer vermerkt, der ziemlich gut sein soll, also nichts wie hin. Und tatsächlich, mein Essen war genial, der LP ist halt manchmal doch zu gebrauchen. Mit einem frisch gepressten Orangensaft pflanzte ich mich in ein Café und beobachtete die vorbeiziehenden Menschen.

30. Januar 2013 // Chiang Mai & Pai

Das Backpacker Hostel ging mir ziemlich auf die Nerven, die Atmosphäre war einfach nicht gut und es wimmelte nur so von nicht sympathischen Menschen. Dementsprechend kam ich auch wenig in Kontakt mit anderen, denn ich hatte schlicht und einfach keine Lust sozial zu sein. Mir passierte dann noch ein Malheur und zwar fiel mir mein Kameraslider aus Versehen auf den Glastisch und beschädigte diesen. Der unfreundliche, alte Engländer von der Rezeption ziehte eine riesen Szene ab und führte sich wie das letzte Arsch auf – die Thais hingegen fragten mich zuerst ob ich okey sei und nicht in die Glassplitter gestanden sei etc. Schlussendlich musste ich die Glasplatte bezahlen, wobei auf einen 50:50 Vorschlag meinerseits natürlich nicht eingegangen wurde. Dementsprechend froh war ich bei meiner Abreise (verdammt war ich froh!). Ich wurde von einem Minibus abgeholt und traf gleich Jeff und Joe aus Manchester, endlich anständige Leute zum plaudern! Vier Stunden lang kämpfte sich der Bus steile Bergstrassen durch eine wunderbare Dschungelvegetation hinauf, bis wir im fantastischen Pai ankamen. Pai nennt sich ein 2’000 Seelendorf, das mit Alternativen, Kiffer und Hippies nur so vollgestopft ist. Der Ort liegt in einem Tal und sieht aus wie gemalt. Etwas ausserhalb erstreckte sich an einem grünen Hang der Bungalowresort Darling Viewpoint. Schon als ich ankam wurde ich von allen Reisenden mit einem Lächeln begrüsst und die Inhaberin Anne zeigte mir gleich mein Bungalow, das ich mit fünf anderen teilte. Das Feeling war wie ausgewechselt und hier nicht so recht beschreibbar. Ich fühlte mich fantastisch und genoss die super relaxte Atmosphäre. Ich setzte mich ans Lagerfeuer, sinnierte mit anderen Leuten über die Welt und durfte das Wort „Soucheib“ auf Englisch erklären (irgendein Schwede erzählte mir es sei sein Lieblings Schweizerwort).

31. Januar 2013 // Pai

Ich stand vor Sonnenaufgang auf und machte es mir auf der riesigen Terrasse in einer Hängematte gemütlich. Links und rechts hörte man zahlreiche Tiergeräusche und Anne erzählte mir danach von ihrem Schicksal. 2005 wurde Pai überflutet, riss ihre damalige Bungalowanlage mit und sie entkam nur knapp dem Tod. Ein französischer Navy rettet sie aus der reissenden Strömung. Unglaublich was diese Frau zu erzählen hatte. Ich schlenderte danach durch das übersichtliche Dorf und unternahm eine kleine Wanderung zu einem auf einem Hügel gelegenen Tempel. Von da aus hatte man eine super Aussicht ins Tal. Zurückgekehrt lockte mich Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“ in eine Bar, in der ich mir ein paar Drinks genehmigte. Den Tagesrest verbrachte ich im Darling Viewpoint und lernte wieder tonnenweise Leute kennen. Hier wird man mehrmals am Tag angequatscht und gefragt, ob man gut drauf sei und was man noch so mache etc. Nachts am Lagerfeuer wollten ein paar, dass ich den DJ spiele. Das ganze gipfelte dann in einer ausgelassenen Party. Immer mehr Leute quatschten mich an und wollten wissen welcher Track das eben war und sagten mir wie krass sie meine Tunes fänden etc. Schmeichelte mir schon ein bisschen – hehe. Irgendwann um 5 Uhr Morgens fiel ich ins Bett.

1. Februar 2013 // Zurück nach Bangkok

Schon wieder musste ich das Paradies verlassen aber hierhin werde ich definitiv zurückkehren und eine längere Zeit verweilen. Per Minibus wurde ich wieder zurück nach Chiang Mai gefahren und stieg um 17.30 Uhr in den Zug nach Bangkok ein. Sleeper waren ausgebucht, weshalb ich es mir in der 2. Klasse auf einem Sitzplatz gemütlich machte. Hier kann man noch die Fenster öffnen und die Wagontüre lassen sie einfach offen. Genau das mag ich an Südostasien – es ist alles lockerer, Verbote sind rarer und man nimmt es ein ganz grosses Stück entspannter als im fortschrittlichen Westen.

2. Februar 2013 // Zurück nach Bangkok

Leerlauf, Batterie leer. In der rumpligen Holzklasse konnte ich 14 Stunden kein Auge zu machen. Ich versuchte es sogar auf bzw. unter dem Tisch im Speisewagen aber auch dies brachte kein Erfolg. Heute Abend geht es weiter in den Süden aber dieses Mal im Sleeper.

Bilder

 

 

 

Video und Pläne

Guten Abend, ich dachte, ich lasse wieder einmal von mir bzw. uns hören.

Mittlerweile ist unser Reisevideo fertig, das hier angeschaut werden kann:

Bangkok to Tokyo 2012

Mein nächster Trip wird mich nach Thailand führen. Leider auf zwei Wochen beschränkt aber Hauptsache weg. Am 25. Januar gehts los. Pläne für den Sommer 2013 existieren ebenfalls schon. 1 Monat Indonesien wirds wohl werden und hier ist wohl auch Andrea dabei :)

Dream, Explore, Discover!

