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Harar: Wie mich Hyänen vor ein moralisches Problem stellten

Farbige Mauern und eine von fast 100 Moscheen. Fotos: O. Zwahlen
Typisch Harar: farbige Mauern und eine von fast 100 Moscheen. Fotos: O. Zwahlen

Vermutlich kennst du das: Du weisst ganz genau, wie teuer etwas sein soll. Hast vielleicht sogar den genauen Preis abgemacht. Doch sobald es ans Zahlen geht, wird von dir ein Vielfaches verlangt. Wie reagieren? Ein paar Denkstösse zu einem klassischen Problem von Reisenden und meine Erfahrungen im äthiopischen Harar.

Der Scheinwerfer unseres Bajaj schneidet durch die Finsternis. Wir rumpeln im äthiopischen Tuk-Tuk zwischen verfallenen Häuserfronten durch, fahren einer Mauer entlang, weichen Menschen auf der staubigen Strasse aus. Dann biegt das Fahrzeug ab. Wir haben das Ziel erreicht: Das Stadttor von Harar. Hier werden jeden Abend Hyänen gefüttert. Ein Spektakel, das kaum ein Besucher verpassen will.

Auf dem Platz stehen bereits drei andere Taxis. Ein junger Äthiopier hat im Licht ihrer Scheinwerfer eine Plastikplane auf dem Boden ausgelegt. Neben ihm steht ein Korb voller Fleischstreifen. Der Mann legt sich auf den Boden, setzt sich wieder hin, ruft in die Dunkelheit, befestigt Fleisch an einem Holzstock.

Es dauert nicht lange, bis sich eine Hyäne aus dem Dunkeln nähert. Sie wirkt unsicher, schaut sich um, versucht nicht ins grelle Licht zu treten. Der Mann ruft wieder. Das Raubtier fasst endlich Mut und schleicht sich an. Vorsichtig zieht es das Fleisch vom Stock und macht gleich wieder ein paar Schritte zurück. Das wiederholt sich. Bei jedem Bissen wird das Tier etwas mutiger.

Nun ist die Zeit gekommen, dass auch die Touristen die Hyäne füttern können. Der Mann ruft den ersten zu sich. Es ist eine Amerikanerin. Sie muss sich auf die Plastikplane setzen. Der Mann hält den Stab über ihren Kopf, so dass die Hyäne nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht zubeisst. Ein Gänsehautmoment, den nach und nach jeder erleben kann, der darauf Lust hat. Nach zehn Minuten ist der ganze Spuk vorbei. Die Hyäne zieht sich (vermutlich satt) zurück.

Begegnung in den Seitengassen von Harar.
Begegnung in den Seitengassen von Harar.

Der Preis, der plötzlich nicht mehr gilt

Ein anderer Mann tritt auf uns zu. Er will, dass wir 100 Birr für die Veranstaltung bezahlen. Das sind umgerechnet etwa vier Euro – also ein Betrag, der keinem Besucher weh tut. Auch mir nicht. Das Problem ist nur: An der Rezeption unseres Hotels hatten wir uns über den Preis informiert und uns war fest versichert worden, dass der Preis genau die Hälfte beträgt. Auch in meinem Reiseführer war von 50 Birr die Rede und eine chinesische Backpackerin, die am Vortrag am gleichen Ort war, hatte ebenfalls nur 50 bezahlt.

Es bestand kein Zweifel: Wir sollten übervorteilt werden, weil wir es nach all den guten Erfahrungen in Äthiopien versäumt hatten, vor Beginn der Veranstaltung nach dem Preis zu fragen. Ein Anfängerfehler, ich weiss. Aber in diesem Augenblick stehe ich vor der gleichen Frage, die ich mir in solchen Situationen immer wieder stelle: was ist die richtige Art zu reagieren?

