Montag, 18. Dezember 2017
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Göttervogel der Nebelwälder Costa Ricas – Der Quetzal

Der Quetzal: Göttervogel und Wappentier in Zentralamerika. Foto: Frank Vassen (Flickr)

Costa Rica ist ein tropisches Naturparadies mit einer unglaublichen biologischen Vielfalt. Auch der Quetzal, einer der faszinierendsten Vögel der Welt, findet hier seinen speziellen Lebensraum. Insbesondere das Gebiet am Cerro de la Muerte empfiehlt sich als Ort zur Quetzalpirsch. Ein Abenteuer auf verschlungenen Pfaden im Nebelwald.

Plötzlich deutet der Guide in das neblige Kronendach des Regenwaldes. Die Gruppe blickt gespannt auf einen smaragdfarbenen, schillernden Umriss, der mit dem grünen Dickicht zu verschmelzen scheint. Mit einer langsamen Bewegung dreht sich das Tier in Richtung der Gruppe und enthüllt mit seinem roten Brustfleck endgültig das Geheimnis seiner Identität: Es ist der Quetzal. Beim Anblick des Göttervogels sind alle Anstrengungen der anderthalbstündigen Exkursion durch den auf 2650 Metern Höhe gelegenen costa-ricanischen Nebelwald in der Region am Cerro de la Muerte (Berg des Todes) vergessen.

Schon die Azteken und Mayas verehrten den Quetzal als ihren glücksbringenden Göttervogel. Ausschließlich Könige, Adelige, Priester und tapfere Krieger durften sich mit den langen prachtvollen Schwanzfedern des männlichen Quetzals schmücken. Wie tausend Smaragde sollen die Schmuckstücke aus Quetzalfedern geschillert haben. Sie waren für diese Kulturen vermutlich wertvoller als Gold und häufig Bestandteil von Ritualen. Damals bezahlte man für das Töten dieses Vogels mit seinem Leben. Man fing ihn aus diesem Grund lebend, riss ihm die Schwanzfedern aus und ließ ihn danach wieder frei. Legenden besagen, dass sich der Vogel in Gefangenschaft selbst töten würde. Aus diesem Grund wurde er ein Symbol der Freiheit. In Guatemala ist der Göttervogel bis heute auf der Nationalflagge, der Währung (Quetzales) und dem Wappen präsent geblieben und in diesem Land trotzdem mit am stärksten bedroht.

Der Quetzal, von Wissenschaftlern auch Pharomachrus mocinno genannt, lebt ausschließlich in den immerfeuchten Nebelwäldern Mittelamerikas auf etwa 1200 – 3000 Metern Höhe. Durch die rasant voranschreitende Ausdehnung der Agrarflächen sind diese Gebiete besonders stark gefährdet. Diese Tatsache gilt neben der Bejagung wegen seiner wertvollen Federn als die Hauptursache für die Bedrohung dieser Vogelart. Seit dem Jahr 2000 steht der Quetzal auf der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources). Zum Schutz der Regenwälder und seiner Bewohner tragen in Costa Rica mittlerweile über 20 Nationalparks, sowie einige Biologische Stationen und Privatreservate bei.

Kurz nach dem Frühstück in der Finca Mirador des Quetzales beginnt die Reisegruppe auf dem Privatgelände der Familie Serrano in der Region Cerro de la Muerte ihr Abenteuer, um den Göttervogel zu finden. Denn bei Sonnenaufgang während der Brutzeit (März bis Juni) sind Quetzalpärchen besonders verlässlich zu sehen. Geführte Quetzaltouren kosten hier ab sechs US-Dollar pro Person und dauern etwa anderthalb Stunden. Auf verschlungenen Pfaden, wie dem fünf Kilometer langen El robedal, kann man auch auf eigene Faust durch den Regenwald streifen und sich von der einzigartigen bunten Pflanzen- und Tierwelt verzaubern lassen. In der ruhigen Gegend am Cerro de la Muerte, dem höchsten Berg des Landes, gibt es noch unberührten Nebelwald und eine sehr vielfältige Vogelwelt. Auch das etwa zehn Kilometer südlicher gelegene Dorf San Gerardo de Dota ist ein Geheimtipp zur Quetzalpirsch. Mit etwa zwei Fahrstunden Entfernung von San José ist diese Region der ideale Ort für den Ausklang Ihrer Costa Rica Reise.

 Auch unter Costa Rica-Kennern ist diese Gegend ein beliebtes Ziel für Exkursionen. Herr Dr. Mummenhoff, Professor für Botanik an der Universität Osnabrück, empfiehlt die auf der Pazifikseite gelegene Region auch als eine botanische Besonderheit. „In diesen Höhenlagen finden sich generell außerordentlich viele Epiphyten (Aufsitzerpflanzen), darunter vor allem Orchideen und prächtig gefärbte Bromelienarten. Was dieses Gebiet jedoch zu einem besonderen botanischen Erlebnis macht ist der, auf bis zu 3000 Metern Höhe gelegene, immergrüne tropische Eichenwald.“, berichtet er aus eigener Erfahrung. „Hier ist meist jeder Millimeter der Eichen mit epiphytischen Flechten, Moosen, Farnen, Bromelien und Orchideen überzogen, da ihre Rinde eine besonders gute Auflagefläche für die Aufsitzerpflanzen darstellt.“ Die Region Cerro de la Muerte ist also ganz im Gegensatz zu der Bedeutung ihres Namens eine sprudelnde Quelle des Lebens und eine der letzten Heimatstätten des spektakulären Göttervogels.

Insidertipps:

Wenn Sie diese Höhenlagen in Costa Rica besuchen möchten, nehmen Sie warme Kleidung mit. Es kann sehr kalt werden.

Informationen zum Schutz und zur Beobachtung des Quetzals in Guatemala finden sie u.a. auf diesen von Herrn Prof. Dr. Schulz (Hochschule Eberswalde, Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz) empfohlenen Webseiten:

http://www.proeval-raxmu.org/

http://www.chelemha.org/deutsch/index.html?http://www.chelemha.org/deutsch/spenden.htm

Über Kerstin Grimmelmann

2 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag.
    Wir waren im September am Cerro de la Muerrte, auf auf der Finca der Familie Serrano.
    Ausser den Ausflügen die diese Anbietet kann ich die auch zur Übernachtung empfehlen, die Besitzer sind sehr freundlich und aufmerksam. Man sollte auf jeden Fall mit einem Führer unterwegs sein. Wir sind am Vortag alleine unterwegs gewesen, habe aber wenig gesehen.
    Am nächsten Tag ging es dann frühmorgens los nach fast zwei Stunden hatten wir dann das Glück ein Quetzal Männchen zu sehen und sind diesem dann noch ein Halbe Stunde gefolgt.
    Es war schwierig zu fotografieren. Man sollte auf jeden Fall ein gutes Teleobjektiv und ein Stativ dabei haben.
    Insgesamt hatten wir Glück da im September nur wenig Vögel unterwegs sind bzw. diese ständig den Standort wechseln. Zur Brutzeit ist es einfacher.

    • Kerstin Grimmelmann

      Danke für den netten Kommentar! Die Empfehlung zum Teleobjektiv ist sehr gut, mit einer normal ausgestatteten Kamera kommt man meist nicht nah genug an den Vogel heran.

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