Letzte Tage

So da ist er – der vorerst letzte Blogeintrag von unserer „kleinen“ Asienreise. Von Nikko ging es weiter nach Hakone. Ich selber war schon mal da und wollte diesen schönen Ort Andrea näher bringen. Leider hatten wir erneut schlechtes Wetter, was so ziemlich alle Ausflüge zu Nichte machte. Die Sicht war einfach zu schlecht und somit ging nicht viel in dem sonst sehr malerischen Gebiet. Wir fuhren trotzdem ein wenig mit den verschiedenen Zahnrad- und Gondelbahnen rum, bevor wir einen Abstecher ins Junesun Bad nahmen. Auf mehreren Stockwerken verteilt konnte man sich in verschiedenen Outdoor- und Indoorbädern entspannen. Dank dem Samstag war die Anlage mehr als überfüllt, weshalb wir nach ein paar Stunden den Abgang machten. Die Grüntee-, Kaffee- und Sakebäder waren aber trotzdem amüsant.

Wir fuhren weiter in das kleine, am Meer gelegene Städtchen Ito, wo wir am Strand relaxten und auf fantastisch geformten Klippen der Brandung des Meeres zuschauten. Weiter fuhren wir mit dem Sessellift auf einen begrünten Vulkan, der einen grandiosen Blick auf Teile der Izu-Halbinsel bot.

Ausgelaugt fuhren wir zum letzten Mal Shinkansen und nahmen die finalen fünf Tage im pulsierenden Tokio in Angriff. Im Yodobashi Camera, dem grössten Elektronikstore (und ja das Ding ist wirklich gigantisch!) hauten wir massenhaft Kohle raus und guckten uns vor allem auf dem Spielzeugstock die Augen wund. Im Elektronik-Viertel Akihabara beobachteten wir die japanischen Nerds, die der neusten Actionfigur nachrannten und in zügellosen Mangas blätterten. In den massenhaft vorhandenen und riesigen Arcade-Hallen verprassten wir erneut viel Kohle an den oldschooligen Videospielautomaten und ich hätte fast einen Japaner im virtuellen Tennis geschlagen. :P Zudem die wirklich kranken Spiel- und Tanzkünste der wohl stark abhängigen Japaner, was die da vor dem Tanzautomat vorführten, liess uns die Kinnlade runterklappen.

In Shibuya waren wir einige Male, der Ort strotzt einfach nur so vor Energie und wenn man mit tausend anderen Leuten über den grössten Zebrastreifen der Welt läuft, fühlt man sich, als sei man im Zentrum des Globus’. Natürlich assen wir fast jeden Tag das wohl beste uns bekannte Ramen im Kamukura Noodle Restaurant und weiteres Geld floss im Disc Union Secondhand CD-Laden, sowie im neun Stockwerk umfassenden Tower Records. Abends becherten wir natürlich ausschliesslich in der GODZ Metal Bar in Shinjuku und die Inhaber freuten sich uns schon wieder zu sehen. :)

Ausserdem schafften wir es am Freitag endlich ins berühmte Ghibli Museum der Anime-Legende Hayao Miyazaki. Das Museum war natürlich ausverkauft, überzeugte aber trotz den vielen herumschwirrenden Kindern mit einer lieblichen Atmosphäre und Ausstellungsstücken, die den Besuchern viel über die Entstehung und Inspiration der genialen Animes erzählten. Am Sonntag, unserem letzten Tag unserer Reise besuchten wir natürlich den Yoyogi Park, in dem am Sonntag massig was los ist. Bei schönstem Wetter schlenderten wir durch den Park und schauten den Japanern beim Singen, Tanzen, Gitarren spielen etc. zu. Das Ding ist und bleibt eine grüne, entspannende Oase, in der man locker den ganzen Tag verbringen könnte. Must-see bei jedem Tokio Besuch!

Nun sind wir wieder zu Hause und blicken auf eine absolut grandiose Zeit zurück, in der wir fantastisches erlebt haben und die gewonnenen Eindrücke erstmals verarbeiten müssen. Jeder Tag war kostbar, wurde von uns geschätzt und die Reize regelrecht aufgesogen. Ich hoffe ich konnte das Gefühl hier im Blog wenigstens ansatzweise vermitteln und habe mit meinem Geschreibsel unterhalten. :P

Nach der Reise ist vor der Reise, wir gehen dann mal planen… :D

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Andrea

Andreas

 

Japanische Berge und schwitzende Sumoringer

Wir melden uns zurück aus dem Land in dem sich die Taxitür bzw. der Klodeckel von selbst öffnen, die Shopbesitzer uns zur Begrüssung regelrecht anschreien und der Zug auf die Sekunde pünktlich ist. Wir finden es so schön hier und möchten am liebsten gleich bleiben – Japan war, ist und bleibt ein ganz spezielles Land, welches uns tagtäglich erneut fasziniert…

Nachtrag aus Kyoto:

Aus dem Bus schaute ich einer alten japanischer Frau zu, deren Hund aufs Trottoir kacken wollte. Damit dieses nicht verschmutzt wurde, legte sie behutsam ein Taschentuch aus und der Hund verrichtete sein Geschäft auf selbigem. Fein säuberlich faltete sie das Tuch zusammen und entsorgte es im Abfall. Ich dachte eine Schilderung der Szene sollte hier noch Platz finden. :P

Von Kyoto fuhren wir ab nach Nagano, dem Tor zu den japanischen Alpen. Kei vom Youth Hostel „1166“ war ein angenehmer Zeitgenosse und seine Unterkunft heimelig. Er nahm uns am folgenden Tag zum Mittagessen in ein alternatives Café mit, wo wir zwischen antiken Möbeln auf wild zusammen gewürfelten Stühlen einen delikaten Lunch zu uns nahmen. Später half er uns noch die Sumo-Tickets für das Turnier in Nagoya zu erwerben und gab uns sonst noch hilfreiche Tipps. Danach guckten wir uns noch den Zenko-Ji Tempel an und schauten kurz einer japanischen Tanzvorführung durch eine Seitentür zu. Am nächsten Tag unternahmen wir einen Ausflug ab in die Natur nach Kamikochi. Herrliche Wanderwege führten vorbei an Flüssen und giftgrünen Wäldern. Wegen schlechtem Wetter verzogen wir uns gegen Mittag wieder und schauten uns in Matsumoto noch das schwarze Samura-Schloss an. Zurück in Nagano tranken wir am Abend mit vier Japanern aus dem Hostel ein paar Bier und einer von ihnen zeigte uns Bilder von seinem vom Tsunami verwüsteten Fischerdorf, was uns emotional sehr mitnahm…

