Montag, 18. Dezember 2017
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Indien: 10 Dinge, die du wissen musst, um Indien zu lieben

Slums und gewaltiger Reichtum: Indien hat beides. Foto: DS
Slums und gewaltiger Reichtum: Indien hat beides. Foto: DS

Gastbeitrag. Reisen in Indien, das bedeutet zwischen Müll, Abgasen und Kühen und unter stetiger Beobachtung unterwegs zu sein. Das klingt nicht gerade nach einem Liebesbrief, trotzdem ist Indien mein Lieblingsreiseziel. Bevor du Indien lieben kannst, solltest du einige Dinge über das Land wissen.

Gastbeitrag Doreen Schollmeier vom Fernsuchtblog

Unfassbar schöne Bauwerke wie das Taj Mahal, Frauen in farbenfrohen Saris , bunte Farbwolken beim Holi Festival oder das kitschige Bollywood. Das alles sind Dinge, die „Incredible India“ ausmachen und die wir als Reisende dort entdecken möchten. Doch um die Schönheit Indiens auch wirklich sehen zu können und nicht von der „Königin des Chaos“ überrumpelt zu werden, solltest du dich vor einer Indienreise gut mit dem Land auseinandersetzen.

Im Gespräch mit anderen Weltenbummlern und Indien-Reisenden habe ich immer wieder den Satz I’ll Never Do It Again!“ gehört. Mittlerweile ist der Satz zu einer Art Akronym für INDIA geworden. Doch warum zählt Indien trotz der vielen Kritik seitens der Backpacker und den negativen Schlagzeilen zu einem der beliebtesten Reiseziele im asiatischen Raum?

Ganz einfach! In keinem anderen Land kannst du so unglaubliche Geschichten und faszinierende Szenen erleben. Mal landet man inmitten einer jubelnden Hochzeitsgesellschaft. Mal wird einem auf der offenen Straße das Farbpulver um die Ohren gehauen. Mal wird eine, vom Auto angefahrene, Kuh im Krankenwagen unter Blaulicht abtransportiert. Mal wird man von einem Regisseur spontan als Statist für dessen neusten BollywoodStreifen in den Straßen Mumbais angeheuert… Das Reisen in Indien hat viele Gesichter, aber auch Schattenseiten.

Mein Bericht handelt nicht von bettelnden Kindern, Verkehrsunfällen, Taschendieben oder den unvorstellbaren Smog-Glocken über den indischen Großstädten. Das alles wisst ihr bereits. Vielmehr möchte ich dich auf die Eigenheiten beim Reisen durch Indien vorbereiten. Was also erwartet dich als Backpacker in Indien?

10 Dinge, die du über das Reisen in Indien wissen solltest

1. Reisen wie ein Promi

Anonymität und Einsamkeit – das sucht man in Indien vergeblich. Inder sind sehr interessiert an Ausländern. Und vor allem abseits der touristischen Pfade fallen Reisende immer noch auf. Schlendert man als Ausländer durch indische Straßen, so werden sich zahlreiche Köpfe nach einem umdrehen. Es wird gepfiffen, getuschelt, gelacht und gestarrt, gepaart mit dem unverkennbaren Geräusch auslösender Handykameras. In Indien wird wirklich jeder Tourist zum beliebten Fotoobjekt. Nicht selten bekommt man ohne große Vorrede ein indisches Baby in den Arm gedrückt und soll mit diesem posieren. Bald gesellen sich immer mehr interessierte Inder dazu, um sich mit dem Ausländer ablichten zu lassen. Und eh man sich versieht, hat sich eine 50-köpfige Meute um einen versammelt.

Wie ein Promi: Wer Indien bereist, muss sich darauf gefasst machen, regelmässig fotografiert zu werden.
Wie ein Promi: Wer Indien bereist, muss sich darauf gefasst machen, regelmässig fotografiert zu werden. Foto DS

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass diese immense Aufmerksamkeit und das Blitzlichtgewitter sehr belastend sein können, besonders wenn man eigentlich nur in Ruhe einen Lassi trinken wollte. Man fühlt sich fast schon wie ein Prominenter, nur dass man für diesen Status keinerlei Beitrag geleistet hat. Wie man mit der Aufmerksamkeit und den Fotografieren umgeht, hängt von jedem selbst ab. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man am ehesten wieder seine Ruhe hat, wenn man sich seinem Schicksal beugt, freundlich lächelt und sich für das indische Familienalbum ablichten lässt. Aber auch vehementes Ignorieren ist eine Möglichkeit, auf die Bedrängnis zu reagieren.

