Freitag, 15. Dezember 2017
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  • Schweiss treibende Arbeit: Kerzenziehen bei über 30 Grad.

  • Der blinde Musiker sorgt vor der Kirche für Unterhaltung,

  • Ventilatoren sorgen im Innern der Kirche für einen kühlen Luftzug.

  • Pilger besuchen regelmässig die Statue des Heiligen Antonius.

  • Das Äussere der Kirche

Philippinen: Der heilige Antonius ist weit gereist

Jedes Jahr im Juni verwandeln Gläubige das philippinische Kleinstädtchen Sibulan in das Zentrum eines gewaltigen Volksfests.  Dabei wird jeweils der heiligen Antonius von Padua geehrt – eines der wenigen Übrigbleibsel der über 300-jährigen Herrschaft der Spanier über das Inselreich.

Es war ein nettes Wiedersehen mit der Kirche von Sibulan und mit San Antonio, wie ihn die Einheimischen liebevoll nennen. Sie lieben ihn, ihren San Antonio, und sehen ihn wohl als eine Art universellen Nothelfer an. Gemeint ist der heilige Antonius von Padua, dem die erst 1953 erbaute Kirche in der Ortschaft Sibulan geweiht ist. Im Inneren fällt sofort auf, dass statt der üblichen Luster Ventilatoren von der Decke hängen. In den Tropen eine notwendige und alltägliche Sache.

Viel wichtiger als die Kirche sind jedoch die eher unauffälligen Statuen des Heiligen. Eine im Freien und eine in einer Kapelle, rechts der Kirche. Sie sind das Ziel zahlreicher Pilger. Davor werden Gebete, Wünsche und Hoffnungen still formuliert und die Statue wird dabei berührt. An der Wand daneben steht geschrieben: „Er ging zum Meer und rief die Fische. Die Fische hörten seine Botschaft von Gott. Sie neigten ihre Köpfe und hatten verstanden“. Der Text in der Lokalsprache Cebuano schildert Antonius berühmte Predigt zu den Fischen.

Natürlich werden auch reichlich Kerzen gespendet. Diese werden vor Ort produziert und noch von Hand in großen Bottichen gezogen. Eine schweißtreibende Arbeit bei 34 Grad Lufttemperatur. Die Kerzen werden nicht auf einem Ständer vor der Statue aufgesteckt, sondern auf einen Metallrost gelegt. Das hat wohl ganz praktische Gründe. Die Kerzen brennen sehr schnell ab, das Wachs rinnt in einen Behälter unter dem Rost und wird sogleich wiederverwertet.

Auch der blinde Gitarrist gehört dazu. Immerhin, er ist tatsächlich blind und gerne gebe ich meinen Obolus. Sein Helfer bejaht freundlich meine Frage, ob ich ein Foto machen dürfe.

Jährliches Pilgerfest

An Pilgern mangelt es nie, doch ist der 13. eines Monats ein besonderer Tag und am 13. Juni eines jeden Jahres gibt es eine große Fiesta zu Ehren des San Antonio. Der 13. Juni 1231 ist nämlich des Heiligen Todestag. Doch wer war Antonius von Padua?

Fernando Martim wurde als Sohn einer portugiesischen Adelsfamilie um 1195 in Lissabon geboren. 1220 trat er, erschüttert vom Schicksal von fünf Franziskanern, die in Marokko missionieren wollten und brutal ermordet wurden, in Coimbra in das Franziskanerkloster ein und nahm den Ordensnamen Antonius an.

Im gleichen Jahr reiste er selbst nach Marokko. Während der krankheitsbedingten Heimreise jedoch verschlug ein Sturm sein Schiff nach Sizilien und von dort reiste er nach Assisi, wo er im darauffolgenden Jahr am Generalkapitel seines Ordens teilnahm und dem Ordensgründer Franziskus persönlich begegnete.

Antonius war gelehrt und vor allem ein charismatischer Prediger. Von 1222 bis 1230 wirkte er als Bußprediger in Oberitalien, aber auch in Südfrankreich. In diese Zeit fallen auch die zahlreichen Wunder, die ihm zugeschrieben werden. Danach legte er entkräftet seine Ämter nieder und starb 1231 im Klarissenkloster Arcella bei Padua.

An seinem Grab ereigneten sich weiterhin so viele Wunder, dass es nicht erstaunt, dass Antonius der vom Volk am meisten verehrte Heilige der katholischen Kirche ist. Am 13. Juni feiert natürlich auch seine Geburtsstadt Lissabon den Heiligen mit einem großen Volksfest. Zu diesem Anlass finanziert die Stadtverwaltung 16 ausgewählten Paaren eine feierliche Trauung.

Wie stets bei einem Fest, bleibt es auch in Sibulan nicht bei religiösen Zeremonien. Straßen und Plätze sind festlich beflaggt, rund um die Kirche gibt es zahlreiche Verkaufsstände, es wird Musik gemacht und eine Parade abgehalten. Eine richtige Fiesta eben, von denen es in allen Provinzen der Philippinen viele gibt. Da sind die Filipinos echte Südländer.

Starker Einfluss der USA

Merkwürdigerweise waren die Spanier, sonst wegen ihrer Brutalität gefürchtet, auf den Philippinen vergleichsweise zahm. Die Amerikaner hingegen führten um 1900 einen grausamen Eroberungskrieg gegen die Philippinen.

Vielleicht sind die Filipinos als Katholiken in besonderem Maß zur Vergebung bereit, denn das Fast Food der ehemaligen Feinde ist ihnen zum grausamen Standard geworden. Da wäre mir Spanisches wesentlich lieber.

Die Straße nach Dumaguete ist sehr stark befahren und führt am kleinen Flughafen vorbei. Der Anflug über die Berge ist übrigens beeindruckend. Die Landung auf der kurzen Landebahn ebenso. Der Straßenverkehr hat definitiv seinen Reiz. Überholen in zweiter und dritter Spur? Ganz normal und niemand nimmt es übel.

Also alles ganz locker? Mitnichten, denn die Lockerheit endet abrupt, sobald man in irgendeiner Form mit der philippinischen Bürokratie in Berührung kommt. Die ist wohl eine Mischung aus spanisch-amerikanischem Denken und Ritualen der Ureinwohner. Aber San Antonio ist eine Oase der Ruhe und der Besinnung. Und wem Sport und Erholung wichtiger sind: schöne Tauchreviere und Beach-Clubs gibt es zahlreich in der weiteren Umgebung.

Wo ist Sibulan?

Sibulan liegt auf der philippinischen Insel Negros, nahe der quirligen Provinzhauptstadt Dumaguete City. Negros ist in zwei Provinzen geteilt: die östliche und die westliche. Wir befinden uns auf der östlichen Hälfte. Von hier legen zahlreiche kleine und große Fähren zur Nachbarinsel Cebu ab.

Über Carl Panagl-Holbein

Autor, lebt und arbeitet in Wien. Thematische Schwerpunkte:: Reise, Kunst, Kultur.
Persönliche Vorlieben: Musik, Malerei, Photographie.

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