Freitag, 24. November 2017
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Reykjavik: So verbringst du drei Tage in der Hauptstadt

Eines der Wahrzeichen der isländischen Hauptstadt: Das Harpa-Zenter. Fotos: OZ
Eines der Wahrzeichen der isländischen Hauptstadt: Das Konzerthaus Harpa. Fotos: OZ

Lohnt es sich, Reykjavik etwas länger zu besuchen? Und was kannst du in der isländischen Hauptstadt überhaupt unternehmen? Wenn du vor diesen Fragen stehst, dann ist dieser Text für dich. Ein paar Tipps für drei perfekte Tage in Reykjavik.

Für viele ist Reykjavik lediglich ein Zwischenstopp. Entweder unterbrechen sie den Interkontinentalflug zwischen Europa und Nordamerika oder sie bleiben nur so lange, bis sie einen Mietwagen oder Camper haben, mit dem sie Islands atemberaubende Natur entdecken.

Die Fahrt mit dem Camper auf der Ringstrasse war auch meine Motivation nach Island zu reisen. Trotzdem verbrachte ich drei volle Tage in der Hauptstadt – und ich habe es nicht bereut. So klein Reykjavik auch ist: Die Stadt hat einiges zu bieten.

Wieso es keine schlechte Idee ist, etwas länger zu bleiben und Reykjavik nicht bloss als Transitort zu betrachten, das erfährst du in diesem Routenvorschlag für drei Tage.

Tag 1: Entdecke Reykjaviks Altstadt

Deine Tour beginnst du bei der Hallgrims-Kirche. Das Gotteshaus, dessen Fassade an Pixel-Fehler erinnert, gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ihr Inneres ist zwar etwas bescheiden, aber du solltest auf jeden Fall auf den Turm, um dir einen ersten Überblick über die Stadt zu verschaffen.

Nun spazierst du zur Fussgängerzone Laugavegur. Nimm dir ruhig Zeit und schau dir die Läden etwas genauer an. Anders als in den meisten Hauptstädten der Welt überwiegen hier nicht internationale Ketten, sondern lokale Unternehmen.

Vom östlichen Ende der Fussgängerzone sind es nur wenige Meter bis zum Penis-Museum. Hier findest du eine beeindruckende Sammlung von Begattungsorganen quer durch das Tierreich. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das einzige Museum dieser Art weltweit, weswegen es (etwas unverdient) gehypt wird.

Nur wenige Schritte vom anderen Ende der Fussgängerstrasse liegt der kleine Tjörnin-See. An seinem Ufer befinden sich mehrere wichtige Gebäude wie das Rathhaus, die Universität und zwei Kirchen. Hier ist ein schöner Ort, um sich auf den Sitzbänken etwas auszuruhen und den Enten und Schwänen zuzusehen.

Obwohl schon über tausend Jahre Menschen in der Gegend leben, sind die wenigsten Gebäude wirklich alt.  Begib dich deswegen unter den Boden in die Settlement-Ausstellung 871. Hier findest du die Reste eines Langhauses aus dem 10. Jahrhundert mit hervorragenden interaktiven Schauplänen und eine Aussicht auf die Umgebung, wie es ihn vor der Stadtgründung gab.

Ebenfalls sehr sehenswert und gleich um die Ecke ist das Nationalmuseum, dessen ansehnliche Sammlung einen Einblick auf die stolze Geschichte dieses nordischen Landes erlaubt.

Blick über den Tjörnin-See im Zentrum von Reykjavik.
Blick über den Tjörnin-See im Zentrum von Reykjavik.
So sieht Reykavik ohne Häuser aus: Rundumsicht im Settlement-Museum.
So sieht Reykjavik ohne Häuser aus: Rundumsicht im Settlement-Museum.

Tag 2: Beobachte Wale und besuche den Hafen

Island gehört zu den weltbesten Regionen, um Wale zu beobachten. Leider spielt das Wetter nicht immer so wie es soll, deswegen empfehle ich, die Wal-Tour so zu legen, dass du im Falle eines witterungsbedingten Ausfalls noch einen Ersatztermin hast.