Der Skiort Hakuba stand als nächstes auf dem Plan, der uns auch gleich nach der Ankunft in seinen Bann zog. Das verschlafene Dorf strahlte regelrecht vor Schönheit und die einzelnen Chalets, die sich zwischen bewaldete Hügel schmiegten, erinnerten uns an die Schweiz. Im grossen K’s House Hostel waren wir während zwei Nächten die einzigen Gäste, weshalb wir uns in der Nacht ein wenig wie im Film Shining fühlten. Am nächsten Tag war dann wieder Sauwetter, trotzdem nahmen wir die Gondel hoch auf 1900 Meter und reihten uns in die japanische Wandergesellschaft ein. Rudimentär ausgerüstet, mit kurzen Hosen und schlechten Schuhen wurden wir von den topmodern ausgestatteten Japanern schräg angeglotzt. Leider waren wir für das scheiss Wetter mit Nebel, Regen und Wind zu schlecht ausgerüstet, weshalb wir nach einigen Stunden wieder ins Tal fuhren. Am Abreisetag wars dann natürlich wieder herrlich schön und wir mussten uns mit dem Blick auf die fantastische Landschaft aus dem Zugfenster begnügen.

Von Hakuba fuhren wir weiter über Fukushima (uhhuuuu!) nach Sendai, wo wir bei einem sehr verwirrten Japaner Unterschlupf fanden. Am Abend tobten wir uns in einer der Gaming-Hallen aus und nahmen ein ausgiebiges Mahl zu uns. Am nächsten Tag fuhren wir nach Matsushima an die Küste, wo wir verschiedene Tempel, Schreine und eine hübsche Insel begutachteten.

Am Folgetag fuhren wir nach Nagoya, wo wir uns den 18. Tag des jährlichen Sumoturniers reinzogen. Die Halle war riesig und die Stimmung sehr speziell. Mit Bier bewaffnet setzten wir uns neben die Einheimischen und gaben uns dem Spektakel hin. Laute Zwischenrufe und betrunkenes Gelächter trugen den Rest zur guten Stimmung bei. Nach dem Turnier schauten wir in einem Internetkaffe vorbei. Diese sind propenvoll mit Mangas, Filmen und Zeitschriften. Ausserdem kann man in diesen übernachten und duschen – also quasi ein Hotel für Nerds.

Von Nagoya fuhren wir am nächsten Tag weiter nach Nikko, wo wir uns jetzt befinden. Natürlich wars gestern am Ankunftstag schön und heute pissts wieder – langsam nervts ein bisschen. Trotzdem wars schön die in Wälder eingebettete Schreine und Tempel zu erkunden und am Abend ein Bad in einem japanischen Onsen (50° heisses Thermalbad) zu nehmen.

In 10 Tagen geht unsere Reise zu Ende. Vorher stehen aber noch Hakone, Ito und fünf satte Tage Tokyo auf dem Reiseplan. Ganbarre, ganbarre!

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Andrea

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Heimatgefühle in Japan!

Seit gut einer Woche sind wir endlich wieder in Japan! Das dritte Mal für mich, das zweite Mal für Andrea und es füllte sich an, als kämen wir nach Hause. Sofort fühlten wir uns ganz anders und eine gewisse Euphorie machte sich in uns breit. In Osaka quartierten wir uns im J-Hoppers ein und erkundeten die ruhigen Nebengassen, die sich ringsherum befanden. Wahnsinnig gute Düfte aus den zahlreichen kleinen Restaurants schossen regelrecht in unsere Nasen und wir fühlten uns grandios! Das erste Ramen nach gut einem Jahr glich einer Erlösung – für mich persönlich gehört diese japanische Nudelsuppe zum Besten, was man essen kann und es ist für japanische Verhältnisse recht billig bzw. man bekommt es überall. Die Mentalität der Japaner war etwas weiteres, was wir verzweifelt vermisst haben, man fühlt sich in Nippon einfach extrem wohl und geborgen. Die Leute sind der Hammer, kein Vergleich zu China!

In Osaka machten wir nicht viel, wir genossen die Atmosphäre, wanderten durch die Strassen und assen viel und gut! Am einen Abend machten wir einen Abstecher in eine Metal-Bar, die wir dank dem astreinen Taxifahrer (sauber, freundlich, perfekt!) nach kurzem Suchen gefunden haben. Fuki, der Besitzer des grandios eingerichteten Schuppens war erfreut zwei Gaijins (Ausländer) bedienen zu dürfen und recht schnell machten wir Bekanntschaft mit zwei besoffenen, japanischen Geschäftsmännern, die wie jeder andere ihrer Art nach drei Bieren das Verhalten eines Kindes annahmen. Die meisten Japaner vertragen Alkohol überhaupt nicht, weshalb wir stundenlang mit ihnen rumblödelten und eine gute Zeit hatten.

Nach einer kurzen Zugfahrt checkten wir – wie letztes Jahr – im K’s House Hostel in Kyoto ein, einer der schönsten Städte in Japan. Wir machten einen Abstecher nach Downtown und besuchten (natürlich) Tower Records (Himmel für CD-Sammler!) und Andreas’ Kleiderläden. Einige zehntausend Yen leichter ruhten wir uns in der angrenzenden Bar des Hotels aus, bevor wir am Fluss entlang wieder Richtung Downtown liefen. Es war Samstag und dementsprechend war auch was los am kilometerlangen Flussufer. Piekfein, in traditionellen Yukatas herausgeputzte Japaner und Japanerinnen hatten eine gute Zeit und verschönten den sonst schon wundervollen Anblick zwischen Lampions, Feuerspucker, Musikern und besoffenen Studenten. Bier- und sonstiger kulinarischer Nachschub gibt es in den zahlreichen 24-Stundenshops („Konbinis“), in denen man so ziemlich alles finden kann. Japan, Kyoto – die Stimmung war und ist bis heute auf dem Höhepunkt!

