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Von Cairns nach Brisbane: Was ich sah und was ich verpasste

Einsamer Strand in Queensland: Nur meine Colaflasche und ich... Foto: Oliver Zwahlen
Einsamer Strand in Queensland: Nur meine Colaflasche und ich… Foto: Oliver Zwahlen

Eine der spannendsten Streckenabschnitte in Australien führt von Cairns bis Brisbane, immer der malerischen Küste von Queensland entlang. Einen Teil der Strecke habe ich vor ein paar Jahren im Auto zurückgelegt. Heute will ich meine Highlights der Route präsentieren.

Dass ich mit Australien nicht so richtig warm wurde, habe ich bereits mehrfach erwähnt, zuletzt hier. Der Grund ist, dass ich mit falschen Vorstellungen ins Land gereist war. In meinem Unterbewusstsein geisterten vor der Reise diffuse Bilder umher, wie ich mit den Aborigines am Lagerfeuer sitze und die totale Völkerverständigung praktiziere. Auf Grund der Erfahrungen in anderen Ländern war ich davon ausgegangen, dass ich nur offen genug sein müsste, dann würde das schon klappen.

Es kam jedoch anders. Diese naive Vorstellung verwirklichte sich überhaupt nicht. Und so kam es, dass ich mit meinem Roadtrip von Broome über Darwin nach Cairns, nicht nach den geplanten vier Wochen fertig war, sondern bereits nach etwa drei. Die vierte Woche verwendete ich im Wesentlichen, um von Cairns der Küste entland Richtung Brisbane zu fahren. Die Zeit reichte nicht für die ganz Strecke, da ich das Auto wieder in den Norden zurückfahren musste.

Generell fand ich den Abschnitt an der Küste schöner als das stiere Brettern auf den endlosen Staubpisten im Norden des Landes, die durch Landschaften führen, die sich kaum je verändern. Würde ich noch einmal nach Australien fliegen, dann würde ich entweder von Brisbane Richtung Norden fahren und die letzten Orte besuchen, die ich noch nicht kenne, oder in den Süden Richtung Sydney tuckern.

Wer übrigens tatsächlich in den kommenden Wochen einen solchen Trip plant, sollte einmal auf der Website von Singapore Airlines reinschauen, denn die bieten derzeit gerade Promotarife nach Brisbane (Werbelink) an. Dadurch sind ist die südostasiatische Fluglinie zwar noch immer nicht die günstigste, aber sie bietet einen anderen Vorteil: nach eigenen Angaben hat sie die geräumigsten Sitze – was bei mindestens 24 Stunden Flugzeit keine schlechte Sache ist.

Das Paradies für Sprachstudenten

Die ersten beiden Tage verbrachte ich in Cairns, einer mit 130.000 Einwohnern eher kleinen Stadt. Das Zentrum beschränkt sich auf ein paar wenige Strassen mit einigen netten Bars und Restaurants.  Besonders gefiel mir, dass an der Esplanade regelmässig Konzerte stattfinden. Nur wenig Meter davon entfernt befand sich ein kostenloses Strandbad, dessen Boden lustigerweise aus Sand bestand und direkt am echten Strand liegt. Wer sich vor Quallen fürchtet, aber nicht aufs Baden verzichten will, ist hier bestens bedient. Am Strand zeigten sich recht viele Sprachstudenten – und die hatten gut sichtbar ihren Spass.

Cairnes: Wer Angst vor Quallen hat, sollte sich lieber in diesem Schwimmbad abkühlen. Foto: Oliver Zwahlen
Cairnes: Wer Angst vor Quallen hat, sollte sich lieber in diesem Schwimmbad abkühlen. Foto: Oliver Zwahlen

Eines der Highlights von Cairnes ist das Great Barrier Reef, das gerade vor der Stadt im Meer liegt. Ob Cairnes ein besonders geeigneter Ort ist, um das Riff zu besuchen, weiss ich nicht. Auf alle Fälle ist die Stadt aber ein sehr beliebter Ausgangspunkt: Wir entschieden uns dafür, das Riff mit einem „U-Boot“ zu erkunden und mussten dafür etwa 40 Minuten anstehen, bis wir schliesslich in das Boot gelangen konnten. Immerhin wurden wir mit tollen Ausblicken auf die Unterwasserwelt mehr als belohnt.

