Freitag, 15. Dezember 2017
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Zu Besuch in der Hauptstadt der Eisbären

Wilde Eisbären überqueren eine Straße bei Churchill.
Wilde Eisbären überqueren eine Straße bei Churchill.


Kanada ist das Paradies für Tier-Beobachter. Hier ist eines der seltensten und eindrucksvollsten Tiere des Nordens zu Hause: Der Eisbär. In Churchill, Manitoba, kann man die großen weißen Bären auf einer Safari aus nächster Näh
e bestaunen.

Ein eisiger Wind weht über die verschneite Tundra. Er pfeift durch die Fensterritzen unseres Tourbusses. Tourleiterin Lindsay Hurst sitzt selber hinter dem Lenkrad, die dicke Wollmütze hat sie noch immer nicht abgenommen. Mit Adleraugen sucht sie die weiße Landschaft ab. Plötzlich hält sie und weist erfreut in die Ferne. Alle springen mit gezückter Kamera auf und drängen sich an die Fenster auf der linken Seite. Die Heizung ist nun unwichtig und die Kälte egal: Etwa 30 Meter von uns entfernt steht ein Eisbär hinter einer Schneewehe und schaut uns an.

Churchill in der südkanadischen Provinz Manitoba bezeichnet sich voller Stolz als „Eisbärenhauptstadt der Welt“. Zu Recht. Das nur 800 feste Einwohner zählende Dorf am Rande des Hudson Bay liegt auf der Wanderroute der bedrohten Riesen. Jeden Winter im November, wenn alles Wasser langsam zuzufrieren beginnt, machen sich die hungrigen Tiere auf den Weg zu der riesigen Meeresbucht. Einen Sommer lang haben sie gefastet, geruht, und fast nichts gegessen. Nun versammeln sie sich auf dem Meer um die wenigen verbleibenden Luft- und Eintauchlöcher und jagen Robben.

Ein Eisbär untersucht das Fenster unseres Tourbusses.
Ein Eisbär untersucht das Fenster unseres Tourbusses.

„Der November ist die beste Zeit, um die Bären zu beobachten“, erklärt Hurst, Tour-Guide der Lazy Bear Lodge. „Trotzdem braucht es ein geübtes Auge und etwas Glück, um die Tiere zu sichten. Man weiß nie genau, ob und wo man sie treffen wird.“ Wir hatten dieses Glück: Auf unserer zirka sechsstündigen Rundfahrt entlang des Hudson Bay gelang es uns, insgesamt acht Eisbären zu erspähen.

Am frühen Nachmittag nähert sich eine kleine Gruppe der Tiere neugierig dem Bus. Schließlich stellt sich einer von ihnen auf die Hinterbeine, stemmt die Pranken gegen die Scheibe und späht zu uns hinein – der Traum eines jeden Churchill-Reisenden! Lindsay beobachtet zufrieden das Geschehen. „Sie sind neugierig, und die meisten haben keine Angst vor uns“, sagt die junge Kanadierin. „Der Eisbär hat keine natürlichen Feinde. Er ist das größte Landraubtier der Erde.“

So gemütlich, tollpatschig und zutraulich, wie die weißen Teddys wirken, ist das schwer vorzustellen. Doch unter dem kuscheligen weißen Pelz, den großen, dunklen Augen und der schwarzen Nase versteckt sich ein kräftiges Gebiss, und an den tapsigen Füßen lauern scharfe, lange Klauen. „Deshalb habe ich immer das Gewehr dabei“, erzählt Lindsay weiter. „Sicherheit geht vor.“

Auch Churchill selbst ist mit zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen bedacht. Denn in der Stadt haben die Eisbären trotz aller Liebenswürdigkeit nichts verloren. Tag und Nacht ist hier in schwarzen Pickup-Trucks die „Bear Patrol“ unterwegs, eine Überwachungs-Einheit, ausgerüstet mit Schreckschusswaffen und Betäubungsgewehr. Nähert sich ein Eisbär der Stadt immer wieder, kommt er ins „Bear Jail“, das Bären-Gefängnis. Dies ist auf unserer Bären-Safari die nächste Station.

Von außen sieht das Gebäude sehr unscheinbar aus, eher wie eine Lagerhalle oder ein Flugzeug-Hangar abseits der Stadt. „Das Bären-Gefängnis ist eine legale Auffangstation, in der die aufsässigen Tiere bis zum Beginn der Robbenjagd-Zeit gefangen gehalten werden“, kommentiert Lindsay. „Im November werden sie dann per Hubschrauber an einen weit von der Stadt entfernten Ort geflogen und zurück in die Wildnis entlassen.“

Als nächstes gibt es warmen Punsch und Suppe – allerdings nicht in der Gegenwart der Eisbären. Denn eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Sicherheit in Bärengebieten ist, die Tiere nicht zu füttern oder Erwartungen auf Futter zu wecken. In Churchill gibt es deshalb ausschließlich bärensichere Müllcontainer, bei denen man mit der Hand in eine Metall-Kammer greifen und einen Hebel betätigen muss, damit sie sich öffnen. Ist ein Bär erst einmal auf den Geschmack gekommen, muss er meist erschossen werden. „Ein gefütterter Bär ist ein toter Bär“, besagt ein kanadisches Sprichwort.

Praktische Tipps für die Reise:

Beste Reisezeit: Ende Oktober/November

Vorbereitung: Information über die allgemeinen Regeln für Begegnungen mit Bären, frühzeitige Buchung einer Unterkunft

Anreise: nur per Zug oder Flugzeug möglich, meist von Winnipeg aus

Ausrüstung: rundum windfeste Winterkleidung, Kälteschutz für das Gesicht

Die beste, jedoch auch teuerste Eisbären-Safari bietet „Tundra Buggy Tour“. Der Anbieter hat als einziger die Lizenz, in das Eisbären-Schutzgebiet hinein zu fahren.

Über Rebekka Steltzer

Hallo!
Ich bin 21 und wohne bei Leipzig.
2010 bis 2011 hab ich ein work&travel-Jahr in Kanada verbracht, was meine erste große, ferne Reise war, sowie meine erste Reise allein. Dadurch bin ich nun ziemlich auf den Geschmack gekommen, und habe mir für die Zukunft etliche weitere Länder vorgenommen, zum Beispiel Ecuador im Frühjahr 2013.
Solche Erfahrungen möchte ich mit der Welt teilen und andere Leute animieren, so etwas auch mal zu machen. Deshalb bin ich hier :-)

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