2. Weiße Menschen als Statussymbol

Klingt komisch, ist aber so! Es ist alles andere als ungewöhnlich, dass man als „hellhäutiger“ Tourist von wildfremden Indern ohne große Vorrede zum Essen, zu einer Hochzeit oder anderen Feierlichkeiten eingeladen wird. Was befremdlich wirkt, sind meist nur nette Gesten und ein Zeichen der Gastfreundlichkeit. Zudem ist es für viele Inder eine Art Statussymbol, mit weißhäutigen Ausländern gesehen zu werden, denn viele Inder beneiden westliche Touristen für ihr ungezwungenes, komfortables Leben. Ob man eine solche Einladung annimmt, bleibt jedem selbst überlassen. Hier gilt die Devise: Auf das eigene Bauchgefühl vertrauen! Ich persönlich habe einigen Familienessen und Hochzeiten beigewohnt, und meist waren dies jene fantastischen Momente, die Indien zu meinem Lieblingsreiseziel gemacht haben.

Im Zeitalter der weltweiten Vernetzung und Social Media spielt auch der Austausch von Kontaktdaten mit Ausländern eine große Rolle. Kaum wird man von meinem Inder angesprochen, fragt dieser schon bald nach dem Facebook Namen und der Handynummer des Reisenden. Meist beschränkt sich der Kontaktaustausch auf eine Facebook Freundschaftsanfrage oder eine „It was nice to meet you“-SMS. Ausgedehnte Konversationen oder langlebige Freundschaften entstehen hierbei nur sehr selten.

3. Peel it, boil it, cook it? Forget it!

Unsere wohlbehüteten, europäischen Mägen sind einfach nicht für ein Land wie Indien gewappnet. Und ganz gleich, wie sehr man sich bemüht, alle Hygieneregeln einzuhalten und nicht krank zu werden, nahezu jeder Indien-Reisende wird letztlich doch irgendwann an einer Diarrhö erkranken. Dementsprechend sollte man seine Reiseapotheke mit entsprechenden Mitteln gegen Durchfallerkrankungen aufrüsten oder sich vor Ort in einer Apotheke beraten lassen. Wer das englische Wort „diarrhoea“ für Durchfall genauso wenig aussprechen kann wie ich, dem ist mit einer einschlägigen Gestik geholfen. Dazu einfach die Hand auf Höhe des Gesäßes hin und her bewegen – ein jeder Inder wird die Krankheitssymptome zu deuten wissen.

Überall Müll: Kühe ernähren sich vom Abfall.
Überall Müll: Kühe ernähren sich vom Abfall. Foto: DS

Die Hygiene in Indien ist für Backpacker zweifelsohne ein schwieriges Thema. Dies betrifft nicht nur Lebensmittel, Leitungswasser oder Toiletten, sondern auch Unterkünfte. Lasst mich mein schlimmstes Gästezimmer in Indien einmal bildlich beschreiben: In einem muffigen, dunklen Zimmer waren zwei klapprige Betten zusammengestellt, deren Bettwäsche mit undefinierten Flecken übersät waren. Auf dem Kopfkissen hatten sich Fliegen in Form eines Kopfes formatiert. Die blass rosa gestrichenen Wände waren mit verschiedensten Flüssigkeiten beschmiert, über deren Herkunft ich nicht weiter nachdenken mag. Die Fensterscheiben waren zerbrochen, die Zimmertür mit ihren Gucklöchern glich einem Schweizer Käse.