Da wir letztes Jahr schon viele Tempel, Schreine und Gärten Kyotos abgeklappert hatten, machten wir uns auf die Suche nach neuen und kleineren Orten zum anschauen. Ideen dafür bekamen wir von zwei perfekt Deutschsprechenden Asiaten vom Nebentisch der Zen-Bar. Ich war felsenfest der Überzeugung, dass die Herren von Nebenan Englisch sprechen (vielleicht lags am Alkohol?), Andrea hingegen war der anderen Meinung. Wir schlossen eine Wette ab, welche ich nach dem direkten Nachfragen bei den Typen natürlich verlor. Anyway, sie baten uns sofort zu sich rüber und man kam schnell ins Gespräch. Der 37-jährige (Äusseres eines 25-jährigen) Tae-Ho wurde in Südkorea geboren, wuchs in Deutschland auf und arbeitet jetzt bei der Swisscom in Bern. Der etwas ältere Kwang-Jin war ebenfalls Koreaner, lebt in Seoul und unterrichtet an einer deutschsprachigen Schule Taekwondo, Tai Chi und generell Sport. Zusammen trainieren sie die Kunst des Aikidos, weshalb sie mehrere Male pro Jahr nach Kyoto reisen, um Einzeltraining bei ihrem Grossmeister zu nehmen. Kampfkunst kann man es nicht nennen, mehr arbeiten sie mit Energie, was aber hier sehr schwer zu erklären ist. Jedenfalls ist die Suche nach einem guten Grossmeister schwer, daher die zahlreichen Reisen nach Kyoto. Sie gaben uns wie schon erwähnt Tipps und luden uns danach für den Montag zum gemeinsamen Abendessen und Trinken ein.

Am Montag Abend machten wir uns auf Richtung Gion, dem Berühmten Geisha-Viertel in Kyoto. Geishas sieht man praktisch nie, man muss schon Glück haben eine vor Gesicht zu bekommen, wie sie mit einem reichen Geschäftsmann eine Lokalität betritt. Trotzdem war das Schlendern durch die Gassen mit leuchtenden Lampions und alten Häusern genial. Wieder in Downtown angelangt assen wir in einem Curry-Restaurant zu Abend. Die Schärfestufen und Portionen konnte man selber wählen. Auf einer Skala von 1 – 10, hatte Andrea schon bei Nummer 3 mehr als genug. :P

Weiter gings in eine Bar, die mit Bambuspapier in mehrere Abteile unterteilt war. Wir nahmen am Boden auf den Tatamis um einen niedrigen Holztisch Platz und konnten unsere Bestellung per Touchscreen aufgeben. Der Abend verlief dementsprechend sehr feuchtfröhlich und einige Japanerinnen reiherten vor die Frauentoilette. Minuten später sah man davon aber nichts mehr, das ist japanische Effizienz – hehe!

Wir liefen wieder am Fluss entlang nach Hause und verabredeten uns mit den beiden für den nächsten Tag vor dem Fujinara-Schrein, wo sich auch ihr Dojo befindet. Am nächsten Tag nahmen wir den Zug zum besagten Schrein, der in einem sehr ruhigen Vorort Kyotos lag. Während ihrer Trainingszeit schauten wir uns den Ort genauer an. Wundervoll im Wald gelegen lag ein langer Pfad mit hunderten roten Toris, durch die man gehen und sich der atemberaubenden Atmosphäre hingeben konnte. Danach schlenderten wir mit Tae-Ho und Kwong-Jin durch die kleinen und intimen Gassen, in denen kein Verkehr war und man die Stimmung des täglichen Lebens der Japaner regelrecht aufsaugen konnte. Sie führten uns in ein absolut fantastisches Ramen-Restaurant, in der uns eine alte Frau ein geniales Ramen auftischte. Später setzte sich sogar der Sensei höchstpersönlich zu uns. Später führten uns die Jungs weiter durch Gassen mit alten Holzhäusern und viel Grün. Wir schauten uns einen kleinen Tempel mit Garten an, dessen Schönheit und Ruhe wohl nur mit Bildern beschreibbar ist. Ohne Touristen ruhten wir uns im perfekt gestalteten Garten aus und liessen Kwong-Jin in Ruhe meditieren. Später gings noch weiter zu einem weiteren, um einiges grösseren Tempel, in dem wir eine Zeremonie von Mönchen mit Abstand beiwohnten. Am Abend gingen wir Tempura essen und liessen den Tag vor ihrem Youth Hostel ausklingen. Sie zeigten uns Aikodo-Videos von ihren Trainingsstunden, die uns die Kinnlade runterklappen liessen. Mehr dazu erzählen wir von Auge zu Auge, sonst glaubt ihr uns das nie…

Die Zwei waren sehr faszinierend und ihre Ansichten und Gedanken höchst interessant. Am 8. Oktober reisen wir nach Bern, denn ihr Sensei hält eine Exhibition ab, auf die wir jetzt schon ungemein freuen.

Die Zeit in Kyoto und vor allem mit den zwei lustigen, sehr interessanten Jungs aus Korea ging zu Ende und wir machten uns Richtung Nagano auf. Das Wetter ist leider schlecht, trotzdem ist es gemütlich hier. Mit Kei, dem Besitzer des Backpacker Hostels gingen wir heute in einem winzigen Alternativ-Café Essen und hatten sonst eine gute Zeit im Zenko-Ji-Tempel. Morgen fahren wir nach Matsumoto und dann weiter in die japanischen Alpen, aus denen wir uns wieder melden!

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Andrea

Andreas

Beijing, Shanghai und Schiff ahoi!

Hier der letzte Blogeintrag aus China – naja – während ich diese Zeilen verfasse, haben wir schon einen grossen Teil unserer Schiffsreise hinter uns gebracht und die Uhr noch einmal eine Stunde vorgestellt. Dazu aber später mehr.

