Dienstag, 6. Dezember 2016
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Pushkar: Es geht auch ohne Kamele

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Heiliges Gewässer: Jedes Jahr strömen tausende Pilger zum Pushkar-See, um ein Bad zu nehmen. Fotos: Oliver Zwahlen

Pushkar ist vor allem für eines bekannt: Jeweils im Späterbst findet in der kleinen Stadt im indischen Wüstenstaat Rajastan einer der weltgrössten Kamelmärkte statt. Der Besuch lohnt sich jedoch aber auch ohne dieses Mega-Spektakel.

Für indische Verhältnisse ist hier tote Hose. Die teilweise engen Gassen von Pushkar sind wie leer gefegt. Hin und wieder kommt ein Tuk-Tuk-Fahrer vorbei und fragt, wo wir hin wollen. Doch auch von ihnen werden wir nur selten angesprochen. Nach mehreren Wochen in Indien ist das Erholung pur und vielleicht auch einer der Gründe, wieso die Stadt mit ihren 14.000 Einwohnern fest zum Backpacker-Circuit gehört. Wer genügend Zeit mitbringt, neigt dazu, länger als geplant im entspannten Ort zu bleiben.

Einer der Gründe ist natürlich auch, dass Pushkar indienweit zu den Orten mit dem besten Preisleitungsverhältnis bei den Hotels gehört. Unser Zimmer kostet nur gerade zwei Euro und ist natürlich entsprechend simpel. Statt einer Klimaanlage gibt einen Luftkühler, bei dem die Luft durch ein feuchtes Netz geblasen wird. Die Dusche hat nur kaltes Wasser. Aber alles ist sauber und im Garten gibt es sogar einen kleinen Swimming Pool, der zum Planschen einlädt.

30.000 Kamele auf einen Streich

Nicht immer ist es so ruhig: Jeweils im Oktober/November verwandelt sich die Stadt für rund eine Woche in einen gewaltigen Jahrmarkt. Nach der Sommerhitze kommen die Bewohner der nahen und fernen Wüstendörfer in die Stadt und legen das an, was sie im Verlaufe des Jahres erwirtschaftet haben. Dazu gehören, wie bei Wüstenbewohnern kaum anders zu erwarten, zum grössten Teil Dromedare. Bis zu 30.000 Tiere sollen pro Jahr im kleinen Städtchen den Besitzer wechseln. Das Pushkar-Mela gilt mit seinen rund 200.000 Besuchern als einer der grössten Kamelmärkt der Welt.

Im historischen Pushkar trifft man immer wieder auf Menschen in der traditionellen Kleidung der Wüstenbewohner.
Im historischen Pushkar trifft man immer wieder auf Menschen in der traditionellen Kleidung der Wüstenbewohner.

Den Höhepunkt des Volksfestes stellen jeweils die Wettspiele dar: Zum Beispiel das Wettrennen der Wüstenschiffe oder auch der Beauty Contest der Kamele. Ebenfalls gibt es jedes Jahr einen Wettbewerb im Seilziehen, bei dem die Einheimischen traditionellerweise auch gegen Touristengruppen antreten. Doch von alledem ist an diesem späten Frühlingstag wenig zu spüren. Kein einziges Kamel ist zu sehen. Nur ein paar Hunde steunen in der Gegend.

Ruhe an den Ghats

Der Sand knirscht leicht unter den Füssen, während wir uns zum Pushkar-See aufmachen. Wie viele andere Gewässer in Indien ist auch er heilig. Sein Ufer säumen 52 Ghats, also Treppen über die Gläubigen ins heilige Wasser herabsteigen konnten. Als wir allerdings den See aufsuchten, war er nicht mehr als eine staubige Bodenabsenkung. Nur am Rande gab es ein paar wenige kleine, künstliche Becken, die mit Wasser gefüllt waren. Die Bilder in den zahlreichen Verkaufsständen rund um den See liessen jedoch ahnen, dass der Ort auch ganz anders aussehen kann.

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Auf rund 16.000 Einwohner kommen in Pushkar mindestens 400 Tempel.

Interessant ist, wie der See der Legende nach entstanden ist. Brahma, der indische Schöpfergott entdeckte eines Tages, dass er als einziger Gott keinen irdischen Wohnsitz hat. Auf Anraten von Shiva flog er auf einem Schwan über die Wüste und liess drei Lotusblätter fallen. Dort wo eine der Blüten hinfiel, entstand eine Quelle, die den Pushkarsee bis heute unterirdisch speist.

Normalerweise herrscht an den Ghats ein buntes Treiben. Während ich auf auf die leeren Stufen runterblicke, nähert sich ein Mann. Er malt mir einen roten Punkt auf die Stirn und will mir eine Blume geben, damit ich die ins Wasser werfen kann. Das sei die Tradition.  Überlieferung hin oder her, ich wittere eine Tourifalle und versuche abzulehnen. Doch so leicht gibt der freundliche Mann nicht auf. Er folgt uns auf die Ghats und versucht, uns doch noch zu überzeugen. Später habe ich auf Blogs gelesen, dass es sich dabei um falsche Priester handelt, die Rupien für die Blumen wollen, sobald die unumkehrbar im See gelandet sind.

So sieht es aus, wenn Touristen versuchen, den Turban selber zu wickeln.
So sieht es aus, wenn Touristen versuchen, den Turban selber zu wickeln.

Auf dem Rückweg machen wir halt in einem Laden, wo Saris und Turbane verkauft werden. Die Verkäufer sind sehr freundlich und erklären uns, dass der Kopfschmuck für die Zugehörigkeit einer Gruppe steht. Alle 20 Kilometer haben die Turbane andere Muster. Als der Verkäufer uns einen Turban probeweise umwickelt, bin ich erstaunt, wie gross das Stofftuch ist: Etwa ein Meter breit und etwa zehn Meter lang.

Praktische Informationen:

Die Hotelzimmer sind normalerweise sehr preiswert. Während der Kamelmesse ist jedoch alles ausgebucht und selbst das Übernachten in den bereitgestellten Zelten kann teuer werden.

Für einen Überblick über das Städtchen kann man auf einen der Hügel in der Umgebung wandern. Auf einem der Gipfel gibt es auch einen kleinen Tempel, der ein schönes Fotomotiv bildet.

Innerhalb eines vollen Tages lassen sich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt abklappern. Aber wer mehr Zeit hat, kann durch die zahlreichen Gassen irren und das gemächliche Treiben der Wüstenstadt geniessen.

Pushkar liegt nur gerade 11 Kilometer von Ajmer entfernt, wo auch die nächste Eisenbahnstation liegt. Auch Ajmer ist durchaus ein Besuch wert.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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