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Australien: „Wir verdienten unser Geld als Maskottchen“

Steffen Müller und Jan Hollendung arbeiteten während ihres Australien-Aufenthaltes als Maskottchen. Fotos: ZVG
Steffen Müller und Jan Hollendung arbeiteten während ihres Australien-Aufenthaltes als Maskottchen. Fotos: ZVG

Kängurus und Koalas gehören zu jeder Australienreise. Das dachten sich Steffen Müller (20) und Jan Hollendung (23) und kauften spontan Maskottchen-Kostüme. Wie sie mit ihnen einen Teil ihrer Reise finanzierten, erzählen sie im jüngsten Interview des Monats.

WRF: Wie seid Ihr eigentlich auf die Idee gekommen, Euch als Maskottchen zu verkleiden?

Steffen: Bei der Suche nach Arbeit stiess ich zufällig auf eine Anzeige. Jemand verkaufte für 250 Dollar zwei Maskottchen-Kostüme: Ein Känguru und einen Koala. Weil wir das beide witzig fanden, schlugen wir ohne lang zu überlegen zu. Wir hatten dabei den Gedanken im Hinterkopf, mit den Kostümen Geld zu verdienen. Touristen sollen gegen eine kleine Spende Fotos von uns machen können.

Habt Ihr dafür eine Genehmigung gebraucht?

Steffen: Theoretisch braucht man in allen großen Städten eine Lizenz, um als Straßenkünstler zu arbeiten. Diese kostet beispielsweise in Melbourne um die 15 Dollar für ein Jahr. Leider kann sie nur an einem bestimmten Tag im Monat beantragt werden, den wir knapp verpasst hatten. Deswegen versuchten wir unser Glück zunächst ohne die vorgeschriebenen Papiere. Nach knapp einer Woche in Melbourne wurden wir zum ersten Mal von einem städtischen Mitarbeiter nach unserer Genehmigung gefragt. Er war glücklicherweise von unserer Idee so angetan, dass er uns weiterarbeiten ließ. Wir mussten ihm jedoch versprechen, uns die fehlende Lizenz am kommenden Termin zu holen. Ab Sydney hatten wir dann die Lizenz.

War Euer erster Auftritt gleich erfolgreich?

Jan: Unseren ersten Auftritt hatten wir einen Tag nachdem wir die Kostüme gekauft hatten. Wir positionierten uns zentral in der Innenstadt von Melbourne an der Fußgängerbrücke hinter der Flinders Street Station. Wir schlüpften in unsere Kostüme und von dem Tag an war ich immer das Känguru und Steffen der Koala. Leider riss der Wind gleich zu Beginn unserer großen Karriere den Schuh des Kängurus in den Fluss. Das hielt uns aber nicht davon ab, bei 30 Grad Celsius zwei Stunden lang weiter zu tanzen, zu hüpfen, zu winken und zu posieren. Dieser erster Auftritt war für uns wirklich einmalig und bestärkte uns nur in unserem Vorhaben.

Jan Hollendung ohne sein Kängeru-Kostüm.
Jan Hollendung ohne sein Kängeru-Kostüm von den 12 Aposteln.

Wie haben die Einheimischen und Touristen reagiert?

Steffen: Die Reaktionen waren durchweg positiv. Dies liegt wohl daran, dass die Kostüme in ihrer Kombination einfach niedlich aussehen. Vor allem auf kleine Kinder wirkten sie magisch. Kaum waren wir in unsere Kostüme geschlüpft, hatten wir die Kinderherzen auf unserer Seite. Die Kleinen umarmten uns oder schenkten uns zumindest ein Lächeln. Viele Menschen, die sich mit uns fotografieren ließen, waren wirklich von der Idee angetan und lobten uns für unser Durchhaltevermögen bei den heißen australischen Temperaturen. Es kam sogar vor, dass wir Geld bekamen, ohne überhaupt für ein Foto zu posieren.

Wo habt Ihr als Maskottchen Geld verdient?

