Montag, 18. Dezember 2017
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Reisen mit Kindern: 8 Familienblogger geben Tipps, Teil 1

Alleine zu verreisen braucht Überwindung. Noch mehr gilt das, wenn Kinder mitkommen. Dabei sagen reiseerfahrene Eltern: Alles keine Sache! In unserem neusten Round-Up-Post habe ich acht Familienblogger nach ihren wichtigsten Tipps fürs Reisen mit Kindern gebeten.

Ich kann mich noch gut an die Familienurlaube während meiner Kindheit erinnern. Meine Eltern waren danach regelmässig total erschöpft und sagte sich wohl insgeheim jeweils: nie wieder. Für mich und meine recht viel jüngere Schwester waren unsere Tripps jedoch tolle Erfahrungen. Erfahrungen, die – trotz des zeitweisen Stress – die Familienbande stärkten und sich insgesamt positiv auf alle Beteiligten auswirkten.

Als ich vor ein paar Monaten für diesen Beitrag fünf bloggende Pärchen auf Langzeitreisen fragte, wie sie die Harmonie erhalten können, wenn sie ständig aufeinander hocken, schrieb Jenny vom Blog Weltwunderer in einem Kommentar, dass dies bei Familien mit Kindern ja noch viel schwieriger sei.

Das hat mich überzeugt. Also machte ich mich auf die Suche nach Familien, die viel oder lange (oder beides) reisen und darüber in einem Blog berichten. Da ich selber keine Kinder habe, fiel es mir etwas schwer, eine konkrete Frage zu entwickeln. Also bat ich die Teilnehmenden einfach, ihren wichtigsten Tipp mit uns zu teilen. Durch die Offenheit der Frage gingen die Antworten teilweise in recht unterschiedliche Richtung. Spannend sind sie meiner Meinung alle geworden.

Familie Bauer von Abenteuerkultur.de

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Axel und Wibke sind seit vielen Monaten mit ihren beiden Kindern Smilla und Selma in Südamerika unterwegs – mit dem Fahrrad. Ihr Fazit: Plane mit Kindern nicht zu viel. Es kommt sowieso alles anders.

Reisen mit Kinder ist eine wundervolle aber manchmal auch anstrengende Angelegenheit. Deswegen sollte man, bevor es auf grosse Tour geht, einmal einen kleinen Trip mit dem Nachwuchs machen. Einfach um zu sehen, ob es allen Spaß macht. So eine Vorbereitungstour kann auch gerne zwei bis drei Wochen dauern. Ansonsten von uns ein paar heiße Tipps:

1.Vergiss alles Pläneschmieden! Es kommt sowieso anders.

2. Man braucht sehr, sehr wenig Ausrüstung. Je weniger man dabei hat, desto mehr konzentriert man sich auf das Wesentliche, desto weniger packt man morgens ein und abends aus.

3. Finde einen guten Reiserhythmus! Für alles gibt es seine Zeit: fürs Fahren, Spielen, Essen und Schlafen. Für die Anstrengung und die Muse.

4. Jeder ist ein vollwertiges Mitglied des Teams, jeder hat Bedürfnisse und Aufgaben. Nur allzu gerne opfern sich Eltern zu stark auf und sind am Ende der Reise frustriert. Bindet die Kids mit ein und gebt ihnen Aufgaben.

5. Verabschiedet euch vom „Urlaub machen“. Mit Kindern ist jeder Tag ein Abenteuer. (Entspannen könnt ihr euch dann zuhause, wenn sie (es) bei Oma sind/ist.)

Familie Hudson von Hudsonfamily.ch

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Nadine und Michael verbrachten mehrere Jahre mit ihren beiden Söhnen auf Achse. Teilweise waren die vier im Camper unterwegs, zwischendurch bewirtschafteten sie zwei Jahre lang ein Hotel in Südchina. Weitere Tipps zum Reisen mit Nachwuchs gibt findest du hier auf ihrem Blog.

Als unsere Jungs Drei und Vier waren, verliessen wir die Schweiz mit zwei Rucksäcken. Fünfeinhalb Jahre waren wir unterwegs. Fast die Hälfte der Zeit lebten und arbeiteten wir in einem Reisbauerndorf in Südchina, acht Monate kutschierten wir in einem Camper durch die USA und Mexiko und der Rest der Zeit waren wir per öV, Autostopp, Schiff, Kutsche, Kamel oder Esel unterwegs.