Ich habe mich für eine Tour mit Elding entschieden und war mit der Durchführung sehr zufrieden. Leider tauchte ausgerechnet bei mir kein einziger Meeresriese auf. Die Touren finden zwei bis drei Mal pro Tag statt. Die Tickets kaufst du direkt am Hafen. Am besten legst du die Ausfahrt auf die Randstunden, denn rund um den Hafen gibt es ein paar weitere Sehenswürdigkeiten, die du nicht verpassen solltest.

Wenn du vor oder nach der Fahrt etwas Zeit am Hafen hast, solltest du „The Cinema“ besuchen. Betrieben wird es vom Sohn eines bekannten isländischen Dokumentarfilmers und gezeigt werden in einer angenehmen Wohnzimmeratmosphäre Filme über Vulkanausbrüche, Nordlichter und andere isländische Eigenheiten.

Ebenfalls gleich beim Hafen befindet sich das Schifffahrtsmuseum Víkin. Darin wird die Geschichte der Fischerei spannend aufbereitet. Ausserdem lässt sich (zu bestimmten Zeiten) ein Schiff der Küstenwache besichtigen.

Auf keinen Fall sollest du das Konzerthaus Harpa verpassen. In dem modernen Gebäude finden regelmässig Konzerte und andere Darbietungen statt. Ein Besuch lohnt sich allein wegen der eindrücklichen Architektur – und die Restaurants haben einen guten Ruf.

Auf dem Rückweg solltest du der viel befahrenen Küstenstrasse Sæbraut folgen. Nach einigen hundert Meter kommst du an der Sonnenfahrt-Skulptur vorbei. Besonders eindrücklich ist das Wikingerboot aus glänzendem Edelstahl im Abendlicht, wenn im Hintergrund die Felsen im Meer tiefrot leuchten.

Der Hafen von Reykjavik.
Der Hafen von Reykjavik.
Die Sonnenfahrt-Skulptur erinnert an das Erbe der Wikinger.
Die Sonnenfahrt-Skulptur erinnert an das Erbe der Wikinger.

Tag 3: Tag im warmen Wasser

Mach dich gleich früh morgens auf zum Freilichtmuseum Árbæjarsafn. Rund 30 historische Gebäude wurden in allem Landesteilen abgebaut und hier auf einem Bauernhof wenige Kilometer vor Reykjavik originalgetreu wieder aufgebaut. Wenn dich das traditionelle isländische Leben interessiert, ist das ein toller Ausflug.

Wenn du genug vom kühlen und regnerischen Wetter hast, solltest du den Nachmittag im warmen Wasser verbringen. Hier hast du die Auswahl unter mehreren Möglichkeiten:

Der Schwimmingpool Laugardalslaug verfügt über je ein Frei- und ein Hallenbad. Zudem gibt es mehrere Hot Pots und eine Dampfsauna. Wenn dir der Sinn nach einem möglichst authentischen Erlebnis im Wasser steht, bist du hier gut aufgehoben.

Eine aussergewöhnliche Alternative bietet das Strandbad Nauthólsvík. Die Besonderheit: Hier wird das eiskalte Meer durch die Zuleitung von heissem Thermalwasser aufgewärmt. Wenn dir die Temperaturen zwischen 15 bis 19 Grad noch immer zu kalt sind, gibt es am aus Marokko eingeführten Sandstrand auch warme Becken.

Das bekannteste und vermutlich auch schönste Erlebnis hast du in der Blauen Lagune unweit des internationalen Flughafens. Allerdings musst du beim Preis ziemlich schmerzunempfindlich sein: Mit der Anreise kostet dich ein Tag im blauen Wasser mindestens 100 Euro. Mir war es das nicht wert.

