Freitag, 15. Dezember 2017
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WWOOF: Mittendrin im Leben

WWOOF (World Wide Opportunities on Organic Farms) bietet mittlerweile in 93 Ländern die Möglichkeit, gegen Kost und Logis zu arbeiten. Tendenz steigend.

Erleben, statt bloß bereisen: Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, unterwegs ihre Arbeitskraft gegen Kost und Logis zu tauschen. Wwoof ermöglicht es Reisenden mittlerweile in über 90 Ländern, das Leben in fremden Kulturen aus erster Hand kennenzulernen. 

Was wäre ein Land ohne die Menschen, die in ihm leben? Wenn wir reisen, interessiert uns stets auch die Kultur eines Landes. Wir möchten wissen, wie die Leute leben und wie es ihnen geht. Ob sie reich sind oder arm, zufrieden oder besorgt. Was für Feste sie feiern und welche Traditionen sie pflegen. Doch um wirklich zu verstehen, was das Leben der Menschen prägt, muss man unter sie gehen. WWOOF (kurz für: World Wide Opportunities on Organic Farms) bietet diese Möglichkeit.

Wir treffen Anna aus Berlin und ihre japanische Mitbewohnerin Ikumi im kanadischen Ottawa. Die beiden Frauen leben eigentlich bei einer Gastfamilie in der Vorstadt, doch heute nutzen sie den Tag, um sich das Zentrum anzuschauen. „Wir wohnen auf einer großen Farm mit Pferden, Hühnern und Gänsen“, erzählt Anna. Den Hof hat sie über die Organisation WWOOF gefunden. Der Suche ist einfach: Sowohl Freiwilligen, die eine Arbeit suchen, wie auch die organischen Bauernhöfe, die Hilfe suchen, erstellen ein Profil, auf dem sie sich vorstellen. Helfer können eine umfangreiche Kartei durchstöbern und mit den Besitzern von interessanten Farms in Kontakt treten.

Neue Bekanntschaften

Die beiden Frauen haben sich erst vor etwa einer Woche kennengelernt. „Anna war schon fast einen Monat dort, als ich hier ankam. Anfangs gab es ein paar Verständigungsschwierigkeiten, aber jetzt kommen wir sehr gut miteinander aus. Wir teilen uns sogar einen Wohnwagen“, erzählt Ikumi. Die junge Frau ist Anfang dreißig und nimmt sich eine berufliche Auszeit, um ihr Englisch zu verbessern.

Anna dagegen ist erst zwanzig, neugierig und temperamentvoll. Sie möchte noch etwas von der Welt sehen, bevor der „Ernst des Lebens“ beginnt, wie sie scherzhaft sagt. Die Farm in Ottawa ist bereits ihre dritte in Kanada. „Es ist eine hervorragende Art, das Land kennenzulernen. Die Gastfamilien integrieren einen komplett in den Alltag. Wir essen und arbeiten gemeinsam, sitzen abends beisammen oder unternehmen etwas. Dazu man bekommt wertvolle Insider-Tipps über die Umgebung. Außerdem spart man sich das Geld für die Unterkunft“, resümiert Anna.

Natürlich wohnt keiner umsonst auf der Farm. Als Gegenleistung für Speisen und Unterkunft helfen die WWOOFer der Familie fünf bis sechs Tage die Woche bei den anfallenden Arbeiten.„Das kann so ziemlich alles sein: Vom Stall ausmisten über Scheunen streichen bis hin zum Geschirr spülen oder Kinder betreuen“, erzählen unsere beiden. Somit profitiert nicht nur der Reisende vom WWOOFing. Viele Bauernhof-Besitzer holen sich Helfer, wenn die erwachsenen Kinder ausziehen oder ein Familienmitglied krank wird und sie die anfallende Arbeit nur schwer bewältigen könnten. In WWOOFern finden sie nicht nur Arbeiter, sondern auch interessante Bekanntschaften aus aller Welt, die neuen Schwung in den Alltag bringen.

Englisch lernen auf dem Bauernhof

WWOOF gibt es nicht nur in Kanada. In diesem Jahr nahmen insgesamt über 95 Länder an dem Programm teil, davon haben 52 eine eigene WWOOF-Community. Die Zahl der Gastfamilien wird auf bereits über 8000 geschätzt. Sehr beliebt bei Reisenden sind englischsprachige Länder wie Kanada, die USA oder Neuseeland. Aber auch Asien und Südamerika gewinnen mehr und mehr an Popularität.

John Cant, Pressesprecher von WWOOF, begründet den ständigen Wachstum der Organisation mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation weltweit: „Viele Leute werden entlassen oder können keine bezahlte Arbeit finden, also suchen sie nach etwas anderen, was sie mit ihrem Leben anfangen können.“ WWOOF sei außerdem auch eine kosteneffiziente Möglichkeit des Reisens und Lernens. „Es ermöglicht den kulturellen Austausch und eine Nähe zum Reiseland, die man als gewöhnlicher Tourist kaum erleben kann. Viele Leute berichten von lebensverändernden Erfahrungen und erzählen ihren Freunden davon – die beste Form der Werbung!“

Dies bestätigen uns auch die zwei WWOOFerinnen. „Am schönsten ist für mich, dass ich hier nicht nur mein Englisch verbessere, sondern auch viel über das Land lerne“, meint Ikumi zum Abschluss. „Ich freue mich schon auf Thanksgiving. Dann darf ich beim Zubereiten des Truthahns helfen. Dafür musste ich allerdings versprechen, dass es an einem Abend mal Sushi gibt.“

Über Rebekka Steltzer

Hallo!
Ich bin 21 und wohne bei Leipzig.
2010 bis 2011 hab ich ein work&travel-Jahr in Kanada verbracht, was meine erste große, ferne Reise war, sowie meine erste Reise allein. Dadurch bin ich nun ziemlich auf den Geschmack gekommen, und habe mir für die Zukunft etliche weitere Länder vorgenommen, zum Beispiel Ecuador im Frühjahr 2013.
Solche Erfahrungen möchte ich mit der Welt teilen und andere Leute animieren, so etwas auch mal zu machen. Deshalb bin ich hier :-)

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