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Veganes Reisen: Ohne Fleisch und Milch durch die Welt

Linda Sabin an einem ihrer exotischeren Zielen: Das karibische Antigua.
Linda Sabin an einem ihrer exotischeren Zielen: Das karibische Antigua.

Die deutsche Linda Sabin ist Veganerin und reist fürs Leben gerne durch die Welt. Im neuesten Interview des Monats erklärt sie uns, wieso das kein Problem für sie darstellt und wie sie sich jeweils auf ihre Reisen vorbereitet.

Linda, eine erste Frage, damit wir dich ein bisschen besser einschätzen können: Wo warst du schon überall?

Linda Sabin: Reisetechnisch kann man mich nicht unbedingt in eine Schublade stecken, ich mache gerne Städtereisen innerhalb Deutschlands und Europas, aber ich mache auch gerne Fernreisen. Das am weitesten entfernte Reiseziel, wo ich bisher war, ist Hawaii und ich zähle diesen Urlaub auch mit zu den schönsten, die ich bisher verbracht habe. Aber ich war auch schon in New York, San Francisco, der Karibik und wie gesagt in Europa und in vielen deutschen Städten. Ich habe ein paar Mindestanforderungen an einen Urlaub wie ein Bett, ein Bad und so weiter. Campingurlaub wäre also nichts für mich, aber ansonsten bin ich nicht so anspruchsvoll. Ich kann mich beinahe überall wohlfühlen und es gibt auch überall tolle Sachen zu entdecken.

Das Besondere an deinen Reisen ist, dass du dich vegan ernährst. Geht das überhaupt mit vernünftigem Aufwand?

Generell muss man sich da eben fragen, wie man seine Prioritäten setzt. Will man für seine Ideale vielleicht den einen oder anderen Mehraufwand in Kauf nehmen oder nicht? Und ich persönlich empfinde den Aufwand gar nicht also so groß. Viele landestypische Gerichte sind zufällig vegan, wie beispielsweise italienische Pasta, die nur aus Hartweizengries und Wasser besteht. Dazu eine Tomatensoße oder etwas Öl, Knoblauch und Gewürze, ein knackiger Salat, das sind alles einfache und leckere Gerichte, die ohne tierische Zutaten auskommen. Es gibt im Internet auch viele Hinweise zu vegetarischen und veganen Restaurants und als Selbstverpfleger in einem Apartment kann man sich sein Essen ohnehin selbst zubereiten und spart sogar noch Geld.

Gab es schon Orte, die du gerne bereist hättest, aber aus essenstechnischen Gründen gestrichen hast?

Es ist eher das Gegenteil der Fall: das ein oder andere Reiseziel haben wir sogar ganz bewusst deshalb ausgewählt, weil es dort so tolles veganes Essen gibt wie zum Beispiel Berlin und New York. Aber um ehrlich zu sein, habe ich mir zu Anfang tatsächlich Sorgen darum gemacht, nun nicht mehr überall hin zu können. Als ich ganz frischgebackene Veganerin war, stand kurze Zeit später direkt ein Urlaub an, nämlich in Dubai. Als mir das bewusst geworden ist, bin ich erstmal ganz schön erschrocken und ich habe überlegt, wie ich das bewerkstelligen soll oder ob wir den Urlaub canceln. Aber es war dann total einfach, weil viele arabische Speisen ohnehin schon rein pflanzlich sind wie etwa Falafel und Hummus und das Land sehr kundenfreundlich ist. Wir waren sogar im Burj Al Arab essen und auch dort musste ich auf nichts verzichten. Ich konnte mich am tollen Buffet bedienen und bekam sogar noch ein paar Leckereien eigens für mich zubereitet.

In England ist Veganismus weit verbreitet.
In England ist Veganismus weit verbreitet.

Wie reagieren die Leute in anderen Ländern auf deine etwas besonderen Essensgewohnheiten?