Das bekannteste Thermalbald Islands: Die Blaue Lagune. Foto: Karin Beate Nøsterud/norden.org CC BY 2.5 dk
Das bekannteste Thermalbad Islands: Die Blaue Lagune. Foto: Karin Beate Nøsterud/norden.org CC BY 2.5 dk

Praktische Tipps für deine Zeit in Reykjavik

Hier ein paar praktische Tipps, damit deine Zeit in der isländischen Hauptstadt zu einem vollen Erfolg wird:

  • Reykjavik verfügt über grossartige Museen. Wenn du gleich mehrere besuchen willst (was je nach Jahreszeit und Temperatur keine schlechte Idee ist), lohnt sich unter Umständen die City Card ab 30 Euro. Kaufen kannst du sie entweder hier oder bei einem der teilnehmenden Museen.
  • Island ist bekannt für sein gutes Leitungswasser. Trink aber nur das kalte. Das warme kommt in der Regel aus dem Boden und riecht unangenehm nach Schwefel.
  • Viele Blogger empfehlen, die hohen Kosten für die isländischen Restaurants zu sparen und stattdessen selber zu kochen. Auch wenn hier das Sparpotential riesig ist, solltest du nicht vergessen, dass Reykjavik eine spannende Gastro-Szene hat, die zu verpassen schade wäre. Mein Tipp: Versuch die günstigen aber leckeren Roggenbrote im Cafe Loki.
  • Wenn du das kulinarische Reykjavik entdecken willst, kannst du vielleicht an einem geführten Rundgang durch mehrere Restaurants in Reykjavik teilnehmen.
  • Achte bei der Ankunft darauf, dass du nicht zu viel Geld wechselst oder abhebst. Du kannst fast überall mit der Kreditkarte bezahlen.
  • Das Zentrum von Reykjavik ist klein und lässt sich gut zu Fuss besuchen. Falls du auch Sehenswürdigkeiten ausserhalb sehen willst, ist ein Mietwagen eine gute Option. Hier findest du Angebote bereits ab 20 Euro. Für die Umgebung von Reykjavik (und die Golden Route) reicht ein Kleinwagen vollkommen.
  • Wenn du mehr von Island sehen willst, lohnt es sich, einen guten Reiseführer zu kaufen. Ich war mit dem sehr umfangreichen und hervorragend recherchierten Islandband vom Michael Müller Verlag unterwegs und kann ihn sehr empfehlen.
  • Die Wikingerinsel boomt derzeit. Das heisst, dass du während der kurzen Hauptsaison alles mit vielen anderen Reisenden teilen musst. Wenn du im Sommer nach Reykjavik (und Island allgemein) willst, solltest du deswegen frühzeitig die Unterkunft und den Mietwagen/Camper reservieren. In den weniger beliebten Jahreszeiten ist das (noch) nicht zwingend nötig.
Weitere Fragen stellst du am besten im Fremdenverkehrsamt von Reykjavik.
Weitere Fragen stellst du am besten im Fremdenverkehrsamt von Reykjavik.

Herausforderung Unterkunft

Die desolate Situation bei den Unterkünften habe ich bereits beschreiben. Ein passendes Hotel zu finden, ist auch deswegen schwierig, weil viele Etablissements nur gerade eine handvoll Zimmer haben. Auf Grund von persönlichen Empfehlungen habe ich mich für diese beiden Hotels entschieden. Ich kann sie mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Übernachtungstipp 1: Villa

Dieses kleine Boutique-Hotel befindet sich in bester Lage in Reykjavik 101. Bis zur Hallgrims-Kirche sind es nur ein paar Schritte und auch die bekannte Fussgängerzone Laugavegur befindet sich gleich um die Ecke. Der zentrale Busbahnhof, von wo aus du zum Flughafen gelangst, befindet sich ebenfalls in angenehmer Fussdistanz. Kurz: Die Lage ist perfekt.

Der wichtigste Grund, der jedoch für die Villa spricht, ist das Gebäude selber. Das rund hundertjährige Haus wurde nämlich vom gleichen Architekten entworfen wie die bekannte Hallgrims-Kirche. Um die hübsche Archiketur zu schätzen, muss man kein Nerd sein.