Von Xian nahmen wir einen Nachtzug nach Beijing, dieses Mal aber im Hardsleeper mit offenen 6er-Kabinen. Bis um 22:00 Uhr waren die Chinesen mit Kartenspielen, Tee bzw. Nudeln kochen und lautem Gerede beschäftigt. Der eine Typ hat sich während zwei Stunden non-stop auf den Hinterkopf gehauen, was wohl irgendeine Art von eigenartiger Selbsttherapie sein sollte. Zum Glück ging das Licht dann aus und wir konnten bequem durchschlafen. Mein „Zimmerkollege“ vom unteren Bett brüllte mir mit Grinsen im Gesicht noch ein „goodaid“ entgegen und nach der dritten Wiederholung seinerseits erkannte ich es endlich als „good night“. :)

In Beijing angekommen fiel uns zuerst die angenehme Temperatur von ca. 27° auf und danach die unglaubliche Luftverschmutzung! Beijing – eine Stadt halb so gross wie Belgien – schien eingesperrt unter einer gigantischen Dunstglocke. Die Weitsicht wurde durch den Smog sehr stark getrübt und man konnte die entfernten Wolkenkratzer kaum wahrnehmen. Wir checkten im ChinaBox-Hostel für sechs Nächte ein und lernten gleich Tim, den Besitzer kennen, welcher uns sofort mit massig Tipps für die kommenden Tage eindeckte. In Peking gibt es einfach so enorm viel zu sehen, dass man mit der Planung schon fast überfordert wird. Wir stellten eine provisorische Liste zusammen und zogen gleich durch die Hutongs, in denen sich unser Hostel befand. Hutongs sind lang gezogene Wohngassen in denen die einfachen Bürger Beijings wohnen und man das tägliche Leben der Bewohner hautnah miterleben kann. Wir fühlten uns jedenfalls wie ein Teil der Nachbarschaft. Einige der Hutongs stehen unter einer Art Denkmalschutz, andere hingegen wurden knallhart niedergerissen, um mehrspurige Strassen oder riesige Hochhäuser zu bauen. Auch viele Tempel wurden von der Regierung niedergerissen und als Kopie an einem anderen Ort wieder aufgebaut…

Am folgenden Tag besuchten wir den Konfuzius Tempel, die anschliessende Akademie und den beeindruckenden, tibetischen Lamatempel. Gegenüber fanden wir ein absolut grandioses, vegetarisches Restaurant mit Mittagsbuffet. Wir bedienten uns aus über hundert verschiedenen Gerichten und konnten für einmal den „was ist das wohl für Fleisch“-Gedanken ausschalten. Der Abstecher zum überdimensional grossen Bei Wai Park war dann wieder nicht so spektakulär. Man konnte um einen riesigen, künstlichen See herumlaufen und sonst irgendwelche nicht authentische Sehenswürdigkeiten besuchen oder andere Touristen beobachten. Am anderen Tag besuchten wir die massive verbotene Stadt (wirklich eine Stadt IN einer Stadt) und wurden regelrecht von asiatischen Touristen und Fahnen niedergeschlagen. Trotzdem war das ganze sehr eindrücklich und schön anzuschauen. Im Norden der Stadt zahlten wir spottbillige 2 Yuan Eintritt und schlenderten durch den Jingshi-Park, der für einmal das Wort Park verdiente. In der Mitte wurde der Schutt des im Bei Wai Park ausgehobenen Sees zu einem ansehnlichen Hügel aufgeschüttet und ringsherum beobachten wir das chinesische Volk Tai Chi oder Schwertkampf üben. Auch Kaligraphie wurde praktiziert, es wurde gesungen, getanzt, musiziert oder spektakulär eine chinesische Art des Diablos gespielt. Alte Frauen spielten Karten, chinesisches Schach oder Mahjong. Es war super die Leute zu beobachten und ehrlich gesagt ziehen wir solche Erlebnisse vielen Sehenswürdigkeiten vor. Auch nur auf den alten Strassen herumzuirren und die Stimmung in sich aufzunehmen erfüllt einem viel mehr als dutzende Yuan für den Besuch irgendwelcher nichts sagenden Orte zu bezahlen.

Zurück im Hostel kamen wir in den Genuss eines offerierten Abendessens vom Grill und lernten zwei andere Reisende kennen, mit denen wir einen Trip zu einem Teilstück der grossen Mauer planten. Am nächsten Morgen brachen wir um 6 Uhr Richtung Busstation auf und fanden uns dank der chinesisch sprechenden Kollegin im richtigen Bus wieder. Eine Stunde später teilten wir uns ein Taxi zur Mauer und 50 Minuten später nahmen wir den Aufstieg in Angriff. Erschöpft standen wir endlich auf der chinesischen Mauer und ein weiterer Bubentraum ging endlich in Erfüllung. Ein erhabenes Gefühl übermahnte uns und wir waren stark von den Dimensionen der zum Teil sehr steilen Mauer beeindruckt. Das Teilstück war insgesamt etwa acht Kilometer lang und zum Glück nicht so touristisch wie andere Mauerüberreste. Mehrere Stunden wanderten wir von Turm zu Turm und genossen – trotz leichtem Regen und Nebel – die Aussicht.

Am anderen Tag besuchten wir den Art District Beijings wanderten durch grosse Industriegebiete in denen sich dutzende Gallerien versteckten. Schlussendlich ging es noch ab zum Olympia-Park, in dem wir das Vogelnest-Stadion bestaunten. Ein eindrückliches Gefühl vor diesem Riesenteil zu stehen!

Von Beijing nahmen wir den Expresszug, der uns in 4 Stunden und 55 Minuten, mit 303 km/h nach Shanghai fuhr. Es war schon fast ein bisschen krank wie schnell wir von der einen Megacity in die andere gelangten. In Shanghai residierten wir die letzten drei Tage in einem wunderschönen Youth Hostel, welches in einer alten Strasse lag und von glänzenden Wolkenkratzern überragt wurde. Wir zogen gleich los und bestaunten die futuristische Skyline Shanghais, die bei Nacht noch einen Tick heftiger ausschaute. Gegenüber lag der Bund, eine Ansammlung französischer Architektur mit Glockenturm und allem was dazugehört. Generell ist der Mix zwischen neuer und alter Bauweise sehr spannend anzuschauen. Den Rest der Zeit verbrachten wir mit schlendern, Einkaufen und Street Food essen. Ich weiss nicht wie oft wir bei dieser einen einfachen Strassenküche waren aber ich weiss, dass der Reis und die aus dem Wok gezauberten Nudeln astronomisch lecker waren, satt machten und mit 1 Dollar pro Portion super billig waren! Schliesslich schauten wir uns in einem überfüllten Irish Pub den EM-Final an und machten uns für die anstehende Schiffsreise bereit.

