Mittwoch, 25. Januar 2017
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Swanetien: Was die georgische Bergwelt so attraktiv macht

Blick von einem Wehrturm auf das Dorf Mestia. Fotos: N. Kramm
Blick von einem Wehrturm auf das Dorf Mestia. Fotos: N. Kramm

Die Dörfer Swanetiens gehören mit ihren archaisch anmutenden Wehrtürmen vor dem schneebedeckten Kaukasus zu den schönsten und authentischsten Regionen in ganz Georgien. Wieso sich der Besuch der abgelegenen Bergwelt so sehr lohnt, erfährst du in diesem Beitrag.

Gastbeitrag von Nina Kramm vom Blog Reiselieber

Nachdem ich Bilder aus Swanetien gesehen hatte, war mir klar, dass ich hin muss. Was ich schon vorher wusste: Es ist das reinste Wanderparadies. Was ich erst vor Ort erfuhr: wie lecker das einfache aber köstliche Essen ist, oft verfeinert mit Kräutern und Gewürzen, die es nur hier gibt.

Und ich lernte die Swanen kennen, die in ganz Georgien als stur und eigensinnig bekannt sind. Falls das stimmen sollte, haben sie das jedenfalls erfolgreich hinter ihrer herzlichen Gastfreundschaft versteckt.

Falls du nach Georgien reisen möchtest, solltest du ein paar Tage in die abgelegene Kaukasusregion im Nordwesten des Landes einplanen. Mir wurde gesagt, dass man Georgien nicht wirklich gesehen hat, wenn man nicht in Swanetien war. Aber was ist es, was Swanetien so besonders macht?

Die Berge: Wanderparadies großer Kaukasus

Der Kaukasus erstreckt sich über 1.100 Kilometer – vergleichbar mit der Ausdehnung der Alpen – vom Schwarzen Meer bis zum Kaspischen Meer und bildet die Grenze zwischen Russland und Georgien. Anders als die Alpen ist der Kaukasus noch wilder und ursprünglicher. Unberührte Natur kann man hier in Ruhe geniessen.

Und in keiner anderen Gegend Georgiens kommt man den Eisriesen des Großen Kaukasus so nahe wie in Swanetien. Ob Tagesausflug zur Gletscherzunge oder Mehrtagestrekking durch kleine Bergdörfer, in Swanetien kannst du viel unternehmen:

Die wilde Berglandschaft Swanetien lädt zu mehrtägigen Trekking-Touren ein.
Die wilde Berglandschaft Swanetien lädt zu mehrtägigen Trekking-Touren ein.

Auf zur Gletscherzunge: Bei einem Spaziergang von Mestia aus kannst du ganz leicht die Zunge des Chalati-Gletschers erreichen. Wenn du es noch bequemer magst, kannst du dich auf Pferderücken von Ushguli zum Schchara Gletscher tragen lassen. Aber Achtung: Wer zu spät kommt, bekommt vielleicht das letzte Pferd vor der Nase weggeschnappt (so wie es mir passierte). Hier findest du mehr Infos zum Chalati-Gletscher.

Von Bergdorf zu Bergdorf: Die Trekkingtour von Mestia nach Ushguli ist eine der beliebtesten Wanderungen in Swanetien. Durch das Mulakhi-Tal geht es vorbei an kleinen Dörfern und alten Wehrtürmen. Abenteuer und Aussicht kommen nicht zu kurz: Bei der Durchquerung des Adishi-Gletscherflusses kannst du entweder durch die Fluten waten oder dich von einem Pferd rüber tragen lassen. Eine Brücke gibt es nicht. Ein Höhepunkt der Wanderung ist die Überquerung des Chkhutnieri-Passes, die mit ihren Ausblicken auf den Adishi Gletscher das Schweißvergießen entlohnt. Hier findest du Infos zur Tour.

Die Kultur: Die Schatzkiste Georgiens

Georgien hat eine bewegte Geschichte: Immer wieder wurde das Land von Invasoren eingenommen. Einzig Swanetien schaffte es, seine Unabhängigkeit zu bewahren. Die Swanen galten als starke Kämpfer und ihre Wehrtürme als uneinnehmbar. Deshalb wurden nicht wenige Kulturschätze aus ganz Georgien hier in Sicherheit gebracht.

Okay, zugegeben: Diese Schätze liegen unter Verschluss, aber in den zahlreichen Kirchen und Klöstern die es hier, wie überall in Georgien gibt, kannst du das eine oder andere alte Fresko bewundern.

Abendstimmung über dem Dorf Adishi.
Abendstimmung über dem Dorf Adishi.

