Dienstag, 6. Dezember 2016
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Polterabend: „Ein Bar-Guide gehört einfach dazu“

Rasmus Christiansen hat sich mit Pissup Reisen auf das Organisieren von Politerabenden spezialisiert. Foto: ZVG
Rasmus Christiansen hat sich mit Pissup Reisen auf das Organisieren von Politerabenden spezialisiert. Foto: ZVG

Seit bald zehn Jahren hilft das Reisebüro Pissup Reisen (dt. Saufgelage) bei der Organisation von Polterabenden. Firmenchef Rasmus Christiansen erzählt im Interview des Monats von den jüngsten Trends und sagt, worauf man bei der Organisation achten sollte.

WRF: Herr Christiansen, sind Polterabende eigentlich peinlich?

Rasmus Christiansen: Nein, das denke ich nicht. Für viele ist der Junggesellenabschied ein ganz besonderes Erlebnis. Er soll Spass machen, witzig sein und lange in Erinnerung bleiben. Da darf man auch mal über die Stränge hauen. Aber es ist natürlich klar, dass der Anlass auch zur Person passen muss. Jeder feiert ein bisschen anders. Hier braucht es bei der Planung Fingerspitzengefühl.

Was braucht es sonst noch für den perfekten Polterabend?

Eine grosse Last liegt auf dem Trauzeugen. Da er normalerweise für das Programm zuständig ist, muss er den Bräutigam und dessen Vorlieben gut kennen. Er muss aber auch die passenden Leute einladen. Meistens sind das um die 15 Personen. Sehr bewährt hat sich, einen lokalen Bar-Guide anzuheuern. Das ist ein Einheimischer, der das Nightlife in der Stadt gut kennt und weiss, welche Bars und Clubs gerade angesagt sind und welche weniger.

Ein Polterabend besteht nicht nur aus saufen. Was ist sonst noch beliebt?

Unsere Kunden buchen häufig einen Ausflug auf einen Schiessstand und lassen sich gerne mit einer Stretch-Limousine am Flughafen abholen – einschliesslich Stripperin im Auto. Ebenfalls sehr beliebt sind nachgestellte Entführungen und Verhaftungen. Hier muss ich allerdings ehrlich zugeben: In den meisten Fällen dürfte der Bräutigam den Braten riechen. Wir haben auch ausgefallenere Aktivitäten wie zum Beispiel ein Panzerrennen oder ein Flug in einem Militärjet.

Freude am Feuer: Der Besuch auf einem Schiessstand gehört bei vielen Junggesellenabschieden dazu.
Freude am Feuer: Der Besuch auf einem Schiessstand gehört bei vielen Junggesellenabschieden dazu.

Sie bieten hauptsächlich Junggesellenabschiede in Osteuropa an. Wieso?

Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal ist das eine Preisfrage: Nicht nur Anreise und Unterkünfte sind dort häufig deutlich günstiger, sondern auch das Bier. Zweitens hat das Nachtleben in vielen osteuropäischen Städten häufig einen sehr guten Ruf und ist ideal für Leute, die einen draufmachen wollen. Drittens ist Osteuropa in vielen Bereichen liberaler wie zum Beispiel den Waffengesetzen. Wir haben aber auch westeuropäische Städte die sehr beliebt sind wie zum Beispiel Amsterdam.

Sie führen das Unternehmen Pissup Reisen seit bald zehn Jahren. Wie haben sich in dieser Zeit die Trends verändert?

Es gibt zwar immer wieder neue Aktivitäten wie zum Beispiel Bubble Soccer oder Beer Bike. Wer das nicht kennt: Beim ersten spielt man in einem aufblasbaren Kostüm Fussball. Das Beer Bike ist im Prinzip eine fahrende Bar, in der die Gäste während des Trinkens in die Pedale treten müssen. Doch insgesamt haben sich Ablauf und die Aktivitäten wenig verändert. Der grösste Unterschied ist, dass immer mehr den Polterabend im Ausland oder zumindest in einer fremden Stadt feiern wollen. Das ist auch verständlich: Wer im entsprechenden Alter ist, muss teilweise pro Jahr an drei oder mehr Polterabende gehen. Da will man nicht immer in der gleichen Bar abfeiern.

Wieso braucht es für den Polterabend einen Partyplaner?

Wir führen mit den Kunden im Vorfeld lange Gespräche, um bei der Suche nach den passenden Aktivitäten zu helfen. Dadurch entstehen neue Ideen. Wir hören gelegentlich, dass Gruppen eine airbnb-Wohnung mieten und  dann wegen des Lärms mitten in der Nacht auf die Strasse gesetzt werden. Auf solche Probleme achten wir schon bei der Buchung der Unterkunft. Und hin und wieder werden Partygäste in Striplokalen abgezockt. Wer mit einem renomierten Anbieter reist, der hat eine Garantie, dass er nur in gute Clubs geht.

Polterabend kennen vor allem wir aus Filmen wie Hangover. Geschehen solche Geschichten auch in Echt?

Wir hatten noch keinen Kunden, der neben einem weissen Tiger aufwachte. Aber wir hatten schon vereinzelt Gäste, die sich am nächsten Morgen in einer Ausnüchterungszelle wiederfanden. (lacht). Die vermutlich verrückte Geschichte erlebten wir übrigens mit einem Rugbee-Team, das eine geschlossene Tür einrennen wollte. Die Tür blieb zu, aber drei der Sportler hatten danach eine gebrochene Schulter.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

2 Kommentare

  1. Halli zusammen,
    ich bin gerade auf das Interview hier gestoßen. Für mich wird ein Polterabend mit Braut und Bräutigam gemeinsam gefeiert, mit vielen Gästen und vielleicht wird auch Geschirr geworfen. Ein Junggesellenabschied ist aber dann getrennt für sie und ihn und da im Interview nur die Männer erwähnt wurden wollte ich mal fragen, ob diese Reisen auch für Mädelsgruppen organisiert werden und was da so die gebuchten Trends sind.
    LG Annika

    • Hi Annika,

      den „letzten Abend in Freiheit“ kann natürlich jeder so handhaben, wie er oder sie will. In meinem privaten Umfeld war es aber eigentlich praktisch immer so, dass es nur eine Männerrunde war (und ich auf Grund meines Geschlechts von den Partys meiner Freundinnnen ausgeschlossen wurde *sniff). In allen Fällen wurde übrigens von Polterabend geredet. Da kanns aber wohl auch regionale Unterschiede geben.

      Pissup als Marke ist nur für Männer, wenn ich das richtig verstanden habe. Es gibt eine Schwesterfirma, die sich auf Junggesellinnenabschiede spezialisiert haben. Da habe ich aber den Namen grad nicht mehr im Kopf. Deswegen habe ich beim Interview den Fokus auf die weiblichen Trends gelegt. Vielleicht mache ich irgendwann noch ein zweites Interview mit dem weiblichen Pendant, wenn das hier viele interessiert…

      Gruss,
      Oli

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