Am nächsten Morgen checkten wir am Hafen ein und bestiegen die 154 Meter lange Su Zhou, welche um 11 Uhr an der Skyline Shanghais Richtung Japan losfuhr. Andrea wurde gestern Abend seekrank, die vom Personal offerierten Seasick-Pillen helfen aber gut gegen die Übelkeit. Nun sind wir 24 Stunden unterwegs und das Wifi funktioniert ebenfalls. Wir befinden uns schon auf japanischem Territorium und sehen dutzende kleine Inseln an uns vorbeiziehen. In 22 Stunden ankern wir in Osaka und es geht in eine weiter Runde im pulsierenden Japan – wir freuen uns, aiai! :D

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Andrea

Andreas

Fliegende Feuerlöscher in Xi’an

Die Reise vom öden Guangzhou nach Hangzhou war gemütlich. Die Chinesin vom Ticketbüro gab uns eine Reisezeit von exakt 30 Stunden an und wir stellten uns dementsprechend darauf ein. Das Soft-Sleeper-Abteil war zwar teuer aber für eine solch lange Reisezeit war es uns das Geld mehr als wert. Im Bistrowagen schafften wir es dann sogar etwas Essbares zu bestellen und gaben uns den verdutzten Blicken der Chinesen hin. Am nächsten Morgen wurden wir von der schreienden Schaffnerin grob aus dem Schlaf gerissen, die 30 Stunden stimmten natürlich nicht und wir waren schon am Ziel angelangt. Wie die Irren packten wir unsere sieben Sachen zusammen und liessen uns aus dem Zug scheuchen. Total kaputt standen wir wie die letzten Penner ausschauend auf dem Perron und das Geglotze der Chinesen ging in eine neue Runde. Der liebe Taxifahrer fuhr dann einen schönen Umweg und anstatt der 12 Yuan mussten wir deren 100 berappen. Das Hostel war ziemlich schön gestaltet und lag direkt am Westlake, der zur Hauptattraktion von Yangzhou gehört. Zugegebenermassen ist der See ziemlich schön gestaltet, die chinesischen Touristenströme und billige, überteuerte „Sehenswürdigkeiten“ waren aber die Kehrseite der Medaille. Wir beliessen es bei einer kurzen Wanderung um den See und lungerten den Rest der Zeit im Hostel oder in der unsympathischen Innenstadt rum. Am letzten Tag goss es dann auch noch aus Kübeln und wir machten es uns im Pavillon mit ein paar Tsing Tao Bier gemütlich. Nach Guangzhou stellte sich auch Hangzhou als uninteressant heraus, weswegen in ein kleines „Reise-Tief“ fielen und uns die interessanten Zeiten zurückwünschten.

Um 2:30 Uhr klingelte dann der Wecker und ich machte mich schlaftrunken ins benachbarte Pub auf, um die Spiele Holland – Portugal, sowie Deutschland – Dänemark zu schauen. Das Pub war bevölkert von betrunkenen Holländern und dem lustigen noch betrunkener deutschen Geschäftsmann Gerd. Ich bestellte mir ein Tiger Bier und fünf Minuten später quatschte er mich auch schon an. Er wollte mir unbedingt das gute, deutsche Bier nahe bringen, worauf ich natürlich einging. Einige Minuten später stand ein ganzes Fass neben uns und der Abend endete wieder einmal sehr billig und mehr als amüsant für mich. :D

Wir entscheiden uns für eine Weiterreise in die ehemalige Hauptstadt Xi’an, die wir wieder sehr bequem innert 20 Stunden erreicht hatten. Das Shuyuan Hostel lag in einem unfunktionierten Wohnhof neben dem Südtor der gewaltigen Stadtmauer. Das begrünte und liebevoll gestaltete Hostel war das wohl schönste bis jetzt. In Xi’an selber hebte sich unsere Stimmung wieder, da erstens die Stadt lebendig und ansehnlich war und es zweitens viel zu sehen und unternehmen gab. Die berühmte Terrakotta-Armee war sehr interessant und eindrücklich. Auf die Stadtmauer machten wir einen kurzen Abstecher und im muslimischen Viertel verloren wir uns in den belebten Gassen zwischen Snackständen, Souvenierläden und komisch ausschauenden Fleischstücken. Der Pandaausflug war dann aber eine kleine Katastrophe. Man versprach uns einen Besuch in das Forschungs- und Aufzuchtzenter bedrohter Tierarten, bekommen haben wir dann aber einen verwahrlosten, hässlichen und traurig ausschauenden „Zoo“, der uns ordentlich die Stimmung versaute. Die Chinesen haben wohl eine etwas andere Ansicht, wie man Tier artgerecht hält und eine Reise nach Chengdu in die Panda-Zuchtstation wäre wohl doch besser gewesen. Immerhin konnte ich andere Travellers davon überzeugen sich diesen jämmerlichen Ort nicht anzusehen.

