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Wechat: Diese soziale App solltest du auf deiner nächsten Reise ausprobieren

Mit der Funktion "Shake" kannst du auf WeChat im Handumdrehen Menschen auf der ganzen Welt kennenlernen. Foto: Nadine Zwahlen
Mit der Funktion „Shake“ kannst du auf WeChat im Handumdrehen Menschen auf der ganzen Welt kennenlernen. Foto: Nadine Zwahlen

WeChat ist daran, die Welt der Instant Messangers aufzurollen. Kein Wunder: Die chinesische App funktioniert einwandfrei und ist ungleich innovativer als Whatsapp, Viber oder Skype. Wieso gerade Weltreisende diesen Handyhelfer unbedingt einmal testen sollen, erkläre ich euch in diesem Beitrag.

Eindrückliche Bauwerke, atemberaubende Landschaften und bedeutende Kulturgüter: Sie machen einen bedeutenden Teil des Reisens aus. Doch ob wir unsere Trips als gelungen empfinden oder nicht, hängt massgeblich von etwas anderem ab: Den Menschen, denen wir unterwegs begegnen. Wer an allen Ecken über den Tisch gezogen wird, hat mit Sicherheit einen schlechteren Eindruck von einer Stadt als jemand, der tolle Bekanntschaften schliessen konnte oder vielleicht sogar die Liebe seines Lebens fand.

Nur: Kontakte zu Einheimischen finden, das fällt nicht jedem gleich leicht. Digitale Helfer zu verwenden, ist keine Schande. Im Internet gibt es neben den mehr oder weniger anrüchigen Dating-Plattformen auch zahlreiche unverbindlichere Kontaktbörsen, wo sich Reisende und Einheimische kennenlernen können. Couchsurfing und Hospitality Club sind darunter wohl die bekanntesten.

Heute möchte ich wieder an die Reihe Handy auf Reisen anschliessen und euch eine App vorstellen, die mich auf meinen Reisen total überzeugt hat: WeChat. Dabei handelt es sich um einen relativ neuen Instant-Messanger fürs Smartphone aus China. Doch anders als WhatsApp, Viber oder Skype verfügt WeChat über eine Reihe grandiosen Zusatzfunktionen, welche gerade für Reisende interessant sein können.

Integrierte Kontakt-Plattform

WeChat geht weiter als jede andere Chatanwendung, die ich bisher ausprobiert habe. Wer sich gerade irgendwo am Busbahnhof langweilt und sein Smartphone dabei hat, kann die Funktion „Shake“ verwenden. Dabei werden automatisch Kontakte zu anderen Anwendern vorgeschlagen, die ebenfalls gerade irgendwo auf der Welt ihr Handy schütteln. Dabei achtet das Programm auf eine gute geographische Durchmischung. Während bei meinen Tests im Reich der Mitte hauptsächlich Anwender ausgegeben wurden, die sich ebenfalls in China befinden, erschienen bei meinen Tests in Europa Menschen aus allen Ecken der Welt.

Um allerdings real Menschen kennenzulernen ist die Funktion „Look Around“ praktischer, da diese Kontaktsuchende nach ihrer Distanz sortiert. Ich kann also sehen, wer in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometer gerade die gleiche Funktion verwendet. In der Schweiz und wohl auch in den anderen deutschsprachigen Ländern funktioniert diese Funktion bisher erst sehr begrenzt. Bei meinen Tests in Basel konnte ich jeweils zwischen drei bis zehn Nutzer finden, die sich als nicht besonders kontaktfreudig erwiesen. Aber sowohl in China wie auch in vielen anderen asiatischen Ländern wie Indonesien oder Malaysia ist die App sehr weit verbreitet und man kann recht schnell jemanden finden, der Lust hat, ein Bier trinken zu gehen.

Ich fand die Funktion „Look Around“ jedoch auch noch aus einem anderen Grund hochspannend. Da jeder Nutzer neben seinem Foto auch einen Slogan eingeben muss, erlauben die Suchergebnisse einen interessanten Einblick ins Reiseland. In Indonesien fand ich beispielsweise zahlreiche religiöse Botschaften wie „I love Jesus“ oder „Allah is with me“. Im Macao mit seinen Casinos und dem schnellen Geld zeigten sich vor allem leicht bekleidete Damen mit ihren Telefonnummern.

Die integrierte Wall

WeChat verfügt standardmässig über eine Timeline, wie wir sie von Facebook kennen. Auf ihr kann  jeder Statusmeldungen anbringen oder Fotos veröffentlichen. Wie bei Facebook lassen sich die Bilder kommentieren oder „liken“, wobei ein Herz den hochgehaltenen Daumen ersetzt hat.

Im Gegensatz zu Facebook hat WeChat jedoch eine strengere Privatsphäre: Wenn ich ein Foto eines Freundes kommentiere, dann können dies nur unsere gemeinsame Freunde lesen. Bei einem ausufernden Freundeskreis kann das zwar zu Verwirrung führen, da sich meine Bekannten natürlich auch zufällig und unabhängig von mir kennen können. Insgesamt erhält die Kommentarfunktion dadurch jedoch eine familiärere Atmosphäre.

