Samstag, 18. November 2017
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Plädoyer für eine Reise nach Venedig im Herbst

Venedig im Herbst: Abendstimmung am Canale Grande, der Hauptverkehrsader Venedigs. Foto: Oliver Zwahlen
Abendstimmung am Canale Grande, der Hauptverkehrsader Venedigs. Foto: Oliver Zwahlen

Die kühlen Novembertage gelten nicht unbedingt als beste Saison für eine Reise nach Venedig. Dabei hat die Stadt gerade in dieser Jahreszeit ihre ganz besonderen Reize – zum Beispiel leere Straßen. Ein paar Gedanken zum Entschärfen einer Touristenfalle.

Venedig hat in mir schon immer gemischte Gefühle hervorgerufen. Die Stadt zog 2011 etwa 30 Millionen Besucher an. Wenn diese Zahlen, die ich in einem Artikel des Bayrischen Rundfunks gefunden habe, stimmen, dann spazieren im Schnitt jeden Tag rund 80.000 Touristen durch die relativ kleine Altstadt – vermutlich sind es noch mehr, denn die wenigsten Gäste werden nur einen Tag bleiben. Im Vergleich dazu leben heute nur noch gerade 60.000 Menschen in der Lagunenstadt. Kein Wunder habe ich bisher von fast jedem Rückkehrer den gleichen Satz gehört: „Sehr schön, aber auch sehr touristisch.“

Auf den anderen Seite kann man einer Stadt natürlich nicht vorwerfen, dass sie beliebt ist. Wie ich vor einiger Zeit bereits in einem anderen Artikel schrieb, sind solche Destinationen nicht ohne Grund das geworden, was heute sind: Touristenfallen. Als sich mir vor ein paar Wochen eine günstige Mitfahrgelegenheit eröffnete, habe ich mich entschlossen,  der Stadt an der Adria endlich doch einen Besuch abzustatten.

Zum Glück ohne Gummistiefel

Ich hatte auch aus einem anderen Grund lange gezögert, ob ich gehen soll: Das Wetter zeigt sich im Spätherbst oft nicht gerade von seiner Sonnenseite. Meist ist die ganze Stadt in einen dichten Nebel gehüllt, der mir fast alle Fotos ruiniert hat. Doch es kann auch passieren, was meiner Bloggerkollegin Anita widerfahren ist: Als sie dort eines Morgens aufwachte, waren die Straßen um das Hotel überschwemmt. Das sah dann so aus.

Dunstiges Wetter bei der Rialtobrücke.
Dunstiges Wetter bei der Rialtobrücke.

Offenbar drücken Stürme den Wasserspiegel regelmäßig nach oben. Alles Erstes wird dann das touristische Zentrum rund um den Markusplatz überschwemmt, da dieser Teil Venedigs am tiefsten liegt. Aber da die Stadt sehr flach ist, ist die Chance hoch, auch an anderen Orten nasse Füße zu kriegen. Anita schreibt, dass an solchen Tagen bis zu 70 Prozent der gesamten Stadt zumindest teilweise unter Wasser stehen. Die Venezianer sprechen in so einem Fall von Acqua Alta (Hochwasser) und beginnen Fuß-Brücken zu bauen und Gummistiefel zu verkaufen. Zweifellos ist das ein Erlebnis der besonderen Art, allerdings eines von dem ich nicht so sicher war, dass ich es wollte.

Leere Straßen trotz Biennale

Ich hatte jedoch keinerlei Probleme. Im Gegenteil, ich empfand Venedig im Herbst geradezu perfekt. Zwar sang kein einziger Gondoliere mehr und auch den Geigern im Caffè Florian auf dem Markusplatz war anzusehen, dass es ihnen mehr Spaß bereitet, vor einem größeren Publikum zu spielen. Dafür hatte ich auf den Straßen Platz. Sobald ich die Hauptachse verließ, konnte ich all die wundervollen Ecken der Stadt nahezu alleine genießen. Auf vielen der 400 Brücken traf ich keinen einzigen Menschen an. Und obwohl der Nebel jeden Morgen die Stadt umhüllte (was einem besseren Fotografen als mir bestimmt hervorragende Fotomotive geboten hätte), dünnte er sich im Verlaufe des Tages jeweils so weit aus, dass ich am Abend die Sonne sehen konnte. Bei Regen besuchte ich die Biennale, die noch immer lief. So hatte ich Gelegenheit, unterschiedliche Ausstellungen zu besuchen, ohne dabei ständig anderen Kunstinteressierten auf den Füßen rumtrampeln zu müssen.

