Freitag, 15. Dezember 2017
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Das richtige Reiseprofil – je länger, desto günstiger

Die Länge einer Reise bestimmt massgeblich ihren Preis und ihren Rhythmus. Die idealtypischen Reiselängen sollte man schon bei der Planung berücksichtigen.

Wer für zwei Wochen ins Ausland fährt, wird kaum seine Wohnung aufgeben und alle seine Möbel verkaufen. Wer ein Jahr lang unterwegs ist, dürfte kaum für jede Nacht das Hotel vorausbuchen. Hier listen wir die vier idealtypischen Reiselängen auf und geben Tipps, wie man sich vorbereitet.

Bis zu einem Monat. Das Zeitfenster ist in der Regel durch die maximale Urlaubslänge in einem Betrieb gegeben. Diese liegt in der Regel bei vier Wochen. Eine Weltreise ist in einer so kurzen Zeitspanne selten sinnvoll. Aber ein bis zwei Länder/Regionen kann man in dieser Zeit problemlos besuchen.  Kombinationen wie Laos/Kambodscha, Nordindien/Nepal, Zentralamerika, Mexiko usw. bieten sich an. Bei einer solchen Reise möchte man vor allem schnell und effizient reisen, um in der kurzen Zeit möglichst viel zu sehen. Auf Grund meiner eigenen Reiseerfahrungen  würde ich für solche Reisen folgende Tipps geben:

  • Wer einen Gabelflug wählt, kann oft einen Teil der Rückreisezeit und -kosten sparen. Zum Beispiel Hinflug nach Tokyo, Rückflug ab Osaka. Wer dies bei verschiedenen Ländern tut (Hinflug Bangkok, Rückreise Singapur) sollte sich über die Einreisebestimmungen erkunden. Viele Länder fordern ein Rück- oder Weiterreiseticket.
  • Viel Zeit verliert man bei der Suche nach Hotels. Wer im vorausbucht, kann zwar mehr sehen, ist aber auch weniger flexibel.

Versicherungen sind in der Regel kein Problem. Für wenige Franken kann man für solche kurzen Zeitspannen auch Auslandszusatzversicherungen kaufen. Grösster Kostenfaktor ist der Flug, die Lebenshaltungskosten sind in vielen Regionen tiefer als in Europa. Da man sich in der Regel auf eine einzige Klimazone beschränkt und seine Reisepläne bereits kennt, muss man vor Ort selten Kleider und Ausrüstung dazukaufen.

Bis zu vier Monaten. Dies ist das klassische Zeitfenster von Studenten in den Semesterferien, manchmal ist es auch die Länge, die einem bei einem unbezahlten Urlaub zur Verfügung steht. In dieser Zeit kann man problemlos ein grösseres Land besuchen (Indien, USA, Australien, China, Russland) oder eine längere Überlandreise in Angriff nehmen. Etwa von Europa nach Indien, von Bangkok nach Peking, von Quito nach Buenos Aires. Auch hier ist ein Gabelflug eine günstige Option. Begünstigt wird diese Zeitdauer auch dadurch, dass Flugtickets mit einer Gültigkeitsdauer von 90 Tagen oft erheblich preiswerter sind als Jahrestickets. Da bei drei Monaten die Lebenshaltungskosten plötzlich eine Rolle spielen (die Wohnung muss ja in der Regel weiterhin bezahlt werden, wenn man keinen Untermieter findet), ist plötzlich sparen angesagt: Busse statt Inlandflüge, günstige Hotels (Alleinreisende gehen oft in Massenschlafsäle) und in teureren Regionen sind auch Nachtbusse eine Option, um ein Hotelnacht zu sparen. Auch muss man nicht jeden Tempel gesehen haben. Da man nicht alles von zu Hause aus organisieren kann, sollte man ein paar Organisationstage einrechnen. Dies etwa, um weitere Visa einzuholen oder die Weiterreise zu organisieren – oder ganz einfach um die Wäsche trocknen zu lassen. Auch sollte man damit rechnen, dass man ein paar Tage lang krank sein kann.

Rund ein Jahr. Dieses Zeitfenster ist in der Regel durch die Maximallänge von Flugtickets vorgegeben. Eine solche Reise kann man entweder in ein/zwei Freisemester in der Uni verpacken, in einen längeren unbezahlten Urlaub legen oder zwischen zwei Jobs. Da man in der Regel den nächsten Job schon auf der Reise zu suchen beginnt, sollte man seine Bewerbungsunterlagen zumindest in digitaler Form mitführen und genügend Geldmittel für den Wiedereinstieg zu Hause bereit zu haben. In dieser Zeitspanne lassen sich Weltreisen problemlos bewerkstelligen, wobei viele Reisende dazu neigen, sich ein paar Subregionen auszusuchen: Australien (drei Monate) und anschliessend von Südostasien (drei Monate) über China und Tibet (zwei Monate) nach Indien (vier Monate) oder ähnliches. Da man zeitlich ausgesprochen flexibel ist, kann man problemlos an einem schönen Ort ein paar Wochen bleiben.

Kosten werden bei solchen Langzeitreisen ein tragender Faktor. Bei einem Jahr macht es Sinn, die Wohnung aufzulösen oder einen Untermieter zu suchen und Verträge (Handy, Zeitungsabos) frühzeitig zu künden. Wer sich in seiner Heimatgemeinde abmeldet, kann Handyverträge, Zeitungsabos und Versicherung auch ausserplanmässig künden. Nachteil ist, dass man nicht mehr die obligatorische Grundkrankenversicherung abschliessen kann, sondern auf teurere Auslandskrankenkassen angewiesen ist. (Ein kleiner Tipp für die Schweizer Leser: Soliswiss)

Langzeitreisende laufen die Gefahr, ein zu tiefes Budget bzw. eine zu lange Reisedauer zu einzuplanen. Sie versuchen dann auf der Reise möglichst zu sparen. Tipp: lieber einen Monat früher nach Hause gehen, als sich eine Reise kaputtzusparen und dauernd schlecht gelaunt zu sein, weil man sein Budget überstrapaziert hat.

Unbegrenzt. Manche Menschen sehen ihren Lebenssinn im Reisen und planen keine Rückkehr. Eine solche ist spätestens nach ein paar Jahren unterwegs auch kaum mehr möglich. Zum einen wird man sich nur schwer an den Arbeitsalltag gewöhnen können zum anderen findet man auch kaum noch Arbeitsstellen. Es wird deshalb zu einer Option unterwegs Geld zu verdienen . Das kann etwa Fruitpicking in Australien sein, aber oft bieten sich auch andere Gelegenheiten. Wer länger an einem Ort bleibt und ein soziales Netz aufbaut, wird etwas finden können. Viele Leute unterrichten ihre Sprache, Arbeiten als Übersetzer oder als Webdesigner. Wer sein Paradies gefunden hat, spielt auch oft mit dem Gedanken, dort eine Existenz zu gründen und etwa ein Restaurant oder ein Guesthouse zu gründen.