Montag, 18. Dezember 2017
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Vier Gründe, wieso sich ein eigener Fahrer lohnen kann

Mietwagen mit Driverguide: Eine gute Möglichkeit, um die Vereinigten Arabischen Emirate zu erkundigen. Foto: Marion Schwartzkopff
Mietwagen mit Driverguide: Eine gute, wenn auch teure Möglichkeit, um die Vereinigten Arabischen Emirate zu erkunden. Fotos: Marion Schwartzkopff

Backpacking und eigener Fahrer: Das ist nicht in jedem Fall ein Widerspruch. In Ländern wie Sri Lanka kostet eine Rundreise mit einem eigenen Driverguide kaum mehr als eine gewöhnliche Rucksacktour. Aber sie bietet eine Reihe von Vorteilen.

Vorteil 1: Mehr Zeit, weniger Stress

Natürlich habe ich während des Studiums meinen Rucksack selber geschleppt und bin auf meinen Reisen in überfüllten Bussen oder in der dritten Zugklasse an zahlreichen Abgründen entlang geschaukelt. Aber damals konnte ich erschöpft von meinen Billigreisen zurückkehren und mich während des Semesters etwas vom Urlaub erholen. Heute sieht das anders aus: Einen Tag nach der Heimkehr geht’s in einen Job zurück, der vollen Einsatz fordert.

Noch viel wichtiger ist allerdings der Faktor Zeit. Während ich zu Unizeiten locker drei oder vier Wochen unterwegs sein konnte, ruft mich die Arbeit heute oft schon nach vierzehn Tagen zurück. Wenn ich also in der knappen Zeit viel sehen möchte, muss ich effizient planen und effizient reisen. Doch in vielen Ländern sind Busse und Eisenbahnen zu unzuverlässig, die Verbindungen zu schlecht und manche Ziele auch überhaupt nicht erreichbar. Ein eigener Fahrer mit Wagen ermöglicht mir hingegen maximale Flexibilität bei den Zielen und der Zeitplanung. Ich bin es, die bestimmt, wann es los geht, ich entscheide, wie lange ich jeden Tag im Auto sitze, und ich lege fest, welche und wie viele Ziele angesteuert werden. Kein Fahrplan schränkt ein, und ich komme auch da hin, wo kein Bus hält. Ich reise entspannt und komme entspannt wieder heim.

In Ländern wie Sri Lanka oder Indien, mit Linksverkehr und einem ziemlichen Chaos auf den Straßen, schlechter oder für uns nicht lesbarer Ausschilderung, dabei moderaten Preisen für einen Driverguide sind dies ganz klare Argumente, die für einen Fahrer mit Wagen sprechen. In Marokko, Tunesien oder Jordanien mit mehr oder weniger europäisiertem Benehmen der Verkehrsteilnehmer kann man sich gut selber einen Wagen mieten und so flexibel und effizient reisen. Dies gilt auch für das gut ausgebaute Straßennetz in den Emiraten und dem Oman. Da es in diesen Ländern so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, ist der Mietwagen ohnehin die Methode der Wahl – egal ob mit oder ohne Fahrer.

Vorteil 2: Mehr Sicherheit für Alleinreisende

In Ländern, in denen die hygienischen Bedinungen nicht so gut sind oder die einen hohen „Abenteuerfaktor“ haben, ist ein Reisepartner so etwas wie ein doppelter Boden. Wo aber bleibt dieses Sicherheitsnetz für Alleinreisende? Ein Brechdurchfall kann einen Alleinreisenden schnell alt aussehen lassen.

Driverguides helfen auch in ganz heissen Sitationen wie hier in der Wüste der Emirate.
Driverguides helfen auch in ganz heissen Sitationen wie hier in der Wüste der Emirate.

Dieses zusätzliche Plus bei der Sicherheit war für mich in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Oman, aber auch in Sri Lanka ein schlagendes Argument für einen Driverguide und gegen den Mietwagen. Ein verantwortungsvoller Fahrer und Führer wird sich dafür einsetzen, dass seine Kunden am Ende heil an den Flughafen gelangen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies sowohl in den Emiraten als auch im Oman und Sri Lanka eine Frage der Berufsehre einerseits und der Gastfreundschaft andererseits war.

Vorteil 3: Besserer Kontakt zu den Einheimischen

In Ländern, in denen man die Sprache nicht beherrscht und englisch nur von Bevölkerungsgruppen gesprochen wird, die viel mit Touristen zu tun haben, ist es schwer, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu kommen. In Sri Lanka beispielsweise hat sich mein einheimischer Driverguide als idealer Türöffner erwiesen. Jedem erzählte er – nicht ohne Stolz – dass ich Journalistin sei.

Mein Führer öffnete mir allerdings nicht nur im übertragenen Sinne die Türen. Nachdem mein Driverguide in Hanguranketha mit einem alten Mann gesprochen hatte, schloss diese den Schrein eines Tempels auf, der unzählige gold- und edelsteingefasste, tausendjährige Bücher enthielt. In  Sasseruwa gewährte man mir Zugang zu verlassenen Höhlentempeln. Ich interviewte mit seiner Hilfe Mahouts, Ranger, Biologen und einfache Leute am Weg. Durch ihn erfuhr ich die Geister- und Gruselgeschichten von denen ich kürzlich hier berichtete, und interviewte die Frauen beim Wäschewaschen zum Thema Stillen und Geburtenkontrolle, zu dem ich hier einen Beitrag verfasste.

