Montag, 18. Dezember 2017
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Sieben Mythen und Halbwahrheiten über Myanmar

In den leeren Tempeln und Pagoden von Bagan fühlt man sich wie ein Abenteurer aus dem 19. Jahrhunderts. Fotos: O. Zwahlen
In den leeren Tempeln und Pagoden von Bagan fühlt man sich wie ein Abenteurer aus dem 19. Jahrhunderts. Fotos: O. Zwahlen

Vor zwei Jahren war Myanmar auf der touristischen Weltbühne nur ein kleiner Nebenschauplatz. Heute boomt das Land. In diesem Beitrag haben wir ein paar Fakten zusammengestellt zu häufigen Fragen und Missverständnissen im Vorfeld einer Burmareise.

1. Es ist noch immer nicht politisch korrekt, Myanmar zu besuchen

Das muss natürlich jeder für sich selber entscheiden. Vor vielen Jahren hat die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi einmal Reisende aufgerufen, das Land zu boykottieren. Dieser Aufruf spukt noch immer in vielen Köpfen. Doch inzwischen hat sich vor Ort vieles verändert und sogar „The Lady“ hat sich von ihrem eigenen Aufruf distanziert.

Dennoch: Vieles ist auch beim Alten geblieben. Nach wie vor ist Myanmar fest in der Hand einer Militärjunta, die das Land seit vielen Jahren ausbluten lässt. Noch immer gibt es in den Grenzregionen blutige Konflikte mit den Minderheiten des Landes. Erst im vergangenen Jahr ereigneten sich  beispielsweise im westlichen Staat Rakhine Zusammenstösse zwischen verschiedenen Ethnien, die mehrere Tote forderten. Gleichzeitig hat jedoch auf einen Schlag die politische Repression nachgelassen und die Medienzensur ist stark zurückgegangen. Experten reden von irreversiblen Veränderungen.

Die Frage nach der Politik ist also noch immer nicht ganz leicht zu beantworten, auch wenn ich das in diesem Beitrag vor ein paar Monaten ansatzweise versucht habe. Wer sicher sein will, das Richtige zu tun, kann sich an die alten Empfehlungen halten: Achte darauf, dass dein Geld bei den Menschen ankommt und nicht bloss bei der Regierung landet. Das heisst, nimm lieber einen privaten Bus als die staatliche Eisenbahn – das fällt aber sowieso leicht, zumal die Eisenbahn kein besonders angenehmes Transportmittel ist. Und versuche Regierungshotels zu vermeiden.

2. Myanmar ist teuer

Das stimmt. Die Reisedestination Myanmar ist deutlich teurer als andere Ziele in Südostasien. Das beginnt schon vor beziehungsweise bei der Einreise: Über die Landgrenze lässt es sich nur im Rahmen einer geführten Tour und mit teuren Sondergenehmigungen einreisen. Das heisst, du brauchst einen nicht minder teuren Flug. Direkte Flüge ab Europa gibt es derzeit nur wenige. Du musst also höchstwahrscheinlich via ein asiatisches Hub fliegen. Da bieten sich vor allem drei Städte an: Ab Bangkok fliegen mehrere Airlines nach Myanmar. Preiswert ist die Einreise über Kuala Lumpur mit Air Asia. Ebenfalls sehr günstig sind die Flüge mit China Eastern ab Kunming.

Vergleichsweise teuer sind auch die Unterkünfte. Oft bekommt man für sein Geld wenig geboten. Backpacker-Hostels sind eine Seltenheit. Mehrbettzimmer sind mir nur an ganz wenigen Orten begegnet. Doch muss man die „hohen“ Preise in den richtigen Relationen sehen. Wenn wir in Europa solche Preise vorfänden, würden wir sie als spottbillig bezeichnen. Auch in touristischen Hochburgen lassen sich für 15 bis 20 Euro Zimmer finden. An vielen Orten auch für weniger.

Ein weiterer kostentreibender Faktor ist der Transport. Zwar sind Züge und Fernbusse nicht sehr teuer. Aber die Busterminals und Bahnhöfe befinden sich oft am Stadtrand. Da es keinen funktionierenden Nahverkehr gibt, muss man entweder teure Taxifahrten bezahlen oder ist auf die Willkür von Sammelrishaws angewiesen, die Touristen gerne etwas mehr abknüpfen.