Wenige Minuten später stellte sich die gleiche Frage noch einmal. Nachdem uns das Taxi zu unserem Hotel zurückgebracht hatte, verlangte der Fahrer 300 Birr. Anders als bei der Fütterung hatten wir uns in diesem Fall aber vor der Fahrt auf einen Preis von 100 Birr geeinigt. Nun behauptete unser Chauffeur plötzlich, dass sich der Preis nicht auf das Fahrzeug bezog, sondern pro Person zu entrichten sei.

Ich bin mir sicher, dass dies kein Missverständnis war, da ich genau das extra nachgefragt hatte. Hinzu kommt, dass bereits 100 Birr ein stolzer Preis für lokale Verhältnisse ist. Für eine ähnliche Distanz haben wir zuvor meist zwischen 10 bis 15 Birr bezahlt. Pro Wagen, nicht pro Person. Noch ein weiterer Vergleich: Eine Tellerwäscherin, die ich ein paar Tage zuvor interviewt hatte, muss im Monat mit 400 Birr auskommen.

Alltagszenen bei den kleinen Verkaufsständen im historischen Zentrum.
Alltagszenen bei den kleinen Verkaufsständen im historischen Zentrum.

Was mich daran stört

Die 3 Euro, um die es letztlich geht, sind mir egal. Sie sind mir auch dann noch vollkommen gleichgültig, wenn ich daran denke, dass wir in manchem Hotel in Äthiopien für eine Nacht weniger bezahlt haben. Zu Hause in der Schweiz bekomme ich für diesen Betrag nicht einmal eine Cola im Restaurant. Und trotzdem fühle ich mich jedes Mal, wenn ich in eine solche Situation komme, als hätte mir jemand eine Ohrfeige verpasst.

Es ist das Gefühl, dass mich jemand für dumm verkaufen will. Es ist die Gewissheit, dass mich mein Gegenüber nicht respektiert. In solchen Situationen regt sich in mir etwas, das mir sagt: „Das darfst du nicht auf dir sitzen lassen! Bringe ihm Respekt bei!“ Vielleicht kennst du dieses Gefühl aus eigener Erfahrung? Dann beginne ich – je nach Laune – eine Viertelstunde um 50 Cents zu feilschen, oder ich führe mir vor Augen, dass sich die Aufregung für so wenig nicht lohnt.

Mit einigem Abstand versuche ich dann zu überlegen, was die richtige Art ist, auf solche Situationen zu reagieren. Um diese Gedanken soll es hier gehen.

Marktstände in der UNESCO geschützten Altstadt von Harar.
Marktstände in der UNESCO geschützten Altstadt von Harar.

Drei schlechte Alternativen

Im Prinzip habe ich drei Alternativen. Im Verlaufe meines Reiselebens habe ich alles bereits mindestens einmal probiert und keine davon fühlt sich befriedigend an:

1. Sobald ich einen Betrug wittere, laufe ich davon, ohne überhaupt etwas zu bezahlen.

2. Ich beharre auf den richtigen/abgemachten Preis und streite so lange, bis ich ihn bekomme.

3. Ich akzeptiere und bezahle, was von mir verlangt wird.

Alternative 1 ist nicht in Ordnung. Wer etwas konsumiert oder eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, der muss sie auch entgelten. Da lässt sich auch nichts konstruieren, wenn man auf den erzieherischen Charakter hinweist. Bei den beiden anderen Punkten ist das schwieriger.

Wieso du überrissene Preise nicht akzeptieren solltest

Ich kenne viele Reisende, die solche Preiserhöhungen einfach hinnehmen. Manche merken sie überhaupt nicht, andere wollen sich wegen kleinen Beträgen nicht rumärgern, nochmal andere trauen sich nicht, etwas zu sagen. Manche glauben sogar, dass sie etwas Gutes tun, wenn sie mit Geld um sich werfen.

Das war auch auf dem staubigen Platz von Harar der Fall. Als wir auf den richtigen Preis beharrten, begannen uns andere Touristen zu beschimpfen. Wir seien ja viel reicher als die Einheimischen und hätten die moralische Pflicht, die Menschen an unserem Reichtum teilhaben zu lassen, fand die Amerikanerin, welche die Hyäne als erste füttern durfte. Wer nichts ausgeben will, solle doch besser zu Hause bleiben.

