Montag, 18. Dezember 2017
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New Yorker Meatpacking District: Im schicken Schlachterviertel

Der Meatpacking District in Manhatten hat sich vom früheren Schlachthof der Stadt zum Szeneviertel entwickelt. Foto:  Sunshinecity / Wikimedia
Der Meatpacking District in Manhatten hat sich vom früheren Schlachthof der Stadt zum Szeneviertel entwickelt. Foto: Sunshinecity / Wikimedia

Genau 10 Jahre ist es nun her, seit das New York Magazine das Meatpacking District zum „angesagtesten Stadtteil“ gekürt hat. Grund genug, sich die Wohngegend in Manhattan mal genauer anzuschauen. Ein Gastbeitrag von Marie Clemens.

Als Moderedakteurin habe ich das Glück, in regelmäßigen Abständen in meine Traumstadt fliegen zu dürfen. Meist zwar leider nur für einen sehr kurzen Aufenthalt, aber ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn ich wieder hinkomme in die Modemetropole.

Neulich sah ich bei einem befreundeten Fotografen Bilder aus dem Meatpacking District, welcher offiziell eigentlich Gansevoort Market heißt. Wie kann es sein, dass mir dieses kleine Viertel bislang entgangen ist? Und das, obwohl es sich in den letzten Jahren zum absoluten Trendspot entwickelt hat? Da ich mich nicht völlig blamieren will, stehe ich neben dem Fotografen, nicke kompetent-wissend und versuche, beim Betrachten der Fotostrecke während der Redaktionskonferenz betont lässig zu wirken und mir ja keine Blöße zu geben. Innerlich setze ich das „MPD“ natürlich umgehend auf meine persönliche To-Do-Liste und beschließe, mich beim nächsten New York Trip dort einmal näher umzuschauen.

Gesagt, getan. Nachdem ich alles Geschäftliche erledigt hab, streife ich endlich wieder durch New York City. Zuerst ein leckerer Bagel auf die Hand (wenn die New Yorker eins können, dann sind es Bagel), dann ziehe ich durch die Straßen.

Vom Schlachthof der Stadt zum Trendort

Das ehemalige „Schlachterviertel“ ist eine Wohngegend im Stadtteil Manhattan. Insgesamt erstreckt sich das Gebiet über die West 14th Street Richtung Gansevoort Street sowie dem Hudson River an der Hudson Street entlang. Unter anderem wegen des Ausbaus des High Line Parks, auf den ich nachher noch zu sprechen komme, ist die Gegend in den letzten Jahren noch einmal erweitert worden, praktisch bis zur 16th Street sowie auf den östlichen Teil der Hudson Street entlang.

Gelebte Geschichte: Oben alter Schlachthof, unten tredige Läden: Foto: La Citta Vita / Wikimedia
Gelebte Geschichte: Oben alter Schlachthof, unten tredige Läden: Foto: La Citta Vita / Wikimedia

Vor über 100 Jahren prägten also Schlachthöfe und Verpackungsanlagen das Bild des Viertels, außerdem war es jahrelang für Drogen und Prostitution bekannt. Dann, Ende der 90-er Jahre kam es zum großen Umbruch im: Junge Berufstätige kamen, schicke Restaurants und Boutiquen wurden eröffnet und – siehe da – plötzlich war es „in“ im ehemaligen Schlachterviertel zu wohnen.

Ich fühle mich ein wenig in die 30-er Jahre zurückversetzt, die alten Backsteinhäuser und restaurierten Industrie-Höfe versprühen ihren ganz eigenen Charme. Ich kann mir gut vorstellen, wie hier früher die Metzger in ihren riesigen Schlachtbetrieben gearbeitet haben müssen, um die halbe Stadt mit ihrem Fleisch zu versorgen. Heutzutage gibt es hier nur noch ganz wenige Geschäfte, die genau dies tun. Die allermeisten der ehemaligen Fabrikhäuser wurden in Nachtclubs oder teure Loft-Wohnungen umgewandelt oder werden als Galerien genutzt. Zudem reihen sich eine Menge sehr exklusiver kleiner Läden aneinander. Darunter sind viele Top-Designer wie zum Beispiel Diane von Fürstenberg, Alexander McQueen oder Stella McCartney. Eins ist klar, wer hier wohnt oder einkauft hat definitiv Geld. Auf den Straßen scheint selbst tagsüber das Motto „Sehen und gesehen werden“ zu gelten, was sich an teuer eingekleideten Frauen und noch teureren Autos auf den Straßen zeigt. Vom ehemaligen „Schmuddelimage“ des Viertels ist absolut nichts zu spüren.

Models und Künstler

Für das Mittagessen haben mir meine Kollegen den Spice Market empfohlen. Das Restaurant befindet sich in der Nähe des Chelsea Market, die U-Bahn Station ist die 14.th Street. Auch dieses Restaurant feierte im Februar sein 10-jähriges Bestehen, und wurde von der örtlichen Presse in höchsten Tönen gelobt. Die südostasiatischen Spezialitäten sollen nach eigenen Angaben in „a casual and sexy atmosphere“ serviert werden. Da bin ich ja mal gespannt. Gut, es ist definitiv eine tolle Location für das Mittagessen (man fühlt sich ein wenig wie in einem großen asiatischen Tempel), und die rund 35 Dollar sind für mein Mittagsmenü in dieser Gegend auch in Ordnung. Aber wirklich „sexy“ sind wohl eher die Leute, die hier essen gehen. Scheinbar sind in der ganzen Gegend Models unterwegs, die irgendwo zum Casting gehen, oder freischaffende Künstler, die nach neuen Inspirationen suchen.

