Montag, 18. Dezember 2017
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Marokkos Sahara: Am Anfang der Unendlichkeit

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Oase der Erg Chebbi Wüste in der Nähe von Merzouga.  Foto:  Judith Zocher

Merzouga, ein kleines Dorf im Osten Marokkos am Rande der Sahara, vereint alle Sehnsüchte eines Wüstenurlaubers. Von einer unheimlichen Stille umgeben, entfaltet hier die scheinbar endlose Wüste ihre magische Wirkung. Eine Reise in eine der bizarrsten, schönsten und beeindruckendsten Landschaften der Erde.

Die Dünen in der Ferne scheinen größer zu werden, je näher wir ihnen entgegenkommen. Urplötzlich verläuft der Weg im Sand, das letzte Stück ist nicht asphaltiert. Gespannt auf die Erfahrung der uns angekündigten „magischen Wirkung“ der roten Wüste auf „Körper, Geist und Seele“, halten wir in Merzouga, einem kleinen Dorf unweit der Sanddünen der Erg Chebbi. „Wir sind da!“, erinnert uns der Fahrer des Sammeltaxis, als wir staunend in seinem verbeulten Mercedes sitzen bleiben. Der Übergang von der Zivilisation zur größten Wüste der Welt ist unwirklich faszinierend.

Die riesigen Sandmeere der Sahara, auch Ergs genannt, sind nur ein kleiner Teil der mit über neun Millionen Quadratkilometern größten Trockenwüste der Erde. Die Erg Chebbi ist eine der beiden Sandwüsten der Sahara in Marokko. Hier erstrecken sich die größten und höchsten Sanddünen des Landes. Sie können auf eine eindrucksvolle Höhe von bis zu 150 Metern heranwachsen. Am Fuße dieser beeindruckenden Dünenlandschaft, 53 Kilometer südlich von Erfoud, liegt das weitläufige Berberdorf Merzouga.

Es besteht vollständig aus traditionellen Lehmbauten, deren dicke Wände gleichermaßen vor der Hitze des Tages und der Kälte der Nächte schützen. Die größeren Lehmbauten, Burgen oder Festungen, die meist in den historischen Altstädten stehen, werden Kasbahs genannt. Die Fenster sind klein und richten sich hauptsächlich nach innen in die kleinen Oasen der Gartenhöfe, die zum Ausruhen im Schutze des Schattens der großen Mauern einladen. Sobald man sich an die Hitze gewöhnt hat, lohnt sich ein Besuch der Oasengärten von Hassi L´Abiad. Diese sind zu Fuß in etwa zehn Minuten erreichbar. Mitten in der Wüste werden hier, mithilfe von kleinen Bewässerungskanälen, Datteln, Granatäpfel und Aprikosen angebaut.

Zu den Berbern zählende ehemalige Nomaden sind hier sesshaft gewordenen und leben heute vorwiegend vom Sahara-Tourismus. Jedoch kommen auch viele Einheimische, um ihre rheumatischen Beschwerden behandeln  zu lassen. Sie lassen sich dafür im heißen Sand der Sahara eingraben.

Die Uhren ticken in der Wüste anders

Die Zeit läuft in der Wüste etwas langsamer als gewohnt. Reges Treiben herrscht nur morgens und abends, wenn die Temperaturen etwas erträglicher sind. Hier bestimmt ganz klar die Sonne den Tagesablauf. Diese Erkenntnis gewannen wir bereits in der ersten Sekunde: Die Mittagshitze zwingt die Bewohner zur Ruhe. Viele von ihnen schlafen auf Teppichen in den Fluren der Häuser.

Etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang, als es etwas „kühler“ zu werden beginnt, brechen wir mit unserer kleinen Karawane auf zum Abenteuer Wüstenübernachtung. Mit Turbanen, die uns vor der Sonne schützen, steigen wir auf die Dromedare unseres einheimischen Begleiters Hassan. Sobald wir die staubigen Mauern hinter uns gelassen haben, konzentriert sich der Blick ganz auf die Schönheit der Leere. Keine äußeren Reize lenken ab. Nur die immer wiederkehrenden bizarren Formen und Schattenspiele der Wüste und das Pfeifen des Windes sind da.

