Winter in Finnland: Wieso Skifahren hier mehr Spass macht

Bist du auf der Suche nach einem echten Geheimtipp zum Skifahren? Dann empfehle ich dir, deinen nächsten Ski-Urlaub in Mittelfinnland zu verbringen. In diesem Artikel stelle ich dir die beiden höchst unterschiedlichen Ski-Resorts Vuokatti und Koli vor.

Finnland gehört zu den Weltregionen, die ich immer wieder besuchen kann. Die Wälder und Seen, die endlose Weite und die unaufgeregten Finnen: Das alles passt zu meinem Gemüt. In keinem anderen Land finde ich jeweils so sehr zur Ruhe und zu mir selbst.

Nachdem ich im vergangenen Jahr bereits den (etwas trüben) Frühsommer am Saimaa-See und den farbenprächtigen Herbst auf dem Archipelago vor Turku verbringen durfte, war ich nun sehr gespannt, wie sich mir Finnland im Winter präsentieren würde.

Mitte Januar war es dann so weit und ich durfte mir die beiden mittelfinnischen Ski-Resorts Koli und Vuokatti anzusehen. Der Ski-Urlaub in Finnland hat mich vor allem auch gereizt, weil die beiden Ski-Gebiete international kaum bekannt sind und ich mit diesem Blog künftig vermehrt eine Quelle für „Geheimtipps“ werden will.

Nebenbei: Wer im Winter nach Finnland geht, der hat in der Regel das schon deutlich etabliertere Lappland im Visier. Dabei hat Mittelfinnland eine Reihe von Vorteilen auf seiner Seite: Er ist etwas näher, ein bisschen weniger kalt und es wird nicht ganz so früh dunkel wie weiter im Norden. Nur der Weihnachtsmann fehlt.

In diesem Beitrag will ich dir erzählen, wieso mir das Ski-Fahren in Vuokatti und Koli (und das Erleben des Winters in Finnland ganz generell) so gut gefallen hat. Anschliessend findest du einen Vergleich zwischen den beiden doch sehr unterschiedlichen Ski-Gebieten, die ich in diesem Winter besucht habe.

 

5 Gründe, wieso Ski-Fahren in Finnland Spass macht

Für mich als Schweizer stellt sich natürlich als allererstes die Frage: Wieso soll ich die lange Reise nach Finnland auf mich nehmen, wenn ich jede Menge weltbekannte Ski-Gebiete gleich vor der Haustür hab? Das war auch der Grund, wieso ich zunächst etwas skeptisch war. Inzwischen kann ich aber sagen, dass es gleich mehrere Gründe gibt, die für Ski-Urlaub in Finnland sprechen:

Erstens die hervorragenden Schneeverhältnisse: Da die Temperaturen mehr oder weniger ständig unter dem Gefrierpunkt bleiben, schmilzt der Schnee tagsüber nicht. Das heisst, dass du nicht vor der Wahl zwischen einer vereisten Piste am Vormittag und Schneematsch am Nachmittag stehst, sondern den ganzen Tag auf so feinem Pulver fahren kannst, wie du ihn sonst nur in grossen Höhen findest.

Zweitens die relativ lange Saison: Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Jugendlicher während der Weihnachtsferien mit meinen Eltern immer um die Schneeverhältnisse bangte. Wird es genug Schnee haben, um auf die Bretter zu steigen oder werde ich eine Woche mit meinen Eltern ins Ferienhaus eingesperrt sein? Die finnischen Wintersportorte öffnen in der Regel schon Mitte November und sind teilweise bis Mai befahrbar und dabei weitgehend schneesicher.

Drittens die leeren Pisten: Der Hauptgrund, dass ich vor etwa 15 Jahren aufgehört habe, regelmässig Ski zu fahren, war das hohe Frustlevel am Skilift mit den endlos langen Schlangen. Nicht so in Finnland: Bei meinem Besuch hatte ich die Pisten praktisch immer ganz für mich alleine. Länger als eine Minute musste ich nie anstehen. Klar: Während den Wochenenden und den Schulferien wird es auch auf den finnischen Pisten etwas voller. Aber da die dortigen Ferien leicht anders liegen als unsere, spielt das praktischerweise keine grosse Rolle.