Vorteil 4: Gute Ortskenntnis und das Networking

Wer abseits der ausgetreteten Touristenpfade reisen möchte, wird zumindest in Sri Lanka kaum um einen einheimischen Führer herum kommen. Selbst der Standardreiseführer für Backpacker kann nicht alle Hikingtouren beschreiben, die man machen kann oder will, er benennt auch keine Führer, die sich in entlegene Gebieten auskennen. Der oder die Standardreiseführer für kulturelle Highlights widmen Sehenswürdigkeiten wie dem Ritigale Kloster, Sri Maagallen Rajamaha Vihara oder den Höhentempeln von Sasseruwa nur wenige Zeilen. Ohne Informationen wird es schwierig, die Touristenpfade zu verlassen.

Mit dem eigenen Fahrer/Führer in die abgelegenen Gegenden des Hochlands von Sri Lanka.
Mit dem eigenen Fahrer/Führer in die abgelegenen Gegend des Hochlands von Sri Lanka.

In Sri Lanka hatte ich mit meinem Fahrer einen unglaublich kompetenten Networker erwischt, der mein journalistisches Interesse an Land und Leuten, versteckten, urwaldüberwucherten Tempeln, abgelegenen Trekkingrouten erkannt hatte und seine ganze persönliche Ambition darein steckte, mir all das zu bieten. Und so organisierte er mir Wanderführer, die mich in der Nähe von Adam´s Peak eben nicht nur auf den Gipfel brachten, wo ja jeder auf seiner Ceylonreise morgens um fünf Uhr zum Glockenläuten landet, sondern in die Gebiete drumherum: ich wanderte um das zauberhaft gelegene Mousakelle Reservoir, den großen Stausee mit Sicht auf Adam´s Peak, kletterte Teeplantagen hoch und herunter, aß bei Einheimischen zu Mittag. In den entlegenen und verlassenen Ruinen und Tempeln fand er immer jemanden, der mir mehr erzählen konnte als in jedem meiner drei Reiseführer stand.

Nicht immer ein Nachteil: die Kosten

In den Emiraten und dem Oman war ein Driverguide ein erheblicher Kostenfaktor. In den Emiraten zahlte ich rund 100 US Dollar pro Tag, wenn ich auf großer Rundreise war – und für seine Übernachtung und Mahlzeiten musste ich ebenfalls aufkommen. Ein klarer Grund, hier selbst zu fahren. In Jordanien waren die Kosten nicht so hoch: für ganztägige Fahrten (zum Beispiel von Amman nach Petra und zurück)  habe ich nur rund 80 Euro bezahlt.

In Sri Lanka zahlt man etwa 60 US-Dollar pro Tag für alles: den Wagen und den Fahrer rund um die Uhr. Um seine Unterbringung und sein Essen muss man sich hier nicht kümmern, das ist in seinem Preis, ebenso wie der Sprit, bereits enthalten. Dieser Preis gilt für den Wagen, unabhängig davon, mit wie viel Personen man ihn bucht. Deswegen entschied ich mich in Sri Lanka für Fahrer und Wagen. Und diese Entscheidung sollte ich nicht bereuen, vielmehr erwies sich diese Lösung als Methode der Wahl für mich – und meine weiteren zwei Sri Lanka Reisen habe ich dann aus tiefster Überzeugung so durchgeführt.

Über Marion Schwartzkopff

Lebt und arbeitet als Pressereferentin in Düsseldorf und reist seit 30 Jahren, regelmässig in arabische Länder. Ihre große Liebe gilt aber Sri Lanka. Beim BoD Verlag erschien von ihr die Reihe „Sri Lanka – Reiseführer des Herzens“.

4 Kommentare

  1. Frau Schwartzkopff,
    die Fotos untermalen wirklich sehr bildhaft, warum es Sinn macht sich auf Sri Lanka einen Fahrer zu leisten. Überfüllte Straßen, liegengebliebene Autos, …. alles was man im Urluab nicht braucht und worum man sich nicht kümmern will. Danke für diese wertvollen Hinweise in Wort und Bild.

    • Marion Schwartzkopff

      OH…hier hat ein Leser wirklich gut aufgepasst – und Recht: ich hätte, statt des Fahrers, der mich dort mal wieder in den entlegendsten Gebiete gebracht hat – dies sollte das Foto untermalen – lieber eine Szene aus der rushhour in Colombo bringen sollen!
      Kann ich vielleicht noch nachholen…

  2. Hallo Marion,

    danke für diesen Beitrag. Da muss ich wohl noch mal drüber nachdenken, ob ich das im Januar nicht auch mache. Wo findet man am Besten einen Fahrer?

    Ich habe nämlich ein Problem: Ich möchte von Kandy nach Matara. Aber aus dem Zentralen Hochland fahren keine Züge direkt in den Süden. Ich müsste einmal umsteigen und weiter mit den Bus, aber dies dauert wohl bis zu 8h. 🙁

    Liebe Grüße Anika

  3. Kann das nur bestätigen, dass sich ein Fahrer lohnt. In Sri Lanka zumindest. 60 Euro pro Tag für alles und super Betreuung. Kein Stress mit Hotels und öffentlichen Verkehrsmitteln. Man hat einfach jemand, der sich in jeder Lage auskennt Er hieß Ramish, und ich habe bis heute nach der Reise noch keinen Kontakt zu ihn bekommen, aber ich bin noch nicht lange zurück und hoffe, das klappt noch.
    Wer meinen Reisebericht in Bilder sehen möchte: http://www.allgaeu-impressionen.com/rei … sri-lanka/.

    Es war eine tolle Reise.
    LG
    Karl

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