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Reisen mit Drohnen: „Jeder Pilot sollte seine Komponenten kennen“

Francis Markert steuert seine Drohne über die Berge in Nordthailand.

Francis Markert bloggt auf my-road.de gemeinsam mit Sabrina Herrmann über das Reisen mit Drohnen. Vor kurzem haben sie einen Online-Kurs erstellt. Im Interview des Monats gibt er Tipps zum Reisen mit Drohnen.

WRF: Francis, ab Oktober verlangt Deutschland von Drohnenpiloten einen Kenntnisnachweis, immer mehr Orte werden gesperrt. Macht das Fliegen überhaupt noch Spass?

Francis Markert: Auf alle Fälle. Wenn am Ende aus einem oder mehreren Flügen ein tolles Video entsteht, ist das noch immer ein grossartiges Gefühl. Davon abgesehen: Die neuen Regeln schränken die Piloten sehr viel weniger ein, als man zunächst glaubt. Der Kenntnisnachweis wird ja erst für eine Drohne von mehr als zwei Kilo verlangt. Nur ein Bruchteil der Consumer-Drohnen dürfte von dem Kenntnisnachweis betroffen sein. Die Flugverbote mögen den einen oder anderen nerven, sind aber in vielen Fällen einleuchtend. So ist es zum Beispiel nachvollziehbar und sinnvoll, dass man nicht über Autobahnen oder Flughäfen fliegen darf.

Also alles halb so schlimm?

Definitiv. Die Bewegung geht ja in beide Richtungen. Es gibt in einigen Bereichen Verschärfungen, aber gleichzeitig wird auch einiges lockerer. Früher war es beispielsweise vorgeschrieben, jeden gewerblichen Flug in Vorfeld bewilligen zu lassen. Das Problem: Bereits wenn man am Ende das Video bei Youtube hochlädt und dort über simple Werbeeinblendungen Geld verdient, gilt dies als ein gewerblicher Flug. In diesem Punkt gibt es Erleichterungen, weil die rechtliche Trennung von privaten und gewerblichen Flügen grösstenteils entfällt.

Viele Leute reagieren beim Thema Drohnen sehr emotional. Zum Beispiel wegen des Lärms. Werdet ihr als Piloten auch angefeindet?

Aus unserer Erfahrung ist der Lärm nicht einmal die grösste Sorge. In vielen Köpfen hat sich festgesetzt, dass Drohnen automatisch die Privatsphäre verletzen. Die Leute haben Angst, dass sie unvorteilhaft im Internet erscheinen. Diese Furcht ist aber in den meisten Fällen unbegründet, denn mit einer handelsüblichen Kamera ist es ab einer gewissen Flughöhe ohnehin kaum möglich, Menschen zu erkennen. Wir versuchen im Vorfeld den Passanten zu erklären, was wir machen. Das ist natürlich nicht immer möglich. Um Ärger von vornherein aus dem Weg zu gehen, versuchen wir unsere Motive immer dann zu filmen, wenn wenige Personen vor Ort sind. So stehen wir auch schon mal ein paar Stunden eher auf, um am Strand allein zu sein und in Ruhe fliegen zu können.

 

Ihr habt mit der Drohne eine Weltreise unternommen. Woran sollte ich denken, wenn ich das auch will?

Du solltest dich immer mit den gesetzlichen Bestimmungen des Reiseziels auseinandersetzen. Eine ausführliche Übersicht für die meisten Länder haben wir hier  zusammengestellt. Wichtig ist, das bereits vor der Einreise zu tun, da Drohnen in vielen Ländern vorab registriert werden müssen. Wer das versäumt, riskiert eine Beschlagnahmung bei der Einreise. Vor dem Abflug musst du dich mit den Beförderungsbedingungen der Fluggesellschaft auseinandersetzen, denn auch dafür gibt es Vorgaben. Akkus dürfen ausschließlich im Hanggepäck befördert werden. Davon unabhängig solltest du während deines Aufenthaltes immer den Nachweis einer Drohnen-Versicherung bei dir tragen. Worauf man beim Abschluss einer solchen Versicherung achten muss, haben wir hier zusammengefasst. Ganz wichtig: die private Haftpflichtversicherung bietet keinen ausreichenden Schutz!

Weltreise mit Drohne: Worauf sollte ich beim Kauf achten?

