Samstag, 23. September 2017
Home » Meinung/Hintergrund » Introspektive: So viel bin ich im letzten Jahr gereist

Introspektive: So viel bin ich im letzten Jahr gereist

Trotz des Mietwagens: Skopje habe ich vorwiegend zu Fuss erkundet. Fotos: OZ

(Anzeige) Reisen und Statistiken: Ich mag beides. Deswegen gibt es heute einen kleinen Einblick in die Zahlenwelt meiner Reiserei und einen Vergleich zu den Werten, die ein amerikanischer Mietwagenverleiher ermittelt hat.

Es vergeht keine Woche, in der ich nicht von einem Leser eine Mail oder eine Direktnachricht über Facebook oder Instagram erhalte. Meistens werde ich um konkrete Reisetipps gebeten. Bisweilen komme ich so mit den Lesern ins Gespräch. Viele fragen dann, wieso ich nicht mehr über mich und mein Leben als Reiseblogger schreibe.

Für mich ist das immer ein bisschen schwierig. Ich komme aus dem Print-Journalismus, wo es das Wort „Ich“ eigentlich nicht gibt. Zudem will ich meinen Lesern in erster Linie Inspiration liefern, um auf eigene Faust neue und unbekannte Gegenden auf unserem Planeten zu entdecken. Mein Anliegen ist, dass sich die Touristenströme besser auf der Welt verteilen.

Trotzdem habe ich mich entschlossen, von nun an quartalsweise in einer kleinen „Introspektive“ einen Einblick in mein Leben als Reiseblogger zu geben. Lasst mich in den Kommentaren wissen, was euch konkret interessiert.

Mein Leben in Zahlen

Es hat sich hervorragend getroffen, dass ich gerade in diesen Tagen eine Mail von Auto Europe bekommen habe, in der mich der Mietwagenbroker gebeten hat, über eine Umfrage zu den Reisevorlieben verschiedener europäischer Länder zu berichten.

Falls ihr Auto Europe nicht kennt: Die amerikanische Firma ist ein Pionier im Mietwagenmarkt. Sie wurde vor über 50 Jahren mit der Idee gegründet, den Landsleuten einen VW-Käfer zu vermieten, wenn sie ihre in Deutschland stationierten Kinder besuchen wollen. Heute vermittelt die Firma weltweit Autos zu günstigen Konditionen. Teilweise schon ab 5 Euro pro Tag.

In der Umfrage wurden jeweils tausend repräsentativ ausgewählte Personen in sechs Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden und den Niederlanden) befragt. Sie mussten insgesamt 17 Fragen zu ihren Reisen beantworten. Die wichtigsten Antworten sind hier und in der Infographik am Ende des Artikels zusammengefasst. Davon will ich ein paar herauspicken und sie mit den Zahlen meiner eigenen vergangenen zwölf Monaten vergleichen.

Bukit Bingang: Das Herz der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.

Wieviel ich geflogen bin

Innerhalb der letzten zwölf Monate habe ich insgesamt acht Flugreisen unternommen. Die meisten Flüge waren innerhalb Europas, aber es waren auch ein Langstreckenflug nach New York sowie einer nach Südostasien dabei. So fielen insgesamt 55.000 Kilometer an – oder rund 3400 Kilometer pro Reise und Richtung.

Das ist etwas mehr als der Durchschnitt der Befragten. Diese flogen im Schnitt 2810 Kilometer pro Reise, wobei die Schweden mit 3835 Kilometer – angesichts der nördlichen Lage des Landes wenig  überraschend – den weitesten Weg in den Urlaub haben.  Die Niederländer legten im Schnitt 2250 Flugkilometer zurück.

Bilanz von einem Monat in Thailand: 20 Minuten am Strand von Khanom für dieses alberne Fotoshooting.

Wieviel ich in der Sonne lag

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten zwölf Monaten auch nur eine Minute lang mit der Absicht an einem Strand lag, mich bräunen zu lassen. Aber ich bin generell kein Strandmensch. Nach nur einem Tag beginne ich mich dort zu langweilen. Ich mag lieber Metropolen oder kleine Dörfer. Diese am liebsten in den Bergen.

In dieser Hinsicht unterscheide ich mich deutlich von den Teilnehmern an der Umfrage. Im europäischen Schnitt stimmten nur 20, 2 Prozent mit mir überein und sagten, dass es ihnen nicht wichtig sei, braungebrannt aus dem Urlaub zurückzukommen. Unter den Deutschen ist sogar nur 15,4 Prozent der Befragten Ferienbräune unwichtig. Umgekehrt gaben ganze 5 Prozent der befragten Deutschen an, den ganzen Tag an der Sonne zu verbringen.