Das ist natürlich Unsinn. Ich kann jeden verstehen, der nicht um Centbeträge streiten will. Aber wenn wir schon mit Ethik argumentieren wollen, dann hätten wir wohl eher die Verpflichtung, die Preise auf ein lokales Niveau zu drücken. Und zwar aus folgenden Gründen:

Bunt gemalte Fassaden prägen das Stadtbild von Harar.
Bunt gemalte Fassaden prägen das Stadtbild von Harar.

Grund 1

Der Tourismus birgt in armen Ländern die Gefahr, wirtschaftliche Anomalien zu bilden. Da fast jeder Besucher deutlich reicher ist als die meisten Einheimischen, lässt sich im Tourismus viel mehr Geld verdienen als in anderen Wirtschaftszweigen.

Beispiele lassen sich viele finden. In Südchina gibt es Dörfer, die durch den Tourismus so viel mehr als durch die Landwirtschaft verdient haben, dass eine wachsende Zahl von Bauern begann, die Reisfelder zu vernachlässigen. Dadurch wurde genau das beschädigt, was die Besucher anfangs angezogen hat.

In Kuba gibt es einen Ärztemangel. Die Gründe hierfür sind natürlich vielfältig. Aber einer davon ist, dass ein Doktor schlicht mehr verdient, wenn er ein Zimmer an Touristen vermietet oder sie in einem Auto rumchauffiert, als wenn er in einem Krankenhaus operiert.

Grund 2

Eine paradoxe Beobachtung ist, dass Menschen nicht zwingend reicher werden, wenn man ihnen mehr bezahlt. Das liegt daran, dass der Geldwert sich letztlich nicht im Nennwert manifestiert, sondern in der Kaufkraft.

Vor einigen Jahren habe ich von einer Studie über die ökonomischen Auswirkungen des Tourismus auf den indischen Bundesstaat Goa gelesen. Ich konnte die Quelle nicht mehr finden und erinnere mich nicht mehr an alle Details. Im Wesentlichen ging es aber um die Folgen von unterschiedlichen Preisen, die In- und Ausländer bezahlten.

Da Einheimische von Touristen höhere Preise erzielen konnten, verkauften sie gewisse Waren nicht mehr an die Menschen vor Ort. Da die Einheimischen aber auf die Waren angewiesen waren, mussten sie ebenfalls höhere Preise bezahlen.

Die Folge lässt sich leicht absehen: Zwar floss durch den Tourismus mehr Geld in die Region, doch war die Zunahme der Preise höher als die Zunahme der Einnahmen. Kurz: Die Kaufkraft sank und die Menschen wurden unter dem Strich ärmer.

Taxi im neueren Teil von Harar.
Taxi im neueren Teil von Harar.

Grund 3

Verkäufer werden langfristig ihre Waren und Dienstleistungen zum höchsten Preis anzubieten, den ein grosser Teil von Reisenden gerade noch bereit zu zahlen ist.

So lässt sich etwa erklären, wieso das Taj Mahal für Ausländer sage und schreibe 30 Mal teurer ist als für Inder – und das, obwohl es womöglich mehr indische Millionäre gibt als reisende Millionäre. So lässt sich erklären, wieso die Fahrt in die Danakil-Senke in Äthiopien fast gleich viel kostet wie der Flug von Europa nach Äthiopien.

Fazit

Auf Grund dieser Überlegungen glaube ich, dass es besser ist, anständige, aber korrekte Preise zu bezahlen, als mit Geld um sich zu werfen. Die strukturellen Probleme der Dritten Welt löst man damit sicherlich nicht.

Aber es ist vielleicht ein Beitrag, um die Anomalien nicht noch grösser werden zu lassen, die Preise nicht unnötig in die Höhe zu treiben und dafür zu sorgen, dass sich auch kommende Generationen leisten können, die Welt zu entdecken.