In der Gruppe gab ein ein paar Leute, die mit dem Zustand der Korallen nicht zufrieden war, weil offenbar grosse Teile des Riffs abgestorben sind. Ich fand die Fahrt trotzdem eindrücklich, auch wenn das „U-Boot“ sich am Ende einfach als ein etwas anders konstruiertes Glasbodenboot entpuppte. Was ich damals nicht wusste: Wenn ich etwas mehr bezahlt hätte, wäre auch eine mehrtägige Tour möglich gewesen, welche mich an unberührtere Stellen gebracht hätte. Heute würde ich vermutlich eine solche Tour buchen.

Glasbodenboot
Great Barrier Reef: Tolle Rundumsicht im „U-Boot“. Foto: Oliver Zwahlen

Bei den Riesenvögeln

In den drei Wochen in Nordaustralien hatte ich jede Menge seltsame Tiere beobachten können. Manche sahen süss aus, wie die Kangeruhs, die teilweise neben dem Auto herhüpften, manche sahen gefährlich aus wie die Krokodile in den Bilabongs und wieder andere waren schlicht ekelig wie die fette Vogelspinne, die ich am Morgen im Dachzelt auf meinem Auto fand. Doch das seltsamste Tier sollte mir erst noch einige Kilometer südlich von Cairnes begegnen.

Irgendwo auf halben Weg nach Ingham liegt die sogenannte Cassowary Coast. Benannt wurde der Küstenabschnitt nach dem flugunfähigen Riesenvogel Cassowary (deutsch: Kasuar). Normalerweise findet man den Vogel auf Papua Neuguinea (eines der Länder, das mich besonders reizt), doch an diesem Abschnitt von Queensland leben noch vereinzelte Exemplare des stark bedrohten Riesenvogels. Witzigerweise gibt es in der Region Strassenschilder, welche vor Zustammenstössen mit den etwa 170 Zentimeter hohen und rund 60 Kilo schweren Tieren warnen. Auf den Warnschildern ist der Vogel bedeutend grösser als das Auto.

Zuerst informierte ich mich in einem Visitorcenter über die seltenen Tiere und mache mich anschliessend in einem Wald selber auf den Weg, um einen Kasuar zu finden. Normalweise habe ich kein Glück bei der Suche nach Tieren. Diesmal war es anders: Nach einem rund zweistündigen Fussmasch, befindet sich plötzlich einer der Riesenvögel mitten auf dem Fussweg und pickt Speisereste vom Boden auf. Das Tier stolziert in einer Distanz von etwa 50 Meter. Nach all den Schreckensgeschichten, die ich über den Vogel gehört habe, wage ich mich nicht näher. Immerhin soll er mit seinen scharfen Krallen nicht nur problemlos einen Menschen töten können, sondern er gilt auch allgemein als angriffslustig.

Unerwartes Glück: Ich begegne tatsächlich einem Kesuar, der grössten heute noch lebenden Vogelart. Foto: Oliver Zwahlen
Unerwartes Glück: Ich begegne tatsächlich einem Kesuar, der grössten heute noch lebenden Vogelart. Foto: Oliver Zwahlen

Die schönsten Inseln der Welt sind verregnet

Die Fahrt geht weiter Richtung Süden, vorbei an Townsville. Das Ziel ist die Region rund um Bowen. Vom sehr touristischen Airlie Beach kann man zwei- oder dreitägige Segeltouren auf die Whitsunday Islands (deutsch: Pfingstsonntagsinseln) unternehmen. Wer das einmal tun möchte, sollte jedoch darauf achten, dass er nicht wie Bloggerkollege Clemens plötzlich auf einem Partyboot landet und sich schon am morgen früh mit betrunkenen Backpackern abfinden muss.

Hier ist uns das Glück weniger geneigt als bei den Riesenvögerln. Kaum hatten wir den Ort erreicht, begann ein so heftige Unwetter, dass alle Touren abgesagt werden musste. So sassen wir also am südlichen Wendepunkt der Reise und hatten keine Zeit mehr, um einen weiteren Tag auf die Abfahrt des Schiffes zu warten. So blieben wir einfach anderthalb Tage an den ebenfalls recht ordentlichen Ständen von Airlie Beach und tuckerten anschliessend gemütlich nach Cairnes zurück, um das Auto abzugeben.

Die Whitsunday-Tour würde ich jedoch trotzdem gerne noch eines Tages nochholen und den Rest der Küste bis nach Brisbane oder gar noch weiter abfahren. Ich habe unterwegs sehr viele Rentner getroffen, die im Camper durch die Gegend gefahren sind. Vielleicht wäre das etwas für meine Bucketliste als alternder Backpacker. Falls ihr wissen wollt, wie es auf der Tour aussieht, die ich verpasst habe, könnt ihr das auf dem Fotostream vom Flickrnutzer Dani13 tun. Viel Spass beim Blättern!

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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