Zugegebenermaßen beschreibe ich hier das „Worst Case Scenario“, dass mich in einem kleinem Dorf im Himalaya Gebirge in der Nähe der tibetischen Grenze ereilte. In der Tat kann man in Indien sehr gut und günstig übernachten, vor allem in den touristisch erschlossenen Gegenden. Dennoch schadet es nicht, hin und wieder ein paar Rupien mehr in die Hand zu nehmen, um fleckigen Bettlacken und Bettwanzen aus dem Weg zu gehen. Wer trotzdem aufs Geld gucken muss, dem empfehle ich fürs eigene Wohlbefinden immer einen Seidenschlafsack oder einen Inlett-Schlafsack im Reisegepäck zu haben.

4. Die Nation der Ja-Sager

Klassische Situation als Reisender in Indien: Ich winke eine Rikscha am Straßenrand heran und nenne dem freundlichen Fahrer mein Ziel. Er nickt, wir verhandeln bis aufs Mark um den Transport-Preis und anschließend besteige ich die Rikscha. Doch nach 30 Minuten Fahrt dämmert es mir so langsam: Wir fahren im Kreis! Denn natürlich weiß der Rikscha-Fahrer keineswegs, wohin ich möchte. Hatte er nicht genickt?

„Yes, no problem“ oder ein zustimmendes Nicken bedeuten in Indien nicht immer „Ja.“ Das Nein-Sagen liegt den Indern nicht besonders. Fragt man in Indien nach dem Weg, so wird man immer eine Wegbeschreibung erhalten, ganz gleich, ob der Gefragte ihn auch wirklich kennt. Nein sagen ist in Indien verpönt und man zeigt sich stets freundlich, hilfsbereit und gehorsam gegenüber Gästen. Es eignet sich daher immer eine Karte mit indischer Schrift zur Hilfe zu nehmen, um das Ziel bildlich zu verdeutlichen.

5. Das indische Englisch

What’s your name?“ Antwort: Doreen. „Where you’re from?“ Antwort: Germany. „Oh, Germany, good country!“ So in etwa fängt nahezu jede Unterhaltung mit einem Einheimischen in Indien an. Und meistens ist sie nach diesem kurzen Geografie Crashkurs auch schon beendet. Selbstverständlich kann die Eintönigkeit der Gespräche in Indien etwas langweilig für einen Englisch-kundigen Reisenden sein, aber nicht für einen Inder. Denn der Name ist in Indien sehr wichtig! Er gibt Auskunft über die Kaste, die Herkunft oder die Religion des Gegenübers. Dass das in Europa nicht der Fall ist, kann der Inder nicht wissen.

Geschwindigkeit geht über alles: Kommunikation mit Indern will geübt sein.
Geschwindigkeit geht über alles: Kommunikation mit Indern will geübt sein. Foto: OZ

In den „touristischen Gegenden“ rund um Goa, Kerala und Rajasthan ist das Verständigen meist kein Problem, hat man sich erst einmal an den indischen Akzent gewöhnt. Englisch ist als Überbleibsel der Kolonialzeit und neben Hindi die offizielle Landessprache. Abseits der üblichen Touristenpfade werden sich die Gespräche hingegen meist auf einen kurzen Informationsaustausch beschränken.

In Indien kommunizieren heißt aber auch unter Einsatz von Händen und Füßen kommunizieren. Wo wir beim Thema Gestik wären. Ja? Nein? Vielleicht? Es benötigt schon etwas Übung, um die Gesten eines Inders zu verstehen. Wackelt der Inder mit seinem Kopf von links nach rechts, so kann diese Geste nicht mit unserem gängigen Kopfschütteln gleichgesetzt werden. Das Schlenkern mit dem Kopf ist nämlich vielmehr eine Bejahung. Und diese Geste gibt es in unterschiedlichsten Ausprägungen, vom leichten Kopfnicken in eine Richtung bis zum waagerechten Wackel-Dackel-Kopf, je nach Intensität der Zustimmung. Ein Nein wiederum wird durch ein kurzes Nicken des Kopfes in Richtung der Schulter symbolisiert und häufig mit einem Schnalzen der Zunge untermauert. Die Verwirrung wird komplett, wenn man beachtet, dass ein kurzes Kopfnicken auch „Komm mit“ oder, verbunden mit einem Augenzwinkern, „Mach weiter“ bedeuten kann. Aber keine Sorge, mit etwas Übung erkennt ihr den Unterschied. Hier gibts weitere Tipps zur Kommunikation.