Letztlich muss jeder für sich selber entscheiden, wie er in solchen Situation reagiert. Wir haben dem Tierfütterer 50 Birr bezahlt und den nicht gebuchten Reiseführer trotz Geschrei leer ausgehen lassen. Dem Taxifahrer legten wir die 100 Birr auf den Beifahrersitz und gingen ins Hotel. Ich glaube, das Richtige getan zu haben. Ein bitterer Beigeschmack bleibt aber.

Die bunten Kleider der Frauen gehören zu den Highlights vor Harar.
Die bunten Kleider der Frauen gehören zu den Highlights vor Harar.

Zwei wichtige Ergänzungen

Ich habe in diesem Artikel ein Erlebnis aus Äthiopien gewählt. Ich hätte aber genauso gut ein Beispiel aus Indien, Marokko oder Thailand wählen können. Die kleinen Schummeleien sind in Äthiopien nicht schlimmer als in anderen Urlaubsregionen (in Harar allerdings etwas stärker als in anderen Teilen des Landes). Generell habe ich die Menschen im Land als sehr ehrlich empfunden. Mehr zu den Menschen in Äthiopien habe ich hier geschrieben.

Aus einer Laune heraus nahm ich meine Kamera nicht zur Fütterung der Hyänen mit. Wenn ich sehe, wie die Bilder von anderen Touristen geworden sind, bereue ich die Entscheidung nicht. In der stockdunklen Nacht lassen sich nun mal auch mit Scheinwerfer keine vernünftigen Fotos schiessen. Ich habe deswegen den Artikel mit Aufnahmen von Harar bebildert, die am Tag entstanden sind und den Charme dieser einzigartigen Stadt gut einfangen können.

Diese Äthiopien-Reise von Florian vom Flocblog und mir fand mit freundlicher Unterstützung von Ethiopian Airlines statt. Alle Meinungen, Bilder (sofern nicht anders gekennzeichnet) und Empfehlungen sind meine eigenen.

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Über Oliver Zwahlen

Passionierter Blogger. Im Herzen freier Reisejournalist, aber derzeit Büroangstellter mit Wohnsitz im chinesischen Peking. Siehe auch: Google+

23 Kommentare

  1. Sehr ehrlich geschrieben und Glückwunsch zu dem Mut so ein polarisierendes Thema anzusprechen.

    Ich finde das Totschlagargument „Es sind doch nur 4 Euro“ sehr schädlich. Es geht wie Du schreibst nicht um 4 Euro, es geht um gegenseitigen Respekt.

    Außerdem geht es um die Eskalations-Spirale. Je mehr Touristen überhöhte Preise und Betrugsfälle kommentarlos akzeptieren, desto häufiger und heftiger kommen sie vor.

    Ich finde die „Common Scams“-Seite auf Wikitravel sollte zur Pflichtlektüre erklärt werden 😉
    http://wikitravel.org/en/Common_scams

  2. Ein interessantes und wichtiges Thema. Und gut ge- und beschrieben. Ich sehe das im wesentlichen genau so. Konkret sehe ich auch zu, in der Ferne nicht zu viel zu bezahlen, d.h. mich nach Möglichkeit auch nicht übers Ohr hauen zu lassen (wenngleich das nicht immer gelingt…). Andererseits bin ich gern bereit, freiwillig etwas mehr zu bezahlen, wenn ich aus freien Stücken mehr bekomme, als ich eigentlich erwartet habe und vereinbart war. ich muss da z.B. spontan an einen Rickshaw-Fahrer in Indien denken, der mich jenseits der vereinbarten Route und des entsprechenden Preises zu Zielen gefahren hat, die ich nicht „auf dem Schirm“ hatte (ohne dafür zusätzlich etwas zu verlangen). So etwas honoriere ich dann auch gern und das zeugt dann m.E. genau so von Fairness und Respekt wie ich es ja auch erwarte und wie Du es ja auch sehr gut beschrieben hast …