Zeitpunkt des Sonnenbads

Interessant ist, dass sich in allen Ländern die meisten Sonnenhungrigen erst gegen Mittag unter die Sonne legen, was wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass man in den Ferien gerne mal etwas länger schläft. Allerdings zeigten sich Unterschiede: Die meisten Italiener machen es sich bereits um 10 Uhr in der Sonne gemütlich, während die Franzosen gegen 13 Uhr als letzte am Strand auftauchen.

Das hat mich erstaunt, zumal die Krebsliga seit Jahren davor warnt, sich in der Mittagssonne braten zu lassen. Das widerlegt wohl auch eine These, die mir kürzlich in einem Pool in Thailand gekommen ist: Dass nämlich Instagram Hautkrebs verhindert, weil man heute seine Umgebung mittels Social Media wissen lassen kann, dass man im Urlaub war und nicht mehr mit einem heftigen Sonnenbrand im Büro erscheinen muss.

Regelmässig unternehme ich auch mehrstündige Wanderungen wie hier in Mazedonien.

Wie viele Stunden ich laufe

Auto Europe wollte von den Befragten auch wissen, wie viele Stunden ihres Urlaubs sie zu Fuss unterwegs sind. Auf Schusters Rappen erkunden die Europäer im Schnitt 2,8 Stunden ihre Reiseziele, wobei die bestplatzierten Deutschen mit durchschnittlich 3,1 Stunden offenbar lieber zu Fuss unterwegs sind als die letztplatzierten Niederländer mit 2,3 Stunden.

Wie sieht es bei mir aus? Da ich nicht zur Erholung reise, bin ich relativ viel auf den Beinen. Wenn ich mir eine neue Stadt ansehe oder auf eine Wanderung gehe, verbringe ich locker fünf Stunden oder mehr auf den Beinen. Allerdings gibt es auch wieder Tage, an denen ich mich in meinem Hotelzimmer verkrieche, um meine Texte zu schreiben. Hier ist mir nicht klar, ob ich das als Arbeitstage ausklammern sollte oder ob das auch Reisetage sind.

Freiheit auf der Strasse: Mein Roadtrip durch Island.

So viel fahre ich Auto

Einfacher lässt sich das bei meinen Roadtrips einschätzen. In den letzten 12 Monaten unternahm ich drei Rundreisen mit dem Auto/Camper. Und zwar in Mazedonien, Island und Portugal. Da ich in den Tagen, in denen ich ein Fahrzeug mietete, möglichst viel sehen will, verbringe ich dann auch jeweils recht viel Zeit am Steuer.

In Island beispielsweise legte ich innerhalb von vier Tagen 1100 Kilometer zurück, also etwa 275 Kilometer am Tag. Einen grossen Teil davon war ich auf der gut ausgebauten Ringstrasse unterwegs, aber teilweise auch abseits auf Schotterstrassen. Ich habe wohl täglich etwa 4,5 Stunden hinter dem Steuer verbracht – allerdings war ich auch etwa gleich lang zu Fuss in der isländischen Hauptstadt unterwegs.

In Portugal fuhr ich in fünf Tagen 870 Kilometer.  Das sind zwar nur 175 Kilometer pro Tag, allerdings waren dort die Strassen deutlich schlechter. Vor allem auf den kurvigen Nebenstrassen durch die Rebberge im Douro-Tal ging es nur sehr langsam. Ich rechne auch hier mit einer reinen Fahrzeit von etwa 4,5 Stunden.

Und die Teilnehmer der Umfrage? Mit dem Auto sind die Europäer im Schnitt 1,5 Stunden unterwegs, wobei die Deutschen mit 1,8 Stunden am liebsten auf vier Rädern unterwegs sind, während Spanier, Italiener und Schweden nur 1,4 Stunden im Auto verbringen.

Schlussbetrachtung

Beim Vergleich meiner eigenen Statistiken mit den Daten, die Auto Europe erhoben hat, überraschte mich, dass sich die Zahlen viel weniger stark unterscheiden als ich zunächst angenommen habe. Da bin ich als Reiseblogger wohl doch ein Spürchen „normaler“ als ich mich selbst eingeschätzt habe.

Ich habe in diesem Artikel nur fünf der insgesamt 17 Kategorien besprochen. Auch interessant sind die Flirtbereitschaft der Urlauber, die Zahl der Kalorien (keine Ahnung, wieso das jemand weiss), die unterwegs konsumiert oder wieviel Alkohol der Durchschnittseuropäer in einem zweiwöchigen Urlaub in die Kehle schüttet (angesichts der Zahl frage ich mich aber, wie manche Befragten noch richtig mitzählen konnten). Die wichtigsten Antworten findet ihr in der untenstehenden Infographik.

Infografik

Disclaimer: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Auto Europe und enthält Werbung für den Anbieter.

Zum ersten Mal auf dieser Seite? Dann schau hier, worum es  bei mir geht. Folgst du dem Weltreiseforum schon länger und willst künftig keine Texte mehr verpassen? Dann melde dich am besten gleich für den monatlichen Newsletter an.

Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.