Datensicherheit

WeChat wird von Tencent herausgegeben. Das ist ein grosser chinesischer Telekommunikationskonzern und als solcher steht er im Westen natürlich unter Verdacht, für die chinesische Regierung zu spionieren. Tatsächlich gibt es Anzeichen, dass dies geschieht. (Siehe dazu auch diesen Artikel bei der South China Morning Post). Wie allerdings die Enthüllungen von Snowden gezeigt haben, dürfte auch die Konkurrenz die Geheimdienste mitlesen lassen. WeChat ist kostenlos und bisher vollkommen werbefrei.

Nur einen wesentlichen Fehler konnte ich bei der App ausmachen: WeChat speichert nicht nur die Chatprotokolle auf dem Handy gespeichert, sondern auch sämtliche Bilder von den Walls der Freunde, sowie sämtliche Profilbilder, die man sich anschaut. Das führt dazu, dass sich im Verlaufe der Zeit jede Menge Datenmüll im Unterordner „Tencent“ ansammelt. Bei mir waren es nach einer fast einjährigen Nutzungsperiode etwa 400 Megabyte. Das heisst, nach einer Weile sollte man die App deinstallieren, vollkommen löschen und dann erneut wieder hochladen.

Update: Die Applikation Wechat wurde im Januar 2014 im Iran gesperrt. Grund: Sie erlaubt das unsittliche Chatten zwischen Männern und Frauen.

Lesetipp: Im meinen neuen Blog zum Reisen in China, gebe ich fünf Tipps zur besseren Nutzung von WeChat. Schau doch dort auch einmal rein!

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

8 Kommentare

  1. Ich verwende Weixin, wie WeChat in China heisst, ebenfalls. In China selber, wo die App ja eine Marktsättigung von fast 100 Prozent hat, gibt es bereits eine neue Version mit zwei wesentlichen Neuerungen: 1. Gibt es einen Stickershop, wie wir ihn vom japanischen Line kennen. Wenn du also besondere Smiley verschicken willst, kannst du solche für einen kleinen Betrag kaufen. 2. Gibt es neu ein Gamezentrum, wo du dich in Spielen mit deinen Kontakten messen kannst. Die Spiele habe ich selber noch nicht ausprobiert, aber ich glaube, einige davon sind kostenpflichtig. Dadurch entsteht eine grosse Erweiterung des Funktionsumfangs, die sich leider auch auf die bereits angesprochene Grösse der App auswirkt. Auch ich bin von Weixin begeistert, auch wenn im Westen teilweise sehr falsch berichtet wurde wie gerade vor ein paar Tagen auf tagesschau.de

  2. ich bin gerade beruflich in china und habe mir gleich nach der ankunft wechat installiert. ich finde es gibt nichts besseres um hier vor ort mit menschen in sozialen kontakt zu treten. habe so schon sehr sympatische menschen kennengelernt und auch mal zum essen getroffen oder die stadt besichtigt.
    toll ist auch die möglichkeit sparchnachrichten zu senden, wenn man keine lust zum tippen hat. whatsapp hat das ja nun vor kurzem auch entdeckt und in seine app integriert.

  3. Hallo Oli,
    vielen Dank fürs Folgen @social_stephan auf Twitter und für deinen Kommentar auf http://www.socialmedia-blog.net! Um Businesskontakte in China zu knüpfen, kann man heute auf WeChat eigentlich schon nicht mehr verzichten. Viele meiner Bekannten haben ihre WeChat-ID auf der Visitenkarte. Nicht nur das Networking läuft über Weixin hervorragend. Text- oder Sprachnachrichten über die App zu versenden ist zudem auch noch wesentlich günstiger als SMS oder Telefonieren.

    Gruß aus Shanghai!

    • Hi Stephan,

      ich habe den Eindruck, dass für Business-Kontakte QQ noch immer wichtiger ist als Wechat. Bei Taobao beispielsweise wird ja die QQ-ID angegeben und nicht die Wechat-ID. Aber vielleicht hat sich das ja in letzter Zeit geändert. Weibo hat ja auch in den letzten Jahre stark an Marktpräsenz verloren.

      Was bei WeChat praktisch ist: Du kannst deine Wechat-ID als QR-Code auf die Visitenkarte drucken lassen. Dadurch wird das mühsame Abtippen unnötig.

      Gruss,
      Oli

  4. Für eine Woche war ich an der Universität in HangZhou – da sollte ich auf Englisch unterrichten.
    Ausserhalb der Uni schloss ich Freundschaft in einem Laden.
    Da ich kein Chinesisch kann, wurde mir WeChat auf das Smartphone geladen – ich bekomme die Nachricht in chinesischen Zeichen, drücke mit dem Finger drauf, gehe auf „übersetzen“ und schwups, bekommen einen mehr oder weniger verständlichen Text auf Deutsch, von Google übersetzt.
    Auch Monate später dauert die Konversation so an, über 9000 km.
    我明白了

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