Auf gewissen Strecken darf man nur die staatliche Eisenbahn, Schiffe oder Fähren verwenden.
Auf gewissen Strecken darf man nur die staatliche Eisenbahn, Schiffe oder Fähren verwenden.

3. In Myanmar darf man nicht frei reisen

Die Antwort ist hier ein klares „Jein“. Auf der Standardroute zwischen Bagan, Yangoon, Mandalay und dem Inle-See, welche die meisten Touristen (auch ich) auf der ersten Myanmarreise wählen, nimmt man kaum irgendwelche Restriktionen wahr. Anders sieht es jedoch aus, wenn man Ziele abseits dieser klassischen Route wählt. Viele Regionen sind noch immer geschlossen oder nur mit Spezialpermits zugänglich. Das heisst nicht nur, dass du dir lange im Voraus Gedanken über die Reiseroute machen musst, sondern auch, dass du nicht um geführte (staatliche) Touren herumkommst.

Oft bedeuten geschlossene Gebiete jedoch auch, dass du gewaltige Umwege in Kauf nehmen musst (zum Beispiel liegt Mrauk U nur etwa 200 Kilometer Luftlinie von Bagan entfernt, doch muss man für die Strecke einen Umweg wählen, der etwa fünf Tage dauert) oder dass du eine Strecke nur mit dem Schiff und dem Zug, nicht aber mit dem Bus zurücklegen darfst. Beides schränkt einen sehr bei der Planung der Route ein, insbesondere wenn man nicht so viel Zeit hat.

4. Du kannst nur Bargeld mitnehmen

Diese Info ist mittlerweile veraltet. Seit Ende des US-Embargos hat sich einiges verbessert. Inzwischen gibt es bereits vereinzelt Bankomaten, die auch ausländische Karten annehmen. Aber noch sind sie so spärlich gesät, dass du dich besser nicht darauf verlässt, dass du sie auch wirklich findest. Und bis es genügend Automaten gibt, gilt weiterhin: Bargeld ist Trumpf.

Beim Papiergeld solltest du unbedingt darauf achten, dass die Banknoten makellos sind. Sie müssen nicht nur gut aussehen, sondern sie müssen wirklich makellos sein. Das heisst, sie dürfen nicht gefaltet sein und keine Flecken haben. Das klingt alles lächerlich. Aber ich habe es selber erlebt, dass mir die Bank eine 100-Dollar-Note nicht einwechselte, weil sie angeblich schon einmal gefaltet worden war. Erst als mir der Angestellte eine Lupe brachte, konnte ich einen feinen Strich im Kopf von Präsident Benjamin Franklin erkennen.

Wenn du Banknoten auf der Bank  nicht tauschen kannst, ist das aber noch kein Weltuntergang. Ich fand nach einigem Suchen eine Apotheke, die meinen Geldschein gegen eine Gebühr von rund 10 Prozent entgegennahm. Der Besitzer des Ladens geht sowieso regelmässig nach Thailand, um dort Medikamente einzukaufen. Dabei kann er auch das Geld wechseln.

Mit etwas Glück dürfte sich diese Pingeligkeit bei den Banken ändern, sobald es zwischen den Zentralbanken von USA und Myanmar zu einem Währungsabkommen kommt.

5. Das Essen in Myanmar ist ungeniessbar

Eine der leckersten Speise Myanmars: Teeblattsalat.
Eine der leckersten Speise Myanmars: Teeblattsalat.

Mein früher Chef hat mir vor meiner Reise empfohlen, genügend Kekse mitzubringen, um das schlechte Essen im Land zu überstehen. Er hat das in seiner Art ironisch etwas übertrieben. Aber auch ich war erstaunt, wie wenig Gerichte mir in dem Land geschmeckt haben, das eigentlich eine vielversprechende geokulinarisch Lage hätte: Indien, China und Thailand haben ja jeweils eine grandiose Küche hervorgebracht. Offenbar waren die Grenzen bisher zu dicht, um die Kochkünste der Nachbarn reinzulassen. Meistens gab es fettige Currys mit zähem Fleisch. Nur ein einziges Gericht war wirklich ein Highlight, das ich auch zu Hause gerne essen würde: lahpet thouk, Teeblattsalat. Wenn du das irgendwo auf der Karte siehst: unbedingt probieren!

Ein besonderes Lowlight ist das Frühstück, das jeweils im Zimmerpreis inbegriffen ist. Normalerweise bekommt man ein paar Toastbrote mit säuerlicher Butter und ein Ei in einer frei wählbaren Form, sowie eine Frucht und einen Tee oder Kaffee.