    • Danke für diese wichtige Ergänzung, Wolfgang. Ich möchte den Text natürlich nicht als einen Aufruf zu einer Geiz-ist-geil-Mentalität missverstanden wissen. Fairness ist keine Einbahnstrasse: Wir können sie nicht nur einfordern, sondern müssen uns auch selber an ihre Prizipien halten. Gelingt mir nicht immer, aber ich arbeite dran… 🙂

  3. sehr gut geschrieben, das habe ich auch hier bei uns in Kenia oft erlebt und erlebe es immer wieder. Der Umgang damit ist echt nicht einfach.
    Und immer wieder, auch nach Jahren, zahlt man oft drauf. Ich komme damit klar aber viele Gäste sind verärgert und empfehlen deshalb auch Kenia nicht als Reiseland, obwohl es fast überall so ist.
    Ich habe es gelikt, gerne mehr solche Berichte.

  4. Sehr guter Artikel mit den richtigen Gedankengängen! Wir halten auch nichts davon, uns über den Tisch ziehen zu lassen. Wir versuchen den Preis möglichst immer passend dabei zu haben und wenn jemand anfängt zu diskutieren, dann erklären wir noch mal höflich, was abgemacht war und gehen dann einfach. Meistens wird das dann akzeptiert.
    Wir haben in Jaipur (Indien) auch erlebt, dass Tuk Tuk Fahrer gar keine Einheimischen mehr transportieren, weil sie bei den Touristen viel mehr melken können. Wir selbst wollten mal eine kurze Strecke mit einem Tuk Tuk fahren; uns wurde dann aber der Weg versperrt, weil wir uns nicht auf eine Tagestour eingelassen haben. Da wurde uns so richtig vor Augen geführt, wie der Tourismus eine Stadt versauen kann.

  5. Richtig guter Artikel über ein Thema, das ziemlich komplex ist und worüber man wohl ganze Romane schreiben könnte. Zuerst einmal: ich hätte es in den beschriebenen Situationen genau so gemacht wie du. Vieles, was du beschriebst, kenne ich aus Ghana. Dort ist es im Grunde immer so, dass z.B für eine Taxifahrt vorher der Preis ausgemacht wird, der Fahrer am Ende eigentlich fast immer mehr möchte. Ich zahle eigentlich immer nur den Preis, der vorher abgemacht war und finde das auch völlig legitim. Möchte man mehr haben, kann man es ja versuchen und den Preis direkt höher ansetzen. Gerade in solchen sogenannten Dritte-Welt-Ländern bleibt da irgendwie immer ein fahler Beigeschmack, aber dennoch denke ich, dass es so, wie du es handhabst, der richtige Weg ist. Das „gute“ in Ghana ist aber, dass die Menschen, sobald sie merken, dass du zumindest teilweise ihre Landessprache sprichst und verstehst, gar nicht mehr versuchen, dir das Geld aus der Tasche zu ziehen und dir direkt den Obibini-Preis, also den Preis, den Einheimische zahlen, nennen. Ein anderes Beispiel ist allerdings der Kakum Nationalpark. Davor hängt ein riesiges Schild, auf dem geschrieben steht, dass jeder willkommen ist und keine Unterschiede gemacht werden zwischen den Herkunftsländern. Der Witz ist aber, dass beim Eingang ein Preisschild hängt, auf dem du erfährst, dass du als Ghanaer gerade einmal 10 Cedis Eintritt zahlen musst und als Europäer, Amerikaner etc darfst du dann fast 60 Cedis zahlen. Da bleibt einem dann aber auch nichts anderes übrig als den Preis zu zahlen.

    • Vielen Dank. Ich denke, das mit der Landessprache trift in vielen Ländern zu. Die gleiche Beobachtung habe ich auch in China gemacht, wo seit Jahren niemand mehr versucht hat, mich zu übervorteilen. Ich dachte lange, dass dies damit zusammanhängt, dass das Land reicher geworden ist und deswegen weniger Mogeleien nötig sind. Das ist vermutlich auch tatsächlich so. Aber was ich von anderen höre, gibt es die Probleme immer noch. Deswegen bin ich ganz bei dir: Wer ein bisschen die Landessprache spricht und signalisiert, dass er sich im Land und mit den Preisen auskennt, wird wohl als „schwieriger Gegner“ eingestuft und eher in Ruhe gelassen.