Viertens der überraschend günstige Preis: Ski-Fahren ist generell ein teurer Sport und natürlich auch in Finnland nicht gerade gratis. Im Vergleich zur Schweiz sind aber Ski-Pässe und Unterkünfte deutlich günstiger. Bei einem Land, das im Ruf steht, eher hochpreisig zu sein, hat mich das dann doch etwas überrascht.

Fünftens die grandiosen Pisten für Anfänger:  Dass Finnland generell eher flach ist, wirkt sich auch auf den Schwierigkeitsgrad der Pisten aus. Während in den Alpen die (längeren) blauen Pisten häufig einfach einer zugeschneiten Bergstrasse folgen und nicht besonders attraktiv sind, bieten die finnischen Anfängerpisten tolle Abwechslung. Das ist vor allem für Familien interessant mit Kindern, die gerade erst anfangen, skizufahren.

Skilift in Koli
Blick von der Piste in die Ebene (Vuokatti).

 

Vuokatti versus Koli: Die Ski-Resorts im Vergleich

Wie bereits erwähnt, war ich Mitte Januar ein paar Tage in den beiden Ski-Resorts Vuokatti und Koli. Obwohl sie nur etwa 150 Kilometer voneinander entfernt liegen, unterscheiden sie sich sehr stark. Um dir zu helfen, das passende Resort zu finden, will ich die beiden Skiorte in fünf Kategorien vergleichen:

1: Die Skipisten

Vuokatti: Der Hausberg von Vuokatti ist gerade einmal 326 Meter hoch. Trotzdem führen von seinem Gipfel ganze 13 Abfahrten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und einer Gesamtlänge von rund zehn Kilometern ins Tal. Die meisten Pisten sind rot oder blau und somit eher für Anfänger und weniger geübte Fahrer wie mich geeignet. Angenehm fand ich, dass die Pisten grösstenteils sehr breit sind. Für Familien mit Kindern gibt es einen speziellen Trainingshügel für die Kleinen.

Koli: Das Ski-Gebiet im Koli Nationalpark ist deutlich kleiner. Es gibt gerade einmal sechs unterschiedliche Pisten, die insgesamt aber technisch deutlich anspruchsvoller sind als die relativ gemächlichen Strecken in Vuokatti. Für gute Skifahrer sind darunter auch zwei schwarze Abfahrten. Koli punktet aber vor allem mit seiner Umgebung: Bei der Abfahrt hat man ständig den wunderschön zugefrorenen Pielinen-See vor sich. Ich glaube nicht, dass ich jemals eine schönere Piste gesehen habe.

Fazit: Koli ist anspruchsvoller und landschaftlich attraktiver. Vuokatti eignet sich eher für Anfänger und Familien.

Anfängerpiste in Vuokatti
Abfahrt durch den Naturschutzpark Koli mit dem zugefrorenen Pielinen-See in Hingergrund

 

2: Langlauf

Vuokatti: Bei Indoor-Skiing habe ich bisher immer zuerst an Dubai gedacht. Allerdings gibt es auch in Vuokatti eine längere Indoor-Konstruktion: einen rund 1200 Meter langen Tunnel mit einer Langlauf-Loipe. Zugegeben: das klingt zunächst etwas schräg, hat aber den Vorteil, dass Langläufer rund ums Jahr trainieren kann. Und mal ganz ehrlich: Wenn draussen ein heftiger Schneesturm herrscht, sind die -7 Grad in der Betonröhre plötzlich angenehm war. Es gibt allerdings auch im Freien ein gut ausgebautes Loipennetz von unglaublichen 170 Kilometern. Nicht ohne Grund trainieren hier auch Profi-Sportler für Olympia.