6. In Myanmar kann man nichts ins Internet

Das ist falsch. Ich konnte praktisch überall, wo ich war, eine Internetverbindung finden. Mehrere Hotels und Guesthouses hatten Wifi, aber das ist nicht der Standard. Auch gab es an mehreren Orten Internetcafés, bei denen ich mein Laptop einstecken konnte (Laptops und Handy kann man heute problemlos ins Land mitnehmen!) und die gar nicht besonders viel kosteten.

Doch darf man vom Internet nicht zu viel erwarten. Es misslang mir regelmässig, in meinem Blog Bilder hochzuladen – und die hatten gerade einmal eine Grösse von 100KB. In Mandalay brauchte ich jeweils etwa fünf Minuten, um eine Facebookseite zu laden. Erschwert wird das ganze dadurch, dass das Internet noch immer zensiert ist. So soll beispielsweise Blogspot und Blogger nicht zugänglich sein. Ein anderer Reisender erzählte mir, dass sich GMail nur über https, nicht aber über http öffnen liess.

7. Es ist schwer, eine Unterkunft zu finden

Das ist leider korrekt. Ich war im Oktober in Myanmar unterwegs und somit knapp vor der Hauptreisezeit. Bereits bei mir kam es immer mal wieder vor, dass Hotels voll waren und ich mehrere Unterkünfte abklappern musste, bis ich was passendes fand. Bekannte erzählten mir, dass es während der Hauptreisezeit noch schlimmer ist und dass immer weniger Budgethotels bereit sind, Reservationen anzunehmen. Frei nach dem Motto, es kommt ja sowieso jemand.

Es ist zu erwarten, dass sich dieses Problem bald löst. An mehreren Orten haben die Hotelbesitzer bereits angefangen, auf den neuen Boom zu reagieren und weitere Zimmer anzubauen. Bis das so ist, solltest du vielleicht die Hauptreisezeit um Weihnachten vermeiden. Ich war selber in der Regenzeit unterwegs. Ja, ich bin ein paar Mal nass geworden. Aber insgesamt war das Wetter sehr schön.

Wenn Du Dich auf Myanmar vorbereiten willst, empfehle ich dir, dich auch einmal in unserem Forum umzusehen: www.traveltalk.weltreiseforum.com/forum5.html

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

7 Kommentare

  1. Es nicht ganz korrekt. Yangon wird von Frankfurt aus von „Condor“ angeflogen. Zrück geht es via Phuket.
    Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, will ich nicht beurteilen.

  2. Hi,
    Vielen Dank für deinen Beitrag auf time4adventure.de

    Sehr gelungener Beitrag 🙂
    jedoch muss ich dir im Punkto Essen widersprechen. Klar, die Küche kann nicht annähernd mit Thailand mithalten, jedoch fand ich das Essen teils richtig lecker 🙂

    Das gleiche gilt für Kambodscha: Viele sind der Ansicht das Essen dort sei schlecht. Ich findes es gut 🙂 Aber Geschmäcker sind eben unterschiedlich 😀

    Also Hau rein 🙂
    Kevinski

    • Hi Kevin,

      vielen Dank für den Input. Geschmäcker sind verschieden, klar. Ich wollte auch nicht den Eindruck erweecken, dass das Essen nun soo schlecht wäre, dass man besser Kekse mitbringt. Aber für die geokulinarische Location fand ich Myanmar doch etwas enttäuschend.

      Gruss,
      Oli

  3. Hi,war vor 2 Jahren in Burma, alles war ok.habe für in einem bisl schäbigen Zimmer übernachtet 2xpot Cafe, Wahl zwischen 4 verschiedene Frühstück fuer4€ incl.Nach 3 Wochen wollte ich 5€ Trinkgeld geben.der
    Mann sagte „was soll ich damit,alles bezahlt.
    Bin nie Taxi gefahren.war im Mai da, in der High Season siehts wohl anders aus.

  4. P.s ich erwartete von den offiziellen ein verhalten ala DDR, Immigration super hilfsbereit, als ich mal in ein miliaergebiet wanderte, ebenfalls sehr freundlich. Bei der Einreise nach Deutschland habe ich eher das Gefühl on einer Diktatur gelandet zu sein. Die Hilfsbereitschaft allgemein ist genial und das Volk machte auf mich kleinen unterdrücketen Eindruck.

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