Reisen mit Kindern ist wertvoll, bereichernd und lässt einen sehr engen Bund zwischen den Familienmitgliedern wachsen. Und doch ist das Familienglück mit einem Flug in die Ferne nicht gesichert. Für eine erfolgreiche Reise braucht es mehr.

Bei Langzeitreisen brauchen wir alle Zeit zum Abschied nehmen und Ankommen. Gefühle können verrücktspielen, die Familienordnung muss neu definiert werden und die Kinder (und Eltern) sind nicht selten von den Alltagsarbeiten, die im Ausland zur Herausforderung werden, überfordert.

Der Luxus eines Langzeitreisenden ist Zeit und Spontanität, zwei herrliche Bereicherungen für Familien unterwegs. Planen ist gut, Pläne über Bord werfen, noch besser. Kinder sind oft glücklicher bei einem Ausflug zu einer lokalen Schule oder einem Fussballplatz als einem Nachmittag in der Tempelanlage. Weniger ist ganz klar mehr.

Familie Vetter von retrotravels.de

Fabian und Olga reisten ein Jahr lang mit Tochter Finia (4) durch Neuseeland und Australien. Davon fünf Monate zum Studieren in Perth, West Australien. Ihnen hat das Kind zahlreiche Türen geöffnet. Ihr wichtigster Tipp: Lasst euch von den Kindern leiten!

retrotravels

DEN Geheimtipp zum Reisen mit Kind gibt es wohl nicht, vielleicht eher Denkanstöße. Einen vorneweg: das größte Hindernis an einer Reise mit Kind ist nicht das Kind, sondern man selbst. Ja, komplizierter ist vielleicht manches – aber ein Kind ist ein wunderbarer Reisegefährte!

Die schönsten Momente waren die, in denen wir es geschafft haben, uns von unserer Tochter leiten zu lassen. Dann hört man auf zu denken, dass man noch hierhin und dorthin müsste, um letztlich nirgendwo richtig zu sein. Und man ist mittendrin im Jetzt und Hier: mit den Fingern im Sand und mit den Ohren bei Vogelstimmen und Wellen. Mit den Nasen im salzigen Wind und mit den Augen bei Pflanzen, lustigen Aufklebern an Straßenlaternen und schönen Seifenschalen im Hostel. Wenn man ehrlich ist, müsste man dazu nicht um die halbe Welt fliegen – unsere Tochter fand auch konsequent Schafe, Hühner und Gänse spannender als Delfine, Wale und Wombats. Doch warum nicht das eine mit dem anderen verbinden?

Kinder sind Knotenpunkte zu anderen Kulturen. Wir wurden von zahlreichen Familien nach Hause eingeladen; teilten einen Grill, ein Badezimmer und aßen im Schlafanzug zusammen Apfelstrudel mit Vanilleeis. Wie oft öffneten sich Tore und Türen – einfach, weil unser Kind dabei war. Und was wurden wir gewarnt, zum Beispiel vor den „kriminellen Maoris“ im Nord-Osten Neuseelands, und doch fanden wir uns einmal etwa für einen bezaubernden Nachmittag inmitten einer ärmlichen Maori-Großfamilie irgendwo in der Pampa wieder, umringt von ihren zehn jungen Welpen. Hätte unsere Tochter die Hunde nicht gesehen, an der Autoscheibe geklebt und uns sehnsüchtig angefleht, zu halten – wir hätten es nicht getan. Kinder schauen mit dem Herzen, nicht mit dem Reiseführer. Wenn man sich darauf einlässt, wird man reich beschenkt.

Familie Hahn von Family4travel

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Lena und Martin sowie deren Kinder Janis (9) und Silas (6) sind die Gesichter, die hinter einem relativ neuen Famlienblog stecken. Sie sind zwar keine Langzeitreisende im eigentlichen Sinn, dafür aber Viel- und Gernreiser. Hier fassen sie ihre Reisephilosophie zusammen.

