Donnerstag, 23. März 2017

Testbericht: Der Cowon Plenue D im Reise-Alltag

Gewaltige Musik vor imposanten Gebäuden: Pink Floyd Meets Petrona Towers.
Gewaltige Musik vor imposanten Gebäuden: Pink Floyd Meets Petrona Towers.

Bist du auf der Suche nach einem hochwertigen MP3-Spieler für deine Reise, willst aber das Budget nicht zu sehr strapazieren? Dann ist vielleicht der brandneue Cowon Plenue D das Richtige für dich.  Hier die Vor- und Nachteile des kleinen Powerbündels aus Korea.

Ein MP3-Spieler gehört bei mir ganz einfach ins Reisegepäck. Dies aus mehreren Gründen: Zum einen höre ich grundsätzlich gerne Musik und ein MP3-Spieler ermöglicht mir, meine 800+ CD-Sammlung immer dabei zu haben. Zum anderen erhöht ein Musikplayer den Reisekomfort, wenn im Zug der Sitznachbar am Telefon über seine Verdauungsprobleme spricht oder im Bus ständig Thai-Pop läuft.

Bevor ich nun darüber schreibe, was mir an dem soeben erschienen MP3-Player Cowon Plenue D gefallen hat und was nicht, will ich ein paar Worte über mich, meinen Reisestil und darüber verlieren, was mir bei einem Musikspieler wichtig ist. Das soll vor allem den Lesern, die meinen Blog noch nicht kennen, helfen, diesen Testbericht einzuordnen.

Also, los geht’s! Musik und eine hohe Klangqualität sind mir wichtig. Da ich früher selber lange in Bands gespielt habe, möchte ich in der Lage sein, auch die feinen Begleitmelodien klar herauszuhören. Aus diesem Grund spiele ich in der Regel keine MP3- und WMA-Files ab, sondern solche im FLAC-Format, das im Vergleich zu einer CD keine Einbussen bei der Klangqualität kennt.

Aus dieser Nutzung ergeben sich für mich zwei wichtige Punkte: hochauflösende Audiodateien benötigen verhältnismässig viel Speicherplatz und eine stärkere Rechenleistung, was sich in einem höheren Batterieverbrauch bemerkbar macht. Kurz: Ich brauche einen grossen Speicher und eine starke Batterie. Insbesondere letzteres ist für mich immens wichtig, dass ich auf meinen Reisen auch einmal mehrere Tage ohne Strom sein kann.

Bei beiden Punkten verspricht der Plenue D viel. Deswegen habe ich mich entschlossen, das vor rund einem Monat auf den Markt erschienene  Gerät auf meiner Südostasienreise ausgiebig zu testen. Hier ein fettes Dankeschön, an den Cowon-Importeur in der Schweiz, der mit ein Gerät für diesen Test abgegeben hat.

In diesem Testbericht will ich zunächst schildern, was das Gerät kann, wieso es aus meiner Sicht der derzeit beste MP3-Spieler in dieser Preisklasse ist und wieso sich das Gerät insbesondere für Reisende sehr gut eignet. Anschliessend gibt es ein paar praktische Tipps für die Nutzung des  Geräts und zum Abschluss will ich noch begründen, wieso ein MP3-Spieler nicht mit einem Handy ersetzt werden kann.

Batterie: Fast unerschöpflich

Das wohl herausragendste Merkmal des Plenue D ist seine gewaltige Batterie-Leistung. Von Werkseite wird eine Laufzeit von 100 Stunden angegeben. Bei hochauflösenden Audiodateien sind immerhin noch 50 Stunden Dauerbetrieb möglich. Eigene Tests bestätigen diese Zahlen. Da ich das Gerät nach der Nutzung im Alltag jeweils ausschalte, hält der Akku bei mir jedoch faktisch zwei Wochen oder länger durch.

Wenn der Akku doch einmal leer ist, lässt er sich in etwas mehr als drei Stunden nachladen. Was hier vielleicht noch wichtig ist: Beim Plenue D wurde eine Lithium-Polymer-Batterie verbaut. Diese Art von Akkus ist im Vergleich zu anderen Arten etwas stärker hitzeempfindlich und kann bei Temperaturen von über 60 Grad Schaden nehmen. Das heisst, dass du den MP3-Spieler besser nicht im geparkten Auto liegen lässt – so ist mein letztes Gerät nämlich kaputt gegangen.

Die hochwertige Verpackung sorgt für den ersten guten Eindruck.
Die hochwertige Verpackung sorgt für den ersten guten Eindruck.

Klein, handlich, gut zu bedienen

Dass der Plenue D mit seinen 53,1 x 77,2 x 14,9 Millimetern ein Winzling ist, war mit bewusst. Als ich das Gerät in den Händen hielt, war ich aber doch etwas überrascht, dass so viel Leistung in ein so kleines Ding passt. Der Spieler, den ich zuvor verwendete (ein Cowon J9), war fast doppelt so gross.