Koti: Für Langläufer gibt es wohl keinen schöneren Ort als die Loipe, die über den zugefrorenen See am Fusse des Ski-Gebiets führt. Bevor du dich aufs Eis wagst, solltest du dich aber unbedingt nach der Tragfähigkeit des Eises erkundigen. Da die Loipe bei meinem Besuch nicht fertig war, habe ich es abseits der präparierten Strecke versucht und musste feststellen, dass meine Skier im weichen Schnee ständig versanken, so dass ich nicht recht vorankam. Alternativ gibt es auch in Gipfelnähe eine Langlaufloipe.

Fazit: Vuokatti ist ein bekanntes Langlaufzentrum. Wenn du hauptsächlich auf den schmalen Brettern unterwegs sein willst, wirst du in Vuokatti vermutlich glücklicher. Koli hat aber die schöneren Loipen und ist vor allem auf dem flachen See entspannter zu befahren.

Eine Besonderheit von Voukatti ist der Langlauftunnel…
…doch in der Natur ist es doch noch ein Spürchen schöner.

 

3: Spass ohne Skis

Vuokatti:Ski-Ferien bestehen nicht ausschliesslich aus Abfahrten und Loipen. In und um Voukatti gibt es zahlreiche alternative Winteraktivitäten, die sich lohnen. Mein persönliches Highlight war die Huski-Safari, von der ich bald mehr erzählen werde. Ebenfalls empfehlenswert: Mit Vuokatti Safari kann man mit einem Schutzanzug im Eiswasser baden gehen – Mutige wagen sich damit aufs dünne Eis und erleben gefahrlos, wie es sich anfühlt, auf einem zugefrorenen See einzubrechen.

Koli: Auch rund um Koli gibt es ein paar spannende Aktivitäten, die du unternehmen kannst. Hervorzuheben ist der Ausritt auf den Islandpferden bei Paimentupa. Auf den gutmütigen Tieren durch die tief verschneite Landschaft zu reiten, ist definitiv ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Ich bin leider etwas ungünstig aufgestiegen und hatte ständig mit einem Krampf im Oberschenkel zu kämpfen, so dass ich mich entschloss, nicht die ganze Tour mitzumachen. Rund um Koli bieten sich auch Schneeschuhwanderungen an.

Fazit: Beide Ski-Resorts bieten neben dem Ski-Fahren noch zahlreiche andere Wintersportaktivitäten an, wobei die Auswahl in Vuokatti etwas grösser ist.

Mein persönliches Highlight: Die Fahrt auf dem Hundeschlitten…
Vorbereitung zum Ausflug durch den Schnee auf einem Isländer

4: Essensmöglichkeiten

Vuokatti: Finnland ist generell ein kleines Paradies für Feinschmecker und ich glaube, ich habe im Land noch nie etwas Schlechtes aufgetischt bekommen. Besonders gut geschmeckt hat mir das Restaurant im Hotel Aateli, wo uns ein regelrechtes Feinschmeckermenü vorgesetzt wurde. Als ähnlich lecker stellte sich das Kainuu Restaurant Kippü heraus, das innen sehr hübsch eingerichtet ist. Etwas bescheidener, aber überraschend schmackhaft ist die Ski-Hütte A la Katti direkt am Fuss des Skilifts.

Koli: Nichts auf der ganzen Finnlandreise war so atmosphärisch wie der Lachs, den die Jungs von Koliactiv Oy in einem zugeschneiten Holz-Tippie auf einem grossen Feuer zubereiteten. Leider gibt es das Angebot nur für grössere Gruppen. Sehr gemütlich und ein Besuch wert ist auch der Gastropub Kolin Ryynänen. Die Portionen sind gross und lecker – zügle dich also, wenn du nach dem Essen noch auf die Piste willst.

Fazit: Das Essen war an beiden Orten super. Aber insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Gastronomie in Vuokatti ein Spürchen vielfältiger ist.