Venedig im Herbst: Die perfekte Zeit für Schnäppchenjäger. Foto: Oliver Zwahlen
Venedig im Herbst: Die perfekte Zeit für Schnäppchenjäger. Foto: Oliver Zwahlen

Die Jahreszeit hat jedoch auch finanzielle Vorteile. Bereits bei den Vorbereitungen für die Reise habe ich hier einen Beitrag zusammengestellt, wie sich in Venedig Geld sparen lässt. Im Spätherbst und wohl auch im Winter ist das Sparpotential jedoch besonders groß, da dann die Flüge günstiger sind. Auch die Unterkünfte kosten weniger beziehungsweise es ist leichter, in den preiswerten Hotels Platz zu finden. Günstige Hotels und viele Schnäppchen findest du übrigens auf den Vergleichsportalen booking.com* und agoda.com*.

Der Traum vom leeren Venedig

Der Traum von einem leeren Venedig habe nicht nur ich. Reiseunternehmer und Reisemagazinen werben immer wieder mit einem „Venedig abseits der Touristenpfade“.  Dieses Versprechen ist zweifellos nicht einhaltbar – auch wenn es abseits von Markusplatz und Rialto-Brücke durchaus durchaus Orte gibt, wo Touristen noch in der Minderheit sind. Beste Zufluchtsorte sind die Inseln in der näheren Umgebung.

Die wohl berühmteste Nachbarinsel ist das kleine Murano, die Stadt der Glasbläser. Hier kann man den Meistern dabei zusehen, wie sie aus einem glühenden Klumpen Glas in allen erdenklichen Formen herstellen. Ebenfalls wenige Besucher setzen zur Isola Di San Giórgio Maggiore über. Dabei wartet die kleine Insel mit einer äußerst sehenswerten Klosteranlage aus dem 16. Jahrhundert auf. Allerdings habe auch ich sie nur aus der Ferne betrachtet. Brunano und Torcello liegen so weit entfernt, dass sie bei den meisten Besuchern vom Radar verschwunden sind.  Noch ruhiger geht es auf der Isola Di San Michele zu. Kein Wunder: Schließlich diente diese Insel der Stadt seit Jahrhunderten als Friedhof. Manche Grabstätten sollen sehr prunkvoll ausgestattet sein.

Schwimmende Städte vor dem Markusplatz: Schiffe wie die MSC Vivina dürfen ab kommendem Herbst in Venedig nicht mehr anlegen. Foto: Oliver Zwahlen
Schwimmende Städte vor dem Markusplatz: Schiffe wie die MSC Vivina dürfen ab kommendem Herbst in Venedig nicht mehr anlegen. Foto: Oliver Zwahlen

Auch im Zentrum könnte es bald ruhiger werden. Der Grund dafür ist, dass die grössten Kreuzfahrtschiffe aus Venedig im Herbst 2014 verbannt werden sollen. Diese schwimmenden Städte mit einer Verdrängung von 96.000 Bruttoregistertonnen transportieren locker 4000 Passagiere. Grund für das Verbot ist der Umweltschutz: ihre Abgase sollen die Luft so sehr verschmutzen wie 14.000 Autos. Die riesigen Schrauben bewegen zudem das Wasser mit so einer Wucht, dass die Fundamente der uralten Gebäude unterspült werden. Für eine Stadt, die ohnehin verzweifelt gegen das Absaufen kämpft, ist das eine gute Nachricht.

Willst du mehr zum Thema erfahren, dann besuche unsere beiden Stichwörter Italien und Venedig. Fragen und Kommentare am besten hier oder in unserem angehängten Reiseforum.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

Ein Kommentar

  1. ein echt interessanter Beitrag gut zu wissen das ich Gummi Stiefel tragen sollte ^^

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