Die schöne Verarbeitung und das edle Design machen insbesondere wegen der metallischen Oberseite einen hochwertigen und (für uns Reisende besonders wichtig) einen sehr robusten Eindruck. Allerdings ist eine Ecke etwas arg scharf geraten und ich kann mir vorstellen, dass man sich hier mit sehr viel Pech verletzen kann. Ich würde aus diesem Grund empfehlen, eine Schutzhülle mitzukaufen.

Die Bedienung auf dem Display funktioniert gut und reagiert sehr genau auf Berührungen. Die Nutzerführung ist weitgehend intuitiv. Wer schon zuvor mit Cowon-Geräten arbeitete, wird sich auf Anhieb wohlfühlen. Nutzer von Android-Systemen oder Apple-Produkten müssen sich hingegen an der einen oder anderen Stelle umgewöhnen.

Meine Reisekopfhörer: Der Gummi dichtet Aussergeräusche ab und sorgt für hohen Tragekomfort.
Meine Reisekopfhörer: Der Gummi dichtet Aussergeräusche ab und sorgt für hohen Tragekomfort.

Klangbild: Satt und hochgradig personalisierbar

Der Plenue D wird ohne Kopfhörer geliefert. Das mag zunächst irritieren, ist aber wohl letztlich die richtige Entscheidung, da Klang-Puristen ohnehin eigene Kopfhörer verwenden. Ich selber benutze zu Hause einen Kopfhörer von beats by Dr. Dre oder schliesse das Gerät an meine Stereoanlage an und verwende unterwegs einen In-Ear-Kopfhörer von Sony.

Auf Reisen empfehle ich unbedingt In-Ear-Kopfhörer mit Gummi-Dichtungen, da diese nicht nur kleiner und leichter sind, sondern auch die Aussengeräusche deutlich reduzieren. Auf diese Weise kannst du zum Beispiel in einem Flugzeug auch bei leiser Lautstärke noch gut hören. Deine Ohren werden es dir danken. Geräuschreduzierende Kopfhörer funktionieren auf Reisen übrigens nicht ausreichend gut.

In der Systemsteurung kannst du zwischen 44 vordefinierten Klangbildern wählen, die darauf abgestimmt sind, ob du unter anderem Jazz, Rock, Gesänge oder klassische Musik hörst. Darüber hinaus hast du die Möglichkeit vier eigene Klangbilder zu speichern. Hierbei kannst du einen 5-Band-Equalizer einstellen sowie verschiedene weitere klangverändernde Variablen definieren einschliesslich neun (!) Reverb-Arten.

Insgesamt ist der Klang satt und kommt je nach Einstellung mit einem satten Bass einher. Sehr positiv fällt im Klangbild auf, dass das Gerät weitgehend rauschfrei ist. Das wenige Rauschen, das ich höre, ist weitestgehend darauf zurückzuführen, dass ich häufig ältere Musik höre, die auf dem Stand früherer Jahrzehnte aufgenommen wurde.

Wer gerne Konzeptalben wie zum Beispiel das legendäre Pink Floyd Album „Dark Side of The Moon“ hört, wird sich darüber freuen, dass die einzelnen Files „gapless“ also ohne Unterbrechung, abgespielt werden. Nur wenn ich genau hinhöre, kann ich den Übergang noch hören.

Das Hauptmenü des Plenue D
Das Hauptmenü des Plenue D

Weitere Bemerkungen zum Plenue D

Hier noch ein paar kleine Tricks und Hacks, welche dir die Nutzung dieses kleinen Wunderdings erleichtern.