Mein weiterer Spaziergang führt mich durch einen der schönsten, neu angelegten Parks in der Metropole. Die „HI-Line“ ist eine restaurierte und zum Park umfunktionierte Hochbahnstrecke aus den 30-er Jahren, die bis 1980 genutzt wurde. Die Bahngleise wurden bepflanzt und auf ihren Stelzen im Originalzustand belassen, so dass man zwischen den Häuserschluchten spaziert und einen ganz neuen Blickwinkel auf die Gebäude und den Hudson River gewinnt. Der Park soll in diesem Jahr komplett fertiggestellt sein, die „Friends of High Line“ bieten kostenlose Führungen an. Weitere Infos findest du hier.

Klasse Szenekneipen

Abends bietet das Viertel natürlich unzählige Ausgehgelegenheiten, leider bleibt mir nur Zeit, eine kleine Auswahl davon zu testen. Das „Hogs & Heifers“ ist eine Kultkneipe in der Washington Street und vielleicht aus diesem Grund empfehlenswert, weil es ein letztes Überbleibsel der berühmt-berüchtigten (aber charmanten) Ära dieser Gegend ist. Man muss es allerdings mögen, dass Feierwütige hier bevorzugt ihren Junggesellen oder Junggesellinnen-Abschied feiern, es kann schon mal etwas derbe zugehen. Ansonsten empfiehlt es sich, sich einen teuren Cocktail mit einer spektakulären Aussicht zu gönnen, das geht beispielsweise sehr gut im „Standard Hotel“, welches sich direkt über der HI-Line befindet. Auch die Hotels „The Gansevoort“ oder „Americano“ punkten mit einer tollen Aussicht über die Stadt, die vor allen Dingen zum Sonnenuntergang zu empfehlen ist.

Eleganz und Verfall: Die Gansevoort Street ist die Lebensader des Meatpacking Districs. Foto: Patrick Gruban / Wikimedia.
Eleganz und Verfall: Die Gansevoort Street ist die Lebensader des Meatpacking Districs. Foto: Patrick Gruban / Wikimedia.

Nun würde sich der New Yorker vermutlich ins Nachtleben stürzen, und das geht hier im Meatpacking District sicher ganz hervorragend, wenn ich mir all die Club-Angebote anschaue. Leider muss ich am nächsten Tag schon wieder zurück nach Deutschland. Andererseits ist es ja auch schön, seine To-Do-Listen immer wieder zu erneuern. Und ich komme sehr gerne wieder her…

Alles in allem, das Meatpacking District ist „nur“ ein Stadtviertel hier, ich weiß. Vielleicht ist es aber diese Mischung dieses Viertels, die es mir so angetan hat. Da ist auf der einen Seite das teure, oberflächliche Glamour-Leben à la Sex and the City (eingefleischte Fans dürften wissen, dass Carrie und Co desöfteren im Meatpacking District ausgehen, aber auch das war mir bislang einfach nicht aufgefallen!), und auf der anderen Seite das alte, melancholische New York, was inmitten der Backsteinbauten langsam wieder grüner und wilder wird. Als New-York-Liebhaberin bin ich einfach immer wieder erstaunt, wie viel Neues es bei jeder Reise zu entdecken gibt.

Praktische Tipps:

Anreise: Ich bin mit dem geräumigen A380 der Singapore Airlines von Frankfurt nach New York geflogen. Da diese Strecke relativ neu ist, wird sie mit besonders attraktiven Preisen beworben. In meinem Fall war sie sogar das günstigste Angebot.

Stadtverkehr: Das Meatpacking Destrict lässt sich hervorragend mit der städtischen U-Bahn erreichen. Am nächsten ist die Station „8 Avenue“ der Linie L, sowie die Station „14 Street“ der Linien A, C und E.

Reisezeit: New York ist das ganze Jahr über eine geniale und sehenswerte Stadt. Am besten sind Frühling und Herbst, da der Sommer sehr drückend sein kann und der Winter feuchtkalt.

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Über Gastbeitrag

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3 Kommentare

  1. Hallo,

    mein Name ist Patricia und ich bin Abiturientin am Schul-und Leistungssportzentrum in Berlin. Im Rahmen meiner 5. Prüfungskomponente, welche als Präsentation dargestellt wird, habe ich mich für das Thema: „Wandel des Meatpacking Districts- vom Schlachthof zum Szene-Viertel- eine Ausnahmeerscheinung oder ein übergreifender Prozess?“ entschieden. Während meiner Recherche bin ich auf die Webseite gestoßen und habe mich deshalb kurzer Hand dazu entschieden, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen.
    Ich bin daran interessiert Hintergrundinformationen bezüglich der Entwicklung und den aktuellen Herausforderungen dieses Viertels zu bekommen und wäre Ihnen sehr verbunden, wenn sie mir eventuell weitere Materialien zukommen lassen könnten. ich würde mich auch gern persönlich an Frau Clemens richten, konnte ihre E-mail Adresse jedoch nicht herausfinden.
    Ich danke Ihnen schon einmal im Voraus!

    Liebe Grüße, Patricia

    • Hallo Patricia,
      ich habe Marie auf dein Schreiben aufmerksam gemacht. Allerdings bezweifle ich, dass sie bereit ist, für dich die Hausaufgaben zu lösen. Eine mögliche Anlaufstelle für derartige Informationen ist übrigens das Fremdenverkehrsamt der USA oder von New York. Vielleicht haben die ja eine Broschüre für dich. Ansonsten wirst du wohl nicht drumrum kommen, ein bisschen zu recherchieren – was ja vermutlich der Sinn deiner Heimarbeit ist.
      Liebe Grüsse,
      Oliver

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