Egal, ob es um Couchsurfing-Abenteuer, um Großstadt-Trips oder um ein paar entspannte Tage in der Natur geht: Wichtig ist unserer Meinung nach vor allem, dass die Kinder wissen, was auf sie zukommt. So ungefähr jedenfalls, denn genau wissen wir es ja oft selbst nicht. Aber was ist das für ein Land, in das wir fahren? Was ist dort anders als zu Hause? Wie lange werden wir fahren, und wo machen wir Rast? Wir sehen uns die Landkarte zusammen an und finden heraus, welche Sehenswürdigkeiten wo auf uns warten. In der Bücherei leihen wir Romane und Sachbücher aus, die mit unserem Urlaubsziel zu tun haben. So erleben die Kinder oft schon einen Wiedererkennungseffekt bei der Ankunft.

Lange Autofahrten teilen wir in maximal etwa 400 km lange Häppchen auf. In den Pausen dazwischen besichtigen wir was oder legen mindestens ein ausgedehntes Picknick ein. Generell versuchen wir eine Balance zwischen Kinder-Spaß und Erwachsenen-Spaß zu halten: Heute Vormittag Stadtrundgang, aber nachmittags geht’s auf den Spielplatz. Morgen erst Strand, dann Museum. Wobei wir alle vier Museen lieben. Eine gemeinsame Leidenschaft wie diese erleichtert die Programmplanung natürlich enorm.

Das Allerwichtigste, damit sich Kinder auf nicht ganz so „normalen“ Reisen wohl fühlen, ist aber, denke ich, die Grundeinstellung ihrer Eltern. Wenn Mama und Papa entspannt sind und sowohl die beiden als auch die bisherige Erfahrung den Kindern vermitteln: Wir haben zwar keine Ahnung, wo genau wir heute Abend schlafen, aber das wird bestimmt okay sein – dann ist das unstete Reisen auch für Kinder überhaupt kein Problem.

Schau dir unbedingt hier den zweiten Teil der Umfrage an. Hast du Kinder und willst mit ihnen verreisen? Unter dem Stichwort Reisen mit Kindern haben wir noch viel mehr interessante Themen für dich. Konkrete Reisetipps zu bestimmten Destinationen findest in unserem Traveltalk. Vergiss auch nicht, dich für den monatlichen Newsletter einzuschreiben.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

5 Kommentare

  1. Sehr schöne Interviews! Danke dafür und auch für die vielen Tipps! Bei uns gibt es übrigens einige Duzend weitere Interviews mit reisenden Familien zum Weiterlesen und Schmökern: http://www.kidsaway.de/urlaub-mit-kind/reiseplanung/reiseberichte/

    • Hallo Kerstin,
      ich kenne eure Seite und hab da auch schon das eine oder andere Interview gelesen. Super Sache. Sag mal, gibt es eine Möglichkeit, mit Dir in Kontakt zu treten? Ich hätte da nämlich ein paar spannende Ideen für Euch…
      Gruss,
      Oliver

  2. Tolle Idee, dass man so gebündelt so viele interessante Einblicke bekommt, vielen Dank. Mit meinen Kindern bevorzuge ich lieber in Österreich zu bleiben, angefangen von unserem fast traditionellen typischen Familienurlaub in Salzburg bis zu unseren Entdeckungsreisen zu den verschiedensten Attraktionen in unserem Heimatland. Alleine oder mit meiner Freundin geht es aber dann schon weiter, Afrika, Indonesien, Japan, in dieser Hinsicht finde ich diesen Blog super!

    Lg, Claudia

  3. Sehr gute Idee, so viele verschiedene Einblicke zu erhalten. Super Artikel! Wir haben zwei Kinder, fünf und zehn Jahre. Wir unternehmen, neben unseren Familien Österreich Urlauben, auch gerne und oft „ungewöhnlichere“ Reisen nach Indonesien, Afrika oder Camping in Kanada etc. Da heißt es dann oft: Was, das geht mit Kindern? Besonders oft hörten wir solche Kommentare als die beiden noch jünger waren. Aber ich denke, es ist wirklich Einstellungssache der Eltern und wie es den Kindern vorgelebt wird. Ich finde es wichtig für die Entwicklung der Kinder, diesen auch andere Kulturen und Lebensweisen näherzubringen.

    LG, Laura

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