„Die Wüste ist der Garten Allahs, aus dem dieser alles überflüssige menschliche und tierische Leben entfernt hat, damit es einen Ort gebe, wo er in Frieden wandeln könne“, besagt ein arabisches Sprichwort. Diesen Frieden scheinen viele Menschen in der Wüste zu spüren. Nach etwa einer Stunde stellt sich auch bei uns ein inneres Gefühl der Ruhe ein, die Leere und Stille der Wüste wirkt einer Meditation gleich. Jeder ist bei sich, fokussiert nach innen und erfährt ein Gefühl von Unendlichkeit. In der Weite der Wüste schwindet das Gefühl für Raum und Zeit.

Feierlichkeiten im Zelt

Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir unser Ziel: Eine kleine Oase in einem Dünenkessel. Das Zeltlager ist schlicht und besteht aus nicht viel mehr als fünf Beduinenzelten umgeben von einigen Palmen. Während die riesige Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, erkunden wir zu Fuß die Umgebung. Zurück im Zelt erwartet uns bereits ein kleiner gedeckter Tisch, der von Teppichen umrundet zum Essen einlädt. Die von Hassan servierten dampfenden Tajines verströmen ihren einzigartigen Duft. Die Tajine ist ein, in der nordafrikanischen Küche viel verwendetes, aus gebranntem Lehm bestehendes Schmorgefäß und gleichzeitig das darin gekochte Gericht.

„Wir machen jetzt Musik!“, verkündet Hassan etwas später mit einem strahlenden Lächeln und winkt einen Freund mit einer zweiten Trommel heran. Umhüllt von den rhythmischen Klängen der Trommeln, schleppen wir die Matratzen der Zelte ins Freie, um dort den krönenden Abschluss des Abenteuers Wüste zu erleben. Abgeschirmt von der Zivilisation, gibt es hier den schönsten Sternenhimmel der Welt. Am pechschwarzen Firmament blickt man ins Antlitz des Universums und die funkelnden Sterne scheinen zum Greifen nah. Hier erkennt man, was alles im täglichen Stress verloren geht. Eine Reise in die Wüste gibt einen Teil davon zurück.

Hinweis: Das Auswärtige Amt weist auf eine erhöhte Gefahr von Entführungen und Anschlägen in Marokko hin. Bitte informiert euch hier über die aktuelle Situation. 

Über Kerstin Grimmelmann

7 Kommentare

  1. Wie sicher ist das Reisen in die Wüste im Moment in diesem Gebiet bei Merzouga?
    Wir fliegen nächsten Dienstag nach Marrakesch und wollten diesen Ausflug in die Wüste mit Uebernachten etc. machen.
    Kann man in diese Gegend ohne Bedenken reisen, oder ist es zu unsicher?
    Wäre für einen Kommentar dankbar.

    • Ich kann die Lage selber nicht so gut einschätzen, aber ich würde an dieser Stelle einfach mal auf die Reisehinweise vom EDA verweisen. Dort heisst es: „In grossen Teilen der Sahara sind bewaffnete Banden und islamistische Terroristen aktiv, die vom Schmuggel und von Entführungen leben. Sie sind gut organisiert, operieren grenzüberschreitend und haben Verbindungen zu lokalen, kriminellen Gruppen. Das Entführungsrisiko ist in einigen Gebieten hoch und nimmt noch zu. Siehe Kapitel „spezifische regionale Risiken“.“

  2. Marokko-Urlauber

    Gibt es da Neues? Ich denke mal, wenn man sich in den Städten und auf den typischen „Tourirouten“ sollte es – immer im Hinblick auf die grundsätzliche Gefahr – relativ sicher sein. Allein in die Wüste und in den Südwesten würde ich aber eher weniger empfehlen.

  3. Hallo,

    toller Bericht erstmal! Ich reise in 3 Wochen selbst nach Marokko und bin noch auf der Suche nach einem passenden Angebot für so ein Wüstentrekking auf Kamelen – am besten so 1-2 Nächte in der Wüste – deswegen wollte ich fragen, über welche Organisation du das gebucht hattest?

    Liebe Grüße

  4. Man kann bedenkenlos in die Sahara reisen. Die Meldung der EDA wurde auf Drang aufgefordert von einer Marokko Spezialistin , die selbst ein Forum betreibt die Reise – Warnugen zu korregieren.

    Ein Gruss Didier

  5. Reisewarnungen treffen nicht zu fuer Marokko; weiteres auf der ersten Seite meines Blog
    http://marokkoauswanderer.blogspot.com/

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