Montag, 18. Dezember 2017
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Neuer Trend aus Fernost: Kinderfreie Zonen im Flugzeug

Ein Flugzeug der malaysischen Billigfluglinie Air Asia X. Gegen einen Aufschlag können Reisende eine kinderfreie Umgebung buchen. Foto: Oliver Zwahlen
Ein Flugzeug der malaysischen Billigfluginie Air Asia X. Gegen einen Aufschlag können Reisende eine kinderfreie Umgebung buchen. Foto: Oliver Zwahlen

Besonders lärmempfindliche Fluggäste können aufatmen. Seit kurzem müssen sie sich zumindest bei den malaysischen Fluglinien nicht mehr über schreiende Kinder ärgern. Die haben nämlich kinderfreie Zonen eingerichtet. Die europäischen Fluglinien wollen von solchen „Ruhezonen“ nichts wissen.

Umgerechnet 25 Euro müssen Passagiere für die Gewissheit berappen, dass sie beispielsweise auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Seoul kein schreiendes Baby und kein quengelndes Kind eine Reihe hinter sich haben. Für Kunden des malaysischen Low-Cost-Carriers Air Asia ist es nichts Neues, dass sie für die Sitzwahl zur Kasse gebeten werden. Sie sind sich längst gewohnt, dass sie einen kleinen Aufpreis zahlen müssen, wenn sie garantiert mit dem Reisepartner zusammensitzen möchten oder auf einem der begehrten Sitzplätze vor der Kabinentür die Beine ausstrecken wollen.

Neu ist jedoch, dass in den vordersten sieben Reihen der Economy Klasse Kinder unter zwölf Jahren keinen Zutritt mehr haben. Ebenfalls dürfen dort keine Erwachsenen sitzen, die mit Kindern reisen. Von Kinderfeindlichkeit will man bei Air Asia indes nichts wissen:  „Dieses Produkt ermöglicht unseren Gästen eine angenehmere und friedlichere Reise mit einem Minimum an Lärm und weniger Störungen“, ließ sich Air Asia-CEO Azran Osman-Rani in einer Pressemitteilung zitieren. Gedämmtes Licht soll den Wohlfühlfaktor weiter erhöhen.

Damit folgte Air Asia dem Beispiel der Fluglinie Malaysia Airlines. Diese hatte vor rund einem Jahr damit begonnen, Familien mit Kindern unter zwölf Jahren automatisch nur noch ins untere Deck des neuen A380 zu buchen, wie die Reiseseite von CNN berichtete. Wer also beispielsweise auf der Route von London nach Kuala Lumpur seine Ruhe möchte, kann einfach einen der 70 Sitze im Oberdeck buchen. Auch Malaysia betont, dass das nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun hat. Tatsächlich bietet die Fluglinie für Kinder jede Menge Unterhaltung.

Keine kinderfreien Zonen in Europa

Bisher sind noch keine europäischen Fluglinien dem Beispiel aus Fernost gefolgt. „Bei Lufthansa existiert dies nicht und ist auch nicht geplant“, sagt etwa Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty dem Weltreisemagazin auf Anfrage. „Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter lösen eventuell denkbare Konfliktsituationen mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl.“

Ähnlich klingt es bei Swiss: „Wir prüfen laufend verschiedene Maßnahmen, um dem Kunden ein reibungsloses Flugerlebnis zu ermöglichen. Eine solche Maßnahme wäre bei Swiss aber schlicht nicht umsetzbar“, erklärt Sonja Ptassek, Pressesprecherin von Swiss. Insgesamt würden die allermeisten Fluggästen ohnehin sehr viel Verständnis für Babys und Kleinkinder beweisen. Der Low-Costcarrier Easyjet beantwortete unsere Anfrage nicht vor Redaktionsschluss.

Verständnisvolle Passagiere

Die meisten Fluglinien bauen somit auf die Toleranz ihrer Gäste. In den Internetforen gewinnt man allerdings einen sehr viel durchzogeneren Eindruck. Neben der Kritik wegen der Diskriminierung wird dem neuen Geschäftsmodell auch oft Lob entgegengebracht. So schreibt beispielsweise ein Nutzer mit dem Namen les2005 auf dem Forum von Spiegel: „Wenn jetzt die besonders lärmempfindlichen Zeitgenossen (denen es sogar einen Aufpreis wert ist, woanders zu sitzen) von den Familien getrennt werden, ist doch beiden Gruppen gedient. Denn stressig ist es nicht nur für die Lärmempfindlichen, sondern auch für die Eltern, die man das spüren lässt.“ Auch Falcocherrug lobt das Konzept: „Ich finde das eine tolle Idee (und bin selber Vater). Fliegen ist für mich stressig genug, auch ohne dass mir ein Kind dauernd in den Rücken tritt.“

Unpassend findet es der Nutzer Fcbb. „Ich (selber Vater) würde mit oder ohne Kind eine Fluggesellschaft, die kinderfreie Zonen oder Etagen hat, einfach meiden und mit der kinderfreundlichen Konkurrenz fliegen.“ Und Weltreiseforum-Nutzer qpr fragt sich: „Ist unsere Gesellschaft schon so weit gekommen, dass wir jetzt kinderfreie Zonen brauchen/wollen?“ Und weiter: „Wo willst du die Grenzen ziehen? Jetzt sind es Kinder, demnächst stören noch Schwarze und Frauen mit Kopftüchern?“

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

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