Freitag, 15. Dezember 2017
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Geröstetes Gold: Auf den Spuren des kolumbianischen Kaffees

Die Kaffeezone im Kolumbien gehört wegen ihrer schönen Landschaft seit 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe. Foto: Anastasova

Die Arabica-Bohne aus Kolumbien gilt nicht nur bei Kennern als eine der besten Kaffeesorten der Welt. Ein Großteil der Produktion stammt aus kleinen Familienbetrieben, die sich problemlos besuchen lassen. Ein Ausflug ins Paradies der Kaffeeliebhaber zeigt aber auch, wie stark der Kaffeeanbau mit der Geschichte des Landes zusammenhängt.


Zwischen kräftigem, aromatischem Kaffeegeschmack und üppiger Vegetation, intensiven Farben und starkem Sonnenschein scheint ein enger Zusammenhang zu bestehen. Mitten im Dschungel, versteckt zwischen Bananenpalmen, Avocado- und Mangobäumen, Bambusgewächsen und Blumen steht ein rot und weiß gestrichenes Gebäude, das die Farbenvielfalt der Umgebung noch betont. Wir befinden uns auf der Kaffee-Hazienda Venecia in der Nähe von Manizales, die Hauptstadt der kolumbianischen Provinz Caldas. 2011 ist die ganze Region zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden.

Autorin Mariya Anastasova riecht an den Kaffeestauden.

Die Gegend ist abgelegen. Schon die Anreise zur hoch in den Anden gelegenen Kaffeefarm ist alles andere als einfach. Weder Busse noch Sammeltaxis fahren die ganze Strecke bis zum Anwesen. Wer über genügend Energie verfügt, kann zwar von der Straße bis zum Eingang der Hacienda wandern. In den meisten Fällen informiert aber der Busfahrer das Personal des Kaffeeguts, damit diese die Gäste abholen.

„Kolumbien war lange Zeit hauptsächlich mit Drogenhandel und Kriminalität assoziiert und wird daher bis heute als Reiseziel eher gemieden“, erzählt die kleine und äußerst gesellige Reiseführerin, die uns von der Autobahnausfahrt abholt. Die bessere Sicherheitslage und die höhere politische Stabilität der letzten Jahre würden allerdings dazu beitragen, dass sich Kolumbien nach und nach von diesem Negativ-Image lösen kann, hofft sie.

Kaffee als Wirtschaftsmotor

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte Kolumbien ein nie dagewesenes Wirtschaftswachstum erlebt. Die Blütezeit lässt sich auf das geröstete Gold zurückführen: In den 1920er Jahren machte Kaffee bis zu 90 Prozent der kolumbianischen Exporte aus und ermöglichte es dem Land, in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu investieren und die staatlichen Institutionen zu stärken. Vieles hat sich seither geändert. Doch noch heute ist Kolumbien weltweit der zweitwichtigste Exporteuer von Arabica-Bohnen.

Von der einstigen Blütezeit zeugt auch das Anwesen mit den zwei Unterkunftshäusern im ländlich-kolonialen Baustil und gut gepflegten, geräumigen Gästezimmern. Wer Lust und Zeit hat, kann hier problemlos übernachten. Mit uns befinden sich abenteuerlustige Menschen aus der ganzen Welt in diesem versteckten Kaffeeparadies: Ein argentinisches Paar bereist im Stil von Che Guevara Lateinamerika auf Motorrad, ein Deutscher ist per Anhalter und ein Holländer mit dem Fahrrad unterwegs. Am Abend sitzen sie alle zusammen und erzählen sich bei einem Aguardiente, einem einheimischen Schnaps,  von spät abends bis früh morgens spannende Travellergeschichten.

Am nächsten Tag steht eine zwei- bis dreistündige Wanderung durch die steilen Hügel auf dem Programm. Unentwegt geht es an hohen Kaffeebüschen vorbei. Trotz der tropischen Hitze sind wir froh, lange Hosen und Wanderschuhe dabei zu haben.

Ein energetischer Plantagenmitarbeiter, dessen braun gebrannte Haut und kräftiger Körper eine Vorstellung davon geben, wie hart die tägliche Arbeit im Kaffeefeld sein muss, führt in den ganzen Prozess von der Aussaat über das Dreschen und Anrösten bis zum Eingepacken des Produkts ein. „Früher wurde  die Marke Venecia hauptsächlich exportiert und nur in exklusiven kleinen Läden in Europa und den USA angeboten“, sagt er.  Dies habe sich jedoch in den letzten Jahren rasch verändert und mehr und mehr Kaffee werde auch auf dem kolumbianischen Markt verkauft.

Abseits des Trampelpfads

„Der größte Teil des Tourismus findet an der Karibikküste statt“, weiß Wolfgang Glück. Der Deutsche hat das Kleinunternehmen Cafeteratours gegründet und bietet individuelle Rundreisen durch die Kaffeezone an. Glück ist überzeugt, dass sich die Schönheit der kolumbianischen Bergwelt bald herumspricht, denn viele seiner Besucher fanden die Kaffeeregion einen der eindrücklichsten Bestandteil ihrer Reise. „Die Kaffeeregion holt deutlich auf.“

Die meisten Kaffeerundreisen dauern weniger als drei Tage. „Doch wer die Kaffeeregion etwas näher kennenlernen will, sollte mindestens eine Woche bleiben“, empfiehlt Glück. Dafür gibt es allen Grund: Neben der Hacienda Venecia befinden sich auch zahlreiche weitere Plantagen in der kolumbianischen Bergwelt, die sich zwar genauso gut besuchen lassen, sich aber doch stark von einander unterscheiden. „Venecia ist sehr industriell, die Hacienda Guayabal macht eher auf  traditionell, der Prozess im Bosque del Saman ist verbunden mit der Möglichkeit eines Canopy-Walks“, so Glück.

Praktische Tipps:

Beste Reisezeit: Der Sommer (Dezember bis März) ist besonders trocken.

Auslastung: Auf Grund von geringen Kapazitäten sollte man den Rundgang oder die Übernachtung im Voraus buchen.

Ausrüstung: Für den Rundgang durch die Kaffeeplantage und ausgedehnte Spaziergänge durch die Umgebung sind Wanderschuhe empfehlenswert. In der Nähe der Hacienda gibt es ein natürliches Thermalbad und mehrere Wasserfälle. Badesachen gehören also auch ins Gepäck.

Über Mariya Anastasova

Ein Kommentar

  1. Kann man nur zustimmen, die Kaffeeregion ist traumhaft schön.

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