Besonders wichtig scheint mir eine vernünftige Akkulaufzeit. Die Drohne sollte schon 20 bis 30 Minuten in der Luft bleiben. Bei der Bildauflösung gehen die Meinungen auseinander. Die Kamera sollte mindestens mit FullHD filmen können. Ich würde aber sogar eine 4K-Auflösung empfehlen. Das hat den Vorteil, dass du bei der grösseren Auflösung bestimmte Bereiche am Rand wegschneiden kannst, ohne dass du relevante Qualitätsverluste fürchten musst. Gerade bei schnellen Vorwärtsflügen hast du schnell die Propellerarme im Bild und diese lassen sich mit 4K Aufnahmen einfach wegschneiden. Über Sicherheitsfeature wie Return to Home (bei Verbindungsabbruch kehrt der Copter autonom zum Startpunkt zurück) sollte ebenfalls jede Drohne verfügen. Und dann ist da noch die Frage mit dem Gewicht.

Je leichter desto besser?

Bei einer Reisedrohne würde ich definitiv aufs Gewicht achten und ein Gerät wählen, das etwa ein Kilo wiegt, auf alle Fälle aber weniger als zwei Kilo. Bei leichteren Drohnen gelten nämlich oft weniger strenge Gesetze und sie sind natürlich auch einfacher zu transportieren. Andrerseits: Je leichter eine Drohne ist, desto anfälliger reagiert sie auf den Wind. Ausserdem haben schwerere Drohnen meistens mehr Features wie etwa hochklappbare Landefüsse, was das Schwenken der Kamera erlaubt und mir somit mehr Möglichkeiten beim Filmen gibt. Es gilt also die Vor- und Nachteile für den eigenen Bedarf abzuwägen. Hier  haben wir einen Vergleich von verschiedenen Modellen zusammengetragen. Auf Reisen ist meiner Meinung nach der ultraleichte DJI Mavic eine gute Wahl. Wem das Gewicht nichts ausmacht, empfehle ich die Yuneec Typhoon H wegen der freischwebenden Kamera. Wir filmen auch überwiegend mit dem Typhoon H.

Die beiden Blogger reisen mit Drohne um die Welt.

Woran sollte man denken, wenn man ein tolles Drohnenvideo aus dem Urlaub zurückbringen will?

Das Wichtigste ist das Licht. Es lohnt sich, im Vorfeld zu recherchieren, wann die Lichtverhältnisse am besten sind. Mit speziellen Apps lässt sich vorher prüfen, wann das gewünschte Motiv optimal ausgeleuchtet ist und wann du eine besonders schöne Lichtstimmung erwarten darfst. Videos werden besser, wenn man nicht einfach drauflos fliegt, sondern sich zuerst Gedanken über die Manöver und die Route macht. Wichtig ist dabei, Menschenmassen zu meiden. Auch wenn Drohnen generell sehr zuverlässig sind, ist eine Fehlfunktion möglich. Und dann soll sie ja niemand auf den Kopf fallen. Und bei Sehenswürdigkeiten ganz wichtig: Gibt es möglicherweise Flugverbote?

Ihr bietet einen Online-Kurs für Drohnenpiloten an. Was kann ich dort lernen?

Der Kurs hat verschiedene Schwerpunkte. Wir bringen den Teilnehmern zuerst die technischen Grundlagen bei: Wie funktioniert eine Drohne überhaupt und wie wird sie gesteuert? Jeder Copter-Pilot sollte sich mit den Komponenten auskennen. Natürlich geben wir unseren Kursteilnehmern auch Übungsaufgaben, mit denen sie schrittweise lernen, ihre Drohne besser zu steuern. In den folgenden Modulen legen wir dann den Fokus auf die fotografischen Aspekte. So lernst du unter anderem, welche Bewegungen du mit deinem Copter umsetzen kannst, damit sich dein Film von der Masse der Copter-Videos abhebt. Um das Maximum aus einer Drohne herauszuholen, besprechen wir die Grundlagen der Fotografie- und Videografie. Dabei gehen wir natürlich auch auf die besonderen Situationen ein, die uns bei Luftaufnahmen über den Weg laufen. Und natürlich gibt es ein eigenes Modul mit eher juristischen Fragen rund um das Medienrecht und das Luftrecht, damit du in keine rechtlichen Fallen tapst. Unser Kurs bietet also das Komplettpaket und vermittelt das gesamte Wissen, das ein Drohnen-Pilot haben sollte.

Disclaimer: Der Artikel enthält Affiliate-Links. Hintergrund des Interviews ist, dass wir vor einem Jahr mehrere Tage in einer Blogger-WG in Bangkok zusammen lebten.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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