Zurück in Xian brannte uns die Sonne auf den Schädel und wir flüchteten in ein ulkiges Restaurant, in dem ich ein Gericht bestehen aus einer einzigen 3.8 Meter langen Nudel bestellte. Dieses Ding zu essen war ziemlich gewöhnungsbedürftig und die aggressive chinesische Grossmutter vom Nebentisch (jaja wir habens irgendwie mit alten, bösartigen Frauen) verdarb mir den Appetit. Am Abend stand ich wieder auf und zog mir das Deutschland – Griechenland Spiel im Aufenthaltsraum rein und amüsierte mich ab den andauernd einnickenden Deutschen und den Chinesinnen, die irgendwie jede Szene als Anlass zum wild kichern nahmen. Vor dem Hostel kriegten sich betrunkene, chinesische Prolls mit zwei Amerikanern (hmm…) in die Haare und sie fanden, dass sie den Streit neben uns in der Lobby fortsetzen wollten. Resultat waren fliegende Stühle, Glasflaschen, Backsteine und Feuerlöscher (was lauft eigentlich???). Wir gingen in Deckung und die Deutschen waren endgültig wach. Der eine Chinese entschuldigte sich dann mehrmals für das Fehlverhalten seiner Landsmänner. Egal, vielen Dank an die Spasties, die uns die Stimmung versauten.

Irgendwie ist immer was los und die nächste Zeit wird wohl nicht anders. Heute Abend stürmen wir Peking und haben mal vorsorglich sechs Nächte in der Hauptstadt gebucht. Bald stehen wir endlich auf der Mauer – es wird Hammer!

Hong Kong, we like!

Die letzten Tage in Yangshuo verbrachten wir rotzend und hustend, weswegen wir keine Lust bzw. Kraft für irgendwelche Velotouren hatten. Zum Glück gabs elektrische Motorräder, mit denen man lautlos und sehr grün durch die Gegend fahren kann. Wir organisierten einen Guide und machten uns auf den Weg Richtung Pampa. Die Landschaft bestehend aus Kalksteinfelsen und giftgrünen Reisfeldern war schlicht atemberaubend schön und wir wollten mehr davon sehen! Leider wollte uns „Kevin“ (die Chinesen geben sich gerne selbst englische Namen) zu zahlreichen, langweiligen 0815-Touristenattraktionen führen, was wir aber jedes mal dankend ablehnten. Frustriert kehrten wir in die Stadt zurück und verbrachten den Rest des Tages auf dem Dach unseres Hostels. Am Abend wurden wir von einigen chinesischen Schulmädchen zu einer „Party“ eingeladen, die von einer Sprachschule veranstaltet wurde. Spontan gingen wir vorbei und wurden überrannt von jungen Chinesinnen, die mit uns reden und Fotos machen wollten. Wir posierten für gefühlte 1000 Fotos und probierten ihnen zu erklären, wo die Schweiz ist bzw. Schweden wo anders liegt. Das Englisch der Chinesen ist wirklich sehr begrenzt aber immerhin bemühten sie sich, was zu amüsanten Situationen führte. Als ich nach Bier fragte, drückte mir eine gleich vier Grosse in die Hand und fragte, ob ich noch mehr wolle, toller Abend wie man sich denken kann. :)

Am nächsten Abend gings dann endlich ab nach Hong Kong! Wir nahmen in viel zu kleinen Schlafkojen eines Nachtbuses Platz und liessen uns zur Grenze in Shenzhen fahren. Dort mussten wir aus China ausreisen und die Grenze nach Hong Kong passieren. Die Fahrt mit dem Shuttle Bus Richtung Kowloon bot die perfekte Einstimmung auf die bevorstehenden Tage. Über den wachsenden Wolkenkratzern ging die Sonne auf, grosse Frachter wurden mit Containern beladen und als wir eine riesige Brücke passierten, lief uns der Sabber nur noch runter. Da die Stadt lächerlich teuer ist, suchten wir uns eine der billigsten Unterkünfte aus und zahlten etwa 24 Franken (!) pro Nacht. Als Gegenleistung bekamen wir die wohl kleinste und schäbigste Unterkunft, die wir auf dieser Reise je hatten. Ganze 7 Quadratmeter (einer davon war das Bad) waren für die nächsten vier Tage unser „Reich“, was mit der Zeit sehr aufs Gemüt schlug. Zum Glück waren wir den ganzen Tag in der Stadt unterwegs und verbrachten so wenig Zeit wie möglich in diesem Drecksloch…

Hong Kong selber war der absolute Wahnsinn und unterscheidet sich extrem vom Rest Chinas. Viele Leute sprechen Englisch, die Stadt hat mit dem Hong Kong Dollar eine eigene Währung und die Regierung bzw. Verwaltung ist ebenfalls eigenständig. 80% des Gebietes ist bewaldet und dazwischen erstreckt sich eine der schönsten Skylines der Welt. Wir fuhren mit dem Schiff vom Kowloon District nach Central, nahmen den Bus zum Peak hoch und genossen einen unglaublichen Blick auf die ganze Stadt. Von Central fuhren wir mit der längsten Rolltreppe der Welt 800 Meter (in 20 Minuten) hoch in die Mid-Levels und liefen zeitig zur Happy Hour nach Soho runter. Am Abend lieferte die Skyline jeweils um 20:00 Uhr eine imposante Licht- und Lasershow, bevor ich dann in irgendwelchen Pubs überteuertes Bier trank und dazu Federer bzw. um 24:00 Uhr das EM-Spiel schaute.

Leider mussten wir weiterziehen und nahmen den Zug nach Guangzhou in der wir bist jetzt festsitzen. Am ersten Abend schaute ich mir Maybeshewill im S.D. Livehouse an und amüsierte mich  ab dem etwas eigenartigen Konzertverhalten der chinesischen Post Rock Fans. Nach dem Konzert trank ich mit der Band noch ein paar Bierchen und lies sie von ihrem Gig im KiFF schwärmen. Am nächsten Tag hatten wir die Furzidee eine 40-stündige Zugfahrt nach Chengdu zu buchen, was wir dann noch einmal überdachten und in einer stundenlangen Odysee das Ticket stornieren liessen. Da alle Nachtzüge in jede erdenkliche (Hochsaison sei dank!) Stadt ausgebucht sind, bleiben wir jetzt schon die dritte Nacht in dieser langweiligen Stadt und verbringen die Tage mit Nichtstun. Morgen hauen wir aber endlich ab und nehmen den Zug nach Hangzhou wo es wieder interessanter werden sollte.

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Andrea

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We are in China Baby!