6. Händchenhaltende Männer und das Tabuthema Sex

Widersprüchlicher könnte es kaum sein: Während der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit tabu ist, werden einem in Indien immer wieder händchenhaltende Männerpaare begegnen. Das Händchenhalten von Männern oder das gegenseitige Streicheln gelten in Indien als Geste der Freundschaft und haben keinen homosexuellen Hintergrund. Auch männliche Touristen werden gerne mal in den Arm genommen und berührt, also Vorsicht vor überschnellen Trugschlüssen!

Die Frau spielt in Indien eine untergeordnete Rolle und muss sich den gesellschaftlichen Prinzipien beugen. Lässt sich eine Frau zu oft in männlicher Begleitung sehen, so gerät sie schnell in Verruf und wird gar als Hure abgestempelt. Mit ähnlichen Vorurteilen müssen sich auch weibliche Touristinnen herumschlagen, die häufig als freizügig und leicht zu haben eingestuft werden. Läuft eine hellhäutige Frau an einer Gruppe Halbwüchsiger vorbei, so wird sie häufig mit Pfiffen, Gelächter oder Schnalzgeräuschen konfrontiert. Ignorieren und Blickkontakt vermeiden ist hier das beste Verhalten. Generell sollte man als Frau beim Reisen durch Indien darauf achten, sich angemessen zu kleiden und vorschnellen Körperkontakt mit Männern zu meiden.

Langer Weg zur Gleichberechtigung: Frauen spielen in Indien eine gesellschaftlich untergeordnete Rolle.
Langer Weg zur Gleichberechtigung: Frauen spielen in Indien eine gesellschaftlich untergeordnete Rolle. Foto: OZ

Auch Sex gilt als ein absolutes Tabuthema in Indien und sollte in Gesprächen mit Einheimischen vermieden werden. Für den traditionellen Inder spielt sich Sex nur in der Ehe ab, dementsprechend gering ist auch die sexuelle Aufklärungsrate. Selbst in Bollywood-Filmen werden amouröse Szenen ausgeblendet oder durch Blümchen und lange, innige Blicke der Protagonisten versinnbildlicht.

7. Akuter Toilettenmangel

Diese Überschrift klingt zunächst sehr profan, war aber für mich häufig ein großes Problem beim Reisen durch Indien. Öffentliche Toiletten gibt es in Indien nur selten, auch nicht in Restaurants oder an Sehenswürdigkeiten. Dementsprechend muss man seine Toilettengänge so gut es geht „planen“. Während sich die einheimischen Männer häufig ohne Bedenken einfach an den Straßenrand stellen/hocken, um ihr Geschäft zu verrichten, ziehen es viele indische Frauen hingegen vor, so wenig wie möglich zu Trinken.

Die geringe Flüssigkeitszufuhr bei 25°C aufwärts ist natürlich sehr bedenklich und erst kürzlich habe ich einen Artikel über Frauen in Indien gelesen, die aufgrund mangelnder Flüssigkeitszufuhr zusammengebrochen sind. Ich selbst habe Indien auch häufig verzweifelt nach einer Toilette gesucht und die Erfahrung gemacht, dass man in Hotels, Gästehäusern, Museen oder Behörden und Ministerien die besten Chancen auf ein stilles Örtchen hat.

8. Deutsche Pünktlichkeit? Nicht in Indien!

Wer als Backpacker durch Indien reist, der braucht vor allem eins: Zeit! Denn so viel wir uns auch über die Deutsche Bahn, Staus und Streiks beschweren, Indien toppt das alles um ein Vielfaches. Wer günstig durch Indien reisen will, der greift bevorzugt auf Bus und Zug zurück. Doch dabei gelten generell folgende zwei Faustregeln. Erstens: Der Zug fährt niemals pünktlich. Und Zweitens: Die Ankunftszeit ist ungewiss. So kann es gut sein, dass man vor Abfahrt mehrere Stunden am Gleis verbringt, ohne nähere Informationen über den Verbleib des Zuges zu erhalten. Abwarten und Chai trinken lautet die Devise.