  6. Ja ich finde das auch teilweise quatsch. Macht der eine es, machen es andere und zehn mal 4 Euro ausgeben sind dann plötzlich 40 Euro.

    Ich reise gern und viel. Dafür spare ich aber an allem. Und wenn ich dann mal weiter wegfliege, dann musste ich dafür ein Jahr Trinkgeld sparen, Lohn zur Seite legen, bekomme zu Weihnachten Unterstützung für den Flug usw. – man kennt das. Und dann stehe ich vor dem Problem und werde richtig traurig. In vielen Ländern ist es ja auch so, dass Weiße den 100fachen Preis an Eintritt zahlen müssen. Nur weil ich aus Deutschland komme, heißt es ja nicht, dass mein Bankkonto Tischleindeckdich ist.

  7. Ein sehr interessanter Artikel mit einem wichtigen Thema, über das wir uns sicher alle schonmal den Kopf zerbrochen haben. Da kann ich auch gar nichts mehr hinzufügen, Du hast es rundum beschrieben: Eine wirklich optimale Lösung gibt es nicht. Ich hoffe, Dein Artikel hat noch ne SEO-Überschrift, es wäre schade, wenn er nicht über google gefunden werden würde, schon alleine, damit man ihn z.B. solchen Leuten wie der Amerikanerin mal zeigen kann. Das – leider häufig in diesem Zusammenhang etwas kleingeistige – Denken mit dem Vorwurf der Postkolonialen Ausbeutung geht mir beizeiten nämlich auf den Zeiger. 😉
    Du hast jedenfalls sehr gute Argumente dagegen.
    Viele Grüße
    /inka

    • Hallo Inka,

      nein, eine SEO-Überschrift habe ich keine. Ich wüsste auch gar nicht, auf welches Keyword ich diesen Artikel optimieren könnte. Aber ganz ehrlich: Ich glaube, dass es für solche Themen ohnehin kein Suchvolumen gibt. Das ist eher etwas für die Stammleser und ich hoffe natürlich, dass der Text auch in der einen oder anderen Blogschau verlinkt wird.

      Liebe Grüsse,
      Oli

  8. Spannendes und gleichzeitig schwieriges Thema. Was hab ich mich schon „geärgert“ übers Feilschen. Egal welchen Preis man erzielt, es bleibt (zumindest bei mir) meist ein unangenehmes Gefühl zurück. Entweder habe ich den Eindruck viel zu viel bezahlt zu haben oder aber ich könnte als Geizkragen gelten, weil ich um 50 Rappen gehandelt habe.

    Den Artikel hast du echt gut geschrieben und ich bin mit dir einer Meinung!

    Die Bereitschaft von teils ahnungslosen Touristen viel zu hohe Preise zu bezahlen kann weitreichende Auswirkungen haben. Ich habe das in China so erlebt: Einmal wollte ich gefälschte Converse-Schuhe im Yashow Market in Beijing kaufen. Ich kenne den angemessenen Preisbereich hierfür und spreche Chinesisch. Nichtsdestotrotz habe ich eine Menge Überzeugungskraft aufwenden müssen, um die Verkäuferin dazu zu bringen, mir die Schuhe zu diesem Preis zu überlassen. Kein Wunder, denn der nächste Kunde einigte sich mit der Verkäuferin auf einen mehr als doppelt so hohen Preis. Für unsere Verhältnisse war der Preis auch so noch in Ordnung / günstig und er sprach kein Chinesisch.

    So passiert dann eben genau das, was bereits angesprochen wurde: für den Verkäufer lohnt es sich nicht mehr den Gegenstand/Dienstleistung Einheimischen und dort wohnenden, der Landessprache mächtigen Ausländern zu verkaufen… Alle müssen die hohen Preise bezahlen….