So es wird wieder mal Zeit für etwas Geblogge. Wir sind nun schon seit einiger Zeit im gigantisch grossen China und ja, es gefällt bis jetzt! Der Grenzübergang per Zug war kein Problem. Etwa um 2:30 Uhr weckte uns der Schaffner und wir mussten bei der vietnamesischen Grenzkontrolle antraben. Nach ca. einer halben Stunde Warten fuhren wir weiter. Bei der chinesischen Grenze wurde unser Gepäck geröntgt, der Einreisezettel beantwortet und Visa kontrolliert – alles easy going! Sich auf chinesischem Boden zu bewegen war bzw. ist schon etwas spezielles, immerhin war es ein Bubentraum von mir. Der Start in Nanning war sprachlich und kulinarisch sehr holprig. Da es wenige bis gar keine Strassenstände gab, waren wir auf der Suche nach einem Restaurant mit englischer Speisekarte, was sich als sehr schwer herausstellte. Mit knurrendem Magen wurden wir dann doch noch fündig und betraten ein grösseres, chinesisches Restaurant. Beim Anblick der Speisekarte ging uns dann der Laden runter: Gerichte mit Schweineblut, Taube, diverse Abartigkeiten aus dem Meer, Ochsenpenis, Würmer und andere sehr merkwürdige Sachen standen auf der Karte. Wir bestellten etwas, das einigermassen normal aussah, probierten ein wenig und verliessen das Restaurant im Eilschritt. Nach weiterem herumirren fanden wir uns mit grossem Schamgefühl in einer Filiale mit dem gelben „M“ wieder und stillten unseren Hunger. Never again, schwuren wir! Den Rest des Abends verbrachten wir mit einem Sixpack Bier in einem Park und liessen uns von verwundert dreinschauenden Chinesen begaffen. Es ist echt erstaunlich wie wir auf den Strassen angeglotzt werden. Kichernde chinesische Schulmädchen staunen über meine Grösse und fragen ob ich ein Künstler sei (lange Haare, Bart etc.). Dem einen Typen habe ich angegeben, ich sei ein Painter, Singer und Racecar-Driver. Ohne zu zögern werden wir heimlich oder nicht so heimlich fotografiert und auf Chinesisch bequatscht. Ausserdem spucken die mehrheitlich älteren Leute in jede Strassenecke und man hört es schon von weitem rotzen. Die jüngere Generation findet dies eklig und lässt es sein. Auf jeden Fall sind die Chinesen bis jetzt ein sehr spassiges Volk.

Von Nanning gings dann weiter in die berühmte Stadt Guilin mit ihren zahlreichen Kalksteinfelsen. Wir quartierten uns in einer netten Jugendherberge ein und staunten über ärgerten uns über drei Tage Schmuddelwetter. Viel gemacht haben wir nicht in dieser Zeit. In einem Park schauten wir asiatischen Reisegruppen mit Fähnchen und einheitlich gefärbten Kappen zu und sahen einen Mann Kois mit einer Babyflasche füttern, was ein ziemlich schräger Anblick war. Die Wanderung auf den höchsten Punkt eines Kalksteinfelsen war auch noch drin und abschliessend guckten wir uns die Hügel auch noch per Bambusschiff an. Eigentlich wollten wir per Boot von Guilin nach Yangshuo reisen, waren dann aber Teil einer 30-köpfigen Reisegruppe. Dies war etwa das Letzte, was wir wollten, Rückzug war aber nicht mehr möglich. Der pseudolustige Reiseführer nervte uns während einer 90-minütigen Busfahrt mit seinem Gequatsche und als er sagte man habe an diesem und diesem Punkt fünf Minuten Zeit möglichst viele Bilder zu knipsen, stöpselte ich den iPod ein und liess Led Zeppelin sein Gefasel übertönen.

Endlich in Yangshuo angekommen verschlug uns die Sicht von der Terrasse unseres Youth Hostel die Sprache! Alte Hausdächer werden von einer episch ausschauenden Formation Kalksteinfelsen überragt und in Kombination mit aufkommendem Nebel verschlägt es einem die Sprache! Ich verlängerte unseren Aufenthalt auf vier Nächte, auch wenn man hier wohl Monate verbringen könnte. Andrea wurde krank und somit mussten wir unseren Fahrradtrip aufs Land verschieben. Hoffentlich klappt es morgen, denn die Landschaft rund um Yangshuo muss fantastisch sein! Zum Glück haben sie in den örtlichen Apotheken Listen mit auf Englisch geschriebenen Symptomen, auf die man zeigen und danach zwischen chinesischer oder westlicher Medizin entscheiden kann.

Wir trafen unseren Kollegen aus Amsterdam wieder, mit dem ich gestern Abend durch die Strassen zog. Nach einigen Bars fanden wir uns in einem der zahlreichen Clubs wieder und prosteten den Chinesen. Irgendwie fanden man die beiden Westler (die einzigen im Lokal) so toll, dass uns der halbe Club tonnenweise Getränke zahlte und man von der einen Trinkrunde zur nächsten pilgern konnte. Irgendwann artete es aus und man zog uns auf die Bühne mit der Poledance-Stange, wo der DJ die beiden Trunkenbolde aus dem Westen ankündigte und schliesslich der halbe Schuppen mit uns lächerlich ausschauende Dancemoves austauschte. Sie standen Schlange um mit uns Fotos zu machen und die High-Fives flogen nur so durch die Luft. Nach zwei Stunden wechselten wir den Club, ich ging kurz aufs Klo und als ich zurückkam, stand der Dutchman schon wieder wild tanzend auf der Bühne und das ganze ging von vorne los. Heute ist auf jeden Fall bierfreier Abend angesagt. :)

Die nächsten zwei Tage werden auf dem Fahrrad verbracht, bevor wir dann weiter nach Hong Kong und Macau reisen. Mittlerweile wissen wir auch wie unsere ungefähre Reiseroute ausschaut aber das Land ist einfach viel zu gross, um sich wirklich entscheiden zu können, wo man hin will.

Bis bald!

Ps: Bilder folgen dann irgendwann mal.