  • Den eingebauten Speicher kannst du mit SD-Karten erweitern. Wenn Du Karten verwenden willst, die grösser sind als 32 GB, musst du deine Speicherkarte mit Fat32 formatieren. Das Problem: Windows kann das standardmässig nicht, weswegen du erst die entsprechende Software runterladen musst (zum Beispiel die Freeware  „USB Disk Storage Format Tool“), Laut Hersteller lässt sich der Speicher auf diese Weise um 128 GB  auf insgesamt 160 GB erweitern. Ich habe es allerdings nur mit einer 64 GB-Karte versucht.
  • Anders als beim iPhone oder iPod benötigst du keine spezielle Software, um Musik auf deinen Player hoch oder allenfalls wieder runterzuladen. Du steckst das Gerät einfach über ein gewöhnliches USB-Kabel in den Computer ein, woraufhin der Plenue D als gewöhnliche Harddisk erkannt wird. Ganz ehrlich: Alles andere wäre für Reisende kaum zumutbar und ich kann bis heute nicht verstehen, wie jemand freiwillig iTunes verwendet.
  • Der Plenue wird über einen Standard-USB-Anschluss geladen. Hier kann ich das gleiche Kabel verwenden wie bei meiner Kamera, meinem Handy und der Video-Kamera.
  • Bei MP3-Spielern mit so grossen Datenmengen – ich habe 7253 Lieder gespeichert, das Maximum liegt übrigens bei 12.000 Files im internen Speicher und 24.000 Files im externen  – ist die Übersicht die grösste Schwierigkeit. Die Lieder kannst du nach Songname, Albumtitel, Interpret, Musikstil oder Erscheinungsjahr sortieren lassen, zudem kannst du mehrere Playlists erstellen.
  • Wenn du die Files in einer klugen Ordnerstruktur anlegst, hast du hinsichtlich Ordnung schon die halbe Miete bezahlt. Wenn du aber gerne den Zufallsgenerator verwendest, ist es selbstdefinierte Kategorien zu bilden wie zum Beispiel Musikstile. Ich habe zudem die Musik nach Jahrzehnten (statt Jahren) geordnet. All diese Informationen sind in den Metatags der Files gespeichert und können mit MP3Tag bearbeitet werden.
  • Der Plenue D hat eine Leuchtdiode, die blinkt, wenn das Gerät läuft. Mich nervt das und ich habe sie deswegen ausgeschaltet. Aber wer häufig seine Geräte auszuschalten vergisst, wird diese Funktion schätzen.

Wieso es heute überhaupt noch MP3-Spieler braucht

Ich werde immer wieder gefragt, wieso ich heute überhaupt noch einen MP3-Spieler brauche. Ein Handy oder Spotify würden dies doch genauso tun. Immerhin scheint dies auch der allgemeine Trend zu sein: Apple hat vor einiger Zeit aufgehört, seinen iPod Classic zu verkaufen. Allgemein gibt es heute nur noch wenige Geräte mit einem grossen Speicher und die sind in der Regel sündhaft teuer.

  • Speicherplatz: Mein Handy hat einen integrierten Speicher von 64 GB, den sich Apps und Fotos mit der Musiksammlung teilen müssten. Erweiterungen sind bei meinem Xiaomi nicht möglich. Hier ist schnell einmal kein Platz mehr übrig. Auf meinem neuen MP3 habe ich derzeit mit einer Erweiterung 96 GB für meine Musiksammlung, möglich sind wie erwähnt bis zu 160 GB.
  • Klangqualität: Ein richtiger MP3-Spieler ist dafür konzipiert, gut zu klingen. Zum einen werden hochwertigere Teile verbaut, zum andern bieten richtige MP3-Spieler mehr Möglichkeiten bei der Tonverarbeitung. Vor allem aber können Musikspieler hochwertige Fileformate lesen wie zum Beispiel FLAC.
  • Trennung der Geräte: Wenn ich Zug fahre, höre ich gerne Musik und chatte dabei über das Handy. Würde ich die Musik über mein Handy abspielen, hätte ich ständig ein Kabel, das im Weg ist und ich müsste mir unentwegt akustische Mitteilungen anhören, wenn eine neue Nachricht gekommen ist. Vor allem zu Hause finde ich die Trennung praktisch: Den MP3-Spieler habe ich in der Stereoanlage eingesteckt und kann die Musik im Hintergrund weiterlaufen lassen, während ich telefoniere.
  • Batterie: Mein Smartphone schafft es jeweils kaum bis zum Abend. Würde ich über das Handy auch noch Musik hören, wäre der Akku wohl schon am Mittag erschöpft.

Fazit

Für mich gehört der Plenue D zu den besten Geräten, die ich in den letzten Jahren in den Händen gehalten habe. Der Klang befriedigt meine hohen Ansprüche, die Bedienung ist einfach und übersichtlich, die Batterie hält, was sie verspricht und das Gerät sieht dazu noch gut aus.

Sehr positiv ist zudem, dass der Plenue D alle wichtigen Audioformate von Haus aus lesen kann, dass es zwischen den Songs fast keine Unterbrechung gibt und dass sich der Speicher auf bis zu 160 GB erweitern lässt.

Die einzigen Schönheitsfehler sind scharfe Ecken und die verhältnismässig lange Zeit, bis das Gerät betriebsbereit ist (insbesondere beim Einsatz eines externen Speichers). Ebenfalls ein kleines Minus ist, dass die Musik nicht drahtlos über Bluetooth übertragen werden kann.

Weitere technische Details zum Cowon Plenue D findest du beim Online-Shop K55, der in Zürich auch eine Filiale hat, in der du das Gerät vor dem Kauf testen kannst. Der Cowon Plenue D kostet zum Zeitpunkt der Recherche 299 Schweizer Franken.

Transparenz-Hinweis: Der Schweizer Importeur hat mir für den Test ein Gerät überlassen. Trotzdem ist meine Meinung und Begeisterung davon unabhängig.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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