Steffen: Schnell ärgerten wir uns, die Kostüme nicht schon zu Beginn unserer Australienreise gefunden zu haben. Denn im Laufe von zwei Monaten haben wir regelmäßig damit Geld verdient und dadurch immer mindestens die Kosten für einen Schlafplatz, Verpflegung und Benzin abdecken können. Als wir dann ein Auto gefunden hatten, machten wir uns Richtung Perth auf und sind aber nur bis Adelaide gekommen. Auf dem Weg dorthin hielten wir knapp eine Woche an den „12 Aposteln“. Das sind im Meer stehende Felsen aus Kalkstein im australischen Bundesstaat Victoria und eine der meistfotografierten Touristenattraktionen des Kontinents und ein Höhepunkt an der Great Ocean Road. Dort haben wir unsere Kostüme jeden Tag passend zum Eintreffen der Tagestouristen angezogen. Der Aussichtspunkt an den „12 Aposteln“ stellte sich wirklich als ideal heraus, da dort im Umkreis von 300 Kilometern scheinbar kein anderer „Straßenkünstler“ war. Allerdings war das Arbeiten dort auch kein Zuckerschlecken, so standen wir bei Außentemperaturen von bis zu 40 Grad oft kurz vor einem Hitzekollaps. Insgesamt traten wir in Melbourne, Adelaide, an der Great Ocean Road und schließlich in Sydney als Koala und Känguru auf.

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Erinnert Ihr Euch an eine Situation besonders gerne?

Jan: Besondere Situationen gab es viele. Doch haben sie alle gemeinsam, dass wir andere Menschen fröhlich stimmten. Ich glaube, das war der eigentliche Grund, warum wir an unserer Idee festhielten. Schnell wurde uns klar, dass es einfach viel Spaß bereitet, die Menschen mit den Kostümen zu unterhalten. Es war ein tolles Gefühl, anderen Leuten und besonders Kindern ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Oftmals rannten die Mädchen und Jungen schon von weitem auf uns zu, um uns zu umarmen. Das Geld wurde so eher zu einem netten Nebeneffekt.

Gab es auch unangenehme Momente?

Jan: Unangenehme Momente gab es nicht, mal abgesehen von der Hitze in den Kostümen und der Tatsache, dass man darin wirklich mehr als schlecht sieht. So bemerkten wir Personen oder Kinder, die mit uns ein Foto machen wollten, manchmal minutenlang nicht – aber man gewöhnt sich an alles.

Steffen Müller
Steffen Müller ohne Koala-Kostüm vor den Zwölf Aposteln.

Was hat Euch an den Auftritten mit den Kostümen so gut gefallen?

Steffen: Insgesamt hatten wir mit den Auftritten als Maskottchen unsere beste Zeit in Australien. Wir hatten dabei so viel Spaß und erfreuen uns nun an der Vorstellung, wohl in hunderten asiatischen Haushalten als Foto zu hängen. Durch diesen Nebenjob haben wir außerdem gemerkt, wie einfach und spontan man in Australien seinen Aufenthalt finanzieren kann.

Warum habt Ihr dann wieder damit aufgehört und die Kostüme verkauft?

Jan: Weil wir nach Sydney noch vor unserer Abreise einige Wochen Neuseeland erkunden wollten, mussten wir uns leider von unseren liebgewonnen Kostümen trennen. Wären Känguru und Koala nicht nur in Australien, sondern auch in Neuseeland Nationaltiere, so hätten wir die Kostüme auf jeden Fall mitgenommen. Wir fanden schnell einen Käufer  – als Maskottchen in Australien zu arbeiten, macht halt einfach jede Menge Spaß.

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Über Christine Pierk

4 Kommentare

  1. Herrliches Interview. Bisher habe ich Maskottchen eher bemitleidet. Fortan werde ich mich immer fragen, welcher Weltreisende darunter steckt und mich beherrschen müssen, dem Maskottchen nicht ein Reisedialog aufzudrängen. Danke für diesen tollen neuen Blickwinkel!

  2. Wäre ich bloß auf diese Idee gekommen.
    Mein Australienaufenthalt ist zwar schon ein paar Jahre her, doch Maskottchen gab es da auch schon. Ich habe stattdessen in einer Gärtnerei geschuftet. Allerdings lebte ich auch in der Einöde der Umgebung von Perth. Da hätte so ein Maskottchenkostüm wohl nicht viel eingebracht.

  3. Sehr geile Idee Jungs!! Darauf hätte ich auch mal kommen können.. 😀

  4. Wouw! Ist es nicht ganz warm ins Maskottchen? hahaha

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