Indische Eisenbahnen: Nicht imm ganz pünktlich wie hier auf der Eisenbahn nach Darjeeling. Foto: OZ
Indische Eisenbahnen: Nicht imm ganz pünktlich wie hier auf der Eisenbahn nach Darjeeling. Foto: OZ

Viel schlimmer ist es hingegen, wenn der Zug auf einmal schneller als erwartet am Zielbahnhof einrollt, während man noch mit Seelenruhe auf der Holzpritsche im Sleeper Wagon schläft. Damit man sein Ziel nicht verfehlt, empfiehlt es sich andere indische Bahnreisende um Hilfe zu bitten. Gerne informieren diese einen kurz vor Ankunft im Zielbahnhof, denn Durchsagen gibt es keine.

Während sich Inder beim Warten auf den Zug oder an der Kasse als unglaublich geduldig beweisen, bricht das Chaos aus, sobald es darum geht, den eingefahren Zug oder Bus zu betreten. Da wird gedrückt und geschoben ohne Rücksicht auf Verluste. In der Schlange einreihen und warten? Nicht in Indien! Ganz gleich ob am Fahrkartenschalter oder auf dem Gemüsemarkt, hier darf kräftig mit geschoben und gedrängelt werden.

9. Nichts ist umsonst!

Vor allem nicht für westliche Touristen in Indien. Ganz gleich ob Hotelpersonal, Taxifahrer oder Reiseführer, jeder erwartet für seinen Dienst ein angemessenes Trinkgeld. Häufig wird man in Tempelanlagen oder historischen Gebäuden vermeintlich ungezwungen von Einheimischen angesprochen, die einen unaufgefordert durch die Sehenswürdigkeit begleiten und über diese informieren. Kurz darauf geht die Hand auf und es wird eine Spende erwartet. Aus diesem Grund sollte man sich als Indien-Reisender mit ausreichend Kleingeld ausstatten oder derartige Dienstleistungen von vornherein deutlich ablehnen.

Auch Sehenswürdigkeiten sind nie umsonst. Im Gegenteil, als Tourist zahlt man für nahezu jeden Stein, den man sich anguckt. Und das nicht einmal wenig! Während ein Inder beispielsweise nur eine Eintrittsgebühr von 20 Rupien (ca. 25 Cent) für das Taj Mahal bezahlt, muss ein Tourist 750 Rupien (ca. 9,50 €) löhnen. Dazu kommen noch Gebühren für Fotoapparate oder Videokameras. Indien ist also nicht ganz so günstig, wie es viele Reiseblogs vermuten lassen.

10. Kautabak und Spucken

Dann wäre da noch die Sache mit dem Spucken. Die Inder lieben ihren Kautabak und ihre Betelnuss. Und jene, die dem Betelkauen verfallen sind, kann man unschwer an den rot verfärbten Zähnen und dem angegriffenen Zahnfleisch erkennen. In bunte kleine Plastiktütchen verpackt, gibt es Kautabak praktisch an jeder Ecke und hilft vielen Indern über den Hunger.

Gewöhnungsbedürftig: Das ständige Spucken beim Betelkonsum. Foto:  Indi Samarajiva / Flickr
Gewöhnungsbedürftig: Das ständige Spucken beim Betelkonsum. Foto: Indi Samarajiva / Flickr

Das Problem bei der Sache: Sowohl Kautabak als auch Betel regen den Speichelfluss an. Hat sich genug Tabak-Speichel im Mund angesammelt, so landet das rote Speichelgemisch mit einem lauten Räusper- und Spuckgeräusch überall. Es wird aus dem fahrenden Auto gespuckt, es wird im Bus gespuckt, es wird in engen Gassen zwischen den Menschenmassen gespuckt.

Ungünstig ist es natürlich, wenn der Betel- und Kautabak-Liebhaber sein Ziel verfehlt. Nicht selten landete die rote Betelmischung auch einfach auf meiner Wade. Nicht besonders lecker und ansehnlich! Schlimmer ist jedoch, dass viele Inder sich nicht über die negativen Auswirkungen ihrer Betelsucht bewusst sind. Betelkauen verfärbt nicht nur Zahn und Zahnfleisch, sondern ist auch noch hochgradig krebserregend.