  9. Spannender Artikel und gut durchdachte Gründe!

    Ich stimme dir zu, das mit ausgemachten Preisen, die letztendlich nicht eingehalten werden, ist wirklich nicht in Ordnung und da sollte man auch nicht vorschnell klein beigeben.

    Aber generell ist das mit dem Handeln auf Reisen so eine Sache. Ich war unterwegs schon oft genervt von Reisenden, die ums Biegen und Brechen nicht den Preis bezahlen wollten, der angegeben war. Zum Beispiel auf dem Weg nach Machu Picchu. In der Alternativroute fährt man erst mit einem Fernbus, dann mit einem Kleinbus. Der Fernbus fährt für etwa 6 Stunden und kostet genauso viel wie der Kleinbus bzw. das Sammeltaxi, das nur 1,5 Stunden fährt. Zwei Mitreisende wollten das auf keinen Fall einsehen und diskutierten sage und schreibe eine Dreiviertelstunde mit dem Fahrer auf abgrundtief schlechtem Spanisch („Wir Geld, du viel Geld!“), bis er uns einen Rabatt gab. Mein Argument, dass auch in Deutschland ein Taxi nun einmal teurer ist als ein Bus, wollten sie nicht einsehen. Mir war das insgesamt irgendwann nur noch peinlich, fremdschämen pur… Bei feststehenden Preisen, die auch die Einheimischen so zahlen, sollte man es echt nicht übertreiben, finde ich 😉

    • Im Prinzip sehe ich das genauso wie du. Ein Preis ist dann fair, wenn er für beide Seiten stimmt und keinen diskriminiert.

      Zu deinem Beispiel: Ich kenne die konkrete Situation vor Ort nicht. Aber im Falle von Machu Picchu könnte es sich auch um Preisabsprachen zwischen den einzelnen Anbietern handeln. Das ist eigentlich in Ländern, die der Welthandelsorganisation beigetreten sind, illegal. Insofern finde ich es richtig, zu zeigen, dass nicht alle bereit sind, jeden Fantasiepreis zu bezahlen. Dass die dich nervenden Reisenden kein so gutes Spanisch sprechen, mag zwar den Nerv-Faktor erhöhen, sollte meiner Meinung aber nicht als Urteilsgrundlage dienen, ob ihr Beharren auf einem günstigeren Preis richtig oder falsch ist.

  10. Leider kommen die Pingbacks derzeit nicht mehr bei mir an. Hier also eine manuelle Liste von allen Verlinkungen, die ich gefunden habe:

    Bezirzt: Storytelling Monatsrückblick November: http://bezirzt.de/storytelling-monatsrueckblick-november/

    Sonnenstrahlenmomente: Novembergeschichten: http://sonnenstrahlenmomente.blogspot.de/2015/12/novembergeschichten.html

    My Travelworld: Tellerrand-Ausguck 11/2015 – was gibt’s bei anderen Reiseblogs im November: http://www.my-travelworld.de/tellerrand-ausguck-reiseblogs-november/

    Vielen Dank an euch… 🙂
    Oli

  11. Ein sehr schöner Beitrag, der zum Nachdenken zwingt. So war ich bisher im Zweifel, ob man um Kleinstbeträge feilschen oder die einheimische Bevölkerung verdienen lassen sollte, schließlich sind drei Euro gleich einer Cola und tun unsereins nicht weh. Doch Deine Argumente widerlegen eine solche Denkweise. Vielen Dank für den Anstoß! 🙂

  12. Hey Oliver,
    danke für den Artikel. Ich habe mir die gleiche Frage in Thailand bei den TukTuks gestellt. Die Einheimischen bekommen fast keinen TukTuks mehr, weil die Fahrer an den Touristen um einiges mehr verdienen. Ich habe mir daher angewöhnt, fast immer, zu laufen.

    Danke und viele Grüße,
    Julian

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