Das kommt ganz auf das Land an, in den USA oder in England ist Veganismus weiter verbreitet und man wird gar nicht schief angeschaut. In anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien stößt man bereits auf Unverständnis, wen man schon nur kein Fleisch essen möchte. Wichtig ist einfach, dass man offen auf die Leute zugeht und freundlich erklärt, was man möchte. Man sollte weniger betonen, was man nicht essen möchte, sondern eher Vorschläge machen, was man gerne hätte. Damit macht man es den Leuten leichter und die Chance ist großer, dass einem seine Essenswünsche erfüllt werden. Und zur Not kann man immer noch die Notlüge anbringen, man sei laktoseintolerant oder so. Dann müssen die Restaurants nämlich auf einen eingehen. Aber ich hatte bisher wirklich nur positive Erlebnisse und musste nicht lügen.

Wie bereitest du dich auf deine Reisen vor?

Ich kaufe Reiseführer und recherchiere viel im Internet. Zusätzlich schauen mein Mann und ich uns gerne Filme an, die dort gedreht wurden. Letztes Jahr waren wir etwa in Paris und New York, da wurden ja wirklich jede Menge Filme gedreht. So kann man viel von den Städten sehen und es ist lebendiger und interessanter als eine trockene Reisedokumentation. Mir machen Reisevorbereitungen viel Spaß, da fängt für mich eigentlich fast schon der Urlaub an.

Was ist dein wichtigster Tipp für einen Vegetarier oder Veganer, der auf eine Reise geht?

Ich halte es mit dem Verreisen wie mit dem Veganismus: ohne Toleranz kommt man da nicht weit. Wenn man Akzeptanz möchte, muss man auch selbst offen auf andere zugehen können und nicht gleich verzweifeln, wenn jemand den eigenen Standpunkt nicht ganz nachvollziehen kann. Soll heißen: immer lieb und freundlich bleiben und ganz geduldig sein, wenn es um spezielle Essenswünsche geht, aber auch in anderen Situationen.

Gibt es spezielle Reiseführer oder Webseiten für vegan Reisende?

Da es vorher noch kein deutschsprachiges Blog gab, das sich mit diesem Thema beschäftigt, habe ich einfach selbst angefangen zu bloggen. Auf meinem Blog „V“eltenbummler – Vegan verreisen berichte ich von meinen Erfahrungen rund um das Thema Verreisen als Veganer(in). Es gibt aber auch einige spezielle Reiseführer, beispielsweise für Berlin, New York und auch für England. Und seit Kurzem gibt es noch die Plattform VeggieHotels, wo man Unterkünfte finden kann, die sich auf fleischlose Küche spezialisiert haben. Über eine Suchfunktion kann man nach rein veganen Locations suchen oder wo zumindest veganes Essen möglich ist. Ich schreibe noch für ein weiteres Blog, nämlich Deutschland i(s)t vegan. Da gibt es eine Rubrik „Vegan in Deiner Stadt“ und „Vegan auf Reisen“, da findet der interessierte Leser auch einige Tipps und Adressen.

Was sind die Schwerpunkte deines eigenen Blogs?

Eigentlich alles, es soll nicht nur ums Essen gehen, aber natürlich ist das auch ein wichtiges Thema. Ich beziehe meine Leserinnen und Leser von Anfang an in die Planungen mit ein, erzähle, was ich mir für Reiseführer gekauft habe und so weiter. Dann berichte ich natürlich, wo wir gewohnt haben, was für uns für Sehenswürdigkeiten angeschaut haben und was und wo wir gegessen haben, also wirklich alles rund um das Thema Urlaub. Man kann mich auch anschreiben, wenn man einen Urlaub plant und noch keine Infos dazu auf meinem Blog findet. Ich recherchiere dann gerne.

Was ist das leckerste Rezept, das du von einer Reise mitgebracht hast?

Ich bin ein absoluter Genussmensch und ich kann mich unmöglich auf ein einziges Rezept festlegen, aber ein sehr leckeres Gericht sind französische Crepes, die ganz wunderbar auch ohne Ei und Milch auskommen, sondern mit Sojamilch. Sojamilch enthält außerdem Sojalecithin, deshalb kann man das Ei einfach weglassen. Oder wenn man Kokosmilch stattdessen verwendet, bekommen die Crepes noch einen exotischen Touch. Ich liebe sowieso exotische Gerichte, ein weiteres leckeres Rezept ist Tofu mit Kokospanade und Papaya-Soße.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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