Die Bergdörfer: Mestia und Ushguli

In allen Dörfern Swanetiens finden sich die markanten Wehrtürme, die die swanischen Familien nicht nur vor Lawinen und fremden Angreifern, sondern auch vor verfeindeten Nachbarn schützten. Besonders sehenswert sind die beiden Hauptorte Mestia und Ushguli.

Mestia, die Hauptstadt: Mestia ist die Hauptstadt von Ober-Swanetien und Dreh- und Angelpunkt für alle Unternehmungen in die Region. Wie die Hauptstadt Tbilisi wurde auch Mestia vom Präsidenten Saakaschwili seit 2004 mit modernen architektonischen Werken beglückt, die sich nicht ganz in die Umgebung einfügen. So kam Mestia zu einem der kleinsten Flughäfen der Welt, einem neuem Polizeipräsidium, Rathaus und sogar einem Skilift.

Wenn du in Mestia bist, kannst du bei einem Besuch im Matschubi-Familienmuseum ein altes Wohnhaus besichtigen. Überleg dir zweimal, ob du auch den dazugehörigen Wehrturm besteigen möchtest: Der Aufstieg über mehrere wackelige, steile Holzleitern war mit Abstand das Gefährlichste, was ich in Georgien unternommen habe (wenn man vom Mashrutka fahren absieht). Die grandiose Aussicht entlohnt aber für das Risiko von Hals- und Beinbruch.

Ushugli war bis vor kurzem das höchste ganzjährig bewohnte Dorf Europas.
Ushugli war bis vor kurzem das höchste ganzjährig bewohnte Dorf Europas.

Ushguli, das vormals höchste Dorf: Ushguli galt noch bis vor kurzem als das höchstgelegene dauerhaft bewohnte Dorf Europas. Der Titel wurde ihm von einem Dorf in Tuschetien abgeluchst, aber trotzdem ist Ushguli, vor der Kulisse des höchsten Berges Georgiens, dem Mount Schchara gelegen, ein ganz besonderer Ort.

Es gibt nicht nur einige ziemlich alte Kirchen zu besichtigen, sondern auch die Schlossruine des Sommersitzes der Königin Tamar (die so mächtig war, dass sie sogar als König bezeichnet wurde). Selbstredend gibt’s auch hier sowohl viele alte Wehrtürme als auch viele schöne Wanderungen, die man in der Umgebung unternehmen kann und eine gute Auswahl an Guesthouses bei denen man die freundlichen Swanen kennenlernen kann.

Die Menschen: Die Swanen

Die Landschaft von Swanetien ist beeindruckend, aber es sind die Menschen, die einen Besuch unvergesslich machen. Eines meiner schönsten Erlebnisse war eine Übernachtung im Guesthouse von Maia in Adishi.

Mit Händen und Füßen unterhielten wir uns, da wir nur das Lachen als gemeinsame Sprache hatten, obwohl Maia Swanisch, Georgisch und Russisch sprach. Für eine Nacht wurde ich so herzlich in der Familie aufgenommen und durfte sogar beim Kühe Melken helfen. Viele Familien bieten Gästezimmer an, bei einem Homestay kannst du das Familienleben ganz nah erleben.

Das wahre Highlight der Region sind die gastfreundlichen Menschen.
Das wahre Highlight der Region sind die gastfreundlichen Menschen.

Wie komme ich nach Swanetien?

Von der Hauptstadt Tbilisi kannst du entweder mit dem Nachtzug (10 Stunden, 23 Lari) nach Zugdidi fahren und von dort in eine Mashrutka (4 Stunden, 20 Lari) nach Mestia umsteigen.

Es gibt auch direkte Mashrutka Routen von Tbilisi, Kutaisi und Batumi nach Mestia. Aber denk dran, Mashrutka fahren ist oft unbequem und fast immer nervenaufreibend! Alternativ kannst du bei gutem Wetter sehr günstig in alten Militärflugzeugen mitfliegen.

Wenn du vor der Frage steht, ob Georgien überhaupt ein Reiseziel für dich ist, solltest du hier die Antworten lesen auf die wichtigsten Fragen, die du vor Antritt deiner Reise haben könntest.

Die Gastautorin
Nina Kramm ist vom „Reiselieber“ infiziert. Sie liebt es, in der Natur zu wandern und Grossstädte zu erkunden. Auf ihrem Blog Reiselieber berichtet sie über ihre Erlebnisse in allen Ecken der Welt. Du kannst ihr auch auf Facebook, Twitter und Instagram folgen.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

2 Kommentare

  1. Die Gegend scheint seinen eigenen Charme zu haben und der Wanderweg wirkt so einladend. 🙂

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