Die blitzblanken Zimmer sind funktionell eingerichtet und verfügten über eine sehr angenehme Heizung, was vor allem in den Wintermonaten sehr wichtig ist. Einziger Schwachpunkt: Die Räume sind – für Gebäude aus jener Zeit nicht untypisch – relativ klein, so dass es zum Beispiel nicht möglich ist, für Kinder Zustellbetten im Zimmer anzubringen.

Buchbar über: Website der Unterkunft oder booking.com

reykjavik_villa
Die Villa (rechts) und die Hallkrims-Kirche stammen vom gleichen Architekten.

Übernachtungstipp 2: Town House

Zugegeben: Der Name ist etwas irreführend. Das Town House befindet sich nämlich in einem typischen Wohnviertel etwas ausserhalb des Zentrums. Dadurch ist das Town House die perfekte Oase für alle, die es lieber etwas weniger touristisch mögen. Ganz verkehrt ist die Lage trotzdem nicht: Gerade um die Ecke befindet ein grosser Supermarkt für Selbstversorger und das Laugardalslaug Schwimmbad.

Die drei Zimmer sind liebevoll einrichtet, verfügen aber über kein eigenes Bad. Das muss man sich genauso wie die Küche/Esszimmer mit anderen Gästen teilen. Für mich war dies der Hauptgrund, wieso mir diese Unterkunft so gut gefallen hat: Beim Frühstück oder dem selber zubereiteten Abendessen kommt man leicht miteinander ins Gespräch.

Was allerdings am meisten für das Town House spricht, ist die Gastgeberin. Sie nimmt sich für jeden Gast Zeit und sorgt dafür, dass die Floskel „ein Zuhause in der Ferne“ mit Bedeutung gefüllt wird. Eine Besonderheit ist auch der Jacuzzi im Garten: Mit etwas Glück kannst du im warmen Wasser liegend die Nordlichter über der Stadt beobachten.

Buchbar über: Website der Unterkunft oder booking.com

Geräumig, sauber und mit einer grossartigen Gastgeberin: Das Town House.
Geräumig, sauber und mit einer grossartigen Gastgeberin: Das Town House.

Fazit

Auch wenn du wenig Zeit in Island hast, solltest du Reykjavik nicht ganz auslassen und dir zumindest die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anschauen. Es lohnt sich, ein Gefühl für diese doch eher aussergewöhnliche Stadt zu entwickeln. Ich war froh, dass die gebuchte Gletschertour am letzten Tag ausfiel und ich noch Zeit hatte, einen Tag im warmen Wasser zu verbringen.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

4 Kommentare

  1. Hi Oliver,
    was mir aufgefallen ist, ist dass du sehr gutes Wetter hattest. Bei den Bildern, die ich sonst so auf Island sehe, ist immer eine fette Wolkenschicht drauf. Kannst du vielleicht verraten, wann du dort warst? Und wie kalt war es dann eigentlich?
    Gruss,
    Phil

    • Hi Phil,

      ich war letztes Jahr Ende September/Anfang Oktober in Island. Die ersten fünf Tage war das Wetter echt super mit Sonnenschein und nur vereinzelten Wolken. Erst die letzten beiden Tage war alles wolkenverhangen und es regnete viel. Die Temperaturen waren bei etwa 10 Grad.

      Ich denke, dass ich einfach sehr viel Glück mit dem Wetter hatte und dass der viele Sonnenschein nicht direkt mit der Jahreszeit zusammenhing. Island im Herbst kann ich aber trotzdem empfehlen: Es ist leerer und günstiger. Vor allem aber hast du im Herbst bereits richtige Nächte und kannst mit etwas Glück bereits Nordlichter sehen. Bei mir war das während drei Nächten der Fall.

      Gruss,
      Oli

  2. Hi Oliver,

    schöner Artikel zu Reykjavik! Island reizt mich ja auch schon länger. Vielleicht muss ich mir jetzt endlich mal einen Ruck geben 😉

    Viele Grüße
    Imke

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