Meine Empfehlung: Take it easy!

Die Meinungen über Indien variieren je nach Gemüt, Toleranz und Reisevorbereitung. Ein Pauschaltourist wird sicherlich ein anderes Indien erleben als ein Backpacker. Während einige nach weniger als zwei Wochen das Land fluchtartig verlassen, verlieben sich andere bis aufs Mark.

Indien ist anders. Indien ist schmutzig. Indien ist chaotisch. Und ja, das Reisen in Indien ist häufig anstrengend, verrückt und Nerven zerreißend. Doch wer sich über all die Eigenheiten Indiens bewusst ist, sie akzeptiert oder sogar mit einem Lächeln nimmt, der wird Indien bald lieben lernen und hinter die chaotische Fassade dieses faszinierenden Landes gucken können. Für mich ist INDIA also kein Akronym für „I’ll Never Do It Again“. Für mich steht INDIA vielmehr für „I Nearly Died In Adoration”.

DoreenDie Gastautorin
Das ist ein Gastbeitrag von Doreen. Unter dem Synonym „Isolde MaReisen“ berichtet sie seit Oktober 2014 auf ihrem fernsuchtblog.de über ihre Reisen. In ihrem Blog findet ihr auch nützliche Tipps für Backpacker, Outdoor-Erlebnisberichte und leckere Soulfood Rezepte aus aller Welt.Folge ihr bzw. ihrer Reise auf Facebook, Google+ oder Twitter.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

10 Kommentare

  1. Hupen, in keinem Land wird so oft die Hupe benutzt wie in Indien. Um jemanden zu grüßen, zu warnen, zum abbiegen, zum Umfahren von Gegenständen oder Menschen oder einfach nur so…

  2. Da kommt mir einiges bekannt vor. 😉 Das „never again“ habe ich von einigen Indienreisenden auch schon gehört und gelesen. Ja, Indien ist durchwegs nicht gerade ein „entspanntes“ Reiseland. Aber dafür gibt es hier unglaublich viel zu erleben. Indien ist so vielseitig und keineswegs „ein Land“. Es gibt große Unterschiede zwischen Nord und Süd und zwischen den verschiedenen Bundesstaaten. Das gefällt mir, immer wieder etwas neues zu entdecken.

    Liebe Grüße gerade aus dem wahrscheinlich entspanntesten und „unindischsten“ Bundesstaat: Goa.

    • Hallo Gerhard, das mit der gewaltigen Vielfalt Indiens stimmt natürlich. Den entspanntesten und „unindischsten“ Bundesstaat fand ich übrigens Sikkim. Das überrascht auch nicht, schliesslich ist es der jüngste. Warst du mal dort oben? Viel Spass in Indien weiterhin und liebe Grüsse, Oli

  3. Hallo Doreen,
    das hast du sehr genau beobachtet und interessant geschrieben. Seit 1993 scheint sich absolut nichts geändert zu haben (war für 6 Monate als Backpacker unterwegs). Keiner Tipp wie ich das ständige Fragen „Where you’re from?“ usw. für mich erträglich gestaltet habe. Habe mir lustige Namen ausgedacht und kam aus „Atlantis“ oder „Jenissei“…

    • Vielen Dank für das liebe Kommentar. Die Frage „Where you’re from?“ lässt wirklich viel Spielraum. Als ich einen netten Lassi-Verkäufer mit „Guess!“ aufforderte meine Herkunft zu erraten, antwortete er „Wow Guess, good country! Is in in Europe?“ Incredible India – du bringst mich immer wieder zum Schmunzeln!

  4. Ich könnte jeden Satz zu 100% unterschreiben!

  5. Irgndwie habe ich ja Bock auf Indien, aber irgendwie auch nicht. Was ißt man den am Besten dort?

    • Oliver Zwahlen

      Das indische Essen ist sehr vielseitig und total lecker. Am besten gehst du mal zum Inder um die Ecke und schaust, ob es auch dir schmeckt… 🙂

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