Viel Holzdeko und leckere Speisen: Kainuu Restaurant Kippü
Leckeres Dessert mit Blaubeeren im

 

Unterkunftstipps: Hotels in Vuokatti und Koli

Vuokatti ist nicht nur wegen der Pisten ein grandioses Reiseziel für Familien, sondern auch wegen den hübschen Vuokatinmae Cottages. Die hübschen Bungalows aus Holz liegen am Rand der Ortschaft mit Blick auf die Natur. Neben einem abgetrennten Elternzimmer gibt es auf einer Galerie über dem kleinen Wohnbereich einen Massenschlag für bis zu vier Kinder. Jeder Bungalow verfügt über eine eigene Sauna. Mir hat diese Unterkunft sehr gut gefallen und ich würde sie unbedingt empfehlen.

Das weit oben auf dem Berg stehende Break Sokos Hotel in Koli ist ein Spürchen konventioneller, könnte aber für Ski-Fahrer günstiger nicht liegen: Gerade vor dem Ausgang der Unterkunft beginnt die Piste. Von den Zimmern hat man einen grandiosen Ausblick auf den Nationalpark, über den man in einer sehenswerten Ausstellung im Besucherzentrum gegenüber des Hotels mehr erfährt. Sehr schön ist der Spa-Bereich, der neben verschiedenen Saunen und Bädern auch über einen geheizten Aussenpool verfügt.

Die idyllischen Vuokatimae Cottages.

 

Hinweis: Zu dieser Reise wurde ich von Visit Finland und der Finnish Ski Resort Association eingeladen.  Die hier vertretenen Ansichten sind meine eigenen. Im Artikel sind vereinzelt Affiliate-Werbelinks.
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Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

4 Kommentare

  1. Hi

    Danke für den Artikel. Nächsten Februar will ich zum ersten Mal Winterurlaub machen. Finnland klingt sehr interessant aber ich glaube ich reise nach Hokkaido.
    Warst du dort schon? So oder so denke ich aber dass beide Reiseziele günstiger sind als die Schweiz.

    1. Hi Pasquale,

      nein, ich war leider noch nie auf Hokkaido. Aber die Gegend würde mich sehr reizen. Der Nachteil an Japan ist natürlich, dass die Anreise sehr langwierig und der Flug alleine schon einen grossen Teil des Budgets auffrisst. Du brauchst ja ab Tokyo auch einen Anschlussflug nach Hokkaido.

      Falls Du dich nicht entscheiden willst: Finnair bietet kostenlose Stopoverprogramme an und Helsinki liegt ja ziemlich genau auf der Route nach Japan. Vom Helsinki Flughafen erreichst du die Skigebiete in Mittelfinnland in etwa vier Stunden mit dem Zug (oder einem kurzen Inlandflug). Die Reise aufzuteilen wäre also nicht die allerdümmste Idee.

      Gruss,
      Oli

  2. Hi Oli

    das ist eine gute Idee. Ich muss schauen welche Verbindungen es ab Düsseldorf gibt. Mit Finnair hat man aber glaube ich die kürzeste Flugzeit aufgrund der Flugroute. Wenn ich mich für Hokkaido entscheide dann würde ich wohl einen Gabelflug Sapporo Tokio wählen und den Japan Railpass nehmen. Es gibt ab Aomori einen Shinkansen der nach Tokio fährt und wenn ich mir die Entfernungen auf Hokkaido ansehe dann sollte sich der Railpass lohnen.

    Finnland scheint dir ja sehr zu gefallen. Du warst ja im Sommer und Winter dort.

    1. Hi Pasquale,

      ich weiss nicht, ob Finnair direkt nach Hokkaido fliegt. Aber generell hast du für Nordostasien via Helsinki recht gute Verbindungen. Und mit etwas Glück sind die Flüge auch recht günstig.

      Ja, Finnland mag ich sehr gern. Ich war sogar drei Mal dort innerhalb eines Jahres. Die Natur ist wunderschön und in den endlosen Weiten der Landschaft kann ich unglaublich gut entspannen. Am schönsten fand ich Finnland bisher aber im Herbst.

      Gruss,
      Oli

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